Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 219 (17.3.1932)
- Date
- 1932-03-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 219 — 17. März 1932 OIE STIMME Seite 11 Jlidi§äker fport JKaMtabialk 1992 Die Beteiligung der Oesterreicher an der Makkabiah. Dem Makkabi-Weltverband, Kreis Oesterreich, ist es (vornehmlich durch die Mitarbeit des Herrn Ing:. R. Wasservogel) im letzten Moment gelungen, eine große Anzahl österreichischer Sportler und Turner nach Erez-Israel zu den großen jüdischen Sportspielen zu entsenden. Die Reise erfolgt in zwei Gruppen. Es reisen d e Schwimmerinnen und Schwimmer, sowie die Leichtathleten mit dem SchlffA „Canaro", die Ringer und Boxer mit dem ift» .Attikah“. Die Passagiere des letztgenannten Schiefen verlassen Wien am Montag, den 21. Mörz, um 22 Uhr 15 ■ mit der Südbahn und die Passagiere der „Canaro" mit derselben Bahn am Dienstag, den 22. Mira um 19 Uhr 20. Insgesamt reisen 88 Teilnehmer .von welchen die Nachstehenden Hm Start erscheinen werdet: Schwimmerinnen: Werthelmer-Bienenfeld, Löwy, Bratmann. Schwimmer: Guth, Dreikurs, Llchtenstern, Goldschläger. Leichtathleten: Klein, Deutscher, Blödy, Pollak. Ringer: Flncsusz, E. Gottlieb, Ochsenhorn, Birnbaum, Hirschl. Boxer: Laub. Die herzlichsten Glückwünsche der jüdischen Oeftentlichkclt begleiten unsere Jugend auf dem Wege zu ihren Er- ' folgen. Kraft-Hedad! dunek. Fußball Austria—Hakoah 3:2 (2:2). Unglaubliches Pech und ein unfähiger Schiedsrichter. Stadion. 9000 Zuschauer. Schiedsrichter Jannak. Noch nie hat die jüdische Mannschaft so unglücklich gekämpft wie diesmal. Der Beginn des Kampfes war typisch. Die Hakoahner gehen vom Anpfiff weg schneidig vor. Im Gegenstoß war Austria gleich in der 2. Minute durch ein ausgesprochenes Zufallstor erfolgreich. Die Hakoahner schienen deprimiert und als wenige Minuten darauf das zweite Verlusttor fiel, rechnete man bereits mit einer Rekord- . ntederlage. Da rafften sich die Blau-Weißen auf und glichen durch zwei PrachtschUsse Eisenhofers aus. Dann begann die Pechserie von neuem mit zwei Stangenschüssen Eisenhofers und Mausners. In der zweiten Halbzeit wurde Löwy durch . eine niederträchtige Roheit Mocks kampfunfähig gemacht, ,ein Vorfall, der von der gesamten Sportpresse verschwiegen wurde. Der Austria-Mann sprang Löwy, ohne daß der Ball . in der Nähe gewesen wäre, ln offenkundig böswilliger Ab*; sicht an und das Spiel mußte auf einige Minuten unterbrochen werden. Nach Wiederaufnahme erhielt Mock durch eine neuerliche Regelwidrigkeit den Ball und brachte Sindelar, der, von den offenkundig durch die Verletzung Löwys nervös gewordenen Verteidigern ln keiner Welse behindert, mit allerdings schönem Schuß das slegbringcnde Tor erzielte. Vielleicht sehe ich die Sache durch die Hakoah-Brllle, aber ich bin überzeugt, daß dieses U eberraschungstor eine direkte Folge des durch Mock provozierten Vorfalles war. In der Polge half Herr Jannak kräftig, die Niederlage der Blau- Weißen zu besiegeln. Er „übersah“ zumindest einen Eifer gegen Austria und machte sich überhaupt um Austria sehr verdient. Bei den Hakoahnem spielte die gesamte Mannschaft ■ehr brav und aufopfernd. Eine Ueberraschung war die ausgezeichnete Leistung Ehrlichs. Ein Angriff HaUoahs eröffnet das Spiel, die Violetten lind aber gleich vorne. Mock erhält nach einem Fehler Stroß’ 1 den Ball und erzielt in der 2. Minute mit sehr glücklichem Schuß das erste Tor. Löwy war die Aussicht verstellt. Ein Freistoß Mausners wird abgewehrt, Schöne Vorstöße des Flügels Mausner-Ehrllch bleiben erfolglos. Einige Angriffe der Austria werden durch off slde Viertels unterbrochen, In der 15. Minute erhält Viertel freistehend den Ball, überspielt Feldmahn und paßt zu Sindelar, der den Vorsprung vergrößert. Hakoah findet sich, ein Bombenschuß Eisenhofers wird abgewehrt, dann verhaut Budai eine große Chance. In der 31. Minute gibt Weißkopf schön zur Mitte, Elsenhofer bombardiert die Stange, erreicht aber noch den abspringenden Ball und sendet endgültig ein. Es folgt ein Korner gegen Hakoah. Dann bringt Ehrlich nach kurzem Platzwechsel Mausner in Front, der bis zur Kornerlinie rast, seine Flanke kommt zu Eisenhofer, der mit selten schönem Volleyschuß unter großem Jubel ausgleicht. Die Hakoahner sind wie ausgewechselt und zeigen Jetzt, was sie mit ein bißchen Glück leisten könnten. Das Glück Ist aber leider im Lager der Gegner. Ein Riesenschuß Eisenhofers kraclft an die Stange, Mausner erhält, fast Im Tore stehend, den Ball und köpft abermals an die Latte. Es war direkt ein Kunststück, ln diesem Falle kein Goal zu schießen. Etwas mehr Kaltblütigkeit Mausners in diesem Augenblick hätte das Spiel entscheidend beeinflußt. Nach Halbzeit wechselndes Spiel. In der 19. Minute der oben erwähnte Vorfall und der Entscheldungstrcffer Sindelars. Vsoleks und Mocks Fouls werden mit Freistößen gegen Hakoah belohnt. Nach einem Korner Ehrlichs abermals ein Stangenschuß. Ein Köpfler Ehrlichs geht haarscharf neben das Tor. Blllich hält einige harte Schüsse von Stroß und Mausner. Dann brennt Weißkopf durch, kommt ln glänzende Position, plötzlich pfeift Herr Jannak und ordnet, ganz unverständlich, einen Freistoß gegen Hakoah an. Einige aussichtsreiche Angriffe der Hakoah werden blödslnnigorwcise mit unschädlichen Freistößen gegen Austria unterbrochen. Wolßkopf brennt wieder Wurch und wird von Mock im Strafraum ganz regelwidrig *u Fall gebracht. Diesmal gibt es keinen Strafstoß! Gleich darauf Hands Im Austria-Strafraum, aber Hakoah ist Herrn Jannak anscheinend nicht sehr sympathisch. Es folgen verswelfelte Angriffe der Hakoahner, die Austria verteidigt aber mit unerhörtem Glück. Dann fallen die Blau-Weißen zurück lind geben sich geschlagen. In diesem letzten Abschnitt rettet Löwy einigemal bravourös. Hakoah: Löwy; Stroß 2, Feldmann; Heß, Stroß 1, Plaezek; Ehrlich, Mausner, Elsenhofer, Budai, Weißkopf. H. Sp. Der Obmann deB Vereines Horodenka, Herr Direktor Moses Meier, sowie der Gesamtvorstand gratulieren herz* liehst ihren Landsleuten Fräulein Erna Merbaum und Herrn Paul Geltner zu deren Vermählung. „Ungesäuerte Maxxothkuehen, weil eie eich nieht lange sufhielten. Unserem Berichterstatter Ist dieser Satz, der sich auf den Auszug der Juden aus Aegypten bezieht, beim Besuche der Schmidlschen Mazzothfabrik unter Führung des Inhabers, Herrn Brodetzki, vorgeschwebt. Wahrlich fehlt es dort nicht an den modernsten Misch- und Backmaschinen und automatischen Einrichtungen, daß das richtige Wort gut angebracht ist. Bekanntlich spielt im rituellen Sinne die Raschheit beim Anfertigen der Mazzoth die größte Rolle. Diese Frage hat dieser talentvolle Großkaufmann, Herr Brodetzki, gründlich gelöst. Man kann sagen, daß vom Reismehl bis zur fertigen Mazzoth ein Bruchteil der Minute genügt. Fortsetzung folgt. Boxen Seit zweieinhalb Jahren existiert in Wien der „Erste Jüdische Boxklub Makkabi“. Gegründet wurde der Klub vom bekannten Sportfunktionär J. Dollinger, der auch in anderen Sektionen eine ersprießliche organisatorische Tätigkeit entfaltet hat. Aus ganz kleinen Anfängen entwickelte sich der jüdische Boxklub zu einem ansehnlichen österreichischen Nationaiteam, der bis jetzt sehr erfolgreiche Arbeit geleistet hat Unter den vielen talentierten Boxern, die zu Beinen Mitgliedern zählen, sind besonders hervorzuheben: der 19jährlge Fliegengewichtler und Internationale Hammer, der 19jährige vielfache österreichische Meister und Internationale, Federgewichtler Lindenhelm und der österreichische Meister und Internationale im Schwergewicht, der kaum 20jährige Laub. Dieser äußerst talentierte Boxer bewies erst vor einigen Tagen sein hohes Können im Kampfe gegen den fast unbesiegbaren, im In- und Auslande bekannten Meister Havltcek (Wieden). Laub gelang es, seinen Gegner überzeugend und einwandfrei ln allen drei Runden zu schlagen, und sein Sieg wurde sowohl von den Schiedsrichtern, als auch von den Punkterichtem einstimmig anerkannt. Der junge jüdische Athlet verläßt ln einigen Tagen Wien, um sich zur Makkabiah nach Palästina zu begeben, und es ist zu erhoffen, daß er auch dort seinen Mann stellen wird. Die Mannschaft des „Ersten jüdischen Boxklubs Makkabi", dessen Trainingslokal sich IX., Liechtensteinstraße 20, befindet, trainiert unter der Leitung des Professionalboxers und Trainers Kraus. dunek. Im Rahmen eines Internationalen Kampfabends, welcher am Freitag, den 18. März 1932, um 8 Uhr abends, Im Antonlus-Saal in Weigls Dreherpark, Wien, XIII., stattflndet, startet für den „Ersten Jüdischen Boxklub Makkabi“ der Fliegengewichtler Hammer, der gegen Teller (Wieden) zu kämpfen hat. Hammer gewann am 4. Dezember v. J. im Oesterreichlschen Länderteam gegen den tschechoslowakischen Meister Navratil. d. Ringen Ausscheidungskämpfe für die Länderkämpfe gegen C. S. R. und Polen. Am Samstag, den 19. März 1932, finden in der Sportklub-Halle, Wien, XVII., Rötzergasse, die Ausscheidungskämpfe für die Länderkämpfe gegen Tschechoslowakei und Polen statt. Da fünf Mitglieder der Kampfmannschaft zur Makkablade nach Et-e-,: reisen, ist die Hakoah-Ringsektion gezwungen, n u r in vier Gewichtsklassen anzutreten. Es starten: im Bantamgewicht: Bugzester; im Federgewicht: Filo Fadenhecht; im Leichtgewicht: Schianger oder Karl Gottlleb; im Halbschwergewicht: Müller. dunek. Schwimmen und Warner* «»all Die Schwimmsektion der „Hakoah“ eröffnete Ihre diesjährige Saison mit einem internen Meeting, das am 6. d .M. im Dianabad stattfand. Die Veranstaltung, die gut besucht war, zeigte die Schwimmerinnen und Schwimmer der „Hakoah“ in guter Form und brachte schöne Ergebnisse. Besonders erfreulich ist die Tatsache, daß der Nachwuchs der „Hakoah“ von Jahr zu Jahr schönere Leistungen zeigt und schon jetzt Aussicht hat, im Kampfe mit den übrigen Wiener Mannschaften seinen Mann zu stellen. Die Wasserballer zeigten sich auch in guter Form und gelang es beiden „Hakoah**-Teains ihre Gegner zu bezwingen. Als nächste größere Veranstaltung der „Hakoah“ findet am Samstag, den 19. d. M., um 8 Uhr abends im Dianabad ein internationales Meeting statt, zu dem die Vorläufe am ' 17. d. M. im Dianabad ausgetragen werden. Das Meeting verspricht durch das erstmalige Antreten der Italienischen Meister in Wien sowie durch die Teilnahme der jüdischen Spitzenvereine aus der Tschechoslowakei einen sehr interessanten Verlauf zu nehmen. Das Aufeinandertreffen des „Hagibor"-Prag, „Bar Kochba‘‘-Bratislava, „Bar Kochba"- Brünn und „Hakoah“-Wien, die die stärksten jüdischen Schwimmvereine darstellen, kann als Vor-Makkabiah bezeichnet werden. Jtus dem Votira^ss soI Vortrag von Frau Hanna Steiner, Mitglied der Galuth-Exekutlve der W. I. Z. O. in Wien. Montag, den 7. März, empfing die Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs (Föderation der W. I. Z. O.) einen prominenten Gast in ihrem Klubheim, Frau Hanna Steiner, Mitglied der Galuth-Exekutlve der W. I. Z. O. Frau Steiner, auf deren Schultern nahezu die ganze Arbeitslast und Verantwortung für die weitverzweigte tschechoslowakische Föderation der W. 1. Z. O. und darüber hinaus für ein gut Teil der zionistischen und jüdischen Arbeit dieses Landes liegt, konnte nur mit größter Mühe die Zeit zu diesem lange erbetenen Besuche erübrigen, der dadurch so knapp bemessen war, daß vorher und nachher unaufschiebbare Pflichten sich an sie herandrängten. Umso höher weiß die österreichische Föderation die Bedeutung dieses Besuches der so unendlich arbeitsreichen Frau einzuschätzen. Der Vortrag, den Frau Hanna Steiner an diesem Abend in der Wiener W. I. Z. O. hielt, war jedoch nicht nur wegen seiner Seltenheit, sondern vor allein wegen seines außerordentlich wichtigen, aufschlußreichen und die Begriffe klärenden Inhaltes von einzigartiger Bedeutung. Die Vortragende konnte dem zahlreich versammelten Kreise der Wiener Mitarbeiterinnen am Palästina-Frauenwerk der W. I. Z. O. eine Reihe von Informationen geben, die hier noch nicht bekannt waren. Ganz besonders wichtig waren die Nachrichten über die Ergebnisse der Einigungsverhandlungen (Round Table Conference)), die Ende Jänner In London zwischen den Mitgliedern der derzeitigen Exekutive und den ln Basel ausgeschiedenen früheren Mitgliedern geführt worden waren. Als Mitglied der geschäftsführenden Exekutive konnte die Vortragende authentisches Material vorlegen, welches berechtigtes Aufsehen und große Genugtuung unter den Zuhörerinnen auslöste. Ganz besonders erfreulich war die Nachricht, daß bei der erwähnten Londoner Verhandlung eine prinzipielle Einigung in den wesentlichsten Punkten erzielt wurde, daß eine Reihe von Resolutionen einstimmig gefaßt wurden und daß nur noch die organisatorische Form gefunden werden muß, um dl« Rückkehr der ausgeschiedenen Mitglieder der Londoner Exekutive zu ermöglichen. Die Vortragende ging bei ihrem großangelegtcn Referate von dem für sie charakteristischen Grundgedanken aus, daß die Weltorganisation zionistischer Frauen — abgesehen von Ihrem bedeutenden und unentbehrlichen Palästinawerk — durch die Schaffung einer neuen Solidarität unter den jüdischen Frauen aller Welt eine außerordentlich wichtige volkserziehcrischo Aufgabe geleistet habe und leistet. Gerade Frau Steiner, die seit einem Jahrzehnt außerordentlich erfolgreich an dieser Arbeit mittätig ist, Ist wie wenige andere berechtigt, von der Erschaffung dieser neuen Solidarität unter den jüdischen Frauen zu sprechen, die der zionistischen Frauenbewegung so viel neue Impulse und Kräfte verliehen hat. „Unser Ziel ist das der zionistischen Bewegung — unser Weg ist der der modernen, selbstverantwortlichen, selbstschöpferischen Frau“, führt die Referentin aus. „Aus diesen beiden Wurzeln stammt unsere Kraft und unser Mut. Das Bewußtsein der Solidarität mit zehntausenden, ja hunderttausenden jüdischen Frauen in aller Welt löst Kräfte in uns aus, deren wir früher nicht bewußt waren und die wir daher nicht produktivieren konnten. Die Zusammenarbeit mit den schaffenden Frauen Palästinas stärkt unser Verantwortungsgefühl, unser Selbstbewußtsein, unsere Energie. Daher ist die enge Verbundenheit der bürgerlichen jüdischen Frauen der Galuth mit den arbeitenden Frauen Palästinas ein ständiger Motor, der unsere Energien in Fluß bringt und uns zu einer schöpferischen Frauenbewegung macht. Dieses Prinzip darf nicht aufgegeben werden, — auch nicht um eines scheinbar größeren Rahmens willen. Eine Zusammenarbeit von Wizo und Hadassah wird kommen und muß kommen, — niemals aber unter Preisgabe des schöpferischen Prinzips der Mitverantwortung bei der Erziehung der Frau und des Kindes zu wertvoller Arbeit im Lande, zu fruchtbarer sozialer Arbeit. In diesem Gedanken müssen wir einig sein und durch diese Einigkeit stark.“ Nachdem Frau Steiner noch ln die Details und dl« letzten Errungenschaften der Wizo-Arbelt eingegangen war und eine Reihe von Fragen aus dem Kreise der Zuhörerinnen beantwortet hatte, schloß dieser überaus interessante, anregende Vortragsabend, den ein Intimes Beisammensein mit dom Gaste ln den Klubräumen des Cafds Altes Rathaus ablöste. Hier wurde ln zwangloser und heiterer Form gegenseitig Bekanntschaft gemacht und auf frühere Begegnungen hingewiesen, besonders auf den gemeinsamen Besuch von Frau Sofie Löwenherz und Dr. Martha Hofmann ln Prag im Jahre 1928, der durch diesen Besuch von Frau Steiner erwidert worden sei. Mit dem Gefühl, daß persönlicher, menschlicher Kontakt mehr als irgend etwas geeignet sei, die enge Zusammenarbeit zu fördern — übrigens ein Lieblingsgedanke von Frau Hanna Steiner —, gingen die Teilnehmerinnen dieses schönen, überaus gelungenen Abends nach Hause. Martha H o f m a n n. Arthur Schnitzler Im Klub jüdischer Frauen (Cafd Colonnaden) hielt Fram Dr. Martha Hofmann einen Vortrag über Arthur Schnitzlet der sich den vielen Nachrufen und Besprechungen des kürzlich verblichenen Dichters in einer ganz besonderen und ganz ausgezeichneten Welse anschloß. Die Vortragende folgte geistvoll den verschlungenen Wegen des „weiten Landes" (Schnitzlers Bezeichnung der Menschenseele). Besonders wichtig war es der Referentin, die Ueberelnstimmung zwischen Leben und Dichten bei Schnitzler aufzuzeigen. Schnitzler kommt von der Medizin her, führte Doktor Hofmann aus; die frühe Bekanntschaft mit Krankheit und dem immer gegenwärtigen Tod vermittelte ferner die Lust am Analysieren, die über die tiefe und rückhaltlose Erkenntnis der eigenen Psyche zur genauen Kenntnis der seelischen Vorgänge der anderen gelangt. In Inhaltsangaben der Novellen, Dramen, Komödien zeigte die Vortragende den Grundgedanken, der alle Dichtungen verbindet. Immer wieder ist es die plötzliche, schuldlose Verstrickung ahnungslos heiterer, harmlos lebensbejahender Menschen in schweres Schiksal, in Grauen und Tod. So bei „Leutnant Gustl“, bei Christine in „Liebelei“, bei „Frl. Else" u. s. f. Zwischen Spiel und Tod — ein wenig Liebe —, das ist das Leben! Ein Tanz über dem Abgrund, voll Unsicherheit, voll Gefahren, stündlich bedroht, stündlich jähem Wechsel unterworfen, nur erträglich durch die Un« kenntnis, die kindlich naive Unbewußtheit. Doch der Dichter leidet den Schmerz der Kassandra, den Schmerz des zur Hilfsbereitschaft erzogenen Arztes, den Schmerz des Sehens, der klagend ausruft: „Daß man nicht helfen kann!“ Dr. Hofmann sucht ln der jüdischen Abstammung des Dichters die Erklärung für diese Einstellung. Sie ist mit Zola überzeugt, daß die Vererbung ihre Gesetze hat, wie dis Schwerkraft! Sie glaubt, daß ln diesem feinen, stillen und gütigen Wiener Dichter etwas von dem Wissen um den plötzlichen Wandel aus der Sicherheit einer gefestigten Existenz ln das Grauen der vogelfreien Flucht und Heimatlosigkeit als Erbe zahlreicher Generationen jüdischer Vorfahren weitergelebt hat. Wenn sie mit ihrer Annahme recht hat, dann wandelte sich Fluch in Segen, das Erbe der Väter machte die Seele des Dichters noch reicher, noch aufnahmsfählgcr, noch mehr „weites Land“. Helene Brlngs, Ueber 6000 Aerzte bestätigen die hervorragende^ schmerzstillende und heilende Wirkung des Togal bei rheumatischen, gichtischen und nervösen Schmerzen. Auch bet Erkältungskrankheiten sind Togal-Tabletten altbewährt. Dlt Wirkung tritt unmittelbar ein. Togal-Tabeltten sind absolut unschädlich und üben weder auf den Magen, die Nie« ron oder andere Organe einen schädlichen Einfluß aus. I0SSE KHIiER-rUHimFEIEII Sonntag, den 20. Mtrz, halb 3 Uhr nachm, im Hotel Post,l. veranstaltet von der Zion. Frauengruppe VIII/IX der WIZO