Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 238 (28.7.1932)
- Date
- 1932-07-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 238 — 28. Juli 1932 DIB STIMME Sette 9 Zur Wizo-Konferetiz in Wien*) Im Namen der Leitung der Österreichischen Wizo habe ich die Ehre, Sie alle zu begrüßen. Insbesondere begrüße ich unsere Vize-Ehrenpräsid-entin, Frau Henriette Ifwe 11, deren Opferfreudigkeit und hingebungsvolle Tätigkeit unsere Organisation viel zu danken liat. Unsere Ehrenpräsidentin erwarb sich auf dem Oeblete der Wohlfahrt für Mutter und Kind außerordentliche, bleibende Verdienste, welche allseits anerkannt werden. Wir alle in der Wizo-Organisation tätigen Frauen blicken zu unserer Vize-Ehrenpräsidentin mit Liebe und Verehrung empor und sind gefühlsmäßig mit ihr, wie Töchter mit einer Mutter verbunden. Unsere besonderen und herzlichen Grüße gelten der Frau ßomana Goodman, der jetzigen Vorsitzenden der Exekutive in London, die seit 25 Jahren mit beispiellosem Eifer lind Enthusiasmus der Propaganda der zionistischen Idee unter den jüdischen Frauen der ganzen Welt unermüdlich tätig ist. Sie ist eine der Mitbegründerinnen der Wizo, welche als kleine Gruppe ihre Arbeit begonnen und heute eine weltumspannende Organisation von 40.000 Mitgliedern bildet. Mit großem Vertrauen und aufrichtiger Verehrung scharen sich die Frauen der Wizo-Organisation um ihre Leiterin, die den Kampf um Frauenrechte in der englischen Suffrage-Organisation begonnen hat und stets bemüht ist, der Frauenbewegung, innerhalb der zionistischen Organisation, entsprechende Geltung zu verschaffen. Wir haben die Ehre, in unserer Mitte Frau Dr. Vera Wei z m a n n zu begrüßen, die gemeinsam mit Frau Qoodman zu den Gründoninnen der Wizo-Organisation zählt, dem Präsidium unserer Exekutive seit ihrem Bestehen «»gehört und wertvolle Arbeit leistet. Große Namen verpflichten! Als Gattin unseres großen Führers, Dr. Chaim Weizmann, hat unser verehrter Oast stets verstanden, ihrrr eine treue Gattin zu sein und ihn in seiner zionistischen Tätigkeit nicht zu hindern, sondern ziu unterstützen. Sie begleitete ihn auch stets auf seinen großen Propagandareisen im Dienste der zionistischen Idee und des Keren-Hajessod; so auch letztens in Süd-Afrika, wo sie für Unsere Organisation überaus erfolgreich tätig war. Mit dem Gefühl herzlicher Freude begrüßen wir Firau Rebecca Sief aus London, eine der Gründerinnen unserer Weltorganisation und Mitglied der Exekutive der Wizo. Seit Beginn ihrer Tätigkeit hat sie sowohl in der allgemeinen zionistischen Bewegung als auch in unserer Organisation überaus aktiv mitgewirkt und steht heute in dien Vordersten Reihen der Kämpferinnen für unsere große Idee. *) Anläßlich der Wizo-Konferenz fand — wie wir bereits berichteten — ein festlicher Empfang statt. Aus der Begrüßungsansprache der Präsidentin der österreichischen Wizo, Frau Doktor. Löwenherz, bringen wir einen Auszug, der von allgemeinem Interesse sein dürfte. (Anm. d. Red.) Unser Gast, Frau Edith Bder, langjähriges Mitglied unserer Exekutive, verbrachte eine geraume Zeit ihres Lebens in Palästina, erwart) dort genaue Kenntnisse des Jischuw und seiner Lebensbedingungen und stellte die gewonnenen Erfahrungen in den Dienst unserer Organisation. Wir bewundern ihr tiefes Verständnis für alle Probleme unserer Organisation und hoffen, daß ihr beschieden sein wird, gemeinsam mit der Exekutive auch künftighin wertvolle Dienste zu leisten. Wir heißen in unserer Mitte die Mitglieder der Londoner Exekutive, Frau Dr. Esther F e i w e 1, Frau Dr. Celina S okolow, die Tochter unseres großen Führers, Frau Hndassa Samuel, Frau J a a c o b, Frau Almann - Epstein, Frau Sacher und Frau Ho des herzlich willkommen I Alle diese Damen haben im Rahmen ihres Ressorts mit Ernst und Liebe zur Entwicklung der Wizo beigetragen. Mit Stolz und inniger Freude begrüßen wir die Mitglieder unserer Palästina-Exekutive, fn erster Reihe Frau M a i s e 1 - S c h o c h a t, die Leiterin und Gründerin unserer landwirtschaftlichen Mädchenschule in Nahalal. Dieser Schule, welche die Bewunderung und Anerkennung des ganzen Jischuw und aller Palästina-Touristen stets zu erlangen vermochte. Das Organisation«- und Verwaltnngsgenie der Frau Maisd-Schochat läßt uns die zuversichtliche Hoffnung hegen, daß unsere Institutionen in Palästina immer mehr gedeihen und wachsen werden. Frau Ada Flschmanu, die zähe Kämpferin und Führerin der Arbeiterinnen in Erez-Israel, deren große Fähigkeiten auf internationalem Boden Anerkennung fanden, indem sie als Vertreterin des nahen Ostens in die Kommission des internationalen Arbeitsamtes beim Völkerbund zur Förderung der Arbeitsbedingungen für die Frauen berufen wurde. Ebenso, wie vor 20 Jahren Chana Maisei - Schoch at in Kinereth, konnte vor kurzem Ada Flschmann in Ness-Zionali die Eröffnung der Mädchenfarm feiern und wird berufen sein, diese Neugründung einer gedeihlichen Entwicklung zuzuführen. Im Zusammenhänge mit der Gründung der Ness-Zionah, wollen wir derer gedenken, deren Hilfe und ansehnlicher Geldunterstützung die Gründung dieser Farm zu verdanken ist. Ich meine unsere Wizo-Gruppe in Rumänien und ganz besonders die von uns allen verehrte Präsidentin, das Mitglied der Exekutive, Frau M a r g u 1 i e s aus Bukarest, die in unserer Mitte zu begrüßen mir besondere Freude bereitet. Es war ihr beschieden, im April d. J. in Ness-Zionah ihren großen Jutoeltag zu erleben und wir nehmen den Anlaß wahr, um ihir aus vollem Herzen zu gratulieren und ihr unsere Bewunderung für ihre beispiellose Leistung zum Ausdruck zu bringen. Frau J e w n i n, Mitglied der Palästina-Exekutive und Mitglied der Histadruth-lwrith, ist die Initiatorin und treibende Kraft der Gartenaktion der Wizo in Palästina. Wer diese neuen Anlagen zu sehen und zu bewundern Gelegenheit hatte, wird deren Leistung zu würdigen verstehen und gemeinsam mit uns, die Freude teilen, Frau Jewnfcl in unsere* Mitte zu sehen. In anstrengender Arbeit haben alle hier versammelten zionistischen Frauen überaus wichtige Fragen jüdischer Frauenarbeit in Palästina erörtert und mit größtem Ernst und Verantwortungsgefühl, die auf der Tagesordnung stehenden Probleme behandelt. Es war keine PropagandaveranstaKunf; sondern eine Arbeitstagung. Die Wiener Organisation fühlt sich dadurch geehrt, daß die Tagung in unserer Stadt stattfand und uns viele Impulse zu neuer Arbeit gegeben hat. Zur Wizo-Konferenz in Wien Im Nachtrag zu unserem Berichte über die Konferenz (*. Nr. 237 der «Stimme») bringen wir nachstehend dis Präsenzliste: Der Beratung wohnten die folgenden Mitglieder der Exekutive bei: A) Kontinent: Die Frauen Margulies, Roth, Hanna Steiner; B) London: Irwell, Ehrenvlzepräsldentin; Romana Goodman, Vorsitzende; Vera Weizmann, Ehrenschatzmeisterin; Olga 0. Alman, Mitglied der Finanzkommission; Jacob, Ehrensekretärin; Samuel (Hadassa), zweite Schatzmeisterin; Dr. Celina Soko* low; C) Palästina: Ada Fishman, Jevnin, Maisel-Schochat. Ferner nehmen an der Beratung teil als Vertreterin der Histadruth Naschim Ivrioth Frau Zimel, Palästina; als Organisationssekretärin: F. Qrubwieser-Hausner, London, und die folgenden Councilmitglieder: Ostrovsky (Histadruth Arzith) (Palästina); Sacher, England (Aegypten); Diamand, England (Belgien, Antwerpen); Dr. Aurelie Horowitz (Bukowina); Dr. Recha Freier (Bulgarien); Edith Eder, England (Kanada); Minna Arje, Lene Hofmann, Lotte Liebstein (Tschechoslowakei); Blumenfeld, Löw-Tachauer (Ersatz) (Deutschland); Rebecca Sieff (England); Dr. Klompus (Estland); Tatjana Cemachowitsch (Finnland); Netter (Frankreich); Vromen-Snapper (Holland); Steindler, Dr. M. Hofmann (Jugoslawien); Sabine Passweg (Lettland); Dr. Kantor (Litauen); Nathan (Neuseeland); S. Löwenherz (Oesterreich); N. Braude, Dr. Ueberall, Dr. Horowitz (Polen: Lodz, Lemberg, Krakau); Esther Hodess, London (Portugal); Sabine Weiß, Louise Bischoff (Rumänien, A. C. F.); Lunka Reiter (Transsylvanien); Alice Marer (Ungarn). Aus dem Zyklus «Aus einer verschwindenden Welt». Sittiche, der Fuhrmann*) Novelle von Rosa Melzer (Lemberg). (1. Fortsetzung.) Was vermag nicht des Menschen Zunge! Und gar, wenn, ihrer .viele sindI I . . .. $o brachten sie esdenn auch fertig, den stattlichen, stämmigen Simche und die kleine, dicke Nechame zu einem Paar zu vereinigen. Die Negides war überglücklich. Sie setzte ihren Stolz darein, jedes Waisenmädchen, das sie ins Haus nahm, gut zu verheiraten. — «Dwojrele», hatte Nechames Mutter, die Schochete, da sie 6 Jahre zuvor als arme Witwe mit fünf Kindern zurückgeblieben war, zu der Negides gesagt: «Hier bring ich Euch meine Nechame . . . Sie ist still und gut und folgsam, wie gewöhnlich ein balbatisch Kind. Bei Euch soll sie bleiben und arbeiten und treu sein . . . Und Ihr werdet gewiß •zu dem Kind wie eine Mutter sein.» Dwojrele, die Negides, behielt auch die Fünfzehnjährige. Und nun nach Jahren treuer Arbeit sollte Hochzeit gemacht werden, Natürlich im Hause der Negides, in der besten Stube. Die Braut trug ihr Glück wie eine herrliche und unverdiente Krone — fast demütig. Und auch der Bräutigam war mit jedem Tage zufriedener. Aus Nechames unschönem Gesicht leuchtete eine so rührende Güte, daß sie sich ein immer verwaistes Männerherz erobern konnte, trotz mangelnder Anmut. j Nach altem, schönem Ghettobrauch, wurde die! Braut zur Trauung mit den Juwelen der Hausfrau geschmückt, Diamanten an den Ohren, eine kostbare Broche, Perlen um den Hals, legte ihr Dwojrele eigenhändig an. Ein seidenes Kleid hatte sie— als Geschenk — von der ältesten, verheirateten Tochter des Hauses bekommen, deren Altersgenossin und Dutzfreundin sie war. «Ganz ZJotnik» erschien zur Hochzeit. Nechames Mutter vergoß Tränen ,der Freude und der Dankbarkeit gegen Gott und Dwojrele, die Negides. Die Hochzeit verlief fein und brachte den Neuvermählten ganze hundert Gulden an Geschenken. Und die schöne Hochzeit schien ein gutes Omen für die Zukunft des jungen Paares. Getzel, der geizige Nimmersatt, schimpfte bald aus vollem Halse über Simche, an den er seine besten Kunden allmählich verlor. Nechame war das arbeitsamste, anspruchsloseste und liebevollste Geschöpf. Simche, dem solange hin und her gestoßenen war es zu Mute, —■ da er die zärtliche Sorgfalt seiner Gattin um sich empfand, wie einem zu Tode Erschöpften, den man in ein laues, duftendes Bad gelegt. So wohlig fühlte er sich in seinem Heim! Und Gottdank ohne Sorgen um das tägliche Brot! Nechames Eifer ließ sie nicht ruhen: «Ich verstehe so gut das Kochen und Backen... Ich könnt’ mir eine kleine Gastwirtschaft einrichten, damit Du nicht so oft fahren, so viel Dich abmühen müßtest», bat sie ihren Mann. *) Wir machen unsere Leser auf diese Novelle der hervorragenden Schriftstellerin und Frauenführerin besonders aufmenksam. (Antn. d. Red.) Doch er wollte nichts davon wissen. Wenn sie für ihn und die eigene Wirtschaft sorgte, war’s genug und er war’s zufrieden. Nur daß ein, zwei, ja drei Jahre vergingen, ohne daß Weinen und Lachen aius Kindermund die trauliche Ruhe ihres Heimes gestört hätten! «Aber» — tröstete sich das Ehepaar —• «es kann nicht alles Glück auf einmal kommen; Gott wird auch darin helfen.» Simche machte regelmäßig seine Fahrten, kehrte stets in dasselbe Wirtshaus zur Rast ein, kam pünktlich heim, ohne überflüssige Personenspesen zu machen — was manche seiner Berufsgenossen sich oft zuschulden kommen ließen. „Du bist ein Narr», sagten sie oft neckend zu ihm, „ein guter Gänsebraten in der «grünen Schenke» und Fische bei der «Krasnaja-Wirtin» am Kreuzwege sind ein Genuß, wie ihn der Wunderrabbi in Cz. nicht besser haben kannl... Ueberhaupt die «Krasnaja-Wirtin»! Der Sprecher schnalzte mit der Zunge und Simche wurde dabei rot, ohne zu wissen warum. «Schämt Euch», stieß er hervor, «ein Jud\ der Weib und Kind hat, spricht so närrische Dingel» «Ich sag’, Du bist und bleibst ein Narr, Simche», wiederholte unbeirrt jener... «Wenn Du sie einmal gesehen und gehört hast, wirst Du sagen, daß ich Recht habe.» Dabei klopfte er Simche gutmütig auf die Schulter und blinzelte verschmitzt. «Es gibt eben doch verschiedene Menschen, obwohl sie alle Juden sind,» erklärte sich Simche diese, im Ghetto nicht gewöhnliche Erscheinung. Instinktiv fuhr er seitdem rascher an dem Krasnaja-Wirtshaus vorbei und wandte den Kopf weg, die verführerische Wirtin nicht «zufällig» zu sehen. Er empfand stets einen Widerwillen gegen Weiber, von denen man mit einem Lächeln sprach . . . Es war ein schauderhafter Frühherbst. Regen ohne Unterlaß. Der Boden so aufgeweicht, daß die Räder oft stecken blieben, und die Pferde nicht von der Stelle konnten. Die Abende so finster und so kalt, daß einem unheimlich wurde. Und just hatte Simche ganze Ladungen Spiritus und Getreide nach der Kreisstadt zu bringen. Zweimal wöchentlich ging’s hin und zurück. Mit aller Kraft zogen die Pferde den schweren Lastwagen. Simche war abgestiegen, um es den armen Tieren, soweit er vermochte, leichter zu machen. Langsam stapfte er in seinen hohen Stiefeln durch den dicken Kot. Noch eine Stunde und er war — an dem «Krasnaja-Wirtshaus» vorbei — in der «grünen Schänke», seinem Absteigequartier. Dort schimmerte die «Krasnaja», blitzblank getüncht, auf der Höhe des Fahrweges. Allmählich näherte sich ihr der schwere Wagen. Da . . ., krach! . . . Das hintere Rad war gebrochen! Es war über einen großen Stein gestolpert, der im tiefen Straßenkot unkenntlich lag, und der Schaden war getan — zwanzig Schritte vor der «Krasnaja»! Die Bauern, die vor dem Wirtshause standen und den Unfall sahen, eilten dem betroffenen Fuhrmann zu Hilfe. Es war ein «schwerer Fall» — denn, um den Wagen wieder in Stand zu setzen, mußte abgeladcn werden. Aber wo? Draußen auf offener Straße? Mit schwerer Mühe schleppten Tier’ und Menschen das beschädigte Fahrzeug bis zur «Krasnaja» und Simche mußte froh sein und Gott danken, daß er sich bald drinnen befand. Er sandte von der Schwelle aus nach dem Wagenmeister ins Dorf, und nachdem er zweien Bauernburschen befohlen hatte, abzuladen, trat er in die Gaststube. «Gut’ Morgen», sagte er laut und fühlte, wie sein Herz dabei klopfte. In dem großen Raume stand der Schankbursche hinter dem primitiven JJuffet. Simche trat vollends ein. «Ist der Wirt daheim?» fragte er, ohne recht zu wissen warum. «Wir haben keinen Wirt — Ihr seid wohl ein Fremder, da ihr nicht wisset, daß die Krasnaja-Wirtiii seit 2 Jahren Witwe ist?» Simche ließ sich auf die nächste Bank fallen. — Was kümmerte ihn das? . . . Mit jedem Augenblick empfand er peinlicher den fatalen Unfall. «Gebt mir etwas zu essen und ein Glas Bier», befahl er dem Burschen. «Sogleich — ich will die Wirtin holen», erwiderte der und eilte hinaus. Simche machte eine unwillkürliche Bewegung, als müßte er ihn zurückhalten. Dann stützte er den Kopf in die Hand und überlegte, wie unbequem und störend dieser Aufenthalt für ihn sei. «Gut’ Morgen! Ich weiß schon von eurem Unfall.» Wie der schönste Silberton aus des Chazan Kehle erklang diese Stimme, und als der Gast sich rasch wandte, sah er vor sich die «Krasnaja-Wirtin». Das also war sie! Heißt das: «Schön sein?» — fuhr es durch Simches Kopf. Er wußte es nicht, aber er fühlte, daß etwas Lockendes, Zauberisches, dem Lächeln dieses vollen, roten Mundes, dem Leuchten der lachenden, rehbraunen Augen entströmte. Etwas, das Gefahr bringen mußte, wenn man lange hinschaute. Und er versuchte, an ihr vorbeizublicken. «Ja, ein böser Zufall», antwortete er zurückhaltend. «Für die „K r a s n a j a” ist er gut, denn er führt mir einen neuen Gast zu», erwiderte sie mit ihrer Glockenstimme. «Und wer einmal da war, der kommt gewiß wieder», fügte die Frau mit einem Aufleuchten der Augen hinzu, das Simche blendete. «Ich möcht’ etwas essen und trinken», sagte er, ohne die selbstbewußte Rede zu beantworten. «Und was möchtet Ihr denn haben?» «Ich esse, was vorrätig ist.» Sie ging hinter den Schanktisch, er sah Mir nach und mußte sich sagen, daß weder in Zlotnik, noch in der Kreisstadt eine Frau oder ein Mädchen zu finden sei, deren Wuchs zierlicher, deren Gang leichter und flinker wäre. «War sie schön?» — Simche wußte ei nicht. Aber — sie hatte etwas von einer Hexe in sich — das fühlte er vom ersten Moment an. Sie tischte ihm ein Stückchen gebratenes Fleisch und ein Glas Bier auf. Simche war froh, als nun einig« Bauern eintraten, und er so nicht mehr Oefahr lief, mit der Wirtin ein Gespräch anzuknüpfen. Er wollte sie auch nicht anschauen. .(Fortsetzung folgte > -