Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 214 (11.2.1932)
- Date
- 1932-02-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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UIE STIMME Seit* q N r*‘314-—11 r Februar 1932 Jlvi&dor Jtametri Nachdruck auch in Auszügen verboten. Der großeWahnsinn Autorisierte Uebertragung aus dem Hebräischen von Sem Wolf 23 , XVI. K«plt*l Ich bin ein Dieb! Das gute Verhältnis zwischen mir und meinen einfachen Leuten war an sich kein Wunder, Ich war gut zu Ihnen in jeder Beziehung und half ihnen, wie ich konnte. Meinen ganzen Gehalt und die vielen Geachenkte, hauptsächlich Schokoladen, Bonbons und Zigaretten, die man mir aus der Stadt schickte, verteilte icli stets unter meinen Todeskameraden. . Es waren einige unter ihnen, die diese Süssigkeiten wieder ihren Geliebten und die Groschen, die sie hatten, ihren Müttern schickten. Dieser guten Beziehung wegen haßten mich aber meine Vorgesetzten. Ein Haß kann noch stärker sein als der Tod. Noch beim Kader begann dieses besonders gute Verhältnis zwischen mir und meinen Leuten, als Ich mich geweigert habe, den Befehl des Obersten auszuführen, den gemeinen Soldaten ins Gesicht zu spucken. Doch hier ln der Hölle wuchs diese Liebe von Tag zu Tag. Und ich — mir lag doch an dem Geide nichts. Ich war sicher, daß mich eines Tages eine Kugel treffen werde, und nur eine Frage stellte ich mir immer wieder: Wann wird es sein. Sehr gewundert hat es mich, daß sich auch hier an der Front alle Offiziere bei jeder nur möglichen Gelegenheit wie Gigerln angezogen und geschminkt haben. Ihr ganzes Geld verschwendeten sie für Uniformen und Kleinigkeiten. Alien voran der elegante Herr Fieger. An seinen Fingern glänzten goldene Ringe mit Edelsteinen und an den Handgelenken trüg er goldene Bracelets, durchwirkt ndt platlit bnd besetzt mit Edelsteinen. Die einfachen SpIdäfeb äböt'^cbiMi^ft ihre armseligen. Groschen, der eH*ß: seiner. altenMutter» der.andere seiner Frau, der dritte seiner Schwester und der vierte seiner Geliebten; *isi ‘*kla.f, :däß‘ unter solchen Umständen mein Einvernehmen mit den Soldaten den Offizieren ein Dorn im Auge war. Und sie konnten sich nicht anders helfen, als allwöchentlich meine Leute 2u wechseln. : Und daß dies pünktlich geschah, darum kümmerte sich schon mein. Feind, der junge Leutnant mit dem jüdischen Gesicht, Herr Joni. Er war mein Vorgesetzter uffidHeit^ ändere Ursache: Alle kf^ienjmicfi.als -‘‘ein.en[-.jMfsclien Schriftsteller .und Zlbnistep;.«nd er zitterte vor Angst, daß seine Karne- - radfeh'eines Tages erfahren könnten, er sei ein Getaufter. ,, Vor allem aber hatte er Angst, daß man mich, Gott behüte, zum Offizier avancieren lassen könnte. Um ein Avancement zu verhindern gibt es ein ausgezeichnetes Mittel beim Militär. Man bestraft den Betreffenden wegen irgend einer Kleinigkeit. Kampf, - der zehn Tage lang fürchterlich gewütetiund große Opfer gefordert hat, brachte in der Folge große Veränderungen in unserem Regiment. Es fiel vör allem auf, daß alle jüdischen Offiziere — und da» fast ohne Ausnahme — mit beispiellosem Heldenmut gekämpft haben. Jede wichtige Eroberung, die Besetzung irgend eines bedeutungsvollen Hügels, eines Wajdes, eines Dorfes, die Eroberung einer russischen Batterie und auch die Gefangennahme von russischen höheren Offizieren, all das war in großem Maße das Wferk jüdischer Offiziere. Weniger zeichneten sich die Ungarischen Offiziere aus und noch weniger die Oesterreicher. Vielleicht wär es nur ein Zufall, doch eine Tatsache war es. Das war auch der Grund eines starken, wenn auch maskierten Hasses. Bald aber wurde dieser Haß den Juden gegenüber ganz öffentlich zur Schau ' ■* .."mwjffli m Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultus' gemeinde Wien Zirkulare wegen Gruft* und Grttbaraehmßckurigan. Der gewesene Kontrahent der isr. Kultusgemeinde Wien für Gräberschmückungen auf den isr, Friedhöfen, Zier- und. H&ndelsgürtner Leopold Deutsch, bringt an die Gemeindomltgilcder Zirkulare zur Versendung, ln welchen er, auf seine Glaubenszugehörigkeit hinweisend, anführt, daß die neuen Kontrahenten der Kultusgemeinde einem anderen Glaubensbekenntnisse angehören, und hinzufügt: „Da ist Jedoch anzunehmen, daß die Mitglieder unserer Ge* möindo sich gerade in rituellen Fragen, wie es das Beardlgurigswesen ist, nicht ohneweiters über diesen Uhistand liinwegsetzen werden.“ Die isr. KUltüBgerneindo Wien sieht sich zu der Fest* Stellung veranlaßt, daß Herr Leopold Deutsch als Kontra* hent der kültuägemelndo seiner Verpflichtung in diesem Veftraarsverhältnls, auch jüdisches Personal zu beschäftigen, nicht nachgekoinmen Ist, während die Heuen, dem Judentum nicht angebörenden Kontrahenten dieser Vertragspunkt sofort entsprochen haben. Wenn sohin der Gärtuer Deutsch bei der Werbung um Aufträge den An* schein zu erwecken sucht, als ob die von ihm Übernom* menen Gräberaphmücküngen auf den jüdischen Friedhöfen von Juden ausgeführt würden, so steht dies mit den Tatsachen in krassem Widerspruch, getragen. Die österreichischen Offiziere begannen zuerst, sich so zu benehmen. Und diese Feindschaft nahm derartige Dimensionen an, daß man nicht scheute, einen jüdischen Offizier namens Neumann nach einem großen Sieg ~~ er hat ein russisches Bataillon von dessen stärken Stellungen verdrängt und dies nur mit sieben seiner Leute — vor ein Gericht zu steilen, unter dem lächerlichen und zugleich bösartigen Vorwände, er habe Munition verschwendet. Nichts anderes hieß das, als daß der Sieg eine gewisse Menge von Patronen nicht wert war. Die Nachricht hierüber hat im Lager großes Aufsehen erregt. Offizier Neumann war In seiner Heimatstadt Lehrer, Absolvent des Budapester jüdischen Pädagogiums und ein Schüler der Professoren Bacher und Banocsi. Vors Gericht gestellt wurde er vom Herrn Obersten Fieger. Da geschah in den Kampfestagen etwas, auf den ersten Blick Unbedeutendes, das von niemanden, mit Ausnahme meines jungen Dieners, beachtet wurde: Der Oberst Fieger nominierte den getauften Joni zu seinem Adjutanten. Mein Diener verstand sofort den Zusammenhang: Der ganze teuflische Plärt, Leutnant Neumann anzuklagen, war von Joni äusgeheckt worden. Und das ganze Regiment wartete ungeduldig auf das Urteil; einige In der Hoffnung, daß Neumann freigesprochen werde und andere in ohnmächtigem Schmerz. Mein Diener ging wie verrückt herum, verhielt sich aber nach außenhin ganz ruhig, wie jemand, der irgend einen fürchterlichen Plan Im Herzen trägt. Bevor es aber noch zur Verhandlung kam, entbrannte wieder der Kampf und die Sitzung des Gerichts wurde auf unbeschränkte Zeit vertagt, lind ich bekam an Steile des Joni einen neuen Vorgesetzten: eihen ungarischen Leutnant, einen Protestanten, der halsstarrig, dabei aber schweigsam und ehrlich bis in die Knochen war. Tags vorher war er erst aus dem Spital zurückgekehrt und als er vofi der Sache hörte, sagte er mir: , «Was für ein Hutenhaus habt Ihr Euch hier än der Front eingerichtet? Wessen beschuldigt man ihn denn?» Ich erklärte ihm den Sachverhalt, worauf eich sein Gesicht verfinsterte: fWas?, Se. Majestät leidet an Munitionsmangel?» Er dachte eine Weile nach und fragte dann plötzlich: «Bist Dü Jude?» «Jawohl, Herr.» «Also sage mir die Wahrheit, offen und gaii2 geradeheraus: Wie benehmen sich die Juden in Deiner Abteilung?» «Sie werden es selbst sehen und beurteilen köntieh.» Und er sah mit seinen eigenen Augen die Juden im Kampfe und bildete sich selbst ein UrteiL Er beantragte sofort ein Avancement für den Tiroler, den Margulies und für den alten Oesterreicher. Er schlug vor: den Tifoler zürn Korporal, deii Marguließ zum Zugsführer zu ernennen und dem Onkel Oesterreieher die goldene Tapferkeitsmedaille zu erteilen. Diese Medaille war mit dem Bezug einer Pension verbunden und das war nicht ohne Bedeutung für den Alten, der eine große Familie hatte. Mich hat er zum Fähnrich vorgeschlagen. Stotternd machte ich ihn darauf aufmerksam, daß ich keine allzu große Hoffnung habe, weil der Herr Oberst Fieger ... ■PF*." ■HIW , y ’iWff E «ttHMagMmpmMBMBeBWeinsPHBnnmSfBMBSggeg Israelitischer pamstag. den 1&. Februar JAZZ* findet in allen Gemeinde* und ■Beilrkpoarnikogsa der Jugendgottcedianst um i t?hr nachmittags statt. Predigten in d*n israelitischen Gemeindeun<f Bezirks- Synagogen: Freitag, den 12, Februar 1932, werden bei dem um 6 Uhr 15 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeinde- und Betirkdsyha&ogen Predigten abgehalten, und zwar: L SeltenstetjLengasse 4 (Rabbiner Dr. L M. Bach); IL, Paxmaniiengasse 9 (Rabbiner Dr. Z. Taubeß); IIL, Untere Vi&duktgu»»e 18 (Rabbiner Prof. Dr. K. Kupfer); Y* Slebenbrunaengnaae la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VI, Schmalshofgasse 2 (Rabbiner Dr. k Drobinsky); VH, Neudeggergasse 13 (Rabbiner Dr. M. Bauer); IX., Müllnerg&sse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XX, Kluekygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein). Exegetische Verträge: Semetag, den 13, Februar 1932, beim Vormittagsgotteedienet: XXI., Schloßboferstraße Sl (Rabbiner Dr. M. Rosenmann); beim Nachmittagsgottesdienst: XIII., Eitelbergg&sse 22 (Rabbiner Dr. M. Lewin), XIX, Doillnergaase 2 (Prediger Dr. A. Frankfurter). Mid rasch vortrag: II, Pazmanltengasse 5, halb 4 Uhr nachmittags (Rabbiner Dr. Z. Taubes). Babbathfeier für die reifere Jugehd. Der Vorstand der Israel l tischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet am Freitag, den 19. Februar 1923, um 7 Uhr abends im Stadttempel, L, äaitensjtattengaose 4, ein« Sabhatbfelör für die reifere Jugend. Bei dieser Feier hält Herr Rabbiner Dr. Benjamin Murmel- Stein einen Vortrag Uber das Thema: „Angriffe auf das Judentum und ihre Widerlegung“. Er bohrte seine zwei stechenden Augen in mich und donnerte: «Schweig! Ich habe Dich vorgeschlagen, ich will kein Offizier im Hurenhaüs sein! Abtreteni» Unter den Gefallenen unseres Regiments, deren Zahl diesmal mehr als hundertfünfzig betrug, war auch der Getaufte joni. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß die Kugel ihn in den Rücken getroffen hat. Das war an und für sich keine besondere Sache. An der Front wendet sich der Mensch her und hin, manchmal nach vorwärts, manchmal nach rückwärts, da kann es passieren, daß einen eine Kugel auch von hinten trifft. Aber der Tiroler war anderer Ansicht: «Der Feigling kriegt die Kugel von hinten, da er vor dem Feind flüchtet.» Mein Diener, der während des ganzen Kampfes nicht von meiner Seite gewichen ist, sagte darauf: «Beschimpfe ihn doch nicht nach seinem Tod. Er war ein gemeiner Kerl. Aber daß ihn diese Kugel von hinten getroffen hat, ist nur seine Schuld.» Niemand hat es verstanden. Aber mir gaben diese Worte keine Ruhe. Ich hatte Angst. Ich rief meinen Diener auf die Seite, ließ ihn vor mir habtacht stehen und sah ihn lange durchdringend an. Er hielt meinem Blick einige lange Minuten stand. Und dann sagte er, wie jemand, der sich nicht länger beherrschen kann: «Jawohl, Herr!» «Unglücklicher!» — sagte ich — «was hast Du getan? Weißt Du, was Dir jetzt geschehen kann?» «Ich weiß, Herr. Aber machen Sie sich deshalb keine Sorgen. Ich werde mich selbst dem Gerichte stellen, wenn Sie es befehlen.» Ich habe ihm mit der Hand den Mund zugehalten und sagte: - «Schweig’i Infanterist Pali, kein. Wort hast Du ohne meinen Befehl zu sprechen. Verständen? Abtreteni» Er ging. Nach einer halben Stunde wurde ich zum Obersten gerufen. Ich war Sicher; von ihm als Offizier zürtickzükehreh.: Doch ich irrte m1ch. Se, Höheit' erklärte mir in vollständiger Ruhe: «Du willst Offizier sein? Du? Da mußt Du noch warten, bis Du Dein Vergehen gebüßt hast. Ich erhielt die Nachricht, daß Du mit dem Geide und dem Proviante Deine Leute beschwindelt hast . . .» «Aber, Herr Oberst . . .!» «Kein Wort mehr, Einjährig-Freiwilliger-Zugsführer! Geh’ und melde dem Feldwebel, daß er Dir für zwei Stunden die Spangenstrafe zu geben hat. Abtreten!» ich war halbtot. Alles drehte sich in meinem Kopfe. Ein Dieb bin ich, ein einfacher Dieb. Habe die Soldaten betrogen. Qott im Himmelt Ausgerechnet ich! Und ausgerechnet meine Leute! Mein Diener war bleich wie Kreide. Seine schönen* blauen M^dchenaugen wurden plötzlich rot, wie die Augen eines Wolfes in der Naent. Nur drei Worte preßte er fast Weinend hervor: «Herrn Jortls Erbe . . .» Und dann sagte er noch: «Auch der Schauspieler Madi ist es. Ich sah, wie er die ganze Zeit mit dem Feldwebel flüsterte.» (Fortsetzung folgt.) ,,,, i, | ,, ^■ ■ ■|||.||| ji1, m jiiijjHp Sprechsaal der Stimme Für' die Mitteilungen, die in dieser Rubrik erscheinen* übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Sehr geehrte Redaktion; Die „Arbeiter-Zeitung“ vom 7. Februar 1. J. schreibt im Zusammenhänge mit den Bestechungen bei der Credit- Anstalt in fettgedruckten Lettern unter dem Titel „Hakenkreuz und Judengeld“: „Sie sind des deutschen Volkes rassenreine Erneuerer und lassen sich von Juden bestechen!“ (Gemeint sind die Nazi und die Heimwehr.) „Sie nennen sich bodenständige Christen und Heimatschützer und nehmen Geld von Rothschild." Von welcher Partei sind wir gewohnt, derartige unberechtigte Anschuldigungen und Angriffe gegen das gesamte Judentum wegen ihrer meist assimilierten Kapitalisten zu hören? Wenn man nicht wüßte, wer die „Arbeiter-Zeitung“ Ist. könnte man glauben, ihre Worte sind ein Vorwurf wegen zu milden antisemitischen Betragens. Weiß die „Arbeiter-Zeitung“, wer ihre Leser sind und welche „menschheitliche“ und „judenfreuudllche“ Gefühle derartige Sätze bei den primitiven Arbeitern auslösbn können. Oder sucht auch die sozialdemokratische Partei nach einem Propagandamittel, das den niedrigen Instinkten der Massen entgegenkommt, und bricht aug diesem Grunde in Hitlers Schatzkammer ein? . . . Auf den Theorien des großen irrenden Juden Otto Weiuinger baut sich die nationalsozialistische Rassenideologie auf. Juden sind die geistigen Führer der österreichischeg Sozialdemokratie. Mit Schalom A*