Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 232 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V.b. h. BEZUGS* BEDINGUNGEN Oastarrsich monatlich S 1*50, vierteljährl. S 4*20, ganxjlhrl . . S 16*— Deutschld. vierteliährl . . RM 3 — Tschechoslowakei viertelj Kr 24*— Jugoslawien vierteliihrl Din 40- Po'ett Vierteljahrlieb . . Zloty 6 50 Ungarn vierteljährlich Pengö 4 20 Rumlnien viertel [ahrl. Lei 120 — Uebriger Ausland vierteljahrl Schw Frankait 4*50 Jüdisdke Zeitung Er 4 1 Doi i und / Wien, t T/ [o er’ O Ci P: & c'- ‘ P: cü) ry b* I Oesterr. > Polen 9 Tschechoslowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 I I 5. Jahrgang Wien» Donnerstag, 16. Juni 1932 (12. Siwan 5692) Nummer 232 Das moderne Palästina Buthenbergs Großkraftwerk eröffnet - Jährliche LeMung %wölf Millionen Einheiten Das von Pinchas Ruthenberg geschaffene elektrische Großkraftwerk in Abadieh, am Zusammenfluß des Jarmuk mit dem Jordan, dessen Errichtung viereinhalb Jahre in Anspruch nahm und bei dessen Bau 600 jüdische und arabische Arbeiter beschäftigt waren, wurde am 10. Juni vom High Commissioner für Palästina General Sir Arthur Wauchope in Anwesenheit des Emirs Abdullah von Transjordanien, des britischen Residenten in Transjordanien Colonel Cox, zahlreicher hoher Regierungsbeamter und Vertreter der großen jüdischen Körperschaften des Landes eröffnet. Der High Commissioner huldigte in seiner Festansprache der Persönlichkeit des Schöpfers des Großkraftwerkes und der gesamten Elektrizitätsanlagen Palästinas, Ing. Pinchas Rutenberg, und führte aus, Rutenberg habe sich durch keine wirtschaftliche oder andere Schwierigkeiten abhalten lassen, das Werk, das Palästina und seinen unmittelbaren Nachbarländern zum Segen gereichen wird, zu vollenden. Er betonte den hohen Nutzen von Kraft und Licht sowohl für die Städte wie für die Landwirtschaft Palästinas. Am Schluß seiner Ansprache setzte der High Commissioner persönlich durch Druck auf einen elektrischen Knopf die Turbinen In Bewegung, die die Hochspannungsleitungen speisen, welche das ganze Land mit elektrischer Kraft und mit Licht versorgen. Die jetzige Betriebsanlage ist vorläufig zur Erzeugung von jährlich 12 Millionen Einheiten eingerichtet, es kann aber im Bedarfsfälle seine Leistung bis auf 65 Millionen Einheiten steigern. Vollendung des Haifa-Hafens im Frühjahr 1933 Der Prinz von Wales kommt zur Einweihung Es steht nun fest, daß der große Hafen von HaifaimFrtih ja h r 1933 vollendet sein wird. Die Einweihung des Hafens wird in Gegenwart des Prinzen von Wales, der sein Erscheinen zugesagt hat, der arabischen Herrscher und der europäischen Kommissare der Nachbarstaaten vor sich gehen. Mit der Einweihung des Hafens wird eine große Handelsausstellung verbunden sein. Zwsimillionen-ilnlBihe der tschechoslowakischen luden für Palästina Auf Anregung der Palästina-Exekutive der Jewish Agency hat die tschechoslovakische Zentralkommission des Keren Hajessod in den letzten Wochen eine 6prozentige Anleihe mit öjähriger Laufzeit in der Höhe von Kc 2,000.000 (17.000 Pfund) aufgenommen. Die Anleihe dient der wirtschaftlichen Konsolidierung einer Reihe landwirtschaftlicher Siedlungen im Emek Jesreel, darunter der beiden von tschechoslovaklschen Chaluzim errichteten Siedlungen Beth Alpha (Chefzibah) und Sarid. An der Durchführung der Anleihe-Aktion, für die ein spezielles Komitee eingesetzt worden war, haben insbesondere Generaldirektor Dr. Ing. Armin Weiner, Vorsitzender des tschechoslowakischen Keren Hajessod, Dr. Josef Popper, Großpräsident der tschechoslowakischen Bnei Brith-Logen, Otto Freund, Direktor der Böhmischen Unionbank, ferner der Generalsekretär des tschechoslowakischen Keren Hajessod, Dr. Hugo H e r r- In a n n, Abg. Angelo G o 1 d s t e i n, Ing. E. H o f fjn a n n und Richard Steiner hervorragenden Anteil. Es bestehen gegenwärtig noch ernste Schwierigkeiten hinsichtlich der Ueberführung der Anleihesumme nach Palästina, die durch die geltenden Devisenbestimmungen bedingt sind. In den Verhandlungen, die von den tschechoslowakischen Vertretern der Jewish \gency geführt werden, wird darauf hingewiesen, daß sine Verzögerung in der Ueberweisung schwere wirtschaftliche Schädigungen tschechoslowakischer Siedler in Palästina im Gefolge haben müßte. Der French-Berlcht der Jewish Agency übergeben Der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, hat am 13. Juni der Jewish Agency und der arabischen Exekutive je ein Exemplar des Berichts des Landentwicklungsdirektors Lewis Fr euch über die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina übergeben und sie aufgefordert, sich zu demselben von ihrem Standpunkt aus zu äußern. Bekanntlich^ die englische Regierung im Unterhaus auf Anfragen wiederholt erklärt, daß der French- Bericht nach seiner Fertigstellung der Jewish Agency und der arabischen Exekutive unterbreitet werden wird, damit sie sich zu dem Inhalt desselben äußern. Erst dann werde die englische Regierung sich mit dem Bericht befassen. Hirtschaftliches Pro-Palästina- Komitee in II. S. 9. Bei einem im Park Royal Hotel in New York am 6. Juni abends stattgefundenen Diner wurde die Gründung eines amerikanischen Wirtschaftskomitees für Palästina (Economic Committee Pro-Palestine) vollzogen. Das Komitee wird an der Gründung von Unternehmungen mitwirken, deren Ziel es ist, die wirtschaftliche Entwicklung in Palästina zu beschleunigen, und wird solche Unternehmungen beraten. Unmittelbare Aufgabe des Komitees ist es, Finanzkreise und individuelle Kapitalbesitzer zu ermutigen, Investitionen in Palästina zu machen. Richter Julian W, Mack wurde zum Ehrenpräsidenten, I. B. B r o d i e zum Präsidenten und Aba Roway zum Sekretär des Economic Comittee Pro-i*älestine gewählt. Das Toptupsystem in Bessarabien Die englische Regierung erkennt ihre Verantwortlichkeit für das Wohl der Minoritäten an Colonel Josiah Wedgwood richtete im Unterhaus an den Außenminister die Frage, ob er von dem englischen Gesandten in Bukarest oder vom Generalsekretariat des Völkerbundes Informationen über das in Bessarabien herrschende Tortursystem, insbesondere über die Marterung des Juden Samson Braunstein durch die Polizei in Jedinetz, einholen wolle. An Stelle des abwesenden Außenministers Sir John Simon erwiderte der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Captain Eden: Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten hat eine offizielle Bestätigung der Behauptung betreffend Torturen in Bessarabien nicht erhalten, aber der Außenminister hat den Gesandten Seiner Majestät in Bukarest ersucht, ihm einen Bericht hierüber zuzustellen. Auf die Bemerkung des konservativen Unterhausmitgliedes Bracken, daß es Geldverschwendung sei, Angelegenheiten betreffend Behandlung einzelner ausländischer Bürger zu untersuchen, erwiderte Captain Eden: Gemäß den Friedensverträgen tragen wir mit die Verantwortung für das Wohl der Minderheiten in vielen Ländern. . Stimme des Studenten Seite 6 Verdächtige späte Neigung Herr Maximilian Schreier, dessen publizistischer Ehrgeiz bisher nicht weiter ging, als jeden Montag pünktlich seinen bürgerlichen Lesern ein sozialdemokratisches Kuckucksei ins Nest zu legen, hat plötzlich sein jüdisches Herz entdeckt. Die sozialdemokratische Konjunktur flaut ab und man muß sich rechtzeitig um Ersatz umsehen. Und so erfährt das jüdische Publikum staunend, daß zwar der «Morgen» «nicht ausschließlich im Dienste jüdischnationaler Interessen steht», woran bisher ohnedies niemand gezweifelt hat, sich aber trotzdem nicht daran wird hindern lassen, anachronistische Kulturwidrigkeiten anzuprangern, wo immer er sie findet. Was aus dem Journalistischen ins Deutsche übersetzt ungefähr heißen soll, daß der «Morgen» ohne auf seine sozialdemokratischen Inserate zu verzichten, auch das jüdischnationale Leserpublikum nicht missen will. Wie macht man das aber, wenn man Jahrzehnte an der jüdischen Entwicklung teilnahmslos vorübergegangen ist und sich nur «kulturkämpferisch» betätigt hat? Man macht die große Entdeckung, daß es so etwas gibt, wie «Muskeljudentum». Selbstverständlich nicht in der Sportrubrik, wo es weiterhin nur einen bürgerlichen und Arbeitersport gibt. Denn nationalen Sport publizistisch fördern, da könnte man zum Schlüsse wirklich in den Verdacht kommen, «ausschließlich im Dienste jüdischnationaler Interessen» zu stehen. Also schreibt man einen Artikel mit der Ueberschrift in Balkenlettern «Die Judengasse petscht», schwelgt in Bewunderung, daß der jüdische Gedanke, dem man bisher sorgsam sein Blatt verschlossen hat, aus dem Ideologischen zur Aktivität gereift ist, verzeichnet mit Genugtuung, daß es eine Hakoah gibt, außerdem noch andere jüdische Sportler und steigert sich zum Schlüsse zu der Apotheose «Die Judengasse hat gepetscht», mehr noch, «sie hat verpetscht». Aber damit noch nicht genug — es gilt doch jahrelang Versäumtes auf einmal nachzuholen — und so sieht man im Bilde wiederum unter der. Ueberschrift «Die Judengasse petscht» einen herkulisch gebauten Juden, der eben im Begriffe ist, einen kleinen verwuzelten Hakenkreuzler mit einer schweren Eisenstange zu verprügeln. Eine prächtige Illustration, die mit vertauschten Rollen dem «Kikeriki» alle Ehre gemacht hätte. Es ist eben immer so, Neulinge können sich nicht genug tun. Der Artikel und das Bild haben prompt gewirkt. «Die Judengasse hat gepetscht» ist zum Kampfruf geworden. Einige Tage nachher gab es an den Hochschulen Krawalle und die stille Judengasse erlebte neuerlich eine Invasion von Nazihorden, die vom Ehrgeiz angestachelt waren, dem «Morgen» zu beweisen, daß sie sich nicht verpetschen lassen. Das kann lustig werden, wenn die Nazi und Herr Schreier miteinander weiter streiten, ob die Juden- BERATUNG und AUFKLÄRUNG über den richtigen Heilbehelf bei Fußschmcrzon, Knick* und Senkfüßen, Kriunytadorii, 0- und X-Beine, Froefballen, Soblonbreiinen, Hühneraugen etc. etc. durch den Fußspezialieten vollständig kostenlos und unverbindlich im Institut Bständig Wien, Is Teinfaltstraße nur Nr# 7 (beim Burgtheater) Sprechstunden täglich, auch Samstag von 8 bis 18 l'h:-