Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 230 (2.6.1932)
- Date
- 1932-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3053985--2977-3058438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V. b. b. BEZUGS- BEDINül TNGEN Oesterreich monat lieb S 150, viertel* jlhrl S 4*20, gen* jährl . . S 16 - Deutechld viertel jährl. . . RM V— Tschechoslowakei viertel] Kc 24'— lugoslawir/? vierteljährl Din 40‘ — Po1 er vierteljährlich . Zlorj ft 50 Ungarn viertel jähr lieh Pengö 4'20 Rumänien viertel Öhrl Lei 120 - ebriger Ausland vierteljährl. Schw Franker 4'50 Jfüdisdte Zeitung Preis 35 g I Ersehe' a1 h * f-J M jede Donner 'V H. rra o i-i Redakti ö er » und Admini < o Sr Wien, L K stra&e 10 r Tel R-2 rr\ Postspaf P: Ü *+ Cikol # p: CI- Oesterr. | Ui Polen ry' Tscheche! i Slowakei Jugoslawi.. Oü: <??• 5. Jahrgang Wien, Donnerstag, 2. Juni 1932 (27. Ijjar 5692) Nummer 230 MASSENMEETING Samstag, am 4. Juni, um halb 9 Uhr abends, im Hotel Continental, Wien II., Taborstraße. Der antisemitische Terror und die Juden Redner: Dr. Desider Friedmann, Dr. Oskar Grünbaum, Dr. Josef Löwenherz Juden, erscheinet in Massen! HahenHrenz-Terror Feige ueberiaiie aut einzelne Passanten und in der Judengasse - Schwere Exzesse aui der Universität Die Nationalsozialisten, die durch Demonstrationen auf der Straße einen Druck auf die Regierungen und die politischen Parteien des Parlaments ausüben wollen, um Neuwahlen zu erzwingen, benützen diese Gelegenheit, um ihre Anhänger zu organisierten Ueberfällen auf die Juden zu mobilisieren. Aufgehetzte junge Burschen stänkern auf der Straße jüdisch aussehende Passanten an und Haufen junger Leute bemühen sich, dem Hakenkreuz durch planmäßige Angriffe auf die Judengasse Ruhm und Ehre zu gewinnen. Einen besonders feigen Ueberfall leistete sich der Hörer, der Technischen Hochschule, Rudolf S c h n a 1- I e r, der Samstag abends auf der Salztorbrücke den 26jährigen Fleischhauergehilfen Jacques Klar mit einem Dolchmesser schwer verletzte. Schnaller ging bei der Brücke in provozierender Weise auf und ab, beschimpfte Juden und geriet dabei auch auf Klar, der ihn wegen des Zurufes: «Saujud verrecke 1» zur Rede stellte. Klar, ein kräftiger Mann, verabreichte Schnaller, als dieser handgreiflich wurde, eine Tracht Prügel und warf ihn zu Boden. Der Hakenkreuzler riß im Fallen Klar mit sich und zog plötzlich aus der hinteren Hosentasche einen Dolch, mit dem er Klar - einen Stich im Oberschenkel beibrachte. Klar be- - merkte nicht gleich die Verletzung, er wurde ihrer erst gewahr, als er Blut in seine Schuhe fließen spürte. Die erbitterte Menge fiel über Schnaller her und verprügelte ihn. Ein herbeigerutener Wachmann nahm den Hochschüler mit den Apachenmanieren in Haft und wollte merkwürdigerweise auch Klar aufs Kommissariat mitfuhren, obwohl dieser stark blutete. Auf die entschiedenen Einwendungen der Umstehenden ließ sich der Wachmann endlich herbei, die Rettungsgesellschaft kommen zu lassen. Klar wurde durch den Dolchstich ein Muskel und eine Vene durchschnitten, so daß er viel Blut verlor. Der Fleischhauergehilfe, der gegenwärtig arbeitslos ist, und mit den geringen Verdiensten aus Gelegenheitsarbeiten seine alte Mutter erhalten muß, besaß nur eine einzige Hose, die nun vollständig unbrauchbar ist, da sie der Arzt der Rettungsgesellschaft aufschneiden mußte, um zur Wunde zu gelangen. Auch die Schuhe, die vollkommen von Blut durchtränkt sind, wird er nicht mehr tragen können- Bemerkt zu werden verdient, daß die Polizei in ihrem Bericht über den Ueberfall zwar den Namen des Ueberfallenen nannte, den des Hochschüler-Rowdys jedoch verschwieg. Am Montag gingen die Hakenkreuzstudenten unter der Devise «Rache für Innsbruck», wo in der Vorstadt Hötting blutige Zusammenstöße zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten stattgefunden hatten, bei denen ein Nationalsozialist getötet wurde, an der Universität sowie an der Technik und an der Welthandelshochschule gegen die jüdischen Hörer vor. Mit ihrer leider schon genugsam bekannten Bestialität und mit dem Mut, den sie stets zeigen, wenn sie in der Mehrheit sind, schleppten sie in der Universität einzelne Studenten und Studentinnen durch die Aula und prügelten auf sie mit Stöcken, Gummiknütteln und Ruten los. Dann warfen sie die blutig geschlagenen Gegner auf die Rampe, vor der die Sicherheitswache in Gemütsm HÄ/5ER5TR. 123 AT. ÄL5ER5TR. C S IS- S 20-S 28 ruhe stand, weil ihr die Wahrung der «Hochschulautonomie wichtiger erschien, als der Schutz des Lebens von Menschen. Eine Gruppe von nationalsozialistischen Studenten zog indessen wiedtr einmal zur^Judengasse und merkwürdigerweise *kaiTrauch-diesmal die Polizei zu spät. ‘ Allerdings holten sich die Bürschchen in der Judengasse wieder Prügel. Einer von ihnen wurde durch einen Hieb mit einer Stange am Kopf verletzt, der junge jüdische Geschäftsmann, der sich gegen den hinterhältigen Ueberfall der feigen Meute mit der Stange gewehrt hatte, dagegen in Haft genommen. Am Tag darauf wollten Hakenkreuzler anläßlich der Konstituierung der Bezirksvertretung der Inneren Stadt neuerlich in die Judengasse einbrechen. Die Empörung der Bevölkerung über dieses Treiben der Nationalsozialisten und Uber das seltsam laxe Vorgehen der Polizei hatte aber inzwischen die kompetenten Stellen veranlaßt, für einen entsprechenden Scnutz der Judengasse und ihrer Umgebung zu sorgen, so daß der Plan der Hakenkreuzler nicht zur Ausführung gelangen konnte. Fusion der palästinensischen Elektrizitätswerke? Ruthenberg soll Jerusalems Wasserversorgung übernehmen Der Jerusalemer Korrespondent der Berliner Zeitung «Industrie und Handel» meldet: Die fehlgeschlagenen Versuche zur Wasserbeschaffung für Jerusa- I e m haben die Stadtverwaltung allein bei dem Objekt von Ain Farah etwa 20.000 Pfund gekostet; es wird nun das Gerücht von der Vergebung der Jerusalemer Wasserleitung an die Palestine Electric Corporation (Ruthenberg-üesellschaft) laut. Im Zusammenhang damit heißt es, daß auch die Konzession für die Belieferung der Stadt mit elektrischer Kraft aus den Händen der bisherigen Inhaberin, der Jerusalem Electric and Public Service Corporation, in die Hände der Palestine Electric Corporation übergehen wird. Zu diesem Zweck soll eine Aktien-Emission der Palestine Electric stattfinden, um das Aktienpaket der Jerusalemer Gesellschaft umzuwandeln. Gemeinsame Aktion arabischer und jüdischer Orangenzüchter Die arabischen und die jüdischen Orangenzüchter in Palästina haben beschlossen, eine gemeinsame Delegation zu der britischen Reichskonferenz, die in Ottawa stattfinden wird, zu entsenden. Die Palästina-Delegation wird sich auf der Konferenz dafür einsetzen, daß palästinensische Citrusfrüchte, die unter das neue Zollgesetz, betreffend ausländische Produkte, fallen, nach Großbritannien und die übrigen Teile des britischen Reiches zollfrei eingeführt werden. Schicksalswende Düstere Wolken bedecken den politischen Horizont. Die politischen Parteien in Oesterreich, aus denen sich die Regierung zusammensetzt, sind durchwegs antisemitisch, der Heimatblock extrem antisemitisch. Die Angst vor den Hakenkreuzlern veranlaßt die Regierungsparteien, mit aller Macht itt das antisemitische Horn zu stoßen, ln Oesterreich stockt Handel und Industrie. Die Fabriksschlote rauchen nicht, in den Geschäften stehen die wenigen noch nicht abgebauten Angestellten müßig herum. Die Regierung sieht tatenlos zu, wie das Staatsschiff finanzpolitischen Klippen zutreibt, an denen es zerschellen kann. Nirgends ist ein konstruktives Programm zu sehen. Wien ohne Fremdenverkehr, ohne genügende Exportmöglichkeiten bietet das Bild einer sterbenden Stadt. Diese Grabesstille in Politik, Handel und Industrie steht in starkem Kontrast zum Lärm der Straße. Die Regierung duldet es, daß täglich johlende Hakenkreuzler die Straßen durchziehen, daß sich Messerstechereien ereignen, daß Ueberfälle auf jüdische Geschäfte stattfinden, daß lerneifrige jüdische Studenten und Studentinnen von uniformierten Hakenkreuzlern aus den Lehrsälen mit Stahlruten, Gummiknütteln und Schlagringen hinausgeprügelt werden. Kopfschüttelnd hört die zivilisierte Welt, daß die Macht der Wiener Polizei an den Pforten der Universität ihr Ende findet und daß die Polizei ruhig zusieht, wie auf akademischem Boden alle möglichen Verbrechen begangen werden. Aber aucu auf den Straßen versagt die Polizei. Wir möchten der Polizei empfehlen, einmal christliche Geschäftsleute zu befragen, was die Geschäftswelt über die Straßenkrawalle denkt. Wir empfehlen der Polizei eine Nachfrage in den großen Hotels. Leere Stockwerke sprechen dort eine beredte Sprache. Wir empfehlen der Regierung, die es nicht für notwendig befindet, auch nur ein Wort der Mißbilligung über den Terror in den Straßen auszusprechen, die Lektüre der ausländischen Blätter und eine Umfrage in maßgebenden Kreisen des Auslandes. Sie wird finden, daß —► Gehst Du elendig? <- Komm* zu Bständig! Sanitas Comprl Vena, der neue Krampfadernstrumpf Ohne Gummi. Vollkommen sicherer Kehutz gegen Kramnfadern,bewährt als Schlankfoimer, leichter als Gummistrtimpfe, haltbar, waschbar und vollkommen unsichtbar Insfifnf »ständig für Fußheilbehelfe und Bandagen Wien, f«, Telnffaltstr. nur Nr. 1 Kostenlose Beratung täglich von 9 - xsUbr Zwecks brieflicher Aufklärung Rückporto einsenden