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Die Stimme · 1932-06-23 · Heft 233 (23.6.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 233 (23.6.1932)
Date
1932-06-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oeaterreieh monatlieb S J 50, viarteljlhsi. S 4*20, ganxiShrl. S 16autaeUd vierteljkhrL . . RM 3*— Tech ec ho Slowakei viertalj Kf 24‘— lugoslswien viertel ijlhrl Dü» 40'— Po’er Vierteljahr lieb Zloty 6 50 Ungarn Vierteljahr Ucb Pengö 4'20 Rumänien vierte) Öhrl Lei 120ehriger Ausland Vierteljahr! Sehw Franken 4'50 amnutie/ Jüdisdke Zeitung tD: O Prr ßk 0} Cr Lj. .Cr " s / & unu. nT' on Wien, 1., Na.. 1eratraße 28 Tel R-27 4-86 Postsparkassenkonti: Oeaterr. D 113-546 Polen 191.199 Tschechoslowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 Se Jahrgang Wim, Donnerstag, 23. Juni 1932 (19* Siwan S692) Nummer 233 Der Fvench-Bevichi Einsetzung einer Sachverständigenkommission dev Jewlfh Agency Die Jewish Agency setzte eine Sachverständigen - Kommission zur Prüfung des Ihr durch die Regierung übermittelten Berichtes des Landentwicklungsdirektors Lewis French und zur Abfassung des Memorandums der Jewish Agency zu diesem Bericht ein. Der Kommission gehören u. a. an: Doktor Arthur R u p p I n, Granowsky, WUkansky, Smielansky und der Geschäftsführer der Palestine Jewish Colonizatlon Association (P. J. C. A.) Victor Cohn. Die arabische Executive wurde für die nächste Woche zu einer Tagung einberufen» in der zu dem French-Bericiit Stellung genommen werden soll. In jerusalem erwartet man eine Erklärung des High Commissioners betreffend die zukünftige Prozedur im Zusammenhang mit dem Bericht Eine Veröffentlichung des Frehch-Berkhtes wird nicht eher erfolgen , als bis die Jewish Agency und die arabisch Exekutive der Regierung ihre Bemerkungen zu dem Bericht übergeben haben werden. Nach Erhalt dieser Bemerkungen wird das Colonial Office eine Darlegung seiner Politik in der Frage der Landentwicklung ausarbeiten und gleichzeitig mit dem French-Bericht veröffentlichen. Ob auch die Memoranda der Jiiden und der Araber von der Regierung werden veröffentlicht werden, steht noch nicht fest In eingeweihteil Kreisen nimmt man an, daß die gleichzeitige Veröffentlichung der Darlegung der Regierung über ihre Bodenpolitik in Palästina den eigentlichen French-Bericht in den Hintergrund treten lassen wird; denn schließlich hängen ja Tendenz und Form der Landentwicklung von der Richtung der Palästinapolitik der Regierung ab. 9.-G.'Sitzmig am ZS. üuli in London Die Sitzung des Aktions- Komitees der Zionistischen Weltorganisation beginnt am 25. Juli in London. Der A. C.-Sitzung wird eine Tagung des Administrative - Committee der Jewish Agency folgen. 6roßmuf i soll verschwinden Die arabische Zeitung «Meraat ei Shark» teilt als zuverlässig mit, daß im Juli d. J. Neuwahlen zum Obersten moslemitischen Rat Palästinas stattfinden werden. In informierten Kreisen hält man es für wahrscheinlich, daß der Mufti Haj Amin el Hussein! im Ergebnis dieser Wahlen sein Amt als Präsident des Rates nicht behalten wird. Seit der 1921, während der Amtszeit Sir Herbert Samuels, vorgenommenen Bildung des Obersten Moslemitischen Rates fand keine Neubildung des Rates statt. Wohl wurden 1926 Ratswahlen vorgenommen, diese wurden aber auf Grund eines Wahlprotestes der den Großmufti bekämpfenden Moslem-Opposition vom Obersten Gericht Palästinas für ungültig erklärt. In dem gleichen Jahre setzte der damals amtierende High Commissioner, Feldmarschall Lord Plumer, eine Kommission ein, deren Aufgabe es war, eine Revision des Statuts des Obersten Moslemitischen Rates auszuarbei¬ -► Gehst Du elendig? Komm’ zu Bständigl SanltM (emerl Verne, dm neue K.»rapf»d«m«trumpl Ohne Gummi, Vollkommen »leberer Hobuta troffen Krnmnfedern.bewAhrt nie Sehlnnkfoimer, lelebter als Qummlitrümpfe. haltbar, waachbar und vollkommen uneiobtbar IvsIKol Ds'flndlg für Fußheilbehelfe un4 Bandagen Wien, ln Telnfgltstr. nur Nr. f Koatenloaa Beratung tAglioh van l-MlÄr Zweeka brieflicher Aufklärung Bttekperte alnaandaa ten, dergemäß Wahlen zum Rat periodisch stattzufinden haben. Der Bericht dieser Kommission wurde 1929 der Regierung unterbreitet, aber bisher nicht veröffentlicht. Die Regierung erktärte, daß «eine Aktion auf Grundlage des Berichtes wegen der Unruhen im August 1929 verschoben worden sei».-Man nimmt nun an, daß der neue High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, entschlossen sei, auf diesen Bericht zurückzugreifen und Wahlen zum Rate auszuschreiben. Vorher aber stftnkert er noch Mufti Husseini hat in seiner Eigenschaft als Präsident der Exekutive des All-Moslem-Kongresses ein Telegramm an den Völkerbund nach Genf gesandt, in welchem er gegen die Beschlüsse der Klagemauer- Kommisston des Völkerbundes protestiert und ferner die Ausfolgung der Hedschas-Eisenbahn als der Mekka- Pitger-Bahn an die Moslems fordert. Die seinerzeit mit Ermächtigung des Völkerbundes durch die englische Regierung ernannte Kommission zur Regelung der Frage der Klagemauer, die aus einem Schweizer, einem Holländer und einem Schweden bestand, hatte eine Entscheidung getroffen, wonach das Besitzrecht der Moslems an der Klagemauer bestätigt, aber auch das durch die Tradition erworbene Recht der Juden, ungestört an der Klagemauer beten zu dürfen, anerkannt, wird. Parteirais-Sitzung Für Dienstag, den 28. d. M.» wurde der Parteirat einberufen, Auf der Tagesordnung stehen aktuelle zionistische Fragen. Neun neue Kolonien mit 1000 Familien Der Jüdische Nationalfonds hat 18.850 Dunam seines Wadi Havarlth-Bodens zur Errichtung von neun jüdischen Kolonien zur Verfügung gestellt Auf diesem Boden werden tausend jüdlsche Familien landwirtschaftlich angesiedelt werden; 425 dieser Familien werden sogenannte Mittelstands-Siedler sein. Verbindung des Haifa-Hafens mit der Küstenebene Auf eine Frage von David Adams im Unterhaus erklärte der Kolonienminister Sir Philip CunUffe- L i s t e r, daß der Bau desneuenvonjaffanach Haifa führenden Weges gut vorgeschritten ist. Ende 1931 waren 21 Kilometer dieses Weges, der eine, gute Verbindung zwischen dem Hafen von Haifa und der Küstenebene schafft, fertiggestellt. Auch der Bau des neuen Weges von Haifa nach Akko schreitet fort. 18.000 Pfund wurden für wichtige Wegeverbindungen in der unmittelbaren Nachbarschaft des Haifa-Hafens bewilligt. Holum Sokolow beim französischen Präsidenten Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, wurde vom französischen Präsidenten, Herrn L e b r u n, in einer Audienz empfangen. Hernach erstattete Nahum Sokoiow dem Minister für Volksgesundheit, Justin G o d a r t, Präsident des Comit6 France-Palestine, sowie dem Führer der französischen Sozialisten, Leon Blum. Besuche ab. Stimme dev Jugend Seite 6 Aenfiere und innere Form Im Judentum Von Dr. Friedrich Aschkenasy, Lemberg. Le style c’est l’homme. Man könnte, den Satz erweiternd, dahin umprägen, der Stil mache das Volksindividuum aus. Der Stil ist aber bedeutend mehr als die Form, das rein Aeußere, es ist die Art und Weise, in der das Innere zum Ausdruck gebracht, das Aeußere, die Form, gehandhabt wird. Hierin äußert sich der Charakter, das «Wie» und nicht bloß der Inhalt .— den Stil dürfte man füglich als die innere Form bezeichnen. Land und Sprache stellen bloß die äußeren Vorbedingungen einer geistigen Gemeinschaft her und wir Juden sind selber klassische Zeugen hiefür, daß eine solche sich jahrtausendelang aus ureigener Kraft ohne diese äußeren formalen Behelfe selbständig zu behaupten vermag» aller Ungunst der Verhältnisse zum Trotz. Das Judentum hat ohne Zweifel sich seinen Stil zu behaupten gewußt, trotz der Einbuße von Land und Sprache, und ringt deshalb heute mit Zuversicht um die Wiedervereinigung der normalen territorialen und sprachlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist darum beinahe selbstverständlich, daß, je weiter wir auf diesem Wege fortschreiten, je mehr wir uns diesen Zielen nähern, um so intensiver die inneren Kulturprobleme in den Vordergrund unseres Interesses rücken müssen. Deshalb ist es ein immerhin erfreuliches Zeichen, daß wir heute im Zionismus — ungeachtet der Weltkrise — auch von jüdischen Kulturproblemen reden dürfen. Es ist nämlich grundfalsch, anzunehmen, wie es alle prinzipiellen Materialisten tun, daß Kulturwerte etwas Sekundäres, von den politisch-ökonomischen Daseinsbedingungen Erzeugtes, den künstlerischen Ueberbau des Physischen bedeuten. Sie sind gerade das Primäre, das Schaffende, das aktive Prinzip der menschlichen Weltgeschichte und wirken entscheidend auf die Gestaltung aller äußeren Verhältnisse ein. Das Innere des Menschen und der Volksseele als der höchsten Stufe jedes organischen Lebens auf Erden schafft aus sich heraus seinen Stil, seine inneren und äußeren Formen sowie alle sonstigen Bedingungen seiner historischen Laufbahn. Und darum, mögen auch die Formen zeitweise eingehen, mögen auch die Inhalte einer Kultur in gewissen Epochen versagen, so lange ein Volk noch Stil in seinem inneren und äußeren Erleben bewahrt, ist es noch lebensfähig und mag an ihm das Wunder der Wiedererstehung von den Toten wahr werden. Das Judentum büßte in der Zerstreuung wegen der furchtbaren Leiden anscheinend den prophetischbiblischen Lebensstil ein. Die übriggebliebenen Formen bewegten sich in zwei furchtbaren Gegensätzen; einer starren Formgebundenheit (Orthodoxi#) und einer ungenierten, zügellosen Formlosigkeit, einem unverzeihlichen Sich-gehen-lassen. Der äußere Druck der feindlich eingestellten Umgebung wetteiferte mit dem religiösen Fanatismus nach innen, um jede freie, ungehinderte Regung und Entfaltung der tiefinnersten Seele des Judentums im Keime zu ersticken, den geistigen Lebensnerv, den wahren Stil des Judentums, zu unterbinden und zu zerstören. Den dunklen Mächten des Mittelalters ist es nicht gelungen, aUs der Seele des Volkes das Bewußtsein seiner einstmaligen Größe und Eigenart auszumerzen, wenn auch zugegeben werden muß, daß der Durchschnitt unseres Lebensstils arg darniederüegt. Der Zionismu* ist auch hier Beweis und Bürge einer gründlichen* Reinigung und der enormen Wandlungsfähigkeit unsere« Volke«'

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