Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 229 (26.5.1932)
- Date
- 1932-05-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 329 — 26. Mat 193» msmm Jüdische Studenten! Tretet der Arft» 9 Auskünfte und Anmeldungen: Montag, Mittwoch ao bis aa Uhr. Wien, 9. Beairk, Nußdorferstraße Nr. 16 Tod eines berühmten jüdischen Athleten Im Alter von 81 Jahren starb in Birmingham Eduard Lawrence Levy, einst der führende englische Athlet. Er begann seine Laufbahn als hehrer und betätigte sich später auch auf dem Gebiete der Musik und der Bühne. Auch als Schriftsteller gewann er einen Ruf. Am bekanntesten aber wurde er als Athlet. Zwischen seinem 20. und 30. Lebensjahr hielt er die Meisterschaft cfes Atfietenklubs in Birmingham. Im Jänner 1801 wurde er Meister für England und im März des gleichen Jahres internationaler Meister im Gewichtsheben. Er nahm an dem Arrangement der Olympischen Spiele teil. Unsere Haganah Am Herzl-ürabgaug konnte man eine ansehnliche Ufuppe bemerken, die nicht zu den Jugendbünden zäWte, aber trotzdem eine stramme Organisation aufwies. Dies war unsere «Hoclisduil-Haganali». Wie erinnerlich, wurde sie heuer im Sommer von einigen Studenten deshalb ins Leben gerufen, um der studierenden jüdischen Jugend genügenden Schutz gegen die fortwährenden Radauveranstaltungen und «juejenfemen Wochen» der Hakenkreuzler zu bieten. Ihre Eeuerprobe an der Universität hat sie scihon bestanden. Das erstemal waren es nur fünfzig, das zweitemal aber schon siebzig, die zeigten, daB die jüdischen Studenten kein Freiwild fiir randalierende Nazibuben seien. Wir hoffen und wünschen der Haganah eines: Sie möge Weiterarbeiten wie bisher und sich nicht durch Feindseligkeiten beirren lassen, die ihnen zahlreiche Feinde verursachen werden. Und hoffentlich werden alle jüdischen Studenten und Akademiker einsehen, daß ihr Platz nur im Zionismus und damit in der Haganah sein kann und soll. Juda. Jüdischer Sport- und Schützenverein Menorah, Wien, IX* Nußdorferstraße 16. Auskünfte und Anmeldungen ln den Amtsstunden: Montag, Mittwoeh und Donnerstagvon 30 bis 22 Uhr. Training: Montag von JO.Jü bis 22 Uhr, Donnerstag von 10.30 bis 30.80 Uhr. Die QenaralVersammlung des Vereines findet Sonntag, 12. Juni, 20 Uhr, im Vereinslokal statt. Studentenkorps Hapanah im J. §• S. V. Menorah« Amtsstunden wie oben. Training: Juristen, Philosophen, Welthandel Montag Von 19 bis 20.30 Uhr, Mediziner Dienstag von 19 bis 20.80 Uhr, Techniker Mittwoch von 10 bis 20.80 Uhr. Touristik- und Skiklub Hakaah. 29: Mai: Lobau von Freudenau führt Herr Ing. Jfl. Krauß. — 39. Mai: Schneealpe (Voranmeldung) führt Herr Ernst Gerstenfeld. VDtutsttkaft Die angst vor definitiven Lösungen Von Emst E1 y Pas EinanzkapitaJ, das. im Völkerbund noch seine letzte große Tribüne gerettet hat, wird von Angst vor Gewißheiten geschüttelt. Unter vernünftigen Menschen, die sich der Wirklichkeit nicht jo eine Traumlandr schaff flüchten, hätte es über die D n e r 1 ä ß 1 i c h k e i t des österreichischen Transfermorator i u m s gar keine Debatte gegeben. Man kann einfach von Devisenbeständen von etwas über 200 Millionen, die Oesterreich nach den großen Stürmen verblieben sind, nicht Transferverpflichtungen von 270 Millionen Schilling im Jahr erfüllen. Das Hexeneinmaleins gilt wohl bis auf weiteres noch nicht als eine Maliiematikprothese. Man kann Oesterreich nur zum Vorwurf machen, daß es seine Situation zu spät erkannt hat. Die löOMillionen Schilling, die seit der zentralen Devisenbewirtschaftung für Kuponzahlungen undRückeinlösung rediskontierter Wechsel abgeflutet sind, haben ihre Zweckbestimmung v o 11 kommen verfehlt« sie haben den internationalen Kredit Oesterreichs nicht aufgerichtet, sie haben den Gläubigern nur eine vorübergehende Beruhigung verschafft, aber sie haben die Lebensfähigkeit des Staates ent- AVIGDOH HAMEIRI 8ß om GROSSE WAHNSINN Autor, UebBrtraguiig aus dum Hebräischen von Sein Wolf- Wir gehen weiter, ln gerader Linie. Arbeiten und ruhen aus. Es ist eine herrliche, frostige Nacht. Stille rings umher. Dann wieder Arbeit — zwei Stunden ununterbrochen. Und wieder Ruhe und Stille, Es ist Viertel dr*i Uhr. Herrliche Nacht. Stille. Plötzlich hören wir Geräusche, Wo denn? Hinter uns? Jawohl, hinter uns. Jedoch nicht direkt hinter unserem Rücken, sondern mehr von der Seite. Pie Geräusche. Zuerst hören sie sich an, als ob jemand gleich uns im Schnee graben würde, doch dann wissen wir cs ficher: Menschen flüstern. Und dann hustet jemand. Ich gebe den Befehl, die Arbeit zu unterbrechen und zurückzukehren. Wir kehren nach «Hause» zurück, Freude. Gebratene Erdäpfel sind da. Heiß und gesalzen. Herrlich! Aber jetzt wollen auch die anderen, die sich lang» wsttot, »loht bleiben. Ich wähle drei neu« Leut« für | schieden vermindert. Es gibt nur eine richtige Politik: die Wirklichkeit erkennen und ihr in seinen Aktionen Geltung verschaffen. fm übrigen wird bald die halbe Welt die Schuldzinsen nicht bezahlen können. In S ü d a in e r i k a ist Argentinien noch der einzige Staat, der nicht an das Entgegenkommen seiner Gläubiger appelliert hat. Hoffnungen winken dem Finanzkapital nur in Brasilien, in den anderen südamerikanischen Staaten, namentlich in Peru und Chile, werden ihnen nur Enttäuschungen erwachsen. Der Termin, wann Griechenland, B u l g a r i e n, ja auch Ungarn und die Türkei ihr Teilin ein Vollmoratorium werden verwandeln müssen, rückt gespenstig näh«r. Und auf der Lausanner Konferenz werden die Geldmächte erfahren, daß nicht einmal Deutschland in der Lage ist, seine Stillhaltevereinbarungen zu respektieren, von den politischen Schulden ganz zu schweigen. Deutschlands Ausfuhrüberschuß, der noch im Jahre 1931 drei Milliarden Mark umfaßte, wird im Jahre 1932 über eine Milliarde Mark nur unwesentlich hinausragen. Die Zinslasten für die kurz- und langfristigen Auslandsschulden betragen nun 1.75 Milliarden Mark. Andere Ressourcen als Guthaben aus dem Export stehen Deutschland nicht zur Verfügung. Da es nun unmöglich ist, eine Milliarde, die aus dem Sohrumpfprozeß des Welthandels übrigblieb, zu 1.75 Milliarden zu strecken, so wird Deutschland vermutlich den gleichen Canossagang machen müssen wie Oesterreich. Nun zieht sjch Oesterreich, wenn es mit dem Finanzkapital abzurcchnen sucht, nicht plumpe Röhrenstiefel an, es geht nicht mit Ulrich-von-Hutten-Gefaärden ins Ausgleichsverfahren. In Deutschland muß aber jeder Wirtschaftsvorgang, sei er auch nur durch kühlste Logik zu erklären, heldisch instrumentiert werden. Und da sodieVcrquickungvonPolitikundTransferm Oratorium nicht zu vermeiden ist, so wird die Welt im Sommer vor einem der bösesten Fragezeichen stehen, die seit dem Wüten der unbarmherzigen Krise aufgetaucht sind. Transfermoratorien sind natürlich ebensowenig Lösungen wie es Stillhaltungen waren. Man kann höchstens behaupten, daß Transfermoratorien den Komparativ der Stillhaltungen darstellen. Der geschwächte Körper der europäischen Logik verträgt anscheinend die rettende Medizin nur eßlöffelweise, In Wahrheit gibt es keine eingefrorenen Kredite, keine bloßen Ueberwei- .sungsunmöglichkeiten, in Wahrheitgibtesverlorenes Geld. Hinter dieses verlorene Geld muß ein Strich gezogen werden, dieses verlorene Qeld darf nicht ununterbrochen wie eine böse Gewissensmahnung in den Büchern des Finanzkapitals aufscheinen. D i e festverzinslichen Papiere der armen Staaten verzinsen sich bej ihren gegenwärt igentständen mit 15 bis 25 Prozent, das heißt, die internationale Spekulation, die sieh ja doch kein X für ein U vormachen läßt, eskgmptiert bereits ein Schuldenarrangement auf der Grundlage eines sehr stark in die Waagschale fallenden Zinsennachlasses. Nur bei den großen Konferenzen amüsieren sich die Herren der Welt mit finanziellen Tanzmasken, mit Fiktionen. Und dabei wollen sje den Eindruck erwecken, als hänge es von ihrem Ja oder Nein ab, nach welchem System die Schuldner ihr Haus bestellen können. Die Angst war immer eine schlechte Ratgeberin, die Angst vor definitiven Lösungen ist schon eine vollendete Unheilsbringerin. Es ist beinahe so, wie kürzlich geschrie* den Ausflug. Auf meinen Diener kann ich nicht verziohten. Und MarguHes will auf den «Ausflug* wieder nicht verzichten. Er igt sehr wichtig«, er lest hinter uns den Telephondraht. Wie bei einer ernsten strategischen Offensive. Folglich können nur »wei heue Leute mitkommen. Wir losen aus. Das Los fällt auf zwei Infanteristen: Abraham Markus und Leib Adler. Beide Juden. Nqch einen nehme ich aber mit, der mich sehr darum bat. Pen Ele>k Fardy, Das war ein Ungar. Wir legten den bereits gebahnten Weg rasch zurück und setzten dann die Arbeit des Grabens fort. Da hörten wir wieder flüstern. Und ein Stöhnen und Husten. Und dann ein unterdrücktes Fluchen. Wie ein Mann sagten wir es alle: Russen! Hinter uns. Links von uns. Wir kehren in Eile zurück. «Stoj!» —• hören wir plötzlich eine brutal« Stimme und vor uns blitzen einige Bajonette auf. Ein kurzer Kampf. Fardy fällt, von einem Bajonett durchbohrt, «im Namen der Jungfrau Maria,» Margulies macht aus dem Telephondraht eine Schlinge Um den Hals eines Russen und erwürgt ihn. Dann flieht er und schreit: «Ich hole Hilfe!» Er verschwindet. Ich töte einen Russen mit dem Revolver, Es erscheinen noch einige Russen und einer von ihnen schreit: «Plen! Plgnl» Wir sind umzingelt. Jemand packt mich von hinten. Ich kann mich nicht rühren. Und sie schießen niehj und stechen nicht mdir, Wir sind gefangen. ben wurde: Europa hat ein Transferm Oratorium gegen die Vernunft verhängt. Jüdische Kredithilfe in Wien Die Kreditkasse fiir Kleingewerbe und Kleinhandel m Wien hielt kürzlich ihre IX. ordentliche Generalversammlung ab. Dem in der Versammlung erstatteten Tätigkeitsbericht für das Jahr 1931 ist zu entnehmen: Die erste Hälfte des Berichtsjahres stand unter dem Zeichen der ernsten Sorgen hinsichtlich der weiteren Gestaltung der finanziellen Lag« der Kreditkasae. Wohl wurde seitens der Wiener KultusgemeÄude die zweite Hälfte ihrer 20.000-Schifling-Zeichnung zu Jahresbeginn eingezahlt. Diesem Eingang standen jedoch Verpflichtungen zur Rückzahlung von fälligen Darlehensraten an die American Joint Reconstruction Foundation kn Betrage von S 30.000 gegenüber. Es wurden Verhandlungen mit der Foundation angekntipft, die durch die persönliche Intervention der Herren Börserat Glück und Vizepräsident Dr. Löwe n h e r z, die zu diesem Zwecke nach Berlin reisten, ihren erfolgreichen Abschluß fanden. Die Foundation überwies prompt den Betrag von 5000 Dollar als erste Hälfte des ihrerseits in Aussicht gestellten neuen Darlehens. Dank diesem Umstand war die Leitung der Kasse in der Lage, auch in diesem Jahre den Geschäftsbetrieb ohne Störung fortzusetzen und die an sie gestellten Kreditansprüche?u erfüllen. Im Gegensatz zu den früheren Jahren ist die Zahl fter eingelaufenen Kreditansuchen gesunken. Dies hat wohl seinen Grund in der fortschreitenden Pauperisierung des jüdischen Kleinhandels- und üewerbestandes. Tatsächlich schied ein Teil der bisherigen Kreditnehmer infolge Betriebseinstellung, bezw. Geschäftsliouidierung aus dem Verzeichnis der Darlehensnehmer aus. Dennoch war die Gesamtsumme der Rückzahlungen in der Berichtsperiode sogar um ein Oeringes höher als die ausgezahlten Darlehen. Von den bewilligten Darlehen gelangten in der Berichtßperiode 571 Darieh®*1 zuf Auszahlung, gegenüber 742 Darleihen im Vorjahre. De Höhe der Einzelqarlehen betrug in 13.7 Prozent der Fälle zwischen S 500 und S 1000, in 79.4 Prozent der Fälle S 500 und in 6.9 Prozent der Fälle unter S 500. Der Stand der Genossenschafter betrug 1740 Mitglieder. Zusammenbruch eine« palästinensischen Hptelkonzerns Wie als Palästina gemeldet wird, hat eines der größten palästinensischen Hotalunternehmeh, die Firma B a r s k y. der u. a. das Palast-Hotel und das Palatlne-Hotel in Tel- Awlw gehört, seine Zahlungen eingestellt. Barsky war früher Besitzer des AUenby-Hotels in Jerusalem, das vor einiger Zelt in andere Hände überging und jetzt unter deutscher Leitung steht. Mon nimmt an, daß der Zusammenbruch Barskya auf eine übermäßige Expansion seines Unternehmens zurückzuführen ist, der er finanziell nicht gewachsen war. In gewisser Beziehung hat auch dl® Konkurrenz des neuen großen King Pav»d-Hotels in .lerusalem die Position der Harsky-Hotels verschlechtert. Die Passiven sollen sich guf über eine M.illiqp Mark belaufen- Unter den Gläubigem befindet, sich außer jüdischen Geldgebern und Banken auch die mohammedanische wakf-Verwaltung als Besitzerin des Jerusalemer Grundstückes. Dl« Gehälter der englischen Pajästinabeginten Die „Frankfurter Zeitung” bringt einen Berloht über die Hage Palästinas, worin darauf hingewiesen wird, daß es in Palästina „keine Krise gibt“. Nach einer Schilderung der jüdischen Expansion fährt der Artikel fort: Palästina ist ein armes und kleines Land nnd dCJ Begierungsaufgaben. auf den Gebieten der Erziehung, d@8 Gesundheitswesens, der spzialen Fürsorge, der Förderung ÖPF Landwirtschaft wären viel. Aber dafür gibt es kein Geld. In diesen Zeiten der allgemeinen Krise hat man überall die Gehälter der Beamten stark herabgesetzt. Auch Palästina wurde von einer von London aus gesandten EFgparniskommisgipn besucht, aber die Begierung war so vorsorglich, den Bericht dieser Kommission geheim zu halten und nicht den Untertanen bekannt zu geben. Beinahe die Hälfte des palästinensischen Budgets geht für Beamtengehälter, alle irgendwie höheren «der einflußreichen Posten sind ausschließlich durch englische Be* amte besetzt, Palästinenser, Araber wie Juden, werden nicht zugelassen, obwohl doch die palästinensische Bevölkerung zur Selbstverwaltung erzogen werden soll, Hie Gehälter der hohen Beamten sind nicht nur relativ für ein su kleines Land, sie sind auch absolut ebenso sehr hoch wie die Zahl dieser englisohen Beamten, etwa verglichen mit dem so vielfach größeren Indien, «p daß auch die Beamten Palästinas nlolvts von der Krise spüren. 11 '' l""1" ■ -I Sie führen uns einige Schritte zurück in der Rieh-» tung unserer Uni«, aber dann biegen m sefprt nach rechts ab und führen uns ihren Weg. Jet?t habe ich verstanden: zur selben Zeit, als Wif uns der russischen Linie näherten, machten die Russen einen «Ausflug» m uns. So daß wir aufeinander stießen. Die Entfernung zwischen den beiden Wegen ist kaum sieben oder acht Meter lang. Zum Teufel! Ein Russe erklärte mir all das. Aber ich versteh« von all dem, was er sagt, kein Wort Ich brauche ihn auch nicht zu verstehen, die Sache ist ganz klar . . , Kein Ausweg, Qottseidank, daß wenigstens Mar-* gulies gerettet ist, Leider wird seine Hilfe zu spät kommen, Kein Ausweg. Wir sind gefangen. Gefangen — das ist ein sonderbares Gefühl. Ein verworrenes Gefühl. Ich kenne mich gar nicht aus. Es ist. als ob man plötzlich erwachen würde. Und es steckt alles Mögliche in diesem Gefühl drin: Leid, Scham, Freude, Angst, Erlösung, Haß, Liebe, Lachen und Weinen zugleich, Und es ist schwer, im ersten Auge»* blick zu entscheiden, weiches Gefühl dominiert. Also das ist der schreckliche Feind, Aug’ in Atige stehen wir uns gegenüber. Er ist gar nicht schrecklich. Abiotut flieht, ln) Gegenteil. Sie lächeln und reden mit un« ganz freund» schaftlich. Einer legte seine Hand auf meine Schulter (nachdem er mir meinen Revolver abgenommen), ganz Ipicln, und sagte: «Offizier!» (ßottrntomg fcrigJK /