Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 226 (5.5.1932)
- Date
- 1932-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. h. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oeaterreich mottet- Heb S 150, viertel* flhrl. S 4 20, gan* tthrL . . . P 16 — Deutschi d. viertel »hrl.. . . RM 3‘— veb e c ho sl o»« kei viert#lj . Kc 24'— Jugoslawien «Hertel illhrJ . Diu 40 — Polen vierteljlhr Heb . . Zloty 6 30 Ungarn vierteljlhrlieb . . Pengö 4'20 RumSnien vtertelilhrl.. Lei 120*— Uehriger Ausland vierteljlhrl. öchw Franker 4 30 I* T Jüdtsdke Zeitung Preis 35g M 1-3 M- - Cf d h~> Erscheint ' tri? jeden c H- LJ J Donnerstag > N w r h* t-i Redaktion Cü und Administration CD: h* Cf cf Wien, L» Kftrntner- & strafte 28 M cf '0 er H* Tel. R-27 4-86 Postsparkassen* Cf konti: )—1 h* Oesterr. D 113.546 o Polen . . . 19U99 cf £ lachecho- Slowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 kV l ■Rkt.-nra 5. Jahrgang Wien, Donnerstag« 5. Mai 1932 (29. Nissan 5692) Nummer 226 Empor zu Herzt! Von Or. Oskar GrUnbaum Nichts ist bedenklicher als Feste zu feiern, nur weil der Kalender einen historischen Tag aufzeigt. Das gilt ganz besonders auch von Herzls Geburtstag. Man streut Weihrauch dem Führer und damit Weihrauch sich selbst. Das Zitatenlexikon tritt in Aktion. Gewaltige Reden werden geschwungen und endigen gewöhnlich mit den Worten, die Goethe an Schillers Bahre sprach: «Denn er war unser.* Wenn wir Herzls Geburtstag feiern, müssen wir uns Rechenschaft ablegen, ob Herz! wirklich «unser* war. Denken wir zunächst an den antizionistischen Teil des Judentums. Herzls «Mauschel*, sein «Protestrabbiner*, Güdemanns «Nationaljudentum*, schmutzige Verdächtigungen aller Art zeigen uns die häßliche, aus Neid, Angst und aus Aerger über die gestörte Bequemlichkeit gebildete Atmosphäre, mit der die Assimilation Herzl th den Kot zerren' iind da* mit die zionistische Bewegung lächerlich niacheri wollte. Nur ein großer Geist konnte das ertragen. Äni 7. November 1896 hielt Herzl in der «Oesterrejchisch- Israelitischen Union* in Wien eine Rede, in der er sagte: «Ich habe vor Ihnen zu erklären, was es eigentlich mit diesem phantastischen, verleumdeten und mißverstandenen Zionismus für eine Bewandtnis hat. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich Ihnen gar nicht sagen werde, ich sei ein Zionist. Nein, Sie alle sind es.» Nun, die Herren von der «Union» wollten nicht hören und wollen heute noch nicht hören. Wenn sie reden, dann reden sie heute wie im Jahre 1896 Gift und Galle. Liest man ihre Zeitung, dann könnte man meinen, sie hätten die Generalvertretung des Mufti für Oesterreich. Sie sind, um ein Wort Heines zu gebrauchen, «gestorben und wissen es selber kaum», aber sie hetzen noch in ohnmächtiger Wut. Sie wissen, daß ihre Tage gezählt sind. Herzls Genie wollen oder können sie nicht begreifen. Und die Agudah? Die frommen Agudisten, die unzählige Male beten: «Erneuere Zion, wie ehedem», die zu Gott beten, er möge rechtzeitig Tau und Regen spenden, an welches Land denken sie da? Sie beten für Zion und sorgen dafür, daß dieses Zion nur ja nicht erneuert werde. Aber in ihren Reihen dämmert es. In der Jewish Agency gibt es Männer ihrer Richtung, die ihr jüdisches Gewissen dazu drängt, mitzuhelfen beim Aufbauwerk. Aber noch ist es in der Agudas Jisroel nicht Tag geworden. Herzls Genius hat sie noch nicht erweckt. Und wir Zionisten? Ist Herzl «unser»? Denken wir zuerst an den Menschen Herzl. Der verwöhnte, schöngeistige «deutsche Schriftsteller* schreibt nach schweren inneren Kämpfen ein Buch, den «Judenstaat», und glaubt, damit sei dieses Thema für ihn /// HA/5ER5TR. 123 K. Alserstr. 6 S 15 - S 20 -S 28erledigt. Da sieht er sich plötzlich in den Brennpunkt einer mächtigen, das Judentum ln allen Teilen der Welt erfassenden Bewegung gestellt. Er reißt sich los, nicht von den Juden, von der Assimilation, die sein zweites Ich war. Er, der reiche Mann, opfert sein Vermögen, seine Gesundheit und stirbt als armer Mann. Er stirbt an einem Herzleiden, wenn man will, an gebrochenem Herzen. Er erlebt nicht, was er von seiner Idee sagte, indem er in seinem Aufsatz «Leroy-Beaulieu über den Antisemitismus* BGrenger zitiert: «Wie lange harrt eine Idee Als dunkle Jungfrau ihres Freiers! Die Dummen schelten sie verrückt, Der Weise spricht zu ihr: Verbirg dich! Da trjfft sie fern von allen Leuten EinÄ der jjöch äft hiprgsn glaubt, Und freit sie; da sie fruchtbar Wird, Ist es der ganzen Menschheit Glück.»: Und wir Zionisten von heute, eingesponnen Im Streit der Meinüngen, sind wir Nachfolger Herzls? Ist der Mensch Herzl unser Vorbild? Wir sind ein kleines Geschlecht geworden. Wie wenige von uns Hinterlandzionisten können von sich sagen, daß sie wirklich aufbauen, was Herzls Tod unvollendet ließ! Zionismus ist heute vielfach nichts als Geste, als Assi- STOBftf TEL- B 24-5-20 nicht stecken, sonst hört es auf, Genie zu sein. Da* Genie offenbart sich in der Ueberwindung des Zeitgeistes. Herzl sagte selbst vom Zionismus* «...Wie sich das weiter entwickeln wird? Wie Organisches sich entwickelt. Aus sichheraus! DieKräfte täglich neu erzeugend, die es braucht, und mit den Au fgaben wachsen d, nochmals wachsend und wieder wachsend.» Deshalb ist es ebenso verfehlt, zu rufen: «Zurück zu Herzl!», wie es schlecht ist, zu sagen: «ES wird schon gehen*, oder gar nichts zu sagen, nichts zu tun,, sich treiben zu lassen. Der Politiker Herzl ist nicht stille gestanden, er entwickelte sich, ohne je da* Ziel aus den Augen zu lassen, ohne es jemals zu verleugnen. Zu früh entriß ihn uns der Tod; er hinterließ uns eine himmelstürmende, ewige, heilige Idee; aber es wäre ihm nie im Traum eingefallen, wie irgend ein faschistischer Führer sich, seine politischen Methoden als unfehlbar anzusehen. Er arbeitete ständig an sich. Herzl-Grabgang EMfcV 8. Mai, 110 Uhr vormittags Alles Nähere bei den Bezirkssektionen, Sonderverbänden und Fraktionen milation, verbrämt mit zionistisch gefärbter Phraseologie. Wir sind eine Minorität im Judentum. Herzl und seihe Kampfgenossen waren noch geringer an Zahl, gewaltig aber im Tatendrang, im Tatendrang nach außen hin. Wir verbluten uns im inneren Kampf. Dieser Kampf geht um die «Auslegung» und eine Gruppe meint, sie allein sei die Erbin und Sachwalterin der Ideen des Führers. Es ist kein Zufall, daß auch Juden Ausschau halten nach dem «Führer», der das Heil bringen soll. Die Not der Zeit drückt uns nieder und viele meinen, sie seien ohnmächtig; sie suchen Schutz und Anlehnung, sie wollen ihr Schicksal in die Hand des «Führers» legen. Sie glauben sich geborgen, wenn sie sagen: «Wir haben einen Führer, der kennt sich aus. Sein Wille sei unser Wille.» So auch viele Zionisten. Die politischen Rückschläge haben ihnen die Zuversicht geraubt, sie können sich selbst nicht aufrichten und da rufen sie: «Zurück zu Herzl!» Und sie vergessen, daß der Herzl, der den «Judenstaat» schrieb, ein anderer war als der Herzl, der das Baseler Programm guthieß, und daß es ein anderer Herzl war, der nach den Kämpfen des Ugandakongresses uns entrissen wurde. Wissen wir, welchen Herzl wir gesehen hätten, wäre es ihm vergönnt gewesen, die Balfour-Deklaration zu erleben? Wenn das gesagt wird, geschieht dem ungeheuren Genie Herzls kein Abbruch. Denn das Genie bleibt Deshalb wollen wir sie ablehnen, die da rufen: «Zurück zu Herzl!» und auch die Gegenspieler, die zu allem schweigen oder mit allem zufrieden sind. «Empor zu Herzl!» muß die Devise sein. Das Ziel im Herzen, die Begeisterung auf den Lippen, Kampf gegen eine Welt von Feinden und Opfer, Opfer, Opfers Das macht den richtigen Zionisten. Dann, nur dann werden wir, das Judentum, unterwegs sein. Jedem von uns soll sich Herzls Genius offenbaren, sein Abglanz in unseren Herzen soll sich manifestieren In Opferfreude, Arbeit und — Bruderliebe, soll sich manifestieren in der Arbeit an Herzls genialstem Werk — an der zionistischen Weltorganisation. Geburtstagsfeier? Selbstberäucherung? Herzl war unser? Nein! Selbsterkenntnis! Empor zu Herzl! Das sei unser Leitmotiv! r OBUS! Du eluniiio? Komm’ zu Bstöndio! - BERATUNG und AUFKLÄRUNG Uber den richtigen Heilbchelf bei Fußschmerzen, Knick- und Senkfüßen, Krampfadern, Ouud X-Boine, Frostballen, Sohlenbrennen, Hühneraugen eto. etc. durch den Fußspexialision vollständig kostenlos und unverbindlich im Institut Bständig Wien« I# TeinfaltstraAe nur Nr« 7 (beim Burgtheater) Sprechstunden «glich, auch Samstag von 8 bis 18 Uhr.