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Die Stimme · 1932-03-10 · Heft 218 (10.3.1932) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 218 (10.3.1932)
Date
1932-03-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 218 — 10. Mär* 1932 DIE STIMME Jivi&dow JHameiwi Nachdruck auch fn Auszügen verboten. Der großeWahnsinn Autorisierte Uebertragung aus dem Hebrfifschen von Sem Wolf 25 XVIH. Kapitel Die Hölle Im Augenblick, da mir mein Diener die Uniform mit dem neuen Fähnrichabzeichen reichte, wußte ich selbst nicht, was ich eigentlich empfand. Natürlich war es Freude und Genugtuung. Es war sonderbar. Nun war ich bereits vier Monate Soldat, Unteroffizier, an der Front; konnte fluchen wie ein Feldwebel, fraß, was man mir gab, trank Unmengen, kroch auf allen Vieren im Kot, schoß auf Menschen und sogar zum Dieb ward ich schon, Gottseidank — folglich war ich doch ein echter hundertprozentiger Soldat. Und habe mich doch im Moment geschämt, daß ich Offizier geworden bin. Und das war irgendwie berechtigt; Meine Meinung von den Offizieren, die ich mir schon in den vorsintflutlichen Friedenszeiten gebildet hatte, wurde an der Front noch mehr bekräftigt; ich soll der Freund des Herrn Stubnik oder ein Kamerad des Herrn Fieger sein? Bei Gottl Dies ist keine allzu große Ehre. Und trotzdem bin ich doch Soldat, ein ganz anderer Mensch geworden; manchmal entsinne ich mich, daß ich einmal auch wieder ins Zivilleben zurückkehren werde-Was werde ich dann unter den Zivilisten machen? Und noch etwas Sonderbares; ich empfand ein Gefühl des Ekels für Herrn Fieger, aber trotzdem — warum es leugnen — tue ich doch schließlich alles, um ihm zu gefallen. Und nicht nur, weil man es mir befiehlt. Nein. Merkwürdig ist es, aber es ist doch so. Andererseits empfand ich trotzdem eine gewisse Scham mir, dem neuen Offizier, der ich geworden bin, gegenüber. Doch das nur einen ganz kurzen Augenblick. Und dann war ich schon wieder ganz zufrieden. Ich schaute in den Spiegel, den mein Diener mir stolz vorhielt, und ich habe mir selbst gefallen. Und auch dafür habe ich einen Grund, der zugleich einer Art Entschuldigung diente: das Leben war doch für mich jetzt leichter. Ich werde keinen Tornister zu schleppen brauchen, auch nicht das schwere Gewehr. Jetzt habe ich einen kleinen und schönen Revolver, eine entzückende Waffe. Ganz außergewöhnlich angenehm ist es, mit diesem Revolver zu schießen. Man zielt mit einer Hand, fast spielend, auf jenen Kopf dort, drückt ab und schon fällt dort der Körper zur Erde. Das ist kein Schuß, kein Mord, ach nein, das Ist mehr als beides, das ist eine ganz große Sache: Leben und Tod werden in einer Hand gehalten. Genau so wie mein Leben von der Hand irgend jemandes drüben abhängig ist. Also: Ich bin doch zufrieden, daß ich Offizier geworden bin. Und wie sich mein Diener freut! Jetzt ist er schon Diener im wahrsten Sinne des Wortes. Und er freut sich unerhört, daß ich Offizier Spmhsaal der Stimme Für die Mitteilungen, die ln dieser Rubrik erscheinen, übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. An die Redaktion der „Stimme“. lob habe mich in meiner Eigenschaft als Obmann des Jüdischen Hllfsverelnes „Prater“ an die bekannte Firma Josef Männer & Co. um Unterstützung unseres Fonds gewendet und erhielt nachstehende Antwort, die wohl das Verhalten dieser Firma, die gewiß tausende jüdische Kunden hat, Juden gegenüber zur Genüge kennzeichnet: „An den Jüdischen Hilfsverein „Prater“, zu Händen des Hr. S. Natowlc, Wien, XX. Im Besitze Ihrer werten Zuschrift vom 27. d., bedauern wir sehr, Ihrem Wunsche bei bestem Willen nicht entsprochen zu können, da wir mit Rücksicht aut die angespannten, wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen sind, unsere Wohltätigkeit lediglich auf unsere Weihnachtsaktion zu beschränken. Hochachtungsvoll Josef Männer & Co. A. G.“ Judeu sollen also die Weihnachtsaktion abwarten! Ohne Kommentar! Sehr geehrter Herr Redakteuri Zu den österreichischen Kuriositäten gehört es, daß Kurorte und Sommerfrischen, die von Juden leben, in der toten Saison von wüstester antisemitischer Hetze erfüllt sind. Im Sommer kajollert man den jüdischen Kurgast, im Winter gebärdet man sich, als wenn Bchon das dritte Reich bestünde. Diese merkwürdige Erscheinung ist in fast allen Gebieten der österreichischen Fremdenindustrie festzustellon. Im Sommeringgebiet ebenso wie an den Seen Kärntens und des Salzkammergutes usw. In der letzten Februarwoche kam Ich vorübergehend nach Zell am See, dos im Sommer nebon Reichsdeutschen von vielen Juden besucht wird. Auch ln diesem Ort, für den auch Im Ausland große Propaganda gemacht wird, ist eine beispiellose antisemitische Hetse festzustellen. Die Tür des Gasthofea „Traube“ beispielsweise Ist ln eine Plakatwand umgestaltet, an der niederste Judenhetze (vor geworden bin. Und ich freue mich, weil er »ich freut. Also ist meine Freude durch und durch altruistisch... Mein Diener ist ganz anders geworden. Er war kaum mehr zu erkennen. Seine Anhänglichkeit bekam eine ganz neue Art. Er glich fast einer treuen Frau. Ja, so war es wirklich: Er benahm sich mir gegenüber wie eine treue, aber sehr launenhafte Frau, wenn sie liebt. Langsam begann er mir auf die Nerven zu gehen. Denn er hat sich jetzt einen fast gebieterischen Ton angewöhnt. Er kommandierte mit mir herum, beschimpfte mich bei jeder Gelegenheit. «Der Herr hat schon wieder die Mahlzeit stehenlassen!» — sagte er und warf den Teller mit den Kartoffeln auf den Boden, wobei er drastisch und ordinär fluchte. Oder, wenn ich an einem gefährlichen Orte stand: «Müssen Sie mit Ihrem faulen Schädel unbedingt eine Zielscheibe für den Feind abgeben? Gehen Sie doch!» — schrie und fluchte er. Es genügte, daß ich mir die Hosen angezogen habe, ehe er sie gebügelt hat, und es war nicht mehr auszuhaiten. Ja, er ist sehr treu. Er liebt mich, das ist gut und schön. Aber trotzdem ist es mir des Guten und Schönen fast zu viel. Er geht mir buchstäblich auf die Nerven. Keinen Augenblick im ganzen Tag verlebe ich ohne seine Kontrolle. Eine wahre Xanthippe ist er geworden. Keift und keift immerfort. Es hilft nichts, ihn anzuschreien. Es hilft nicht, gutmütig zu ihm zu sein: «Pali, sei nicht grob; fluch’ nicht; das ist nicht schön.» Oder: «Pali, schweig, sonst kriegst du zwei Ohrfeigen!» Nichts hat geholfen. Er hatte immer dieselbe Antwort: «Was soll ich machen, wenn der Herr keinen Verstand hat, auf sich selber aufzupassen?» Ich war seiner schon müde und nicht einmal faßte ich den Entschluß, Ihn zum Teufel zu schicken. Bis ich mich eines Tages an das ausgezeichnete militärische Mittel erinnerte. Als einmal einer der Offiziere den Onkel Oesterreicher beschimpfte und beleidigte, konnte ich keinesfalls meine Mahlzeit verzehren. Ich schob den Teller beiseite, zündete mir eine Zigarette an und wollte etwas schreiben. Mein Diener schaute mich eine Weile stumm an und dann ging er auf mich los: riß mir die Zigarette aus dem Munde, warf sie auf den Boden und schob mir den Teller vor die Nase: «Wenn Sie nicht fressen werden, dann werde ich alles zerschlagen! Verstanden?» — und schon hielt er den Teller in der Hand. Ich dachte, er wäre verrückt geworden und wußte nicht gleich, was ich tun sollte. Da erinnerte ich mich eines Ausweges: «Habtacht!» — schrie ich aus aller Kraft. allem Schächten!) in Wort und Bild von den Zeller Nazis betrieben wird. Ich frage nun: Haben es Juden wirklich notwendig, Orte, in denen während der stillen Zelt das Hepp-hepp- Geschrel ertönt, aufzusuchen? Ist es nloht klüger, Ihre Erholung dort zu suchen, wo nicht teutonischer Rassenhaß und Pogromstlmmung herrschen? Mit einem Wort, den Urlaub Im Ausland, in der Schweiz oder ln Italien, zu verbringen? Hochachtend O. Morgenstern. An die Redaktion der „Stimme“, Wien, L Wir ersuchen Sie, folgendes veröffentlichen zu wollen: In letzter Zelt wurden auf unsere Bewegung in der revisionistischen Presse heftige Angriffe gemacht und wir wurden beschuldigt, es mit unserem Erziehungssystem nicht verhindern zu können, daß „Scharen zu den Kommunisten abwandern“. Wir wollen hiezu bemerken, während der letzten drei Jahre (so lange ist die Bewegung überhaupt links eingestellt), mit einer einzigen Ausnahme, ein Kommunist trat nämlich ln unsere Bewegung ein, konnte aber rechtzeitig entfernt werden, daß mit dieser einen Ausnahme kein Fall vorkam, daß ein Mitglied unserer HlBtadruth zu den Kommunisten übertrat. Mit herzlichem Schalom Rothbl um für die Hist. Haschomer-Hazai: Blau-Weiß. Die Ziehungen der V. Klasse der XXVI. Lotterie dauern vom 9. März bis 8. April 1932. Glücklose noch zu haben bei der Geschäftsstelle der Klassenlotterie, I. N. Neufeld, Wien, II., Krumbaumgasse 16, Telephon A-45-9-65. Möglicher Höchsttreffer S 800.000.—. rav *1131® Der Junge blieb aufrecht stehen, wie versteinert, mit dem Teller in der Hand. «So wirst du eine halbe Stunde stehen bleiben.» Endlich hatte ich eine halbe Stunde Ruhe vor ihm. Er stand, ohne sich zu bewegen. Stumm und versteinert. Wie eine Säule. Und ich arbeitete in Ruhe weiter. Nach einer Viertelstunde kam mein guter Leutnant herein, sah den versteinerten Soldaten mit dem Teller in der Hand und ein Lächeln schwebte Uber seinen Zügen. «Verschwinde!» — befahl ich dem Diener, als der Leutnant eintrat. Stand auf und empfing meinen Vorgesetzten. ' Der Diener verschwand. Ich habe dem Offizier die Angelegenheit erklärt, Er lachte und sagte dann: «Paß’ auf, mein Lieber, du bist schon ein gelehriger Schüler des Herrn Fieger geworden.» Und dann sprachen wir über Offiziere und Offiziersart und in diesem intimen Gespräch kam erst die interessante Persönlichkeit dieses Leutnants zum Vorschein. Er war Sprößling einer armen protestantischen Familie, ein Musiker von Gottes Gnaden, der fabelhaft Klavier und Geige spielte und eine große Bibliothek hatte. Seine Familie — er hieß Smrecsanyi, war seit jeher durch und durch demokratisch. Wir plauderten noch miteinander, da erscheint schon wieder mein Diener mit einer Portion frischgekochter Erdäpfel, blieb stehen und sagte fast weinend: «Lassen Sie mich nicht Habtacht stehen, essen Sic bitte, sonst... sonst... (in diesem Momente waren seine schönen Gesichtszüge schon fast verzerrt) werde ich alles in kleine Stücke zerschlagen.» Ich aß und er ging weg. Und nachher sagte mir der Leutnant: «Gib mir den Jungen und ich gebe dir dafür ein altes wertvolles Schriftstück: ein Originalmanuskript von Trismegistos.» «Was für einen Wert hat der ganze Trismegistos im Vergleich mit diesem Jungen, Herr Leutnant?» ««Recht hast du» — sagte er nachdenklich f — «das ist ja das große Paradoxon des Krieges: der fürchterliche Wahnsinn hat wenigstens eine Lichtseite: er entdeckte den Menschen, den wir sonst nie gesehen hätten, wie er wirklich ist. Gott im Himmel, was kann man aus einein derartigen Jungen durch Kultur Und Zivilisation machen? Und wie schön er ist: Ich schwöre dir, wenn ich Jupiter wäre, würde ich ihn zum Ganymed ernennen.» (Fortsetzung folgt) wmiiiwmiHMiiH1 m|im ip rriTTf^irrfiyrTiFF^WiiiiFTiiiTHgTriir-~ - nw Kein Gesinnungsgenosse darf fehlen bei mir als Kunde ' ' ' Men-Putzerel bm DnerilL EHprel-liagti-lnstall J. Walzar, Wien,!!., Taborstraße 43, Tel. A 49248. bringt sensationelle Voisilsonprelse bet verläßlicher und pedanter Arbeit. 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