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Die Stimme · 1932-04-21 · Heft 224 (21.4.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 224 (21.4.1932)
Date
1932-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V.kb. Preis 35g RP.7t Tr?c. BEDINGUNGEN Oesterreich menet* Ueb S I'50, viertel* jlhrl. S 4*20, gut» ilhrL . . . F 16- Deutschld viertel ilhrl.. . . RM i — Tschechoalowekei viertelj . Ke 24 — lutoslavieo viertel ilhrl . DU 40 - Po1#* vierteljihr lieh . ■ Zlory OSO Ungarn vierteljlhr lieh . . Fango 4 20 Rumlnten viertel Ckrl. I*ei 120 - ehriger Ausland vierteljlhrl Schw Franken 4 50 Jüdisdte Zeitung Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, U Klrntnerstrafie 28 Tel. R-27 4*86 Postsparkassen* konti: Oeaterr. D 113.346 Polen . . . 191.199 lachecho* Slowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 Sa Jahrgang Wien, Donnerstag, 21. April 1932 (15. Nissan 5692) Nummer 224 Brodeishys Verhandlungen in Palästina Optimismus des High Commiesioner - Der Frevtcft-Bericfii in 46 Tagen beendet Professor Dr. Selig Brodetsky, Mitglied und Leiter der politischen Abteilung der Exekutive der Jewish Agency in London, hat nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Palästina am 10. April Jerusalem verlassen, um nach London zurückzukehren. Am Tage vor seiner Abreise besuchte er noch einmal den High Commissioner General Sir Arthur W a iic-hope, den Landentwicklungsdirektor Lewis F r e n c h, den Chefsekretär der Regierung, Herrn Y o u n g, und den stellvertretenden Chefsekretär Herrn Mills und besprach mit ihnen verschiedene polnische und praktische Fragen, insbesondere auch die Einwanderungs- und Bodenfrage. Ich habe, erklärte er einem Vertreter der Jta, ln diesen Unterredungen die Haltung der Juden dargelegt, deren Ziel es nach wie vor ist, i n Z u s a mmenarbeit mit der Mändatarmacht das Land aufzubauen. Ich erörterte mit ihnen insbesondere die Bodenfrage im Zusammenhang mit den Untersuchungen des Herrn French, dessen Bericht in vierzehn Tagen beendet sein wird, den wir aber nicht vor Juni zu senOn bekommen werden. Brodetsky gab in diesem Zusammenhang seiner Ansicht Ausdruck, daß-es-ratsam wäre, die beabsichtigte Tagung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation erst für Ende Juni oder Juli einzuberufen. Die Pälästiharegierung berät auch über die von der Jewish Agency Ihr unterbreitete neue Schedule, betreffend Arbeite r e i n w an d er u n g; es wurde mir versichert, daß die Schedule, wie sie die Regierung verabschieden wird, uns zufriedenstellpn wird. Aus allen diesen Verhandlungen, erklärte Professor Brodetsky weiter* habe ich eine ausreichende Basis gefunden, um unsere Anstrengungen in London fortzusetzen. Der High Commissioner hat mir gesagt, ich könne m 21 d e m Gefühl erhöhter Zuversicht und Optimismus nach London zurückkehren. Der jüdische Anteil an den Öffentlichen arbeiten David Adams (Arbeiterpartei) erinnerte in einer im Unterhaus an den Kolonienminister gerichteten Anfrage an das in dem Schreiben des Premierministers MacDonald an den früheren Präsidenten der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann .vom 13. Februar 1931 gegebene Versprechen, daß in Palästina Juden entsprechend ihrer Zahl und ihrer wirtschaftlichen Position an den öffentlichen Arbeiten Palästinas beschäftigt werden würden. Der Kolonienminister Sir Philip . Cunllffe- L1 s t e r erwiderte: «Die Regierung in Palästina ist im Einvernehmen mit der Exekutive der Jewish Agency bestrebt, eine geeignete Formel für die Festsetzung des jüdischen Anteljs an der Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten zu finden; es sind auch schon Schritte unternommen worden, um die Z a h 1 der bei d e n Öffentlichen Arbeitin beschäftigten J u d e n * u c r h 8 H e n.» TEPPICHE MÖBELSTOFFE VORHÄNGE TIPPICHHAUS S. SCHEIN &,i°n NUR I., BAUERNMARKT 12-14 Keine Filialen in Wien Shandatuvieil in WUna Dev Jüdische Student Wulfin zu zwei Jahren Kerker verurteilt Wilna, 20. April. (Privattelegramm.) Der Prozeß gegen die jüdischen Angeklagten Zalkind, Ogus und Wu 1 f in ist gestern abends zu Ende gegangen. Zalkind und Ogus wurden auf Grund des Rücktrittes des Staatsanwaltes von der Anklage freigesprochen, Wulfin jedoch zu zwei Jahren Kerkers verurteilt, obwohl sich die Belastungszeugen in Widersprüche verwickelt hatten und die Kronzeugin wegen bewußt falscher Aussage im Gerichtsgebäude verhaftet werden mußte. In der Begründung des Urteils wird gesagt, daß die J u d e n sich von Feindschaftsgefühl gegen die christliche Bevölkerung leiten ließen. Diese Motivierung angesichts des planmäßigen Pogroms gegen die Wilnaer Juden und deren natürliche Gegenwehr beweist die unverhüllt antisemitische Einstellung des Gerichtes und ist ein Schandmal der polnischen Justiz. und der neunzehnjährige Student Samuel W u I f i n waren wegen Teilnahme an Exzessen anläßlich des antisemitischen Pogroms am 10. November 1931 angeklagt. Obwohl die Juden die Angegriffenen waren und viele von ihnen verletzt und hunderte jüdischer Geschäfte geplündert wurden, hat man in einer Reihe kleinerer Prozesse und auch jetzt in diesem Hauptprozeß, in dem es sich um den Tod des polnischen Studenten Stanislaus Waclawski handelt, der während eines Angriffs auf jüdische Studenten vor der Universität durch einen Steinwurf getötet worden war, nur Juden angeklagt. Hauptzeugin war eine gewisse Kazimiera Lepkowska, die behauptete, gesehen zu haben, wie die Angeklagten Waclawski durch den Steinwurf töteten. Sie machte aber in der Hauptverhandlung so widersprechende Angaben und brachte so handgreifliche Lügen vor, daß sie, in die Enge getrieben, zugeben mußte, keineswegs Augenzeugin der Tötung Waclawskis gewesen zu sein. Darauf verfügte der Staatsanwalt die Verhaftung der Zeugin. Der dreiundzwanzigjährige Leib Zalkind, der dreiundzwanzigjährige Schlosser Baruch Ogus m KAtSERSTR. m PC. Alserstr. 6 S15 - S20-S 28- Seine Anklage konzentrierte nun der Staatsanwalt auf Wulfin. In seinem Plaidoyer regte er sich derart auf, daß er in Ohnmacht fiel . Wegen der Feiertage erscheint die nächste Nummer der „Stimme" Freitag, den 29. April TELEFON! B 24-5 GROSSBTTRIEB FÜR HRUSUJftSCHE Die Wiener Gemeinderatswahlen Am 24. April soll die Wiener Wählerschaft über die neue Zusammensetzung des Wiener Gemeinderates entscheiden. Die Wahlen werden kaum eine Ueberraschung bringen. Die Majorität der derzeitigen Machthaber ist gesichert und es können sich höchstens Verschiebungen in der Zusammensetzung der äntimarxistischen Opposition ergeben. Die Chfistiichsozialen sind ziemlich kleinlaut geworden und von der Wiedereroberung des Wiener Rathauses ist wenig zu hören. Die Größdeutschen werden von den Nationalsozialisten hart'bedrängt un(! es liegt im Bereich der Möglichkeit, daß sie das eitifc oder andere Mandat an die Rechtsradikalen werde|t abgeben müssen. Die anderen kleinen Parteien sinä von der politischen Bildfläche verschwunden. Die Verringerung der Gemeinderatsmandate und die Erhöhung der Wählerzahl, nicht zuletzt auch der Mangel an Mitteln zur Bestreitung der Kosten der Wahlpropaganda läßt ihnen ihre Wahlbewerbung so wenig aussichtsreich erscheinen, daß sie es vorgezogen haben, von der Aufstellung von Kandidaten abzusehen. Es entbehrt sicherlich nicht der Pikanterie, daß in der Wahlpropaganda keine Partei den Sozialdemokraten, der Partei der Enterbten, auch nur nahekommen kann. Die sogenannten «besitzenden» Klassen sind sichtlich gegenüber der proletarischen Partei ins Hintertreffen gekommen. Trotz der großzügigen Wahlpropaganda, die mit Plakaten, Flugschriften, Kinovorstellungen und dergleichen geführt wird, trotz der großen Heerschauen und Aufzüge, der zahllosen Versammlungen ist das Interesse der Wählerschaft viel geringer als in den früheren Jahren. Das Rennen ist eben nicht, interessant, der Sieg des Favorits steht außer Zweifel. Die Wählerversammlungen sind mäßig besucht, die außerhalb der wahlwerbenden Parteien stehenden Wahlberechtigten sehen resigniert dem Schauspiel zu. Desorientierung und Apathie gehen bei ihnen Hand in Hand. Auch der Versuch der Sozialdemokraten, dem Wahlkampf eine über den Anlaß hinausgehende Bedeutung zu geben, ist anscheinend mißglückt. Die Wähler sind zu vernünftig, um nicht zu wissen, daß durch diese Wahlen über nichts anderes als über die Zusammensetzung des Wiener Gemeinderates und nicht über die künftige Politik des Bundes entschieden wird, daß das Credit-Anstalts-Problem, das Verhältnis Oesterreichs zu den anderen europäischen Staaten, die Frage der Donauföderation durch den Ausgang der Wahlen nicht beeinflußt wird. Das Hineinspielen dieser Fragen in die Wahldiskussion war wohl vorbedacht. Die Sozialdemokraten wissen nur zu genau, daß es Dinge gibt, deren Erörterung in nicht ausschließlich von ihren Genossen besuchten Versammlungen und in an die Gesamtheit der Wähler gerichteten Propagandascliriften für sie einigermaßen unangenehm ist. Es ist nicht leicht, die Wähler aus dem bürgerlichen Lager davon zu überzeugen, daß die Aufrechterhaltung "der Inflationssteuern und die strenge Handhabung der Steuerpraxis unbedingt erforderlich ist, daß es keine anderen werterhaltenden, der Arbeitslosigkeit steuernden Investitionen gibt, als die Errichtung der großen Gemeindebauten, nachdem sich die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt in der letzten Zeit grundlegend geändert Haben. Aber auch der Hinweis auf die sicherlich nicht zu unterschätzenden Leistungen auf dem Gebiete der Gesundheitspftece, des Schulwesens und der FUF»

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