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Die Stimme · 1932-11-18 · Heft 254 (18.11.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 254 (18.11.1932)
Date
1932-11-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die Mandatskommission des Völkerbundes, beschäftigte sich in ihrer diesjährigen Session, wie wir bereits kurz berichtet haben, mit der Palästina-Frage. Die Erklärung, die der High Commissioner für Palästina General Sir Arthur Wauchope in der Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes am 10. November in Genf bei Beginn der Palästina-Beratung abgegeben hat, lautet in ihren wesentlichen Punkten: Nach meinem ersten Amtsjahr als High Commissioner für Palästina und Transjordanien habe ich nun die Gelegenheit, Ihnen, Herr Vorsitzender, und den Mitgliedern der Mandatskommission meine Achtung in angemessener Form zu bezeugen. Während des verflossenen Jahres habe ich es als meine Aufgabe betrachtet, jeden Distrikt des Landes zu durchreisen und mit Angehörigen aller Klassen in den Städten und Dörferp. in den jüdischen Kolonien und in deri' Landdistrikten zusammenzukommen. Ich glaube darum, daß es für Sie von einigem Interesse sein wird, wenn ich Ihnen gegenüber die Meinung ausspreche, die ich mir über die allgemeinen Verhältnisse und die größeren Probleme in Palästina und Tränsjordanien gebildet habe. Der Bericht, der der Kommission jetzt vorliegt, umfaßt eine vor nahezu einem Jahre abgeschlossene Periode, die nur einige Monate meiner Amtstätigkeit einschließt. Diese meine Erklärung beschränkt sich darum auf einen kurzen Ueberblick über die zeitlich nähergerückte Entwicklung; mein stellvertretender Chefsekretär, Herr Moody, wird dann auf alle jene Fragen Antwort erteilen, die sich aus dem gesamten Jahresbericht ergeben. Als ich in Palästina eintraf, sagte ich in meiner ersten Ansprache, daß ich über die Probleme des Volkes und des Landes noch viel zu lernen hätte. Ich habe auch heute noch nach dieser Richtung viel zu lernen. Ich nannte damals drei Hauptaufgaben, die der High Commissioner vor sich hat: 1. Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit; 2. Förderung des freundschaftlichen Zusammenlebens aller Teile der Einwohnerschaft und Unterstützung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung; 3. Erhöhung des Vertrauens zwischen der Bevölkerung und der Regierung. Was die Sicherheit anbetrifft, so ist Ihnen bekannt, daß fast ein Drittel der öffentlichen Einkünfte für den Landesschutz und die Polizeimacht ausgegeben wird, wodurch die auf die Entwicklung des Landes abzielende Arbeit der Regierung schwer gehandikapt ist. Ich erachte die Aufrechterhaltung des Friedens und des Vertrauens zu der allgemeinen Sicherheit von Leben und Eigentum als von größter Bedeutung. Die unseligen Ereignisse aus dem Jahre 1929 sind aus der Erinnerung noch nicht ausgelöscht. Noch fehlt es an einem allgemeinen Wohlwollen zwischen allen Teilen der Einwohnerschaft. Ohne ein allgemeines Gfühl der Sicherheit kann es aber wenig Glück und Fortschritt geben. Ich fürchtenicht einen Angriffvonaußen, aber das Land hat ausgedehnte Grenzen, und selbst eine so geringfügige Begebenheit wie der Einfall von Ibn Rifada in den Hedschas im vergangenen Sommer zeigt, wie notwendig es ist. daß die Regierung genügend Streitkräfte zu ihrer Verfügung hat. Die Regierung muß in der Lage sein, in solchen Fällen sofort eitigreifen zu können und jedem Zeichen von Unruhen unter den Beduinenstämmen prompt zu begegnen. Unser Nachrichtendienst, die erste Verteidigungslinie in der Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit, wird neu organisiert; er ist wirksamer, als er vor einem Jahre war, ich bin dessen gewiß, daß er in einem weiteren Jahre noch wirksamer sein wird. Die Organisation unserer Verteidigungsformationen, die unter dem Kommando des Kommandierenden Offiziers für das Flugwesen stehen, befriedigt mich vollkommen. Der High Commissioner wies im weiteren Verlauf seiner Erklärung auf die noch immer große Zahl von Morden, Straßenraub und Feldfrevel in Palästina hin und unterstrich in diesem Zusammenhang die Bemühungen der Regierung, die Streitkräfte in höchster Bereitschaft zu halten. Ich werde, schloß er diesen Teil seiner Rede, weder heute noch in naher Zukunft eine Einschränkung der Ausgaben für Landesschutz und für die Polizeimacht empfehlen können. Der High Commissioner gab dann ein längeres Exposi über die wirtschaftliche Lage Palästinas, erklärte, die wirtschaftlichen Grundlagen in Palästina seien gesund, und wies insbesondere auf die Entwicklung von Industrie und Bauwesen hin. Er zählte dann die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung und die Maßnahmen zur Erleichterung der Lage der Fellachen auf. Der French-Bericht, sagte der High Commissioner, wird gegenwärtig von arabischer wie von jüdischer Seite geprüft; bevor nicht die Kommentare bei der Regierung eingelangt sind, hält es die Regierung nicht für angemessen, irgendeine Erklärung zu dem Thema zu geben. Der High Commissioner teilte mit, daß ein Agrikulturrat in Palästina gebildet wurde und daß aus den Kreisen der Bevölkerung nichtoffizielle Mitglieder in den Eisenbahnausschuß und in den Wegeausschuß kooptiert wurden. Leider, fügte er hinzu, sind mehrere arabische Mitglieder aus diesen Ausschüssen ausgeschieden, und ich fürchte, daß die Zahl derer, die uns auch weiterhin ihre Mitarbeit versagen werden, sich erhöhen wird. Hinsichtlich des Moslemitischen Obersten Rates (Supreme Moslem Council) erklärte der High Commissioner, die Regierung beabsichtige, diese Körperschaft zu eirter Repräsentanz der öffentlichen Meinung der Moslems auszugestalten; heute setzt sich der Supreme Moslem Council aus von: der Regierung ernannten Mitgliedern zusammen. Die englische Regierujig hält an dem Plan des Legislative Council f$si: - Der High Commissioner hofft auf die Zustimmung der arabischen und jüdischen Führer Auf eine Frage von Lord Lugard, dem englischen Mitglied der Mandatskommission, hinsichtlich des Standes der Frage der Schaffung eines Legislative Council in Palästina erklärte der High Commissioner Sir Arthur Wauchope: Die Absicht der Regierung, einen Legislative Council zu schaffen, besteht nach wie vor; wir werden Schritte zur Bildung eines Legislative Council ergreifen, wenn die jetzt in Vorbereitung befindliche neue Local Government Ordinance in Kraft getreten sein wird. Der Entwurf der Ordinance ist den Repräsentanten der verschiedenen Munizipalitäten übermittelt worden, und wir erwarten ihre Meinungsäußerung hierzu. Ich hoffe, daß es möglich sein wird, diese Ordinance, deren Zweck es ist, die Teilnahme lokaler Vertreter an munizipaler Verwaltung zu erweitern und zu erleichtern, Anfang 1933 in Kraft treten zu lassen. Ich hoffe zuversichtlich, daß die Stimmung gemäßigt sein wird und daß die Führer beider Parteien die Vorschläge betreffend Schaffung eines Legislative Council akzeptieren werden. Diese Vorschläge werden notwendigerweise defini- WÖCHENTLICHE KREUZFAHRTEN im ÖSTLICHEN MITTELMEER 18 Tatftt auf der II all «ii Aagypltn Palästina u. Syrien Rhodos u. Cyparn Türkei Griechenland Fahrpreise für die ganze Fahrt von<:a. 8.700 aufw / a kiinfte u. Prospekte: A»loyd. TrtasUvO, Wien, I« -.arntnoirüiff fl j Tel. U-47-ß-flO LLOYD TRIESTINO j FLOTTE RIUNITE LLOYD TRIESTINO-MARITTIMA ITALIAH A-SITM AB I trve Sicherungen nach der Richtung enthalten, daß unter keinen Umständen der Friede und die Sicherheit des Landes gefährdet oder die Durchführung des Mandates gehemmt werden könnten. Unser ganzes Bestreben, fügte der High Commissioner hinzu, geht dahin, Palästina gemäß den Wünschen beider das Land bewohnender Rassen zu regieren. Sobald diese Wünsche miteinander in Konflikt geraten, benutze ich alle Mittel, um einen Ausgleich herbelzuführen. Erweisen sich diese Bemühungen als nutzlos, dann muß die Regierung, ohne der Kritik zu achten, jene Politik durchführen, die sie für die beste Im Interesse der Gesamtbevölkerung und als mit dem Mandat übereinstimmend hält Am 11. November nachmittags beendete die Mandatskommission ihre Beratungen über das Palästina-Mandat. Der Jischuw einmütig gegen Legislative Councii Jerusalem. Die vom High Commissioner General Sir Arthur Wauchope in der Sitzung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes abgegebene Erklärung, daß die Regierung Schritte zur Bildung eines Legislative Council in Palästina unternehmen werde, sobald die neue Verordnung über die lokalen Selbstverwaltungsorgane (Local Government Ordinance) zu Beginn des Jahres 1933 ln Kraft getreten sein wird, hat in Palästina Ueberraschung hervorgerufen. Obwohl diese Erklärung mit vorangegangenen Mitteilungen von Regierungsseite, daß der Errichtung munizipaler Selbstverwaltungen die Schaffung eines Legislative Council folgen soll, übereinstimmt, ist sie wegen ihres definitiven Tones dennoch aufgefallen. Die allgemeine Stimmung ln der jüdischen Bevölkerung Palästinas ist entschieden gegen einen Legislative Council, indemdiejudeneine hoffnungslose Minderheit sein sollen. Sämtliche jüdischen Zeitungen des Landes sprechen sich mit größter Entschiedenheit gegen die Schaffung eines solchen Legislative Council aus. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, beabsichtigt die Jewish Agency nicht, irgendwelche konstitutionelle Aenderungen auf anderer als auf der vom letzten Zio* CESCHKÄ m KAlSERSTR. 123 #r. Alserstfl $ SJ6 -S18 - S20 - nlstenkongreß In Basel aufgestellten Basis in Erwägung zu ziehen; die diesbezügliche Entschließung des Basler Kongresses geht bekanntlich dahin, daß eine Körperschaft, in der die jüdische Vertretung durch eine arabische Majorität an die Wand gedrückt werden könnte, nicht in Betracht gezogen werden dürfe. Der Waad Leumi als das Exekutivorgan der Knesseth Jisrael hat bekanntlich nach Veröffentlichung des letzten englischen Palästina-Weißbuches eine Resolution gefaßt, in der es heißt, daß der Jischuw nie an einer parlamentarischen Institution teilnehmen wird, die darauf ange.egt ist, den Aufbau des Jüdischen Nationaiheims zu hemmen. G’ück und Fortschritt der arabischen Bevölkerung, heißt es in dieser Resolution weiter, sind von jüdischer Einwanderung und Kolonisation mehr abhängig als von allen Tätigkeiten der englischen Administration; wir sehen in der Zusammenarbeit mit unseren arabischen Nachbarn die beste Garantie für steten Fortschritt und Frieden im Lande. Warschauer Einsiurx- Uaiasirophe Zwei jüdische Familien getötet Warschau. Bei der Warschauer Einsturzkatastrophe in der Krochmalnagasse, bei der durch Einsturz eines großen Lagerhauses ein Wohnhaus verschüttet und zerstört wurde, sind auch zwei jüdische Familien umgekommen. Unter den 18 Personen, die tot aus den Trümmern gezogen wurden, befinden sich der 65jährige jüdische Schuster David Gergel sein 21 jähriger Sohn Leib, ferner die bei ihm in Untermiete wohnende 36jährige Lea Gombinska, ihr 5jähriges Töchterchen und 1 54 jähriges Söhnchen. Der Mann der Gombinska und der zweite Sohn des Gergel konnten lebend geborgen werden, sie befinden sich mit schweren Verletzungen km Hospital.

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