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Die Stimme · 1932-07-14 · Heft 236 (14.7.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 236 (14.7.1932)
Date
1932-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b# b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monst* lieh S 1*50, Vierteljahr L S 4*20, g«ns* jährL ... 8 16’— Deutechld viertel* jährl.. . . RM 3‘— T sehe c ho el owakei viertelj. . Kc 24‘— Jugoslawien vierteljährl. . Din. 40’— Polen vierteljähr* Ucb . . Zloty 6-50 Ungarn vierteljährlich . . Pengö 4'20 Rumänien viertel* iährl.. . Lei 120- Uebriges Ausland vierteljährL Schw. Franken 4*50 Jüdisdke Zeitung Preis 35g Cradieiiit _ j®< Donn Red undAdn \Men, L, etrs Tel. F |_V» Postsp cik< ff h td KJ H* H» * CT* c»“ GHH 53 H* * o cj e+ Id ir h* o H* < c: K ü) '-t C rJl *-* C* Oesterr. Polen . Tachech Slowake Jugoslav p: ft Ui s 5# Jahrgang Wien, Donnerstag, 14# Juli 1932 (10# Tammus 5692) Nummer 235 Mittelstandssiedlung und Kapitols* investievung Nahum Sokoiow beim Außenminister Cunllffe-Lisiev Fovdevun gen dev Juden Amerikas und Kanadas an die bviiisehe Mandats< macht Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Nahum So k o 1 o w wurde am 7. Juli nachmittags vom britischen Minister des Auswärtigen, Sir Philip Cunliffe-Lister, zu einer längeren Unterredung empfangen. Sokoiow legte im Verlauf der Rede dar, welche Erwartungen dieamerikanische und die kanadische Judenheit, mit denen Sokoiow während seiner letzten Amerika- Tour lange Zeit in Berührung war, in bezug auf Großbritannien als Mandatarmacht Palästinas hegen. Er setzte dem Außenminister den Plan einer Umfassenden Mittelstandssiedlung, verbunden mit Kapitalsinvestierungen in Palästina, auseinander und wies im Zusammenhang damit auf die Notwendigkeit einer radikalen Erleichterung der jüdischen Einwanderung nach Palästina hin. Mit diesen, seinen Ausführungen, machte Sokoiow sichtlichen Eindruck auf Sir Philip Cunliffe-Lister. Zum Schluß berichtete Sokoiow eingehender über seine Tour durch das englische Dominion Kanada und teilte mit, daß die kanadischen Juden besonders an dem landwirtschaftlichen Kolonisationswerk auf Boden des Keren Kajemeth interessiert sind. England greift ein! Wegen der Ostjudenentschließung des preußischen Landtags Auf eine Frage von Oberst Josiah Wedgwood im Unterhaus, wie sich die englische Regierung zu der vom Preußischen Landtag beschlossenen BeschlagnahmedesVermögensderein gewanderten Ostjuden verhält, besonders in Erwägung dessen, daß sich unter den unter das Gesetz fallenden, ln Osteuropa geborenen Juden, auch solche befinden, die englische Staatsbürger sind, erwiderte der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Captain Eden, die englische Regierung stelle jetzt Nachforschungen an, ob durch das Vermögensbeschlagnahme-Gesetz des Preußischen Landtags auch in Deutschland wohnende englische Bürger betroffen werden sollen. Eden ersuchte Wedgwood, seine Frage ln der kommenden Woche zu wiederholen, die Regierung werde dann auf Grund durchgeführter Untersuchungen in der Lage sein, eine eingehendere Antwort zu erteilen, insbesondere anzugeben, welche Schritte Sie in dieser Angelegenheit zu ergreifen gedenkt. Die jüdische Gewerkschaft in Palästina Erklärung Sir Philip Cunlif >Listers im Unterhaus David Adams (Labour Party) richtete im Unterhaus an den Kolonienminister die Frage, ob ihm bekannt sei, a) daß die Palästina-Regierung die Forderung gestellt hat, daß ihr die Mitgliedschaftsliste der GewerkschaftderEisenbahn-, Post-und Telegraphen-Arbeiter unterbreitet werde, feine Forderung, die mit dem Friedensvertrag von Versailles, der den Arbeitern Genossenschaftsfreiheit gewährte, in Widerspruch steht; b) daß die Direktoren des Eisenbahn- und Postdepartements der Palästina- Regierung dieser Gewerkschaft auferlegt hätten, keiner den internationalen Gewerkschaften angeschlossenen Gewerkschaft anzugehören; ob die Regierung die Annullierung dieser Bedingung veranlassen wolle? c) daß das Departement für Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen der Palästina-Regierung es seinen Angestellten untersagt hat, der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation Palästinas beizutreten, einer Organisation also, die als einzige den Arbeiter in Krankheitsfällen betreut, während die Regierung selbst für ihre Angestellten keinerlei Vorsorge nach dieser Richtung trifft; ob die Regierung diesem Uebelstand abhelfen wolle. Der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Die National Union of Railways, Posts and Telegraph Workers in Palästina wurde gleich allen anderen Vereinigungen ersucht, der Regierung ein Namensregister ihrer Mitglieder zu unterbreiten. Es ist richtig, daß Vereinigungen von Regierungsangestellten nicht anerkannt werden können, wenn sie einer Genossenschaft angeschlossen Und, die selbst , nicht eine von der Regierung anerkannte Vereinigung von Regierüngsaiigestellten ist Ich gfaube nicht, daß diese Bedingungen im Widerspruch zum Versailler Vertrag stehen; ich beabsichtige auch, nicht, den High Commissioner um Annullierung derselben zu ersuchen. Ich habe vor einiger Zeit den High Commissioner dahin informiert, daß ich nichts dagegen einzuwenden habe, wenn Regierungsangestellte aus der Teilhaberschaft an der Krankenkasse und an anderen von der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation geleiteten Wohlfahrtsinstitutionen Vorteile genießen, vorausgesetzt, daß aus dieser Teilhaberschaft nicht ein festes Mitgliedsverhältnis oder eine Unterwerfung unter die Statuten der Föderation erwächst. Der High Commissioner hat mich dahin informiert, daß fast alle arabischen Mitglieder der National Union of Railways, Posts and Telegraph Workers die Vorteile der Krankenkasse und der Darlehenskasse der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation genießen, gemäß einem Arrangement, welches Einzelpersonen gegen Zahlung gewisser Gebühren in den Genuß dieser Vorteile setzt, ohne daß daraus eine Mitgliedschaftsverpflichtung oder eine Unterwerfung unter die Statuten der Föderation erwächst. Der Regierungsetat in Palästina 1932/33 «Official Gazette» veröffentlicht den Voranschlag der Palästina-Regierung für das Finanzjahr 1932/33. An Ausgaben sind vorgesehen 2,403.253 Pfund, an Einnahmen 2,442.083 Pfund, so daß sich ein kleiner Ueberschuß von 38.848 Pfund ergibt. Der Einnahmeposten überschreitet den des Finanzjahres 1931/32 um 108.188 Pfund. Der Ueberschuß des Staatshaushaltes zum 1, April beträgt 739.773 Pfund. Der Ausgaben-Etat für das Finanzjahr 1932/33 enthält folgende Posten: Departement für landwirtschaftliche Entwicklung 6701 Pfund; Beitrag für das Transjordanische Grenzkorps 183.405 Pfund; Palästinensische Polizei 457.737 Pfund; Landesschutz 102.000 Pfund; Öffentlicher Unterricht 158.742 Pfund; öffentliches Gesundheitswesen 115.001 Pfund. Im Einnahmen-Etat figuriert ein Posten von 143.000 Pfund als Hilfsbeitrag Englands für die Ausgaben der transjordanischen Streitmacht. Das Haushaltsdefizit pro 1931 betrug 40.971 Pfund, Kommunisten werden die Staatsbürgerrechte aberkannt «Official Gazette» teilt mit, daß acht Juden in Palästina, die der kommunistischen Propaganda überführt worden seien, die staatsbürgerlichen Rechte wegen Illoyalität gegenüber der Regierung aberkannt wurden. Eine japanische Palästina-Gesellschaft Auf Initiative des japanischen Politikers Shonun Sakoi wurde in Tokio eine Gesellschaft gegründet, deren Ziel laut Statut ist; Unterstützung des Wiederaufbaues des auserwählten Judenvolkes auf theokratiftcher Grundlage ln seiner alten Heisiat Zion. Uebelhörigkeit Der christlichsoziale Gemeinderat Uebelhör hat seinem Namen Ehre gemacht. In der Debatte über die Ermöglichung der inzwischen vollzogenen Enthüllung des Ofner-Denkmals hat dieser Wiener Mandatar das Geständnis abgelegt, daß er noch nie etwas von Ofners Verdiensten gehört habe. Der Mann mit dem symbolischen Namen ist selbst ein Symbol. Es ist ihm ohne weiteres zu glauben, daß ihm noch nie eine Kunde vom verdienstvollen Wirken eines oder des anderen Juden oder gar von den kulturellen Großtaten des Gesamtjudentums zu Ohren gekommen ist. Woher sollte denn auch solche Kunde kommen? Für den christlichsozialen Wählerfang langt — trotz der offiziellen Absage an den Rassenantisemitismus — die Kenntnis der dilettantischen Rassenwertungen von Chamberlain bis Günther; die wissenschaftlich einwandfreien, mit dem Nobelpreis belohnten Forschungen auf dem Gebiet der Rassenkunde durch den Juden Langsteiner interessierten in diesen Kreisen weniger. Herr Uebelhör hat vermutlich auch von ihnen noch nichts vernommen. Jenseits der österreichischen Grenze steht die Sache nicht besser. Die Gründung der konservativen (heute «Deutschnationälen») und der nationalliberalen (heute «Deutsche Volks»-) Partei im Deutschen Reichstag liegt verhältnismäßig noch nicht weit zurück; trotzdem ist in^den Krei?eni dieser beiden Parteien die'Tatsacfielängst in Vergessenheit geraten, daß die eine von dem Juden Stahl, die andere von dem Juden Lasker ins Leben gerufen und ideell fundiert worden ist. Auch’ diese reichsdeutschen Parteien erblicken heute ihre Hauptaufgabe in der «Bekämpfung des jüdischen Geistes» ira deutschen Kulturleben. Am schnellsten in Vergessenheit gerieten die jüdischen Blutopfer des Weltkriegs. Zwölftausend jüdische Gefallene auf deutscher Seite haben die deutschen Juden nicht vor dem Stigma der «Drückebergerei« bewahrt. Und wenn man sich die Präger und politischen Nutznießer dieses ungerechten Stigmas näher ansieht: die völkischen Maulhelden, die ihre jüdischen Kameraden verleugnen und dafür ihren eigenen Heroismus in dem Kriege, den sie doch gesund überstanden haben, stets umso lauter verkünden, dann fällt einem unwillkürlich der Schiller-Vers ein: Ohne Wahl verteilt die Gaben, « Ohne Billigkeit das Glück, Denn Patroklus liegt begraben Und Thersites kehrt zurück. Soll und kann man etwas gegen den Gedächtnisschwund unserer arischen Mitbürger jüdischen Verdiensten um Staat, Gesellschaft und Kultur gegenüber! unternehmen? Es ist jüngst der Vorschlag gemacht worden, durch Errichtung einer jüdischen Ruhmeshalle für größere Popularität der jüdischen Kulturpioniere auf allen Gebieten menschlichen Schaffens zu sorgen« Wird diese Halle ein besseres Schicksal haben als bisher die Einzeldenkmäler großer Männer jüdischen Stammes? Die «Reichspost» deutete kürzlich in einer Glosse an, daß die Bevölkerung auch mit dem Popper- Lynkeus-Denkmal im Rathauspark nichts anzufangen wisse. Dabei ist Popper-Lynkeus bekanntlich der geistige Vater der Idee von der «allgemeinen Nährpflicht», die von der jetzigen österreichischen Regierung und von den Nationalsozialisten in Form einer zwangsweisen Arbeits-Dienstpflicht aller «Volksgenossen» verwirklicht werden will! Noch weniger moralische Wirkung als auf die Christlichsozialen würde die jüdische Denkmalsarnm- Gehst du elendig? Komm’ zo Bsiänüig! BERATUNG und AUFKLÄRUNG über den richtigen Heilbehelf bei Fußschmarzen, Knlok* und Senkfüßen, Krampfadern, 0- und X-Beine, Frostballen, Sohlenbrenncn, Hühneraugen etc. etc. darob den Fußspezlali&ten vollständig kostenlos und unverbindlich im Institut Bständlg Wien, I# TeinfaltstraAe nur Nr# 7 (beim Burgtheater) Sprechstunden tlfUeh, auch Samstag von 8 bl# 18 Uhr.

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