Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 256 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 256 —!. Dezember 1932 DIE STIMME Seite 7 jüdische Wähler zionistische Liste UrtsnfUhrer Dt. Deihhr Frtetfmann, Oberbaura' ln«. Robert Stricker, Dr. Josef töweither* Achtung vor IrrfumI lirnfl» lillisiiiliriortaniiilii» fifti nur eine »ioniatisehe Sitte. Sie heißt: „Zionistische jCiste“ Samstag, den 3. Dezember, 20.30 Uhr, Prater (Sängerhalle), Ausstellungsstraßc IO"7 ttstewwfüfirer l>r. Desitfer &riedmann, Cftertiaurot Intf. (Dotiert ftricftcr, Df. Jose/ ftiivenfterzj Redner: Frau Erna P a t a k, Dr. Desider Friedmann, Jede zionistische Stimme, welche nicht für die „Zionij stische Liste» abgegeben wird, geht verloren. Die «D cmo> j kra tische Liste», Listenführer: Dr. Plaschkes, ist als j mutwillige Demonstration gegen die einheitliche zionistische | Liste entstanden. Ihre Führer haben ans nichtigen Gründen ein Zusammengehen auf einer gemeinschaftlichen zionistischen Liste abgelehnt. Zwischen dieser demokratischen Liste und der zionistischen Liste besteht daher kein Zusammenhang, auch nicht eine Koppelung. Es geht daher jede für diese Liste t abgegebene Stimme der gemeinsamen zionistischen Liste verloren. Nur die «Union» und di« «Werktätigen Juden» könnten aus dieser Zersplitterung Nutzen ziehen. j **+ | Die vorstehende .Mitteilung, die wir bereits in unserer vorwöchentlichen Ausgabe veröffentlicht haben, hat die Führer der «Demokratischen Liste» derart aus ihrem seelischen Gleichgewicht gebracht, daß sie in ihrem Organ in seitenlangen Artikeln Ihr gequältes Herz vor der jüdischen Wählerschaft ausschütten. Politische Unanständigkeit, Bonzenhaß, tückischer Verrat ist das allermindeste, was sie den zionistischen Listenführern vorzuwerfen haben. Kein Kraftausdruck aus dem der jüdischen Oeffentlichkeit nur allzu gut bekannten «demokratischen» Schimpflexikon fehlt diesmal. Der Paroxysmus der Schimpfwut hat sich wieder einmal gründlich ausgetobt. Daß dabei die Wahrheit zu kurz kommt, tut nichts zur Sache. Es gibt Menschen, für die Schimpfen ein Argument, ja noch mehr, das einzige Argument ist. Die «Demokraten» haben schon lange vor der Wahl ihre eigene Liste angefkündigt. Als dann später die zionistischen Einigungsbestrebungen einsetzten, wurde ihnen der Beitritt zur gemeinsamen Liste unter den gleichen Bedingungen, wie allen anderen zionistischen Gruppen offen gehalten. Sie machten das Zusammengehen von Voraussetzungen abhängig, von deren Unannehmlichkeit sie von vornherein überzeugt waren. Nicht das Wahlrecht war — wie sie jetzt vorgeben — der Streitpunkt. Denn für das allgemeine Wahlrecht sind auch die anderen zionistischen Gruppen seit jeher mit verantwortungsvollem Eifer, wenn auch vielleicht nicht mit dem gleichen Wortgetöse wie die patentierten «Demokraten» eingetreten. Das Hindernis der Einigung war ihre überhebliche Forderung, daß ihre Partner sich für die zukünftige Mandatsperiode durch Reverse verpflichten sollten, sich in allen wichtigen taktischen Fragen dem Diktat der demokratischen Minderheit zu fügen. Den Beitritt zu einem gemeinsamen Klub der zionistischen Kultusvorsteher lehnten sie ab. Die allgemeinen und die revisionistischen Zionisten haben — womit die Demokraten rechneten — diese mutwillige, an sie gestellte Forderung als unannehmbar bezeichnet, worauf sich die Demokraten beeilten, umgehend die Verhandlungen als gescheitert zu erklären, ohne vorher auch nur den geringsten Versuch zu machen, eine friedliche Einigung herbeizuführen. Sie waren glücklich, den von allem Anfang gesuchten Vorwand, für eine selbständige Kandidatur gefunden zu haben. Der Wahlkampf, den sie eröffneten, richtete sich ausschließlich gegen die «Zionistische Liste». Er wurde zum Gaudium unserer Gegner mit jener Hemmungslosigkeit geführt, die dieser Gruppe eigen ist. Die zionistischen Wähler aber versuchten sie dadurch zu ködern, daß sie ihnen erzählten, sie hatten mit den übrigen Zionisten die Listenkoppelung vereinbart, keine Stimme, die für ihre Liste abgegeben werde, gehe den Zionisten verloren. Ihre Taktik war darauf abgestellt, auf den Krücken unserer Reststimmen in die Kultusstube einzuziehen. Erzeugung und Reparatur von flirrenunr Pyjama. Biusan Kieidtr. Hemden Anfertigung nach Maß Spezialität: Arzte- und Pflegerinnenm&ntel Strümpfe reparieren, stopfen, anstrleken Bßßim AuafilXmuig Praia« Uflschegescinnt arm und Martha Epstein Wien. Vm„ Skodageese 30 Telephon B 40-7-78 Nächst Alseretraße Tatsächlich haben die Demokraten knapp vor Ablauf der Frist an alle wahlwerbendcn zionistischen Gruppen das Verlangen gerichtet, mit ihnen zu koppeln. Die «Zionistische Liste», aber nicht nur diese, sondern alle zionistischen Gruppen haben eine Koppelung mit den «Demo- I kraten» abgelehnt, weil sie der Ansicht waren, daß ein wenn! auch nur wahltechnischer Zusammenschluß mit ihnen der j Prämiierung ihrer Disziplinlosigkeit gleichkäme. Der Wahlkampf nähert sich seinem Höhepunkt. Die von der Zionistischen Organisation entfaltete Agitation hat zu einem umfassenden Erfolg geführt. Die aufgerufenen Wählermassen bekunden durch ihr Erscheinen in den in allen Bezirken abgehaltenen Versammlungen ihre Sympathie und ungeteilte Zustimmung zu dem von den Kandidaten der «Zionistischen Liste» vertretenen Kultu&gemeindeprogramm. Eine große Zahl der bereits abgehaltenen Wählerversammlungen, in welchen alle prominenten Führer der österreichischen zionistischen Organisationen zu Worte kamen, konnten die Wählermassen nicht fassen, die das zionistische Kultusgemeindeprogramm und die Berichte der Wahlwerber hören wollten. Die über die abgelaufene Mandatsperiode erstatteten Berichte der Vorstände Dr. Friedmann, Dr. Löwenherz usw. riefen Stürme der Begeisterung hervor und man konnte aus der ungeteilten Zustimmung erkennen, daß die Wählerschaft wünscht, die Zionistische Liste möge in dem j gegen Verantwortungslosigkeit, Verdächtigung und mit wenig Anständigkeit von der Gegenseite geführten Wahlkampf einen vollen Erfolg erringen. Eine besondere Note erfährt der diesmalige Wahlkampf durch das Eingreifen des Herrn Oberbaurat Ing. Stricker, der mit altbewährtem Mut und Eifer für die Zionistische Liste kämpft. Eine betrübliche Erscheinung ist es, daß der Wahlkampf, der von unserer Seite mit aller Vornehmheit und Schonung der Person geführt wurde, durch das beispiellose Benehmen der Kandidaten der vereinigten Listen der Union und Werktätigen die häßlichsten Formen angenommen hat. Man muß sich die größte Zurückhaltung auferlegen, um nicht in die Kampfesweise der Gegenseite zu verfallen, um nicht in den von diesen geschaffenen Sumpf zu versinken. foxiatdemohraten und Jfiuituswahll Ächtung i vor Wahtschivindei f Das Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokratie, die «Arbeiter-Zeitung», veröffentlichte am 23. November folgende offizielle Erklärung der sozialdemokratischen Parteileitung: In der nächsten Zeit findet die Neuwahl des Vorstandes der Wiener Israelitischen Kultusgemelnde statt Wir haben in einer am 1. November erschienenen Notiz dazu Stellung genommen und mitgeteilt, daß die Sozialdemokratie, getreu dem Grundsatz des Parteiprogramms «Religion ist Privatsache», jede Beeinflussungkonfessioneller Wahlen grundsätzlich ablehnt und keine der an diesen Wahlen beteiligten Gruppen unterstützt. Trotzdem versuchen ln diesem Wahlkampf zwei einander bekämpfende Gruppen, bei ihrer Propaganda von der Mitgliedschaft einzelner Wahlwerber in der sozialdemokratischen Partei Gebrauch zu machen oder an die Wähler unter Hin weisauf die Zugehörigkeit der Partei zu appellieren. Wir stellen neuerdings fest, daß jedes Parteimitglied, das sich an diesen Wah* len ln einer Religionsgemeinschaft beiriSe IiliisiUlimrsiiilni Samstag, den 3. Dezember, 20.30 Uhr, Handelsmuseum, IX., Berggasse 16 Redner: Ing. Robert Stricker, Dr. Desider Friedmann, Dr. S. W o 1 f Dr. Josef Löwenherz, Dr. Jakob Ehrlich Darob mm die große Wut des Dr. Plaschkes und Konsorten, die es so schlau eingefädelt hatten: Sich der Einigkeit widersetzen, die zionistische Liste bekämpfen, aber mit ihr koppeln und mit ihren Rcststimmcn gewählt werden. Die Rechnung war falsch, aber das haben die «Demokraten» nur sich selbst zuzuschreiben. Eine ungeheure Genugtuung bereitet es den Vertretern der Zionistischen Liste und ihren Anhängern, daß die groß« Masse der indifferenten Wählerschaft sich mit Ekel und Abscheu von dieser Gesellschaft abwendet, die sich als Nichtnationale Liste zur Eroberung der Kultusgemeindc zusammengeschlossen hat. Ja, das ließen sich die Herren der Union bestimmt nicht träumen, daß eine Unzahl ihrer Anhänger das beschmutzte Lager verlassen. Diese wenden sich den Vertretern des aufrechten, bewußten Judentums zu; sie werden diesmal von Wahrhaftigkeit und uneingeschränkte! Liebe zum eigenen Volke angezogen, der Zionistischen Liste ihre Stimmen geben. In der vergangenen Woche hatten die Wahlversammlungen der Zionistischen Liste einen derartigen Besucherzustrom zu verzeichnen, daß nahezu alle Versammlungen wegen Ueberfüllung geschlossen werden mußten. Speziell im II. und XX. Bezirk, wo natürlich das Interesse für die jüdischen Wahlen am größten ist, finden täglich mehrere Versammlungen statt. Wir erwähnen bloß die große Samstag- Versammlung im Hotel Continental, wo die Zuhörer Kopf an Kopf dicht gedrängt die Redner begeistert, akklamierteß; Eine Versammlung, die Montag im «Bayrischen Hof» stattfand, war vor Beginn polizeilich gesperrt, eine Paralellversammlung im großen Saal des Hotel «Sächsischer Hof» mußte ebenfalls wegen Ueberfüllung geschlossen werden. Gleichzeitig fanden im XX. Bezirk mehrere überfüllte Ver- | Sammlungen statt. Besondere Erwähnung verdient eine Verj Sammlung, die Sonntag vormittags im Votivpark-Kino statt- ’ fand und derart überfüllt war, daß vielen Hunderten der j Eintritt verwehrt werden mußte. Der Weg ist frei für den Einzug der treuen Hüter jüdischer Ehre und jüdischer Inferj essen! teiligt, dies nicht in seiner Eigenschäft als Sozialdemokrat tut und daß kein• Gruppe das Recht hat, sich in irgendeiner Form auf die sozialdemokratische Partei zu berufen. * Trotz dieser eindeutigen Erklärung wird in Reden und Aufrufen an die sozialdemokratische Parteizugehörigkeit der Wähler appelliert! Das ist Wahlschwinde!! Versammlungskalender der religiösen Liste „Misrachi“ Donnerstag, den 1. Dezember 1932: 19.30 Uhr: Kultuswählerve rsammlunig im Beth Hakneseth «Ansche Emes», X., Favoritenstraße 106. Redner: Doktor Memfefl Rosenberg, Dr. Sehalom Lilienfeld, J<udia Kitai* gorotziky. 19.30 Uhr: Saal des Cafe «Lengen, 11., Patzimainiten* gasse 20 (Eingang Volikertplafz 15). Redner: Samson Leenmann, Dr. Josef Rosmer, Dr. Lilienfeld, Isalk Teitelbaum. Schabbath, den 3. Dezember 1932: 15 Uhr: Acbwa w’Reuth, II., Taborstraße 59. Redner: Dr. Mernfl Rosenberg, Dr. Sehalom Lilienfeld, Jakob Josef Schächter. 15 U'hr: Betlli Haiknesofh «Olise Tow», HI., Radetzikysiraße 29. Redner: Dr. Sehalom Lilienfeld, Isaak Neumann, Wolf Tuchimann, Juda Kitaigorotzky. 19 Uhr: Großer Saat der jüdischen Voüks/kücI>e, 11., Kruimmbaumgais&e 8. Redner: Dr. Mendt Rosenberg, Doktor Sehalom Lilienfeld, Jakob Josef Schächter. 19.30 Uhtr: Cafe «Wiiem (Winkler), II., Stuwerstnaße 1. Redner: Dr. Mendl R osenberg, Kultusrat Viktor Baum Inger, Dr. Josef Rosner, Juda Kitaiigoroüzky. Beh. konz. Realbüro ING. M. NUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Der Wahlkampf auf dem Höhepunkt 8938