Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 251 (27.10.1932)
- Date
- 1932-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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O* A Zu der ^ai Kultuswahlen - Seilt TI V, b. K BEZUGS- BEDINGtlNGEN Oesterreich monat lieh S I SO, Vierteljahr l. S 4*20, ganz jährl. . . S 16*— Deutachld vierte) jährl. RM V— Tscheche Slowakei viertelj Kr 24'— (uROslawien viertel jährl Dü» 40'- Poler Vierteljahr lieh Zloty 0 50 Ungarn Vierteljahr lieh Pengö 4'20 Rumänien viertel lahrl Lei 120- Uebriger Ausland Vierteljahr! Schw Franke» 4*50 S. Jahrgang **t Jüdisdte Zeitung mm■ Wien, Donnerstag, 27« Oktober 1932 (27. Tischri 5693) Preis 35 g Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, L. KÄrntner Straße 28 Tel R-27 4-8C Postsparkassenkonti: Oeaterr. D 113.546 . Polen 191.199 lachecho* Slowakei . 500.230 fugoslawien 40.879 Nummer 251 Oie slonisllsehe Litte für «leis Kultutvoettand eriaßt folgenden Aufruf An die zionistische Wählerschaft! Der hochwichtige Kampf um die Wiener Judengemeinde hat begonnen; in knappen fünf Wochen wird die Entscheidung fallen, ob die Wiener Judengemeinde von Menschen geleitet und verwaltet werden soll, die am jüdischen Volkstum festhalten, seine Stärkung und Entwicklung anstreben; oder, ob die Wiener Judengemeinde unter die Herrschaft von Elementen geraten soll, die das Judentum Stück für Stück preisgeben. In Anerkennung der schweren Verantwortung haben sich die beiden zionistischen Gruppen zu einer gemeinsamen Liste vereinigt, um das Ideal Herzls, die Kultusgemeinde in eine jüdische Volks - gemeinde zu verwandeln, zur Erfüllung zu bringen. . Das Zentralwahikomitee der «Zionistischen Liste», das aus' den Herren Dr. Josef L ö w e n h e rz, Ing. Eugen Buc h b i n d e r, Ignatz M ü 11 e r, Gerson W i t 11 i n,' Ministerialrat Moses Wein e r und Fritz Richter besteht, hat seine Tätigkeit begonnen und ersucht die Zionistische Wählerschaft, nachfolgenden Zeilen größte Aufmerksamkeit zu widmen: •Das Zentralwahlkomitee kann gar nicht nachdrücklich genug auf die enorme Wichtigkeit der Mithilfe aller nationalen und zionistisch eingestellten Juden verweisen. Noch niemals war der Ruf «Alle Mann a n Bto r d» richtig gewählt, wie in diesem Moment, wo die Zionisten einen schweren’ Kampf gegen eine geschlossene Front erbitterter und haßerfüllter Gegner Noch liegen die jüdischen Opfer des vorwöchigen brutalen Hakenkreuzüberfalls an der Wiener Universität und Technik in schwerverletztem Zustande darnieder, ■ noch hat sich in der breitesten jüdischen Oeffentüchkeit die Empörung über den Terror der Hakenkreuzstudenten nicht gelegt, als von neuen Terrorakten gegen die jüdische Studentenschaft an der Universität gemeldet wird. Der Naziterror, unter dem die jüdische Studentenschaft ununterbrochen steht, der das nackte Leben eines jeden jüdischen Studenten aufs schwerste gefährdet, wächst geradezu zu einem ganz großen Skandal, der, da diese Vorfälle die offene oder stillschweigende Unterstützung von seiten der höchsten akademischen Behörden finden, der österreichischen Regierung noch manche Unannehmlichkeit bringen wird. Ein rechtzeitiges Eingreifen der Staats-, ja auch der Stadtbehörden ist von größter Notwendigkeit. Je früher, desto besser. Wir haben rechtzeitig gewarnt. * Ueber den letzten skandalösen Vorfall liegt der «Stimme» folgender Bericht vor: An der Wiener Universität hat sich gestern ein skandalöser Vorfall zugetragen, der deutlich zeigt, wie sehr sich das Rektorat den Hakenkreuzterror über den Kopf wachsen läßt, so daß es gegen ihn auch dann ohnmächtig ist, wenn es seine Uebergriffe ausnahms-t weise einmal zurückweisen will. Gestern mittags ersuchten drei Vertreter des Jüdischen Hochschulausschusses um eine Unterredung mit Rektor Dr. Abel, die ihnen auch gewährt wurde. Um %\ Uhr mittags wurden drei Vertreter des Ausschusses, auszufechten haben werden. Säumen Sie daher nicht und stellen Sie sich sofort dem Wahlkomitee, das seine Tätigkeit II., Praterstraße 13 (Telephon R 44-3-45, Bureaustunden von 9 bis 9 Uhr), eröffnet hat, zur Verfügung, und sorgen Sie auch, daß aus Ihrem zionistischen Verwandten- und Bekanntenkreis niemand der Arbeit fernbleibe. Sorgen Sie ferner dafür, daß das Zentralwahlkomitee so rasch wie möglich in den Besitz größerer Geldbeträge gelange. Betrachten Sie unseren heutigen dringenden Appell als eine Mahnung, daß der Erfolg der «Z i o n i s t i s c h e n Liste» einzig und allein davon abhängt, w i e wir diesen schweren Kampf führen können. Ein Wahlkampf kostet Geld; weil wir in der heutigen schweren Zeit auf größere Zuwendungen nicht rechnen können, ist es unerläßlich, daß. jeder einzelne mit Hilfe der vom Zentralwahlkomitee ausgegebenen' Sammelblocks trachte, der «Zionistischen Liste» die Mittel zum Wahlkampf zukommen zu lassen. * Da am 2 8. Oktober die Reklamationsfrist für die Kultuswahlen abläuft, ist es von besonderer Wichtigkeit, daß SiesofortindieWählerlisten (Zentralwahlleitung, II., Praterstraße 13, oder Revisionistenheim, II., Untere Augartenstraße 38) Einblick nehmen, ob Sie, Ihre Verwandten und Bekannten darin enthalten sind. die Herren Dr. Kornmehl, Teich und Nagler, von einem Pedell zum Rektor geführt. Auf dem Wege durch die Aula wären sie von Hakenkreuzlern niedergeschlagen worden, die sich auf einen Pfiff zum Ueberfall zusammenrotteten. Als aber der Pedell energisch erklärte: «Meine Herren, wer Hand an diese Herren legt, den zeige ich an!» wichen die Hakenkreuzler zurück. Der Rektor hatte mit den Vertretern der jüdischen Hochschüler eine mehr als dreiviertelstündige Unterredung, über deren Inhalt sie sich ehrenwörtiieh verpflichten mußten, zu schweigen. Als die Unterredung beendet war, erklärte der Pedell den drei Vertretern, daß sich inzwischen in der Aula die ganze S. S. und S. A. der Hakenkreuz- Studenten, ungefähr 300 an der Zahl,, versammelt hätten und daß er — wortwörtlich so — für das Leben der drei Personen nicht garantie in könne. Der Rektor erbot sich darauf, die drei Vertreter durch zwanzig Pedelle ins Freie geleiten zu lassen. Die drei erklärten aber mit Recht, dies als lächerlich und entwürdigend abzulehnen, da sie als Vertreter m HÄI5ER5TR. 123 k.Alserstr. 6 S 16 - S!$•- S 20eines Teiles der Wiener Studentenschaft sich nicht wie zum Tode verurteilte Neger durch einen nach Lynchjustiz dürstenden Mob eskortieren lassen könnten. Inzwischen waren die drei Vertreter ier jüdischen Hochschüler in der Universität Gefangene der Hakenkreuzrowdies. Immer wieder erschienen die Pedellen und versicherten, daß es unmöglich sei, die drei Leute vor der Lynchjustiz der Hakenkreuzler zu schützen. Geschlagene fünf Stunden dauerte es, bis man die drei Vertreter der jüdischen Studentenschaft an der Wiener Universität durch die verfinsterte Aula über eine Geheimtreppe und durch ein Hinterpförtchen ins Freie brachte. Die Hakenkreuzler an der Universität haben offenbar den Rektor für sein «undeutsches» Verhalten damit bestraft, daß sie gegen seinen Willen den drei jüdischen Vertretern fünf Stunden Universitätskarzer zudiktierten. * Der «Wiener Tag» berichtet über die schwere Mißhandlung eines jüdischen Studenten durch Hakenkreuzler folgendes: Dr. Moses H. wurde auf der Quästur von Hakerikreuzlern angestänkert und erlitt mit einem Instrument einen Schlag; auf den Hinterkopf. Der Polizeiarzt stellte fest, daß von der Wunde sieben Schnitte sternförmig verliefen, so daß es sich vermutlich um ein mit Nägeln gespicktes Schlaginstrument handelt. Dr. Moses H. wurde vom Kommissariat Schottenring durch die Rettungsgesellschaft nach Hause gebracht. * Protest gegen Rektor Abel Wie wir erfahren, haben die zionistischen Mandatare der Wiener Kultusgemeinde gegen das Vorgehen Rektor Abels, der es verabsäumt hat, durch rechtzeitige Herbeiholung von Polizei die unerhörten Vorfälle zu verhindern, energisch Protest eingelegt. Rumänisches Unterrichtsministerium für die sabbathtreuen Schüler Die jüdischen Parlamentarier und Führer der großen jüdischen Organisationen und Gemeindeverbände in Rumänien führen seit Jahren einen zähen Kampf um Befreiung der jüdischen Schüler in den Staatsschulen von schriftlichen und sonstigen manuellen Arbeiten an Sabbath- und jüdischen Festtagen. Als Ergebnis dieser Bemühungen ist ein soeben vom Kultusministerium an die Leitungen aller Staatsschulen hinausgegebener Erlaß anzusehen, in welchem diese angewiesen werden, bei Aufstellung der Stundenpläne nach Tunlichkeit die Ansetzung von Unterrichtsstunden hn Schreiben und in Handfertigkeitsgegenständen an Sabbath¬ und jüdischen Feiertagen zu vermeiden. Der Erlaß de» Unterrichtsn^nisteriums betont ausdrücklich, daß diese Maßnahme zu treffen sein, um einem wiederholt geäußerten Wunsche der jüdischen Bevölkerung zu entsprechen. . kl jüdischen Kreisen hat der Schritt des Kultusministeriums, obwohl er die jüdischen Forderungen nicht zur Gänze befriedigt, als Zeichen des Verständnisses für die religiösen Belange der sabbathtreuen Bevölkerung Genugtuung ausgelöst. Zwei Mitglieder der neuen tschechoslowakischen Re* gierung Juden Prag, ln dem neuen tschechoslowakischen Kabinett, da» unter Führung des früheren Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Malypetr gebildet wurde, sind Dr. A. Meißner al» Minister für Justiz und Dr. Ludwig Cech als Minister für soziale Fürsorge verblieben. Die beiden Minister sind Juden; Dr. Meißner wurde von der tschechischen, Dr. Ludwig Czeck von der deutschen Sozialdemokratie für das Rah nett designiert. Die Tatsache, daß die tschechischen Sozialdemokraten auch weiterhin in der Regierung bleiben, ist nicht ohne Bedeutung für die Politik der «Jüdischen Partei», deren be:df Abgeordnete Dr. Goldwtein und Dr. Reiß bekanntlich im Partaimentsklub dieser Partei hospitierten und auch weitat hospitieren werden. Der Hakenkreuzterror an der Wiener Universität Neue Ausschreitungen »esen jüdische Studenten