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Die Stimme · 1932-08-11 · Heft 240 (11.8.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 240 (11.8.1932)
Date
1932-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 150, vieneK jährl. S 4*20, ganzjährl . . . S 16*- Ueutschld vierteljährl. . . RM i - Tschechoslowakei viertelj ** Kc 24*— lugoslawteo viertel jährl Din 40' — Po'er vierteljährlich . Zloty 6 SO Ungarn vierteljährlich Pengö 4'20 Rumänien viertel jährl Lei 120 - Uebrigee Ausland viertel jährl Schw Franker 4'SO Preis 35 g Jüdisäke Zeitung Erscheint je ei Don ne Redal> und Admi: Wien, 1., strafi Tel R- Postspe kc Oesterr. Polen 1 scheel slowak« Jugosla M er h- * bJ b ci 9 0 p trr-^ > O ff $ 2 | £ « 5. Jahrgang Wien, Donnerstag, 11. August 1932 (9. Ab 5692) K -J> Letzte Nachrichten Neuregelung der Palästina-Einwanderung - Die neue SOO-Pfund-Einwandererkaiegorie geschaffen Jerusalem. Durch die soeben veröffentlichte Einwanderungsverordnung werden alle Bestimmungen für die Einwanderung nach und die Deportation aus Palästina neu geregelt. Die Einwanderung aus Transjordanien ist frei. Allerdings wird niemand ohne Visum und ausdrückliche Erlaubnis des Einwanderungsdepartements ins Land gelassen. Die neue Verordnung sieht, entsprechend den Zusagen des High Cornmlssioners, eine neue Kategorie von Personen mit kleinem eigenem Kapital von mindestens £00 Pfund vor. Vor einem Bruch im revisionistischen Lager Wie uns aus#London mitgeteilt wird, wurde den Revisionisten eine Reihe von ultimativen Bedingungen gestellt, unter denen das Ersuchen um Anerkennung als zionistische Fraktion erfolgen soll. Die Revisionisten müssen sich vor allem bedingungslos den Bestimmungen des Weltstatuts unterwerfen, ferner auf jede politische Sonderaktion verzichten und schließlich den Beschluß von Calais außer Kraft setzen, ln einer der Sitzungen des Aktionskomitees sprach sich eine Reihe von Rednern in äußerst scharfer Form gegen das disziplinlose Verhalten der Revisionisten aus, welche den Bestand der Oesamtorganisation seit Jahr und Tag schädigen. Insbesondere sprachen zu diesem Thema Orünbaum, Kurt Blumenfeld, Goldmann und Arlosoroff, welche eine entschiedene Stellungnahme der Exekutive verlangten. Unter dem Druck dieser Debatte wurde jabotinsky nach London telegraphisch berufen. Wie verlautet, bemühen sich Lichtheim und Qroßmann um einen Ausgleich im revisionistischen Lager, den jedoch Jabotinsky strikte ablehnt. Angeblich erklärte er, daß weder er noch die polnischen Revisionisten an der Konferenz in Wien teilnehmen werden. Die Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency eröffnet London. Unter dem Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann-Berlin wurde am Sonntag, den 7. August, ln London die Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency eröffnet. Der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, Leo Motzkin, legte dem Administrative Committee die dem Aktionskomitee von Präsident Nahum Sokolow, Dr. Brodetzky und Dr. Arlosoroff erstatteten politischen Berichte vor. Das Aktionskomitee hat den French- Bericht abgelehnt London. Den Vorschlägen der mit der Behandlung des French-Berichtes betrauten Subkommission entsprechend, hat das Zionistische Aktionskomitee in seiner am Sonntag, den 7. August, abgehaltenen Plenarsitzung beschlossen, den Frencli-Bericht abzulehnen, da er den Bestimmungen des Palästina-Mandates und dem Inhalt des MacDonald-Brlefes widerspreche. Der Exekutive erteilte das Aktionskomitee den Auftrag, als Antwort auf den French-Bericht der Regierung Einwände gegen dessen Einzelheiten im Sinne einer Ablehnung des Gesamtberichtes zu unterbreiten. Die Unruhen in Tunis*) Die ersten Urteile Tunis. Das Schnellgericht in Sfax hat bereits die ersten Urteile in Angelegenheit der Unruhen gegen die Juden gefällt. Wie In Rumänien und Polen wurden die Angegriffenen, die Juden, weitaus härter als die Pogromisten bestraft. Während die Araber im allgemeinen zu 10 bis 10 Tagen Arrest verurteilt wurden und derjenige, der den greisen Rabbiner Joseph Cohen schwer verletzte, nur 10 Tage Arrest erhielt, wurde z.B. der Jude Elle Amira,, der sich, angegriffen, verteidigte, zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Ein zweiter Jude namens Mouni Berebi soll auch demnächst vor Gericht gestellt werden, weil er sich zur Wehr gesetzt hat. Die jüdische Bevölkerung und jüdische Presse von Tunis ist über diese Gerichtsbarkeit sehr erbittert und erwartet, daß die oberen Instanzen, die angerufen werden, diese Schandurteile berichtigen werden. Auch der zweite Jude Mouni Berebi wurde zu einem Monat Gefängnis und 300 Francs Geldstrafe verurteilt Dieses Urteil hat unter der jüdischen Bevölkerung Bestürzung hervorgerufen. Es wurde sofort Berufung eingelegt Der jüdische Weltkongreß kann nicht auf unbestimmte Zeit verschoben werden Eine Erklärung des Initiators der Jüdischen Weltkonferenz Dr. Stephan Wlse vor seiner Abreise nach Europa New York. Der Ehrenpräsident des American Jewish Congress, Dr. Stephen Wise, einer der Hauptinitiatoren der Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses, hat am 7. August die Ueberfahrt nach Europa zur Teilnahme an der Jüdischen Weltkonferenz in Genf angetreten. Vor seiner Abreise übergab Dr. Wise der Jüdischen Telegraphen-Agentur eine Erklärung zur Veröffentlichung, in der er feststellt, daß er die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses nicht überstürzen werde, sich aber auch «von der Furchtsamkeit derjenigen, die in jüdischen Dingen von Angst beherrscht sind», nicht abschrecken lassen werde. Der Kongreß könne auch nicht «auf unbestimmte Zelt verschoben werden, bis gewisse jüdische Gruppen in diesem oder jenem Lande, denen es nicht paßt, mit einfachen Leuten aus osteuropäischen Ländern zusammenzukommen und zu beraten, sich bereit finden werden, am Kongreß teilzunehmen». Dr. Wise erklärte, an der bevorstehenden Weltkonferenz in Genf würden 100 Delegierte aus 21 Ländern teilnehmen. Die Tagung des HMions-Comiiees in London *) Ueber die Unruhen bringen wir einen Originalbericht bn Innern des Blattes. (Anm. d. Red.) Das Referat Dr. Victor Jacobsons — Die politische Debatte Auf Grund der erst jetzt veröffentlichten offiziellen Kommuniques über die Tagung des Zionistischen Aktionskomitees in London ist folgendes über den bisherigen Verlauf der Tagung nachzutragen: Dr. Victor Jacobson berichtete über zionistische Fragen im Zusammenhang mit der Arbeit beim Völkerbund. Im vergangenen Jahre haben die Palästinafragen in Genf keinen breiten Raum eingenommen, da die Mandatskommission keine Sitzung abgehalten hat. Anläßlich der Tagung der politischen Kommission der Völkerbundsversammlung beschäftigte sich Dr. Cg, Lange mit dem Problem des Jüdischen Nationalheims in Palästina und trat dafür ein, daß das dem jüdischen Volke gegebene Versprechen gehalten werde. In der gleichen Sitzung hatte der Vertreter Polens, M Mühlstein, erklärt, daß die Politik des Jüdischen Nationalheims für Polen, wo über drei Millionen Juden leben, von hoher Bedeutung sei. Dr. Jacobson gab der Meinung Ausdruck, daß die allgemeine politische Weltlage gewisse Möglichkeiten eines aktiveren und sympathischeren Verständnisses für die zionistischen Aspirationen biete. Die zionistische Frage müsse und könne noch einmal im weltpolitischen Rahmen aktuell werden. Zweifellos sei die katastrophale Lage der Juden in einzelnen Ländern mit ein Faktor für die Förderung der zionistischen Sache. Schließlich forderte Dr. Jacobson Verstärkung der zionistischen politischen Aktivität und stellte hierfür politische Richtlinien auf. Die politische Debatte wurde am Freitag morgens durch Abg. Gr ün bäum eröffnet. Er erklärte, der Horizont der politischen Arbeit im Zusammenhang mit Palästina habe sich erweitert; man müsse mit den verschiedenen in Betracht kommenden politischen Kräften rechnen und dementsprechend vorgehen. Es bestehe zweifellos in der Politik der Mandatarmacht eine unfreundliche Tendenz gegenüber den Bestrebungen zur Errichtung des Jüdisohen Nationalheims. Diese Tendenz habe sich seit 1929 gezeigt. Wenn aiuch verschiedene von Regierungsexperten formulierte und von Feindseligkeit gegen das Jüdische Nationalheim erfüllte Pläne zurückgewiesen werden mußten, werde es für das Aktionskomitee doch unerläßlich sein, irgendeinen positiven, das Interesse aller Einwohner Palästinas berücksichtigenden Plan in Erwägung zu ziehen. Einen ersten Schritt in dieser Richtung werde das Aktionskomitee auf seiner gegenwärtigen Tagung unternehmen müssen. Ing. S. Kaplansky stellte fest, daß die Politik der Mandatarmacht niemals einen einheitlichen Charakter gezeigt habe. Dr. Georg Halpern gab seiner Genugtuung über den ruhigen Verlauf der gegenwärtigen Beratung des Aktionskomitees Ausdruck. Der Verlauf der Tagung zeige, daß die Wahl der gegenwärtigen Koalitioijsexekutive vollkommen gerechtfertigt gewesen sei. Br befaßte sich mit dem industriellen Fortschritt in Palästina und bemerkte, daß dieser bei größeren Einwanderungsmöglichkeiten wohl noch bedeutender gewesen wäre. Er richtete a«i das Aktionskomitee den Appell, auf die Regierung dahin einzuwirken, daß eie einen deutlichen Beweis ihrer positiven Einstellung gegenüber dem Nationalheim gebe. Die erste und wichtigste Forderung, erklärte er, müsse die Einwanderung betreffen. Der Vizepräsident der Revisionistischen Weltunion Meir Grossman führte aus, die von den Mitgliedern der Exekutive gehaltenen Reden seien diesmal in Ton und- Inhalt von den üblichen Reden auf Aktionskomitee-Tagungen verschieden gewesen. Die Frage sei: Was ist geschehen, um neue Bedingungen für die zionistische Arbeit zu schaffen? Grossman bedauerte es, daß die Exekutive keine neue politische Initiative ergriffen habe und auf keine greifbaren Erfolge hinweisen könne. Sie habe bloß eine defensive Linie eingehalten. Er machte der Exekutive den Vorwurf, daß ihre Haltung in der Frage der Wadi Hawarith-Böden nicht kompromißfrei gewesen sei. Dadurch habe die Exekutive eine große Chance, aiuf jüdischen Rechten zu bestehen, versäumt. Grossman verteidigte sodann den revisionistischen Plan einet: Petition an den Völkerbund. Er erklärte, seine Gruppe glaube nicht, daß die gegenwärtige Exekutive eine neue zionistische Politik einführen werde, denn sie habe diesbezüglich keine bestimmten Pläne und kein Vorstellungsbild. Die Revisionisten könnten unter keinen Umständen die gegenwärtige Exekutive gutheißen und müßten in ihrer oppositionellen Haltung zu ihr verharren. Zur Besprechung des French- Berichtes übergehend, erklärte Grossman, die englische Regierung hätte Herrn French aus Palästina ausweisen müssen, denn seine Vorschläge seien nicht nur gegen die Juden, sondern vor allem auch gegen England selbst gerichtet gewesen. Diese Vorschläge würden es England unmöglich machen, seine Aufgabe als Mandatarmacht in Palästina zu erfüllen* denn sie würden die Verwirklichung der dem jüdischen Volk gegenüber übernommenen feierlichen Verpflichtungen verhindern. Immerhin sei anzuerkennen, daß IJr. Brodetsky Br« folge erzielen konnte. Rabbi Berlin und Kurt Blumenfeld zur Politik der Exekutive — Ussischkin weist Angriffe wegen der Verpachtung der Wadi Hawarith - Ländereien zurück ln der Freitag-Nachmittagssitzung erklärte der Misrachi-Fiihrer Rabbi Meir-Berlin, man könne mit Befriedigung einen bedeutenden jüdischen Fortschritt in Palästina feststellen. Zwischen jüdischer Entwicklung in Palästina und politischer Arbeit aber müsse ein Unterschied gemacht werden. Die Verbesserung der Beziehungen zur Regierung sei zu begrüßen; vieles weise jedoch darauf hin, daß in allen wesentlichen Dingen eine Aenderung nicht zu verzeichnen ist. Rabbi Berlin sprach sich gegen die Vertretung der Exekutive durch eines ihrer Mitglieder in der zur Untersuchung der Wadi Hawarith-Frage eingesetzten Regierungskomission aus und forderte eine Politik der Festigkeit seiten* der Exekutive. Der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeld, identifizierte sich mit der von der Exekutive befolgten Politik, die die einzig mögliche sei und sich im wesentlichen an die von der früheren Exekutive befolgte Linie halte. Vor allem sei wichtig, di* zionistische Bewegung und die Kolonisation zu stärken, dies

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