Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 222 (7.4.1932)
- Date
- 1932-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V.bA BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oetterr«ich raoatt- Heb S 1 SO, vrettd- JIhrl. S 4*20, gana jthrL . . . 3 16*-« DiuticUd vtariel jlhrl.. . . RM V— Tiehaehoitrtwikai vfarralj . Ke 24 — Jugoslawien viertel iihrl. . Din 40ro et» vterieljlhr Heb . Zloty ft SO Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengo 4 20 Rumlnten viertel iihrl.. Ui 120 — Uahriga« Ausland vierteljlhri. Schw Franken 4 SO Jüdtsdke Zeitung Preis 35g Ertdiciil jeden Donnerstag Redaktion und Administratkr Wen, L, Kirn tu« •trade 28 Tel. R-27 4-8' Postspari kont Oeaterr. D / Polen . . . t-—,. Tschechoslowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 co h-j. Cfrr - £tm C? n rf <?' PS-' h->. < c fi): CO /m. r*- fö: O- 1 I 5. Jahrgang Wien, Donnerstag, 7. April 1932 (1. Nissan 5692) Nummer 227 Pogromplafcate in Wien Energischer Protest dev Kultusgemeinde In den letzten Tagen konnte man 2n den Wiener Straßen an den zur Affichierung bestimmten Stellen Hakenkreuzlerplakate sehen, deren Inhalt darnach angetan war, antisemitisch-provokatorisch zu wirken. In riesengroßen Balkenlettem konnte man da lesen: «Wenn's Judenblut vom Messer spritzt . . .» und dann einige Zeilen tiefer ln ebensogroßen Buchstaben: «Wer wird etwas dagegen haben?» Wem es an und für sich schon verwunderlich Ist, daß eine Institution wie «Wipag», die sonst — dies ist uns bekannt — eine ziemlich starke Zensur der ihr zur Affichierung übergebenen Plakate ausübt, dieses «blutspritzende» Plakat der Nationalsozialisten ohne weiteres übernahm, so ist noch verwunderlicher die Stellungnahme eines Teiles der Wiener Presse, die den Herren Hakenkreuzlem aufs Wort glaubt, daß dieses Zitat aus einer jüdischen Broschüre herausgenommen ist In Wirklichkeit beginnt so ein in Deutschland sehr populäres Haken kreuzlerlied, für das man jetzt auch ln Oesterreich Propaganda zu machen versucht. Wie dem auch sei, ist die Tatsache der Plakatierung derartiger Affichen mit einer unerhörten antisemitischen Aufhetzung identisch. Wie wir erfahren, hat das Prä8idium der israelitischen Kultusgemeinde gegen dieses Plakat beim Polizeipräsidium, bei der Staatsanwaltschaft und beim Justizministerium schärfsten Protest erhoben und die erforderlichen Maßnahmen zum Schutze der Juden verlangt. Die Wirkung der Hetzpropaganda Eine Rotte Hakenkreuzler überfällt einzelne Passanten Diese Hetzpropaganda beginnt ii^reits ihre traurige Wirkung zu tun. Montag spät abends machten sich etwa 30 bis 40 Hakenkreuzbuben den «Spaß», am Franz-Josefs-Kai bei der Salztorbrücke und auf der Oberen Donaustraße jüdisch aussehende Passanten zu überfallen und z u m i ß h a n d e I n. Die Burschen gingen nach einem wahrscheinlich vorher gefaßten Plan vor, denn sie bildeten, wenn ihnen Juden entgegenkamen, förmliche Schwarmlinien, um ihnen jeden Ausweg zu versperren. Sie bewiesen ihren Heldenmut, indem sie über einzelne Personen herfielen und sie verprügelten. Die Ueberfallenen erlitten Verletzungen, die erfreulicherweise leichter Natur waren. Die Hinterhältigkeit und Feigheit der Hakenkreuzexzedenten erhellt deutlich aus der Schilderung, die uns einer der Angegriffenen, der Student der Medizin Jakob Sch., gibt. Er erzählt uns, daß er mit einem ihm befreundeten Gymnasiasten um %U Uhr nachts über die Obere Donaustraße ging, al§. plötzlich eine Rotte von etwa 30 Burschen, die vlrüste Beschimpfungen auf die Juden ausstießen, vor ihnen die Straße absperrte. Einer der Burschen sprang auf Jakob Sch. zu und versetzte ihm mit einem harten Gegenstand einen.Schlag ins Gesicht, wodurch seine Zunge verletzt wurde. Als Sch. und sein Gefährte sich verteidigten, schrien die Rowdies: «Die Juden wehren sich noch!» Die Hakenkreuzler bildeten eine Gasse und zwangen Sch. und den Gymnasiasten, förmlich Spießruten zu laufen. Sch. veranlaßte ein des Weges kommendes Autotaxi, mit ihm die abziehenden Hakenkreuzler zu verfolgen, worauf diese die Flucht ergriffen. Der Mediziner berichtet, daß er einen Wachmann, den er hierauf traf, vergeblich aufforderte, gegen die Hakenkreuzler einzuschreiten. Keine gesetzgebende Versammlung für Palästina Grundlose Zeitungsmeldungen Jerusalem, 3. April. (J. T. A.) Gegenüber den von mehreren europäischen und amerikanischen Zeitungen veröffentlichten Meldungen, daß Sir Wauchope anfang Mai die Jewish Agency und die arabische Exekutive offiziell benachrichtigen werde, die britische Regierung habe beschlossen, eine fesetzgebende Versammlung für Paä s 12 n a zu schaffen, wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Jerusalem von autoritativer Regierungsstelle versichert, daß die Meldung ohne jede Grundlage ist und wahrscheinlich auf gewissen Erörterungen in der arabischen Presse beruht Die Schaffung einerLegislative Assemblysei für absehbare Zeit nicht beabsichtigt Eine Erklärung des High Commissioners Ein soeben erschienenes Regierungskommuniqu6 enthält eine Erklärung des High Commissioners, daß er nicht beabsichtige, irgend- CESCHK hl HA/5ER5TR. Af. ALSERSTR. 6 $15 - S 20*-S 28 - \ l welche Erklärungen zu politischen Fragen zu machen; er habe seine Ansichten über Palästinafragen auf der kürzlich stattgefundenen Konferenz der Bürgermeister kundgetan, weitere Mitteilungen von seiner Seite werden nicht folgen. Man nimmt an, daß diese Erklärung des High Commissioners isn Zusammenhang steht mit den Meldungen auswärtiger Zeitungen über eine bevorstehende Erklärung des High Commissioners, betreffend die Schaffung einer Legislative Assembly. Praktische Maßnahmen Jerusalem, 3. April. (J. T.-A.) Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Prof. Dr. Selig Brode tsky war am 1. April abermals beim High Commissi on er zum Lunch und führte mit Ihm die Diskussion über politische Fragen Palästinas weiter. Am 2. April besuchte das amerikanische Mitglied der Jewish Agency Emanuel N e u m a n den High Comtnissioner und besprach mit ihm Grundfragen der Regierungspolitik, namentlich im Hinblick auf die Notwendigkeit praktischer Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims. Prof. Brodetsky und Emanuel Neuman werden in den nächsten Tagen Zusammenkünfte mit den führenden Beamten der Palästinaregierung haben und mit ihnen praktische Aufbaufragen im Zusammenhang mit der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims erörtern. LLOYD TßlESTINQ FLOTTE PIUWTE LLOYD TRlESTINÖ-HADITTIMA ITALIAHA-JITMÄft'* 1 Expreßlinien und Genua) 1 Zweimal wöchentlich nach Aegypten Wöchentlich nach Griechenland und Istanbul Wöchentlich nach Cypem. und Palästina Zweimal monatlich nach Indien (Fahrtdauer 10V, Tage) Monatlich nach China (Fahrtdauer 23 Tage) Postllnlen nach der Levante u. dem Fernen Osten. Wohlfeile Ver gnflgunggfährten wahrend d. ganzen Jahren m. der Tourlstenlinie Auskunft und Prospekte Lloyd Trlestlno W ton, I. Kärntnerring 8 Tel. U-47-ft-fiO Legalität Der Sinn der Mprüwahlen in Deutschland In einer Berliner Wohnung hat vor kurzem eia Leopard einen menschlichen Säugling zerrissen, tß handelte sich dabei nicht etwa um die Verwirklichung der grausigen Vision, mit der Riccarda Huch Ihren berühmten Roman «Die Triumphgasse» einleitete, sondern um einen Fall mißbrauchten menschlichen Vertrauens auf die Fähigkeit blutgieriger Bestien, sich in die von Kultur und Zivilisation geschaffenen Lebensformen hineinzufinden und diesen die angeborenen Instinkte unterzuordnen. Der Leopard war von einem Maler aufgezogen worden und hatte sich daran gewöhnt, seine Mahlzeiten fein manierlich im häuslichen Kreise einzunehmen. Niemals zuvor hatte er gegen die für Haustiere übliche Etikette verstoßen; das hatte sein Besitzer als stillschweigende Anerkennung des Legalitätsprinzips durch den Leoparden angesehen und dieser hatte kein Mittel, seinen wahrscheinlich heißgeliebten Herrn über dessen Irrtum rechtzeitig und in geziemender Form aufzuklären. Tiere können ja nicht reden; das göttliche Gnadengeschenk der Sprache ist den Menschen Vorbehalten und nur diese haben die Fähigkeit, die wundersamen Empfindungen ihres Innern, die zarten Regungen des Herzens wie die wilden Impulse des Blutes in kostbaren, vom Geiste geprägten Sentenzen laut werden zu lassen, wie zum Beispiel «Juda verrecke!» Wenn man solche Aeußerungen des menschlichen Intellekts vernimmt, dann weiß man wenigstens — sie mögen angenehm oder unangenehm im Ohre des Hörers klingen — woran man ist. Das Tier aber hat keinen Geist und keinen Intellekt als warnendes Medium für die Stimme seines Blutes. Daher wird man von den Affekten der Raubtiere immer wieder unangenehm überrascht, während man sich gegen die Neigungen und Leidenschaften von Menschen zu schützen weiß. Weiß man es wirklich? Diese Frage ist durch Herrn Groener akut geworden. Als deutscher Heeresminister hat er vor kurzem durch einen Erlaß die bis dahin verboten gewesene Aufnahme von Nationalsozialisten in die Reichswehr gestattet Als Reichswehrminister hat er von Plänen der Nationalsozialisten, nach der für sie blamablen Reichspräsidenten-- wähl gewaltsam die Macht im Staate an sich zu reißen erfahren und davon auch den Regierungen der einzelnen deutschen Länder rechtzeitirr Mitteilung gemacht. Als aber Preußen die Konsequenzen aus dieser Warnung zog und durch energische Gegenmaßregeln die Putschabsichten der Rechtsradikalen im Keime erstickte, geriet Herr Groener durch seine merkwürdige Haftung in den Verdacht, daß er über diese Schutzmaßnahme der preußischen Regierung wenig erfreut war. Er hat zwar inzwischen diese Deu* tung dementiert, sich jedoch auch nicht zur gegenteiligen Auffassung der Angelegenheit bekannt. Sein« Haltung ist nur damit zu erklären, daß er den in der letzten Zeit ständig von den Hitlerianem iÄ t