Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 222 (7.4.1932)
- Date
- 1932-04-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 222 — 7. April 1932 Ult STIMME Seite 9 Werbeaktion fumme stimme Unser ln der letzten Nummer der «Stimme» veröffentlichte Aufruf hat in der jüdischen Gasse einen großen Widerhall gefunden. Zahlreiche Zuschriften beweisen das lebhafte Interesse, das unserem Blatte entgegengebracht wird. Wir sehen daher mit Zuversicht dem Ergebnis dieser Im Monat durchzuführenden Aktion entgegen. Zionisten! Werbet im Monat April Abonnenten für »Die Stimme« In diesem Monat hat «Die Stimme» vor allen anderen zionistischen Arbeiten das Primatl Sämtliche Sektionen werden höflichst ersucht, die ihnen eingesandten Listen bis spätestens den 15. April zu verarbeiten und uns das Ergebnis mitzuteilen. Judisdker fport FuOball Katastrophenniederlage der Hakoah. Rapid schlägt Hakoah 8:2 (4:1) Rapid-Platz. 10.000 Zuschauer. Schiedsrichter Miesz. Hakoah hatte das Mißgeschick, Rapid in Glanzform anzutreffen. Besonders der Hütteldorfer Sturm arbeitete in froßem Stil und nur eine sehr starke Verteidigung hätte ieser Angriffsreihe erfolgreichen Widerstand entgegensetzen können. Der Ersatzverteidiger Stroß II versagte aber vollkommen und hat mindestens 5 Tore auf dem Gewissen. Löwy hätte zwar das eine oder das andere Tor verhindern können, war aber durch seinen unmöglichen Vordermann sichtlich irritiert. Die Hütteldorfer gelangten in wenigen Minuten geradezu mühelos zu 4 Treffern. Daß die bereits aussichtslos geschlagene Hakoahmannschaft aufopfernd und fair weiterkämpfte, soll besonders betont werden. Hakoah hatte in Feldmann, Placzek, Fischer, Donnenfeld, Eisenhofer und Mausner sehr tüchtige Kräfte im Felde. Außer Stroß II versagten auch Grünwald und Heß. Löwy und Stroß I hatten auch keinen glücklichen Tag. Schiedsrichter Miesz einwandfrei. Hakoah ist zuerst in Front, Rapid ergreift aber bald die Initiative. In der 8. Minute ist Kaburek, ohne irgendwie behindert zu werden, zum erstenmal erfolgreich. Nach einem schweren Fehler Löwi wehrt Stroß II auf der Torlinie einen Ball mit der Hand ab, der Elfer wird von Wesselik verwandelt. Stroß 1 und Grünwald wurden vorher verletzt, spielten aber weiterhin der 31. Minute ist Kaburek neuerlich erfolgreich. Noch in derselben Minute wehrt Löwy einen Bail unrein ab und Wesselik bucht Nr. 4. Eine Minute vor Halbzeit verwandelt Eisenhofer ein Zuspiel Fischers mit Bombenschuß, ln der 8. Minute nach Halbzeit wird Feldmann von Bican niedergetreten und hinausgetragen, kommt aber bald zurück. Mit 10 Mann spielend, erzielt Hakoah durch Eisenhofer in der 11. Minute ein schönes Tor Dann kommt wieder Rapid zum Wort und skort durch Kaburek (17. Minute), Wesselik (19. Minute) und Bican (30. und 37. Minute). — Hakoah: Löwy; Stroß H, Feldmann; Placzek, Stroß I, Heß; Mausner, Grünwald, Eisenhofer, Donnenfeld, Fischer. Reserven 3:1 für Hakoah. Tore: Ehrlich (2) und Reich. Sp. Wer fährt nach Los Angeles? Es ist für die jüdische Sportgemeinde Wiens von besonderem Interesse, zu wissen, wen eigentlich der Hauptverband für Körpersport zu den Olympiaspielen, die im Sommer dieses Jahres in Los Angeles vor sich gehen werden, entsenden wird, in einem Kommunique, das vom Hauptverband ausgeschickt wurde, heißt es unter anderem: «Für die Entsendung nach Los Angeles kommen Boxer, Stemmer, Leichtathleten, Schwimmer, Fechter, Ruderer und Schützen in Betracht». Nun fälLt es aber auf, daß Ringen unter den genannten Sportzweigen nicht vorkommt. Es ist sehr leicht möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß der Hauptverband für Körpersport in einer argen Verlegenheit ist. Der einzige in Betracht kommende österreichische Ringer ist ein lüde; der Meister im Schwergewicht ist der Hakoahner Nikolaus H i r s c h 1. Aus diesem Grunde ist es interessant, eine kurze dacht? Welche Schwimmer, Leichtathleten, Fechter vom kanntzugeben: Der jüdische 7um verein Makkabi Wien, Sektion IX., veranstaltet Sumstag, den 9. April 1932. im Festsaale des Hotel Continental. Z Bezirk, laborstraße Nr. 4, eine Akademie mit anschließendem Tanz - Beginn 8 Uhr Hirschl, der vor drei Wochen seinen 24. Geburtstag feierte, hatte schon als Knabe |roße sportliche Erfolge zu verzeichnen, Stemmen, Fußball, Leichatnletik, Hockey, Tennis, Skilaufen, Schwimmen, in allen diesen Sportdisziplinen stellte Niki seinen Mann. Aber die wertvollsten Leistungen vollbrachte er im Ringen: In den Jahren 1928, 1929, 1930^ 1931 gewann er die Meisterschaft im Fünfkampf (Laufen, Weitspringen, Kugelstoßen, Stemmen, Ringen); 1929, 1930, 1931 eroberte er die Titel eines Meisters von Wien; 1929 wurde er Siegerin der tschechoslowakischen Meisterschaft; 1931 fielen ihm zwei österreichische und der ungarischeMeis t e r t i t e 1 zu, ferner besiegte er den italienischen Meister Donati; 1925 gelang ihm der Jugendrekord im Kugelstoßen mit 12% Metern; 1927 erreichte Hirschl einen Rekord <m einarmigen Stemmen mit freiem Umsatz mit 107kg« Sein letzter Erfolg aber ist der Sieg über den Europameister Gehring, den Niki in kaum einer Minute auf die Schulter r.wingen konnte. Diese Leistung wurde in der gesamten Sportpresse eingehend und ausführlich behandelt. Telegramme aus Tel-Aviv melden, daß bei den großen jüdischen Sportspielen in den Boxkämpfen der österreichische Meister Laub in der Schwergewichtsklasse den Sieg davongetragen, Deutscher einen Sieg im Laufen über 400 Meter, in den Schwimmkonkurrenzen Fritzi Löwy im Krawl (100 Meer) und im Krawl (300 Meter), Hedy Bienenfeld - W ertheimer im Brustschwimmen (200 Meter) und Guth im Krawl (1500 Meter) gewonnen haben. Wurde bei den. Auslosungen zu den Olympiaspielen in Los Angeles Laub, der vor einigen Wochen einen grandiosen Sieg über den Wiener Meister Havlicek errang und sich damit in seiner Gewichtsklasse den Meistertitel von Wien erkämpft hatte, berücksichtigt? Hat man bei der Zusammenstellung der Kandidatenliste an Deutscher gedacht? Welche Schwimmer, Leichtahleten, Fechter vom Sportklub «Hakoah» sind für Los Angelek in Aussicht genommen? Es wäre wünschenswert, wenn der Hauptverband für Körpersport die genaue Liste der österreichischen Teilnehmer an der Olympiade so schnell wie möglich bekanntgeben würde. Wir Juden haben ja in allen Sportzweigen hervorragende Talente und vielfach erprobte Meister! Wer also fährt zu den olympischen Sportspielen nach Los Angeles? d ti n e k. Akademie Der jüdische Turnverein Makkabi, Wien. Sektion IX., veranstaltet Samstag, den 9. April, im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, eine Akademie mit anschließendem Tanz. Mitwirkend die Melody-Playev?-!azz. Beginn 20 Uhr. Jüdische Chronik der Woche 7. April 1533: Suspendierung der Inquisition in Portugal durch die päpstliche Bulle «Sempiterno regni». — 8. April 1648: Die Juden Böhmens erhalten das Wohnrecht in allen kaiserlichen Städten. — 1790: Die hebräische Dichterin Rahel Morpurgo in Triest geboren. — 9. April 1103: Rabbi Jirschak ben Jakob ha Kohen (abgokürzt Ha-Rif), Kodifikator dem talmudischen Halaka gestorben. — 1506: Unruhen gegen die Marranen in Lissabon bei Aushebung einer geheimen Pessachfeier. — 10. April 1849: Tod des David Proops, nrit dem die jüdische Buchdruckerfirma Proops in Amsterdash erlischt Ihr Gründer Salomon ben Josef Proops hatte den ersten. Bücherkatalog (Apirion Schlomoh) in hebräischer Sprache herausgegeben. — 11. April 1772: Cherem des Wilnaer Gaon gegen die Chassidim. — 1825: Ferdinand Lassäüe in Breslau geboren. — 1876: Prof. Ludwig Traube, Begründer der experimentellen Pathologie in Berlin gestorben. — 12. April 1135: Maimonides in Cordova geboren. — 1464: Pogrom in Krakau. 30 Tote. — 13. April 1660: Autodafe in Seviüia gegen 70 Judaisierende. — 1903: Der Philosoph Prof. M. Lazarus in Meran gestorben. Jlviüdor Jiameiri Nachdruck auch in Auszügen verboten. Der große Wahnsinn Autorisierte Uebertragung aus dem Hebräischen von Sem Wolf 28 Das Problem des sogenannten Heldentums war hier an der Front überhaupt etwas ganz anderes als im Hinterland. Im Lichte der Raketen und der Flammenwerfer, im Trommelfeuer der Schlachten bekam der Begriff «Heldentum» ein ganz anderes Gewand. Zu allererst verlor das Heldentum seinen patriotischen Beigeschmack. Wer braucht hier Patriotismus? Ein Befehl wird erlassen, auf dem Bauch kriechend sich den Stellungen der Russen zu nähern — also man kriecht auf dem Bauch. In Angst, leise, mit scharf- •pähenden und halbgeschlossenen Augen. Manchmal ist man gezwungen, den Kopf rasch zu verstecken. Man bohrt ihn in den Boden, man schützt ihn hinter einem Stein, manchmal gräbt man in Eile eine kleine Mulde, man drückt den Kopf hinein und liegt unbeweglich auf dem Bauche. Der Körper ist gespannt. Der Hintern Ist eine ausgezeichnete Zielscheibe für den Feind. Unter diesen Kriechenden gibt es fast immer einige temperamentvolle und leichtsinnige Soldaten, die das Kriechen bald satt haben, aufspringen und mit dem Entschluß: komme, was da wolle — und mit einem fürchterlichen Fluch auf den Lippen, wie Verrückte in der Richtung zur feindlichen Stellung laufen. Dabei fluchen sie aus aller Kraft, und in der letzten Zeit wurde jedem Fluch auch das Wort «Im Namen der Jungfrau Maria» hinzufügt. Und wer aus diesem ganzen Wirrwarr herauskommt, ist ein Held und bekommt eine Auszeichnung; er avanciert oder man klopft ihm anerkennend auf die Schulter. Und manchmal bekommt man die Auszeichnung aufs Grab — wenn man Pech hat und gerade mit einem fürchterlichen Fluch auf den Lippen von einer feindlichen Kugel getroffen wurde. Das nennt man Heldentum. Und das Heldentum hat noch tausend andere ähnliche Gestalten. Und mit diesem Heldentum zeichnen sich hauptsächlich Menschen aus, die früher im Hinterland, aber auch hier an der Front vor einer Ratte Angst haben. Und in der letzten Zeit ist die Mehrzahl dieser Helden Juden. Da mußte doch ein Ausweg gefunden werden: Sie sind eben keine Helden, wenn sie nicht «Im Namen der Jungfrau Maria» schreien. Und niemand von den Christen empfand die Blasphemie, die darin lag. Niemand empfand, daß hier das Allerheiligste erniedrigt worden ist. Bis einer kam und ihnen die Augen öffnete — wenigstens für einen Augenblick. Das war der Gefreite Margulies, der eines Tages in Wut das fürchterliche Fluch wort ausstieß: «Im Namen ...» Es ist im Druck nicht wiederzugeben. Und das hat sie alle für einen Moment stutzig gemacht. Jetzt empfanden sie die Blasphemie. Und wie bestellt erschien plötzlich im Lager ein wichtiger Gast: der Regimentskaplan. Als er den Fluch hörte, wurde er starr. Da kam aber auch der Judenhaß schon zu Worte: Nicht diejenigen, die die Jungfrau Maria verspottet haben, indem sie ihren Namen bei unpassendstenGeiegenheiten ausriefen, wurden vors geistliche Gericht gestellt, sondern Margulies. Aber der Priester war ein anständiger und klar sehender Mensch, vernünftig und gutherzig zugleich, und als er den Margulies einvernahm, erklärte ihm der Gefreite einfach, daß sein Fluch ein biblisches Zitat sei, dessen man sich vor Jericho bediente, um einen Sieg zu erlangen, weil Ies eine Dirne war, die Josua verhalf, Jericho und das heilige Land zu erobern. Der Geistliche lächelte verstehend, als ihm dies erklärt wurde, schickte den kleinen jüdischen Gefreiten weg und beschimpfte dann die Offiziere: «Vielleicht ist es dem Gefreiten gelungen, eure Augen zu Öffnen, vielleicht werdet ihr jetzt einsehen, wie tief ihr gesunken seid, meine Herren! Es muß ein kleiner jüdischer Gefreiter sein, der die Heiligtümer eurer Religion behütet. Seid ihm dankbar, da er euch den Weg zur Umkehr gezeigt hat.» Aber die Hoffnung, daß es besser werde, blieb klein. Denn wenn ein kräftiger Fluch einmal Wurzel geschlagen hat, dann kann er auch nicht von tausend jüdischen Gefreiten aus der Welt geschaffen werden. Aber die Worte des hohen Geistlichen haben den Haß uns wie auch dem toten Madi gegenüber nur vergrößert. Und Herr Fieger ging brütend herum. Man merkte, daß er wieder was Teuflisches aushecken will. Und richtig: Er wollte den Befehl erteilen, daß man das Grab des Gefreiten Madi öffne und von seiner Uniform den Stern herunternehme. (Fortsetzung folgt.) H. S. Urstein (Bariton) aus Jerusalem singt Sonntag, den 10. April 1. J., im Kleinen Musikvereinssaal: Arien und Lieder in hebr., ital., deutscher und engl. Sprache. Mitwirkend: Grete Rosenfeld. Am Blüthner- Flügel: Prof. Erich Meller. Karten: Zion. Bezirks- Sektion, II., Praterstraße 13, Hotel Baron, II., Große Schiffgasse 19, und an der Abendkasse.