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Die Stimme · 1932-04-07 · Heft 222 (7.4.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 222 (7.4.1932)
Date
1932-04-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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mi SeHe 3 DIB STIMME Nf. 223 — 7. April 1932 Munde geführten Legalitätsversdcherungen immer aufs neue Glauben schenkt. Das ist aber auch dann gefährlich, wenn die Apostel des Hakenkreuzes selbst ihre Beteuerungen ernst nehmen, denn «Legalität» heißt ja schließlich nichts anderes, als «Gesetzlichkeit». Es kommt also dabei nicht bloß auf die Treue zum Gesetz an, sondern auch auf den Geist, den dieses atmet, also in erster Linie auf die Mentalität derer, die die Gesetze machen und durchführen. Wenn ein Volk die legislative und exekutive Gewalt einer Horde blutgieriger Bestien überträgt, dann wird dort die Zerfleischung des menschlichen Säuglings, die der voreilige Leopard des Berliner Malers diesmal noch mit dem Tode durch Erschießen büßen mußte, zu einer vollständig legalen Form der Betätigung von Rasseninstinkten proklamiert werden. Solange aber die Gesetze von Menschen beschlossen und gehütet werden, darf man verlangen, daß Staat, Länder und Gemeinden menschlich regiert und verwaltet werden. Dies ist der Sinn und die tiefere Bedeutung der Wahlen, die im April in Deutschland und auch in Oesterreich zur Durchführung gelangen. Was die Nationalsozialisten unter «Legalität» verstehen, geht deutlich genug aus ihren Proklamationen hervor. So hieß es in einem Aufruf des Doktor Goebbel: «Die Partei sehnt die baldige Gelegenheit, mit allen Feinden des deutschen Volkes eine 1 egale (1), aber vernichtende Abrechnung zu halten, wie sie in diesem Ausmaße die deutsche Ge schichte noch nicht gesehen hat.» Man sollte meinen, daß der Weltkrieg als «Abrechnung mit allen Feinden des deutschen Volkes» jeden gewünschten Größenrekord bedeutete. Deutschland kämpfte damals gegen Feinde aus allen fünf Weltteilen. Um diesen Rekord zu brechen, müßte Herr Hitler in einem künftigen Kriege auch noch die Marsbewohner in die Feinde des deutschen Volkes einbeziehen. Er macht sich aber die Sache leichter. Unter Feinden des deutschen Volkes versteht er alle Gegner — seiner Partei. In erster Linie trifft also uns Juden diese Brandmarkung, ferner alle, die Deutschland dem Geiste und der Form der reaktionären Feudalherrschaft entwachsen glauben. Der als Raubtierbändiger dilettierende Maler zog daraus, daß sein Leopard gern ihm, dem Menschen, aus der Hand fraß, den trügerischen Schluß, daß das Tier seinen Frieden mit der menschlichen Rasse geschlossen habe. Die Vernunft- und redebegabten Menschen, die sich bereitwilligst von der deutschen Republik ernähren lassen und trotzdem nur auf den geeigneten Moment warten, der Republik an die Gurgel zu springen, sollten die deutsche Regierung nicht zu ähnlichen Trugschlüssen verleiten. Denn diese Kostgänger der Republik, unter ihnen sogar Richter, die «im Namen des deutschen Volkes» Recht sprechen, haben sich wiederhob ganz unverkennbar in bewußten oder unbewußten Gegensatz zu der Staatsform, die sich das souveräne deutsche Volk selbst gegeben hat, gestellt. Und um die Groteske auf die Spitze zu treiben, bekennen sich sogar prinzliche Nutznießer der von der Republik freigebig ausgeworfenen Fürstenabfindung in der Oeffentlichkeit als Gegner der Republik, obwohl man ihnen das auch glauben würde, wenn sie taktvoll schwiegen . . . Aber nicht nur als Nutznießer, sondern auch schon geradezu als Beschützer der von Hugo Preuß geschaffenen Verfassung haben sich deren grimmigste Hasser der verblüfften Oeffentlichkeit vorgestellt. Als es sich jüngst darum handelte, die Reichspräsidentschaft Hindenburgs ohne Wahlakt zu verlängern, da haben sich die Herren Hitler und Hugenberg entrüstet gegen eine solche Verletzung der Weimarer Verfassung ausgesprochen. Fast könnte man meinen, daß sich in dieser Farce das Legalitätsprinzip selbst ad absurdum geführt hat. In Wirklichkeit ist aber dabei nur der Gegensatz zwischen echter und falscher Legalität anschaulich geworden. Denn was Hindenburg seinen einstigen Wegbahnern zur höchsten republikanischen Machtstellung entfremdet und den damaligen Gegnern seiner Kandidatur näher gebracht hat, war sein unentwegtes Festhalten an dem Geiste der von ihm beschworenen Gesetze. Der greise Feldmarschall hat die Hoffnung der Reaktionäre, daß er seine, das heißt ihre Gesinnung über den Sinn der Verfassung stellen werde, enttäuscht, dafür hat er sich aber das Vertrauen derer erworben, die ihm vielleicht weltanschaulich fern stehen, seine Person jedoch verehren als das unerschütterlicher Pflichttreue, als vorbildliches Bollwerk der wahren, vergeblich von Heuchlern zu kompromittieren versuchten Legalität. Dr. Hugo Spiegler. Bei rheumatischen Leiden, Schmerzen in ben ©elenfen unb ©liebem, fotoie bei Stopfmeh mirfen Sogal^abletten rafcf) unb fidjer. Slbfolut un* fcfyäbttcty. Gin ®erfuc& überäeugt. 3n Slpotfjefen. ©. 2.40. Aus Palästina Weitere Erleichterung für jüdische Mittelstandselnwanderer? Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und früherer polnischer Sejmdeputierter H. Farbstein verhandelt mit dem Direktor des Einwanderungsdepartements der Palästina-Regierung M. Hyamson wegen Ausgabe von Einreise-Visa für F a b r i k a n t e n mit Fachkenntnissen, ohne daß der Nachweis vonKapitalbesitz gefordert werden solle. H. Farbstein führt ins Treffen, daß Fachkenntnisse mindestens ebenso wichtig ßeien wie Kapitalbesitz. Farbstein und HySmson besuchten elf Fabriken in Tel-Aviv, die alle mit wenig oder gar keinem Kapital in Betrieb gesetzt wurden und dennoch prosperieren, weil ihre Besitzer eine besondere Kenntnis ihres Gewerbes besaßen. Dies machte auf Hyamson starken Eindruck, und es verlautet, Hyamson habe in Aussicht gestellt, daß das Einwandeiungsdepartement in der Frage der Zulassung von Mittelstandseinwanderern eine weniger rigorose Haltung < :nnehmen wird als bisher. Die Jordan-Werke In Betrieb. Die von Pinchas Ruthenberg geleitete P a 1 e s t i n e Electric Corporation hat am Sonntag, dem Vortag der Eröffnung der Makkabiah, die J o r d a n - W e r k e in Betrieb gesetzt. Die Werke versorgen Tel-Aviv und ganz Palästina mit Licht und Kraft. Starker Orangenexport. In den ersten zehn Tagen des Monats März wurden 180.600 Kisten Citrus-Früchte aus Haiifa nach verschiedenen Teilen Europas verschifft. Im ganzen Monat Februar wurden Warum werden alljährlich die weltberühmten STRUM-MAZZOTH von vielen Tausenden in steigendem Maße mit besonderer Vorliebe bevorzugt? 1. Weil die nach einem speziellen Verfahren erzeugten S t r u m-M a z z o t h im Wohlgeschmack trotz wiederholt versuchter Nachahmung u nerreicht sind. 2. Weil jeder,der Strum-Mazzoth, Grieß und F a r v e 1 kauft, die Gewißheit besitzt, daß er nur garantiert frische Ware, heurige Erzeugung erhält. 3. Weil die Strum-Mazzoth allen Anforderungen in hygienischer und streng orthodox-ritueller Hinsicht in unübertrefflicher Weise entsprechen. Eine besondere Delikatesse bedeuten die runden Strum-Mazzoth Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten patentamtlich geschützten Maschinen (Uefen) auf elektrischem Wege von fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern unter ununterbrochener Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Babad. Achten Sie daher in Ihrem eigenen Interesse bei jedem Pakete, daß die Stampiglie «H. Strum» sich darauf befindet. in Haifa 215.254 Kisten Citrus-Früchte verschickt. Der März verspricht ein Rekortmonat im Orangenexport zu sein. Ausstellung der jüdischen Presse. Am 17. April wird in Tel-Aviv eine Ausstellung der jüdischen Presse Palästinas eröffnet, in der Exemplare sämtlicher in den letzten 70 Jahren in elf verschiedenen Sprachen in Palästina erschienenen jüdischen Zeitungen zu sehen sein werden. Insgesamt werden es 1100 Objekte sein. Gegenwärtig erscheinen in Palästina drei hebräische Tageszeitungen: «Doard Hayom», «Haaretz» und das Arbei'terorgan «Dawar*, ferner in englischer Sprache die Tageszeitung «Palestine Bulletin». Von weiteren gegenwärtig erscheinenden Zeitungen sind zu nennen die Agudah-Wochenschrift «Kol Jisroel», die Kinderzeitung «Itonenu» (zweiwöchig), die Monatsschriften «Hamaccabee» und «ha Hed» und einige Literaturzeitschriften. Hebräische Gerichtsladungen für Juden. Der arabische Richter Hana Effendi hat in einem Prozeß festgestellt, daß eine gerichtliche Ladung an einen Juden in hebräisch er Sprache abgefaßt sein müsse. Es geschah dies im Prozeß eines Juden namens Hochberg, der eine ihm in arabischer Sprache verfaßte gerichtliche Ladung als ftir ihn unverständlich bezeichnet und einen neuen Verhandlungstermin verlangte. Mysteriöser Tod eines amerikanischen Juden. Der 40jährige amerikanisch-jüdische Tourist Israel Wolff wurde in der Nähe des Jerusalemer arabischen Wohnviertels Maslabieu mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden. Man fand bei ihm 700 Pfund in australischer Währung, ln der Nähe des Leichnams lag ein Rasiermesser. Die Polizei sowie die an der Untersuchung des Falles Beteiligten nehmen Selbstmord an. Dennoch hat sich der jüdischen Bevölkerung, die an einen Mord glaubt, eine gewisse Erregung bemächtigt. Israel Wolff wurde bereits bestattet. Die Untersuchung wird fortgeführt. Wolff war am Mittwoch, den 30. März, aus Aegypten mit der Bahn in Jerusalem eingetroffen. EchtePalffstina-Weliit Krmel Original aus den bestrenommierten Weinkellerelen S*Friedmatm & Söhne Haifa, Petaeh-Tikwah sowie in- und ausländische Primaweine unter Aufsicht Sr. Ehrw. RCp mit besonderem Hechschar einzig u. allein nur bei M. Bartfeld Wien, 2., Seb. Kneipp-Gasse 3 Tel. R-49-7-90 Der Mörder des Kolonisten Burstein ermittelt? Der Beduine Mejbel Abu Kaleb wurde in Transjordanien verhaftet; er steht unter dem Verdacht, der Mörder des jüdischen Kolonisten burstein zu sein, der in seinem Hause in der Kolonie Balfouria im Jänner o ses Jahres erschossen aufgefuiiden wurde. Mahnung an Palästina-Touristen. In einem Rundschreiben an die Palästina-Aemter teilt die Einwanderungsabteilung der Jewish Agency in Palästina folgendes mit: In letzter Zeit ist es des öfteren vorgekommen, daß Touristen nicli zur Landung in Palästina zugelassen wurden, weil ihre Reisepässe sehr begrenzt, das heißt weniger als drei Monate gültig waren. In einem solchen Falle läuft der Tourist Gefahr, mit demselben Schiff zurückgeschickt zu werden, mit dem er gekommen ist. Es wird daher den Palästina-Touristen dringend empfohlen, dafür zu sorgen, daß ihre Pässe zur Rückreise aus Palästina mindestens so lange gültig sind, als das Touristenvisum für Palästina selbst, d. i. 3 Monate, vom Tage der Ankunft im Lande an gerechnet. Reihe des Jüdischen Hauses in London Im Beisein von zahlreichen englisch-jüdischen Führern und von Vertretern aller Teile der englischen Juden wurde das Jüdische Haus in London eröffnet. Das Haus, das mit einem Kostenaufwand von rund 100.000 Pfund erbaut wurde, ist ein Monumentalbau mit acht Stockwerken und soll die religiösen, sozialen und erzieherischen Institutionen der Londoner Judenheit beherbergen, so u. a. das Jewish College, das die Rabbinerhochschule für das gesamte britische Reich ist, die Bureaus der United Synagoge, des Board of Deputies, der Anglo-Jewish Association, des Unabhängigen Ordens Bnei Brith, die Studentenhalle u. a. m. Später sollen ein jüdisches Museum lind eine jüdische Bibliothek, die jedem zugänglich sein sollen, dem Hause angegliedert werden. Die Weihegebete sprach Chief Rabbi J. H. Hertz, der in einer Ansprache ausführte, das neue Heim bilde einen Stolz und eine Freude der britischen Judenheit. Die Weiheansprache hielt Lionel de Rothschild. Ras bedeutet der Haschomer Hadati? Zur Entwicklung der jüdischen Pfadfinderbewegting haben außer de* englischen und französischen auch vieles die Chaluzej Haschomrim in Erez Israel und die zionistischen Jugendbündc im Galuth beigetragen. Bevor noch die Pfadtinderbewegung in England geschaffen wurde und sich in allen Ländern zu verbreiten begann, existierte eine jüdische Jugend, die berufen war, die nationalen Pflichten unter ihrem Führer Theodor Herzl zu erfüllen. Sie sammelte sich unter seiner Flagge und ging mit größtem Opfermut und Aufwand aller Energien nach Erez Israel, um dort ihr Ideal zu verkörpern. Sie ließ die Schulbänke im Galuth zurück und ging zur Feldarbeit nach Erez Israel, von dem Lehrbuche zur schweren körperlichen Arbeit, von einem glücklichen, frohen Leben bei ihren Eltern zu Baracken nach Erez Israel. Das Wort «Schomer» ist für den jüdischen Pfadfinder von großer Bedeutung. Er vereinigt die geistige mit der praktischen Welt, er verkörpert Tag für Tag Freundschaft und Liebe, er schafft und baut jedes Ding von der Illusion zur Wirklichkeit. Diese jüdische Jugend fühlt es und ist unerschütterlich davon überzeugt, daß das gegenwärtige Geschlecht das letzte im Galuthund daserste bei derErlösungist. Der Haschomer Hadati aber hat eine viel größere Mission zu erfüllen. Er fühlt, daß er fest mit der Thora und mit den früheren Geschlechtern und Schöpfern des jüdischen Volkes eng verknüpft ist. Er wandelt in den Wegen, die ihm Eltern und Lehrer weisen, und verwirft ihre Lehren nicht und dies treibt ihn zur verstärkten Tätigkeit für die Erlösungsarbeit und Belebung des Willensgeistes. Mit Begeisterung, die ihresgleichen nicht findet, ruft der Haschomer Hadati: Zurück zum alten Judentum und seinen Urquellen 1 Dieser Ruf ist bezeichnend für den religiösnationalen Pfadfinder. Die Aufgabe und Mission des Haschomer Hadati ist im Herzen des jüdischen Volkes einzumeißeln: «Rückkehr zum alten, natürlichen Judentum.» Die Juden müssen zur Einsicht gelangen, daß den Hauptanteil an der Gestaltung der Zukunft die Vergangenheit hat, die untrennbar mit der Gegenwart verknüpft ist. An sein Volk glauben heißt: «Treu seiner Thora sein, die Mizwoth in all ihren Formen hüten, sein Lebenlang im Interesse des jüdischen Volkes arbeiten undmitallen Kräften an derVerwirklichung unseres Zieles mithelfen. Zionisten! Führet energisch die Jubiläumsakiioft des Keren Kafemeih zu Ende und verrechne! sie

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