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Die Stimme · 1932-01-06 · Heft 209 (6.1.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 209 (6.1.1932)
Date
1932-01-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Ult bllMMt Nr.;y (>. k-< Die Warschauer Revisionistett-Konfetenx die Warschauer Konferenz endlich das wahre Gesicht der Revisionisten in greller Beleuchtung aufgezeigt hat. Die politische Abenteuerlichkeit verführte Jabotinsky in einen Dschungel von unlogischen Konzeptionen und Entschlüssen und man muß staunen, daß sich die Anhängerschaft nicht für einen Augenblick wenigstens von der Gefährlichkeit der weiteren politischen und organisatorischen Konsequenzen Rechenschaft abgeben will. Es ist leicht, mit großen Worten zu operieren, wie «Es werden Weltrevisionen kommen* und «Wir müssen uns für diese bereithalten», oder «Mit England wollen wir nichts weiter zu tun haben». Eine verantwortliche Führerschaft muß jedoch auch Wege zeigen, wie man zu einer positiven Lösung der überaus verwickelten politischen und wirtschaftlichen Probleme gelangen könne. 5* mutet geradezu lächerlich an, daß Jabotynski und Großmann auf der Warschauer Tagung nach der Zerschmetterung Englands kein weiteres positives Losungswort gefunden haben, als «Tozereth haarez»! Diese Binsenwahrheit, die bereits jedes Kind kennt, wagt ein revisionistischer Führer als neue Offenbarung einer breiten Oeffentlichkeit vorzubringen! Sieht man nicht die Leere, die hinter einer solchen abgedroschenen Phrase, die eine Selbstverständlichkeit ist, gähnt? Lernen Jabotinsky und Großmann nichts aus den Erfahrungen der letzten Monate? Es ist nicht lange her, daß die Revisionisten, die bisher für das Aufbauwerk Palästinas biutwenfg geleistet haben, eine Parole herausgaben, sich an der Volkszählung nicht zu beteiligen. Was war die Folge? Eine Handvoll Wirrköpfe agitierte für diese Parole und einige tausend Stimmen gingen uns bei der außerordentlich wichtigen Volkszählung einfach verloren. Seit dem Jahre 1922 hat sich die Bevölkerungszahl Palästinas verdoppelt und statt dieses, ohne Zweifel überaus erfreuliche Ereignis durch eine einmütige Stellungnahme zu unterstreichen, gab es nutzlose Plänkeleien, Einkerkerungen und einen unproduktiven Kampf gegen Windmühlen. Diese Handlungsweise scheint wohl für den ganzen Revisionismus bezeichnend zu sein. Es sind die Geister, die Vielleicht Gutes wollen, aberdashistorische Pech haben, ste.ts Böses zu schaffen. Der Zionismus ist eine viel zu tiefe Herzenssache des jüdischen Volkes, als daß einige auch noch so bedeutende Parteiführer sich eine ununterbrochene Kette von Zerstörungen leisten können und es sich erlauben dürfen, in die Reihen unserer begeisterungs- ^bigen Jugend Verwirrung hineinzubringen in einem historischen Moment, wo diese Jugend krampfhaft hach positiven Werten Ausschau hält. Die Zionistische Exekutive und das Zionistische Aktionskomitee müssen dagegen offen Stellung hehmen und, wenn nötig, auch den Ausschluß der «schekelzahlenden Revisionisten» — ein neuer Terminus technicus — vollziehen. Clara pacta sind für leine Volksbewegung immer gesünder, als politische Scharlatanerie unverantwortlicher Parteiführer. HerzI ‘schuf unsere Organisation als historisches Bollwek eines zu Staatlichkeit strebenden Sklavenvolkes. Wer ' egen dieses Bollwerk anrennt — er mag von den esten Intentionen beseelt sein —, muß zum Feinde des Volkes gestempelt wer- ‘d e n. Es genügt hier nicht die große Phrase von den «einzigen Hütern des Herzischen Zionismus», wenn «die Tatsachen das Gegenteil beweisen. Die Schaffung einer neuen Organisation von Zionisten, die nicht einmal den Schekel bezahlen, der Austritt aus den einzelnen Landesorganisationen, politische Extratouren vor dem Völkerbund, die eigenmächtigen Handlungen der Mandatarmacht gegenüber und die Aufstellung eines wirtschaftlichen Programms, das nichts enthält, was nicht Gemeingut der ganzen Organisation wäre, bedeutet einen Bruch der Zionistischen Weltorganisation, gegen den die Exekutive mit aller Schärfe auftreten muß. Den Revisionisten bedeutet unsere Organisation ohnehin nach den eigenen Worten Jabotinskys nichts mehr. Es wäre hoch an der Zeit, daß er aus seinen Worten auch die Konsequenzen zieht. Zwei politische Steckenpferde mit einer. Rückzugsmöglichkeit, wenn nichts gelingt, sind auch für einen Führer wie Jabotinsky allzu gefährlich. Von Calais an schieden sich unsere Wege. Von der Warschauer Konferenz an müssen wir in den Revisionisten, wenn sie Jabotinsky Gefolgschaft leisten, Feinde der Organisation erkennen und sie als solche auch behandeln. Für uns muß nach der Warschauer Tagung die JLosung sein: Intensivste Unterstützung unserer Exekutive, die den Weg zäher, politischer Arbeit be- Schritten hat. Nur durch unermüdliche politische Arbeit und durch Stärkung der Fonds werden wir un- Herem Ziele näher kommen. Wir überlassen es gerne Croßmann und Jabotinsky, sich bei den Arabern, um deren Liebe sie plötzlich buhlen wollen, Einwanderungszertifikate für Chaluzims zu beschaffen. Wir als verantwortliche, ernste Politiker lehnen derartige lächerliche Eskapaden entschieden ab. B. T. Bei stockendem Stuhlgang und überschüssiger Magensäure leitet das sehr milde, natürliche «FranzjJosefa-Bitterwasser die im Magen und Darm angejsammelten Rückstände der Verdauung ab und verhütet in allen Fällen die Entstehung von Blinddarmentzündungen. m allen Apotheken u, Drog. erhältlich. Großman erklärt, daß Englands Anwesenheit in Palästina die jüdische Arbeit nur stört. — «Die Politik des Siebenten Dominion ist tot». — Ein «Schwarzbuch» über Englands Handlungen in Palästina. Im Einstein-Saal des Jüdischen Akademikerheims wurde die 5. Landeskonferenz der Zionisten-Revisionisten in Polen bei Anwesenheit der Führer der Weltunion der Revisionisten Wladimir Jabotinsky und Meer Großman eröffnet. An der Konferenz nahmen 300 Delegierte teil. Der hebräische Dichter Jacob Kahan verlas eine Deklaration Uber die revisionistische Politik, in der zum Schluß erklärt wurde, die Konferenz werde zu entscheiden haben, ob die polnischen Revisionisten auch weiterhin der Zionistischen Landesorganisation angehören sollen. Meer Großman hielt eine oft von stürmischem Beifall unterbrochene Rede, in der er erklärte, die Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten betrachte die jetzige Konferenz in Polen als eine Weltkonferenz des Revisionismus, da in derselben eine Reihe politischer, ökonomischer und organisatorischer Fragen des Gesamtrevisionismus geklärt werden müssen. Die eigentliche Weltkonferenz werde im August 1932 stattfinden. Großman entwickelte Programm und Taktik des Revisionismus und erklärte es als Aufgabe der Revisionisten, den gegenwärtig in der zionistischen Welt herrschenden Pessimismus in eine konstruktive Sammlung der Kräfte umzuwandeln. Die Revisionisten, erklärte Großman weiter, werden ihre politische Orientierung ändern müssen. Jahrelang haben die Revisionisten geglaubt, daß die Interessen Großbritanniens mit denen eines jüdischen Palästina zusammenfallen, ln diesem Sinne wurde die Losung zur Schaffung einer Seventh Dominion League ausgegeben. Diese Idee hat Schiffbruch erlitten. Nach Veröffentlichung des Passfield-Weißbuches hat der Zionistenfreund Wedgwood erklärt, die Liga für das Siebente Dominion ist tot, da sich nunmehr in der Welt kein Zionist finden wird, der sich für England erklären würde. Auch die letzte Etappe der Zusammenarbeit mit England war ein Mißerfolg. Die englische Politik in Palästina war stets durch Passivität gekennzeichnet. Später aber ging England von einer Art Neutralität im Kräftespiel zwischen Juden und Arabern zu einer aktiven Politik zugunsten der Araber über. Großbritannien hat sich offen auf die Seite der Moslems gestellt. Schaukat Ali, der früher zu einer Revolte gegen England gehetzt hat, ist auf dem letzten arabischen Kongreß gegen jeden Angriff auf England aufgetreten. Das war eine Kompensation für Englands Einstellung zugunsten der Moslems. Großman schloß seine aufsehenerregende Rede mit folgenden Ausführungen: Es ist nun an der Zeit, daß auch wir unsere Beziehungen zu England revidieren. Von den Arabern hätten wir die dreifache Zahl der Einreisezertifikate, die uns die Engländer bewilligt haben, erhalten können. Wozu also noch das englische Mandat? Englands Anwesenheit in Palästina ist heute nur noch eine Störung für die Juden. Die Revisionisten bereiten ein «Schwarzbuch» vor, in welchem die englischen Taten in Palästina aufgezählt werden. Wenn wir bis Jetzt einen nur parlamentarischen Kampf gegen England geführt haben, so ist das heute überholt. Der Kampf muß jetzt mit anderen Mitteln, hauptsächlich in und um Palästina geführt werden. Sollten wir auch zu schwach sein, um in Palästina unsere Forderungen durchzusetzen, so sind wir doch stark genug, um die Arbeit der englischen Administration in Palästina zu stören. Wir müssen vor allem eine entschlossene «Noncooperatlon mit der Palästina-Administration» proklamieren. Es ist nicht wahr, daß wir Juden gegenüber England machtlos sind, wie die zionistischen Führer uns.einreden wollen. Wenn wir unsere Kräfte sammeln, können wir beweisen, daß der Zionismus stark genug ist, seine gerechten Forderungen zu vertreten. Mit der Rede Oroßmans war die Eröffnungssitzung zu Ende. Jabotinsky wird am zweiten Sitzungstag das Wort ergreifen. Warschau, 28. Dezember. (J. T. A.) ln der zweiten Sitzung der Konferenz der Zionisten-Revisionisten Polens wurde berichtet, daß in den zwei Jahren seit der letzten Revisionisten-Konferenz in Polen 50 neue Ortsgruppen, außerdem mehrere Frauen- und Jugendgruppen entstanden sind. Der Führer des Brith Trum- Unsere geehrten Abonnenten! bitten wir, wenn irgend möglich, statt der vierteljährlichen Bezugsgebühren pro S 4.20 gleich S 8.— für ein halbes Jahr mittels der übersandten Erlagscheine zu überweisen; Sie ersparen uns damit Mühe und sich Geld. peldor in Polen, Propus, berichtete, daß in den letzten zwei Jahren die Zahl der Mitglieder des Brith Trumpeldor von 6000 auf 18.000 anstieg. Adv. Lewin und Dr. Dralicz berichteten über die Arbeit in den Stadträten und in den jüdischen Gemeinden. Meer Großman erklärte, der von den Revisionisten geschaffene Keren Tel Chaj sei weder ein rein zionistischer noch ein rein palästinensischer, sondern ein allgemein jüdischer nationaler Fonds; deswegen erübrigen sich alle Fragen, betreffend Kontrolle des Kongresses und der anderen zionistischen Instanzen über den Keren Tel Chaj. ln der dritten Sitzung referierte der hebräische Dichter Dr. Jakob Kahan über die Tätigkeit des Hebraisten-Weltverbandes («Brith ibrith olamith»). Meer Großmann referierte über praktische wirtschaftliche Arbeit für Palästina und erörterte den Gedanken der Schaffung von Auswanderer- und Sparkooperativen. Es sollen in der ganzen Welt Tausende solcher Kooperativen geschaffen werden, die die Basis für eine große Alijah geben sollen. Jabotinskys Anklage gegen England Warschau, 31. Dezember. (J. T. A.) Der dritte Tag der Ladeskonferenz der Zionisten-Revisionisten Polens wurde eingeleitet durch ein Referat Meer Oroßmans Über kooperative Kolonisation in Palästina. Er forderte die jüdischen Mittelstandsangehörigen, insbesondere die Jugend, auf, nicht damit zu rechnen, Pensionäre der reichen Juden zu werden, sondern selbst Groschen um Groschen zu sparen, um sich eine Existenz ln der freien Heimat Palästina zu schaffen. Er zog eine Parallele zwischen kollektiver und individueller Aufbauarbeit und setzte den revisionistischen Aufbauplan auseinander. Für die Abendsitzung war eine Rede von Wladimir Jabotinsky angesagt. Infolge des großen Andranges von Gästen wurde die Sitzung in den großen Saal des Kaminski-Theaters verlegt, der ungeheuer überfüllt war. Jabotinsky führte ungefähr aus: Die objektiven Bedingungen haben dazu geführt, daß England nicht mehr eine kolonisationsfähige Macht ist Die britischen Inseln machen gegenwärtig eine ungeheure Wirtschaftskrise durch. England steht davor, seine ganze Wirtschaft umzubauen und zu primitiveren Lebensbedingungen zurückzukehiren. Wir Juden wissen, was das bedeutet; auch wir streben dazu, von hochentwickelter städtischer Kultur zu primitiver Bodenbearbeitung zurückzukehren. Nicht dies ist Englands Schuld. Die Schuld, ja das Verbrechen Großbritanniens besteht in dem großen Betrug, den es an dem jüdischen Volk geübt hat. Heute sind die Karten auf gedeckt: England hat sich mit der Schwarzehundert-Front innerhalb der Moslem-Welt verbunden. Der Islam als Religion besitzt hohe moralische Werte, aber England spekuliert auf die niedrigsten Instinkte der rückschrittlichen Elemente des Islam. Man will die Moslems nicht allein gegen die zionistischen Aspirationen, sondern auch gegen Frankreichs Position in Syrien, Italiens Position ln Tripolis, Amerikas Position auf den Philippinen, gegen Hollands und Belgiens Positionen in den Kolonialländern hetzen. Finstere Elemente ln der Türkei werden gegen die moderne türkische Regierung angesetzt, Amanuliah von Afghanistan wurde mit Hilfe englischer Intrigen des Thrones entsetzt, weil er sein Land modernisieren wollte. Jerusalem wird zum Zentrum der moslemitischen schwarzen Reaktion gemacht. England hat sich an die Spitze nicht nur des Panarabien, sondern auch des Panislam gestellt Die Juden in der ganzen Welt, fuhr Jabotinsky fort, werden es England niemals verzeihen, daß es mit dem vieltausendjährigen Traum eines alten Kulturvolkes seinen Spott getrieben hat. England schätzt den Zorn von 15 Millionen tätiger Menschen auf der Erdkugel zu gering ein. Der Zorn des jüdischen Volkes gegen England ist größer als der gegen das einstig« zarische Rußland. Wir warnen England davor, Weltgrundlagen erschüttern zu wollen. Jabotinsky schloß: Sollen wir Juden verzweifeln? Nein! Wir sehen auf der einen Seite das Streben eines Volkes nach Verwirklichung eines zweitausendjährigen Traumes, auf der anderen Seite einen brutalen Spott, der nur 14 Jahre alt ist. Wir sind nicht im Zweifel darüber, wer siegen wirti. Die heutige Einteilung der Welt ist nicht ein Gesetz Moses* vom Sinai, sie wird sich ändern. Was uns heute zu tun übrig bleibt, ist dl« Konzentrierung wirtschaftlicher Kräfte des jüdischen Volkes um die Interessen Palästinas. Oie Danziger Revisionisten verbleiben in der Zionistischen Organisation Danzig, 3. Jänner. (J. T. A.) Der Verband der Revisionisten im Freistaat Danzig beschloß mit großet Stimmenmehrheit, der Parole zum Austritt aus der Zionistischen Organisation nicht zu folgen und weiter 1• dieser Organisation zu verbleiben.

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