Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 212 (28.1.1932)
- Date
- 1932-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Schwat 5692) Nummer 212 'IBraÄ* Das „American PalesHne Committee gegründet Ein „historisches Ereignis" — Eine große Reihe führender Politiker der Vereintsten Staaten bei der Gründungsfeier ve sammelt — Eine Botschaft des Präsidenten Hoover und eine Ansprache des Vixepräsidenten Curtis Die mit großer Spannung erwartete Gesetzesvorlage über das Studentenrecht wurde von der Regierung dem Nationalrat übermittelt und Gieispach triumphiert. Es ist hier nicht Raum für eine gründliche juristische Erörterung des Gesetzentwurfes. Hier sei nur hervorgehoben, daß die Bildung der «Studentenschaften» zwar auf Grund der Bestimmungen des Vereinsgesetzes erfolgen wird, daß aber der Bundeskanzler erste und letzte Instanz sein wird, so daß der ordentliche Instanzenzug eliminiert erscheint. Beibehalten wurde die Gliederung der «Studentenschaften», nach der «Volkszugehörigkeit», die sichnach «Abstammung und Sprache» bestimmt. Fragen d e s G ] a u b e n s b e k e n n t n i s s e s sind V o m W i r k u n g s k r e i s e der Studentenachaf ten au sgeschl oss en. Daraus ergibt sich ajso, daß die Bildung einer jüdischen Studentenschaft gar nicht möglich wäre; denn wir haben in der Diaspora keine/gemeinsame Sprache und für uns Jüdischnationale kann sich die Zugehörigkeit zum jüdischen Volke nur ergeben aus dem freien Bekenntnisse zur jüdischen Nation,-wozu als unumgängliches Korrelat die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion, hinzutreteii muß. Nach den verschiedenen Aeußeruhgen des Unfern cihtsmfnisters in der Öeffentlichkeit wird wohl die Bildung einer; jüdischen Studentenschaft erwartet. Wir müssen aber eine klare Formulierung-des Gesetzestextes verlangen, der .den besonderen Verhältnissen der jüdischen Nation Rechnung, trägt. Es muß verhindert werden, daß eine Auflösung der jüdischen Studentenschaft einmal wegen des , Festhaitens an unserer Auffassung über die , ZugehörigKeit zur jüdischen Nation erfolgt, insbesondere wegen der selbstverständlichen Ablehnung der Aufnahme kontessionslo.ser Juden in die jüdische Studentenschaft. Wir müssen ümSomehr. auf eine eindeutige Klarstellung in diesem .Punkte dringen,’ als der Motivenbericht selbstgefällig von der Anwendung des Recntes der Minderheiten spricht* auf die Kroaten und Magyaren im Burgenland und die Slovenen.in Kärnten hinweist, jedoch die über 220.000 Seelen zählenden Juden mit Stillschweigen übergeht. Eine ganz unglaubliche Unaufrichtigkeit muß hier niedriger gehängt werden. Der Motivenbericht bespricht die Frage, ob der nationale Zusammenschluß dem Grundsätze der Gleichberechtigung entspricht, wenn «wie im vorliegenden Falle die Studierenden nach dem Gesichtspunkte der Volkszugehörigkeit, also nach dem volksbürgerlichen Prinzip zusammengeschlossen sind». Wie schon wiederholt, muß hier wieder betont werden, daß das «Volksbiirgerpririzip» im nationalsozialistischen Parteiprogramm enthalten ist/von Hitler formuliert wurde und bedeutet: Volles Recht nur für den deutschrassigen Inländer, — für die Juden Gast- oder Fremdenrecht. Wenn uns auch die Regierung im Motivenbericht glauben machen will, Volkszugehörigkeit und Volksbürgerprinzip seien identische Begriffe, müssen wir auch nur. die Erwähnung des «Volksprinzips» entschieden ablehnen, insbesondere auch mit Rück- Jüdische Kilnsiierspieie. Theater ~ Wien, II., Praterstraße 34, Tel. R 40-0-94_ Gastspiel Dr. Paul BaratoCf — Ban Zwi Freitag, den 29. Jänner 1932 „Hinkemaitn“ Schauspiel in 6 Bildern von Ernst Toller Mitwirkend: Frl. 01a Schlifkowitz, die Herren: Zelniker, Preis, Lehrer, Sigal Weistnann, Herscbkowitz Telephonische Reservierungen unter Nr. R 40-0*94 Washington, 19. Jänner. (J. T. A.) Am Sonn- | tag, den 17. Jänner, abends, versammelten sich in | Washington zahlreiche führende Persönlichkeiten der drei amerikanischen politischen Parteien, der Republikanischen, der Demokratischen und der Fortschrittlichen Partei, um zur Gründung des American Palestine Committee zu schreiten. Die GründungsVersammludg fand im Rahmen eines Diners ith Mayflower Hotel statt Den Vorsitz führte Senator King. Die Versammlung war einberufen von einem Gründungsausschuß, dessen Vorsitz der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Charles Curtis, inne hatte und dem der Vorsitzende des Komitees für auswärtige Angelegenheiten beim amerikanischen Senat, Sena^r Borah, di* Senatoren Swanson, Robert Lafoil^tte, William Klug, ^agner, dBe JVUi«rlLeder! ÄH Vereinigten Staaten Henry Raney, der Führer der Majorität des Kongresses, und j. Linthlcum, Vorsitzender des Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Repräsentantenhaus, als Mitglieder angehörten. Die Kundgebung;nahm einen sehr Imposanten Verlauf. Die Gründung des amerikanischen . Palästina-Komitees wurde von den anwesenden Politikern als ein historisch denkwürdiger Schritt vorwärts auf dem Wege der Gewinnung der amerikanischen öffentlichen Meinung und der Sicherung der Unterstützung Amerikas für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina bezeichnet Die erste Ansprache hielt das amerikanische Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Emanuel Neuman. Er schilderte die Not und die Hoffnungslosigkeit der jüdischen Massen in den. Ländern Ost- und Mitteleuropas, die in ihren Heimatländern keine Existenzmöglichkeit in der Gegenwart und keine Aussicht in der Zukunft haben, die auswandern müssen, aber, da die bisherigen Einwanderungsländer ihre Tore gegen neue Einwanderung geschlossen haben, kein Ziel für. ihre Wandersehnsucht besitzen. Nenman unterstrich die historische Bedeutung Palästinas für das Judensicht auf die zahlreichen Kautschukbestimmungen des Gesetzentwurfes. Hier seien nur einige Beispiele erwähnt: «Die akademischen Behörden können den anerkannten Studentenschaften besondere Aufgaben auftragen, die dem Wirkungskreis dieser Studentenschaften entsprechen.» Legt man die Betonung auf das Wort «dieser», so wird man finden, daß die Gleichberechtigung, die im Entwurf ausdrücklich festgelegt ist, zugunsten der deutschen Studentenschaft umgangen werden7 kann. Der akademische Senat muß nur die Entdeckung machen, daß 'die deutsche Studentenschaft besondere; B e 1 a n g e hat und schon werden die Juden eine zweitrangige Studentenschaft sein. Es kommt aber noch schöner: «Der zuständige Bundesminister kann diesen Wirkungskreis durch Verordnung erweitern.» Niemand ist so naiv, anzunehmen, daß jemals eine andere Studentenschaft als die deutsche Vorteile aus diesem Paragraphen ziehen könnte. Er muß daher eliminiert werden. Seine Verfassungswidrigkeit steht außerdem außer Frage. Auch die nur demonstrative Aufzählung von Auflösungsgründen ist gefährlich, öffnet der Willkür Tür und Tor, muß also durch klare, taxative Bestimmungen ersetzt werden. Wegen Raummangel entfällt in dieser Nummer der Roman «Der große Wahnsinn» tum, gab ein Bild von der jüdischen Aufbautätigkeit in Palästina im letzten Jahrzehnt und kam zu der Schlußfolgerung, daß die Juden ein Recht haben auf Ihr historisches Land Palästina und daß es eine der Aufgaben der zivilisierten Welt sei, den Juden zu helfen, ihre Chance in Palästina zu nutzen und ihre alte Rasse und Kultur vor dem Untergang zu retten. Es' folgte ein? Ansprache von Professor Felix Frankfurter, der die historisch-rechtliche Seite des Jüdischen Nationalheims beleuchtete und eine Ger schichte der modernen zionistischen Bewegung und tiirer Bemühungen * in. der internationalen Welt gdife Die Reden Neuntens und Frankfurters machten ..eptef, außerordentlich tiefen Eindruck auf die versammelten Politiker. / : v ■ Den lVtittelpunkt der Ktindgebimg blldete plhe Ansprächt des Ehrengastes der Versammlung, des Vizepräsidenten; der Vereinigten Staaten Charles Curtis, der ht einem sehr warmen und herzlichen Ton über die Ziele der zionistischen Bewegung sprach und daran erinnerte, daß er, Curtis, sich 1922 außerordentlich um die Annahme der prozionistischen Resolution durch den Kongreß der . Vereinigten Staaten bemüht hatte, eine,Bemühung, die zu seiner großen Freude von Erfolg: gekrönt war. Emanuel Neuman verlas nun eine an ihn gerichtete Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten Herbert Hoover,. die u. a. lautet: «Es interessiert mich sehr, zu erfahren, daß sich, eine Gruppe ausgezeichneter Männer und Frauen zusammengetan hat, um die Kenntnis von dem jüdischen Werk ln Palästina, zu verbreiten und eine Würdigung des Wiederaufbaues, der ln Palästina unter jüdischen Auspizien vor. sich geht, zu erlangen, ich will nun dem unter unserem Volke, sich äußernden Gefühle zugunsten der Verwirklichung Jahrhunderte alter Aspirationen des jüdischen Volkes auf Wiederaufbau seiner nationalen Heimat auch meinen Tribut zollen, leb werde Ihnen zu Dank verpflichtet sein, wenn Sie allen jenen, Will die Regierung wirklich an den Hochschulen der Gleichberechtigung zum Durchbruch verhelfen, dann muß das Farbenrecht, der sinnfälligste Ausdruck der studentischen Gleichberechtigung, auch den jüdischen Verbindungen zugebilligt werden. Das gleiche gilt für die Zuweisung von Büroräumen, für die Benützung des. Turn- und Fechtsaales usw. Der vorliegende Gesetzentwurf wurde von der Regierung ohne Anhörung der jüdischnationalen verfaßt. Wir fördern daher von der Regierung die Einberufung, einer Enquete unter Beiziehung der durch die «Judäa» vertretenen jüdischnationalen Studentenschaft, die Berücksichtigung unserer Wünsche, insbesonderein der Frage der Merkmale der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke und die eindeutige Ablehnung des rassenantisemitischen Schlagwortes des Volksbürgerrechtes. Es ist auch nicht einzusehen, warum der Instanzenzug, so wie er im Vereinsgesetz vorgesehen ist, für die Studentenschaften nicht gehe« soll. Es sind weiters Bestimmungen zu treffen, die einen wirksamen Schutz gegen ungerechte Verfügungen der akademischen Senate schaffen. Die Studentenordnung soll, wie der Motivenbericht behauptet, die Befriedungan den Hochschulen herbeitunren. Dieser Zustand kann aber nur dann eintreten, wenn wirksame Maßnahmen getroffen werden, um der in der Studentenordnung normierten Gleichberechtigung zum Durchbruch zu verhelfen. o. £ 15