Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 223 (14.4.1932)
- Date
- 1932-04-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 223 — 14. April 1932 DIE STIMME Seite 7 Herzl-Grabgang am 8. Mai! Kain Zionist fahl« I_ liieratur/ Kunst / Theater Ein lliltgrilf Gorins,Jn jedem Hause*4 In den jüdischen KUnsterspielen Vielleicht kommt das in jedem (amerikanischjüdischem) Hause vor, daß Kinder den Vater vom Geschäft hinausbeißen wollen, dann Schiffbruch erleiden und schließlich ihn bitten, die Leitung doch wieder zu übernehmen. In jedem Theater darf ein derartiger Reportoiremißgriff nicht Vorkommen. Vor allem nicht in einem jüdischen Theater, das sich seinen künstlerischen Ruf unter schwierigsten Verhältnissen erkämpft hat. Nach Toller, Strindberg, Berkowitsch ein Schmarrn von Gorin. Nach dramatischen Höchstleistungen — eine nichtssagende Banalität. Warum? Wozu? Es soll dadurch nichts gegen Komödien überhaupt gesagt werden. Im Gegenteil: Wir vertragen heutzutage Lustspiele besser als Tragödien. 'Aber wo ein flaches Machwerk schöpferische Dichtung sich zu «ersetzen» anmaßt ,dort hört die künstlerische Differenzierung auf. Mit einem Strindberg kann man Sich nicht einverstanden erklären — eine Banalität aber läßt uns kalt. «In jedem Hause» von Gorin ist eine ungeschickte (vielleicht auch ungewollte) Parodie auf eine Persiflage des «König Lear». Von Shakespeare Uber den «jüdischen König Lear» bis Gorin führt ein langer Weg; er ist identisch mit dem Weg vom überdimensionalen Schaffen bis zur Belanglosigkeit. Desto rührender war die Mühe der Schauspieler in den Jüdischen KUnstlerspielen, die alles taten, was in ihren Kräften lag, um die Leere doch auszufüllen. Und wenn es gelungen ist, das Publikum zu fesseln, so ist es ganz allein das Verdienst der Darsteller, die es verstanden haben, trotz Inhaltslosigkeit des Stückes einen amüsanten Abend zu servieren. Allen voran der vielgestaltige und dennoch immer er selbst bleibende Doktor Paul Baratoff, von dem diesmal nicht die Wucht eines tragischen Erlebnisses, sondern eine — wir gestehen es: zur Abwechslung wohltuende — liebenswürdig-heitere Ueberlegenheit strömte. Baratoff ist ein Schauspieler, der auch dort, wo ihm der Text fast alle Möglichkeiten verschließt, kraft seiner Perlönlichkeit doch Inhalt zu schaffen und zu geben vermag. Die blonde Ola Schlifkowitz gab glaubhaft ein amerikanisches Girl, Auf der Höhe stand das naturalistische Spiel der Frau Lea Weintraub-Graff. In einer parodistischen Rolle zeichnete sich Max Zelniker aus und Michael Preis, Benzion Segal, Lehrer und W e i ß m a n n bemühten sich auch Ihrerseits nach Kräften den Ensemble-Erfolg, für den Herr Gorin nichts kann, zu stärken. s. w. Zwei Liederabende (H. S. Urstein, Lilly Werdisheim.) Ein palästinensischer Sänger mit einer blühenden Baritonstimme tenoraler Färbung stellte sich dem Wiener Publikum vor. Schon das Programm, das der junge Mann sowohl textlich als musikalisch auswendig souverän beherrschte, verrät einen guten Geschmack, Lieder und Arien in deutscher, hebräischer, englischer und italienischer Sprache wurden vollkommen akzentfrei mit erstaunlicher Deutlichkeit in der Diktion vorgetragen. Seine ganz ausgezeichnet geschulte lyrische Baritonstimme (die manchmal an jene Josef Schwarz’ erinnert )ist frei, ausgeglichen und weiterer Expansion durchaus fähig. Von anfänglicher, begreiflicher Befangenheit befreit, sang Herr Urstein immer schöner. Besonders hingebungsvoll trug er einige tief empfundene hebräische Lieder seines Meisters Prof. Arthur Wolf («Juda-Ballade» von Morris Rosenfeld — deutsch von Bertold Faiwel, ferner «Kol Jakoow* und Hachmissini von Bialik) sowie ein Lied «Erez Awoth“ des bekannten jüdischen Komponisten A. Almann vor. Der zukünftige, erfolgreiche Opernsänger zeigte sich im prächtigen Vortrag des Monologs aus «Andre Cher.ier» von Giordano. Das aufrichtig begeisterte Publikum erzwang sich noch einige Zugaben. Alles in allem also: ein aufgehender Stern, dem auch die sympathische äußere Bühnenerschelnung den Weg zum Erfolg ebnen dürfte. Die Mitwirkende Orete R o s e n f e 1 d, die zweifellos sehr musikalisch ist, ersang sich mit einigen Liedern von Joseph Marx einen Separaterfolg. Es wäre ratsam, in Zukunft die vorzutragenden Werke ohne lästige Noten zu Gehör zu bringen, was der jungen Sängerin bei ihrer Musikalität nicht schwer fallen dürfte. Das Publikum, das den Kleinen Musikvereinssaal ausfüllte, bereitete dem prächtigen Begleiter Professor Erich M e 11 e r, der an diesem Abend sich selbst Übertraf, eine spontane Ovation. Tags zuvor begleitete Prof. Meller, außerordentlich wie immer, eine junge Anfängerin, Frl. Lilly Werdisheim, im Konzerthaussaal des Ratlbor-Palais. frl. Werdisheim weiß, was sie will. Durch und durch musikalisch, erlebt sie jedes Lied, beherrscht es textlich und musikalisch auswendig, was Sehr begrüßenswert ist. Einige moderne Komponisten kamen zu Worte, so z. B. Vetchy, Heller, Frey u. a.^ Die kleine, am besten in den Kopftönen klingende Stimme dürfte besser in den französischen Bergeretts und vor allem in den schwermütigen jüdischen Volksliedern, denen sich Frl. Werdisheim zuwenden sollte, zur Geltung kommen. Die mitunter gepreßte Tongebung der Mittellage lind das Farblose der Tiefe liegen wahrscheinlich nicht in der Qualität der Stimme selbst. Eine entsprechende pädagogische Unterweisung würde zweifellos diese Mängel beseitigen, was der ernst strebenden jungen Sängerin vom ganzen Herzen zu wünschen wäre. Jui. Wolfsohn. Kammentiusikabend des Zimblertrlos Mittwoch, 23. d. M„ veranstaltete das Z i m b 1 e r- Trio (Prof. Zimbier, 1. Violine, L. Horvitz, Cello, Fräulein Käthe Koller, Klavier) im Musikvereinssaal einen Kammermusikabend, der sich eines außerordentlich regen Zuspruches erfreute. Zum Vortrage gelangte das Trio, Sonate H-Moll von Loeillet, das Trio von Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer PessacH«KoiCHermiKk in allen ihren Filialen zum Verkauf. Oie Pessacli*Kosctier« milch wird in ihren Meiereien in Niederösterr unter itreng ritueller Aufsicht der von Sr.Ehrw. Herrn Rabbiner Dr.M. Rosen» mann bestellten religiös verlällli* eben Organe erzeugt. Jede Kanne u. ede Fla« che ist mit einer Plombe respektive einer Schleife verseheif mit dem Aufdruck hob abn Von 20. April bis 28. April In allen Verkaufsstellen erhältlich WIENER MOLKEREI Smetana C-Moll und das Klavierquartett von Brahms G-Moil. Die Darbietungen standen durchwegs auf der Höhe; jedes einzelne Instrument war tadellos durchgearbeitet, das Zusammenspie! glänzend. Ganz besonders kam dies im Klavierquartett von Brahms zur Geltung, in dem neben dem Zimbier-Trio Herr Dr. B. Straßberg in hervorragender Weise die Violapartie übernahm. Es war ein sehr genußreicher Abend. Bunter Abend. Einen glänzenden Verlauf nahm der zu Gunsten der Winterhilfsaktion der Z. M. V «Mirjam» in den Künstlerspielen «Pan», Samstag, den 9. April, veranstaltete «Bunte Abend». Das Publikum hatte Gelegenheit die Künstlerin Frau Irene S e I d n e r zum erstenmal in einer jüdischen Skizze «Der Kondolenzbesuch» zu bewundern. Dieses Fach scheint Frau Seidner besonders gut zu liegen und es wäre zu wünschen, daß die Künstlerin sich öfter mit solchen Vorträgen zeigte. Gertrud Kraus entzückte mit ihren Tanzschöpfungen, unter denen «Hagar auf der Flucht* hervorzuheben Ist. Füir das Gelingen der Veranstaltung gebührt die vollste Anerkennung in erster Linie der Gründerin und Präsidentin des Vereines, Frau Direktor Marie Po Hak. d. Schalom Alejchem-Abend Anläßlich der Anwesenheit des berühmten jüdischen Künstlers Maxim Sakaschansky in Wien, der als Schöpfer und Leiter der weit über die jüdischen Kreise hinaus berühmt gewordenen Kleinkunstbühne «Kaftan» und als glänzender, und origineller Interpret Schalom-Alejchems sich in Berlin einen großen Kreis von Verehrern erworben hat, veranstaltet die «Vereinigte Zion.-Sozialistische Arbeiterorganisation Poale-Zion - Hitachduth» Montag, den 18. d., 8 Uhr, im Hotel Post, Fleischmarkt 24, einen Schalom- Alejcheni-Abend, der wegen seines erlesenen Programms ein hoher künstlerischer Genuß zu werden verspricht. Außer Sakaschansky wird unter anderem auch der ift Wien bestbekannte palästinensische Konzertsänger K r y b u s jüdische Lieder zum Vortrag bringen. Gertrud Kraus—febuda Ehrenkranz. Als tänzerischliterarische Sondervorstellung findet Sonntag, den 17. Mai, 4 Ulir nnchmittags, eine U li u s s i d i s c li e Matinee statt, für die als Ausführende die Tänzerin Gertrud Kraus und der Rezitator Jehudn Ehren Ic ranz gewonnen wurden. Zur Darbietung gelangen ostjild sehe Tänze nach Volksmotiven und neuer hebräischer Musik (Engel, Wolfsohn, Slutschewsky u. a.) sowie Legenden von J. L. Perez und Szenen von Schalom Alejchem, Tunkeier u. a. Der Kartenvorverkauf an der Kasse der Jüdischen Künstlerspeie (Theater Reklame, li., Praterstraße 34) nat bereits begonnen. Sommerkurse für Zionismus In Karlsbad Miit Vorschlag. Nach Art der verschiedenen Sommer-Hochfcfiul« kurse sollten Sommerkurse für zionistische Probleme geschaffen werden. Als Standort für die Sommerktifs« käme durch die Lage, sowie durch die bereits vorhandenen Ansätze Karlsbad in Betracht. Alijäirlich tilffi dort und im nahen Marienbad eine große Zahl von Zionisten aus aller Herren Länder zusammen. Die D .nnerstag-Abende im Glattauer-Hotel in Karlsbad bringen anregende Vorträge und Diskussnnen bedeutender zionistischer Führer. Man könnte einerseits diese Abende nach einem genauen Plan regeln, andererseits ließen sich unter Ausnützung der vorhandenen Möglichkeiten, ohne besondere Vorspesen, während der Sommermonate in Karlsbad turnusweise Sommerkurse für Zionismus organisieren. Die zionistische Ortsgruppe in Karlsbad, bekannt durch ihre ersprießliche Tätigkeit, wäre berufen, diese Institution ins Leben zu rufen. Lebt doch in Karlsbad unser verdienstvoller Freund Dr. Walter K o h n e r, ein verdienstvoller Zionistenführer, der Erfinder der so populären Imi- Taschen des Keren Kajemeth. Auch Dr. Fritz U11mann, der bekannte Sekretär des Zionisten-Kongresses ist Karlsbader. Mögen sie beide diesen Vorschlag beherzigen. Die Sommer-Kurse in Karlsbad müßlen umfassen: zionistisches Parteiwesen, Presse-Propaganda, Palästina-Probleme, Fonds, Jugenderziehung usw. Gut vorbereitete Vorträge, gehalten von Fachleuten, könnten für unsere Bewegung von großem Nutzen sein. Der Zweck der Kurse ist: persönlicher Kontakt aktivarbeitender Zionisten, Austausch von Erfahrungen, Vertiefung der Erkenntnisse, Vermittlung neuer Impulse usw. Die Kurse würden eine starke Anziehungskraft für viele Zionisten bilden. Die Kurverwaltung von Karlsbad, berühmt wegen ihrer Gastfreundlichkeit, wird sicherlich dieser neuartigen zionistischen Veranstaltung weitgehende Hilfe angedeihen lassen. Der Vorschlag, solche Kurse zu veranstalten, mag vielleicht nicht originell sein, er mag vielleicht schon vielen vorgeschwebt sein, aber darauf kommt es nicht an, sondern nur auf die Tat, die Gründung der Sommerkurse für Zionismus! Die Karlsbader Zionisten haben das Wort! Dr, T. Nussenblatt, Wir werden ersucht, nachträglich mitzuteiieni daß bet dem am 31. März im Großen Saal der Urania stattgefuridenem Tanzabend Gertrud K r a u s, außer der Uraufführung eines Negro-Song vun Josef Bohr zwei Kompositionen von jd** lius W o i f« o h n (üj, Awtum! und Hochzeifstanz) aufgfc* führt wurden Es waren eben jene Werke die von unserem Referenten als ganz besonders erfolgreich bezeichnet wurden. RosaJie Per.es gestorben. Im Alter von 92 Jahren starb die Schriftstellerin Frau Rosalie Perles, Witwe des 1894 verstorbenen Sprachforschers, Archäologen und Münchener Rabbiners Dr. Joseph Perles und Mutter des hervorragenden Bibelforschers und Linguisten, Professors an der Königsberger Universität und Königsberger Rabbiners Dr. Felix Perles. Frau Perles hat als Uebersetzerin wertvolle englisch« Werke dem deutschen Leserkreis zugänglich gemacht. Juden Preisträger der (juggenhemi-Stipena.en. Das Kuratorium der üuggenheim-Foundation hat soeben an 57 Gelehrte und Künstl°r in Nord- und Südamerika St'Dendien füir das Doppeljahr 1932/33 verteilt. Unter den Preisträgern befinden s:ch 4 Juden: Dr. Isaac Goldberg erhielt einen Preis für sein Werk über moderne Literatur; Benjamin Grinstein für seine Bilder und Skulpturen, Peter Blum für seine neuesten Bilder und Adolf Weiß für seine Musikkompositionen. «Bnr-Mizwah» von S. A11 s c h u I e r und I. H e r Zberg. Ein Unterrichtsbuch für das Tefilinlegen mit allen Vorschriften und Berachoth, Ansprachen und Deklamationen für den Bar-Mizwah. Durch die vielen Illustrationen erlernt der Knabe das Tefilinlegen. Dieses Buch dient auch als passendes Geschenk und angenehme Erinnerung für den Bar- Mizwah. — Gutachten: «Ihr Büchlein „Bar-Mizwäh“ findeich für die heutige Jugend für gut und nützlich. Josef Babäd.» — «Ich freue mich, daß S!“ ni'f den Gedan':pn ge^omm0?* sind, dieses „Bar-Mizwah,‘-Büchlein zu verfassen. Es wird onne Zwo.fei Anklang mulen und lioffentlicii aucli sehr viel benützt werden. Dr. David Feuchtvvang.» — «Es war ein glücklicher Gedanke seitens der Autoren, eine Schrift zu schaffen, durch welche ermöglicht wird, dem angehenden Bar-Mizwah ein gewisses Maß von hebräischem Wissen beizubringen und überdies ihn durch kurze, aber zweckentsprechende Ansprachen für den feierlichen Augenblick vorzubereiten. Möge es den pädagogisch bewährten Autoren recht bald vergönnt sein, m einer zweiten Auflage den Gegenstand in manchen Details noch fruchtbarer auszugestalten. Reg.-Rat Dr. B. Wnchstein, Direktor der Bibliothek der isra-el. Kultusgemeinde in Wien.» — Ueberall erhältlich und spi H p r z b e r g. Wien. II.. KarmplÜergasse 5/0. — n.-ij Buch. Direktor Grübe! gewidmet, wurde herausgegeben über Veranlassung und mit Hilfe unseres Gg. Direktor Oersoll W i 111 i n. Vereinigte zlon.-soz. Arbeiterorganisation Poale Zion-Hitachduth Montag, den 18. April 1932, um 8 Uhr abends, Im Theatersaal des Hotel Post, Wien, I., Fleischmarkt 24, SCHMOH ALEJCKEM-ABEND Einleitende Worte: Mendel Singer Hauptmitwirkender: Masim Saka« schansky, Direktor des «Kaftan» (Berlin): Schalom Alejchem - Dialogg (inszeniert), ferner S. K r y b u 8 (Lieder) Karten von S 1.— aufwärts im Sekreta« riat, 11., Blumauergasse 1, täglich ab 5 Uhr nachmittags