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Die Stimme · 1931-12-03 · Heft 204 (3.12.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 204 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Kammer •traft# 28 Tel R-27-4-86 Postsparkassen* konti» Oesterv D 113.546 Polen . 191-199 Tschechoslowakei 300.236 lugoalawien 40.879 dummer 204 Aufruf des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich Die Vorgänge an den österreichischen Hochschulen, insbesondere an der Wiener Universität und die bevorstehende gesetzliche Regelung des Studentenrechtes, veranlassen das Zionistische Landeskomitce, sich mit der nachstehenden Kundgebung an die jüdische Oeffentlichkeit zu wenden. Unzähligetnale haben wir gegen die Rechtlosigkeit der jüdischen Studenten auf akademischem Boden, Ihre gewalttätige Behandlung durch die antisemitische Studentenmehrheit und gegen die Behinderung ihrer Teilnahme am Studienbetrieb protestiert. Alle Proteste bjieben ohne Erfolg. Die Unzulänglichkeit des Schutzes der jüdischen Studentenschaft durch die Sicherheitsbehörden, die in Mißverkennung des Wesens der Hochschulautonomie tatenlos;?usehen, wie auf akademischem Boden die körperliche Integrität jüdischer Studenten und Studentinnen mißachtet wird, , das Verhalten der akademischen Senate und der Rektoren, die durch wohlwollende Förderung und Billigung der zur Einschüchterung der jüdischen Studentenschaft angewendeten Mittel, die unwürdigen Zustände an den österreichischen Hochschulen gutheißen, haben zur vollkommenen Rechtlosigkeit der jüdischen. Hörerschaft geführt. Nach den traurigen Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart sind wir der Ueberzeugung, daß auch das Studentenrecht, welches demnächst erlassen werden soll, nicht dazu beitragen wird, die Rechtsstellung der jüdischen Studentenschaft an den österreichischen Hochschulen zu verbessern, daß vielmehr diese Studentenordnung, deren Vollziehung in die Hände der akademischen Behörden gegeben werden soll, nur als ein weiteres Mittel gedacht ist, die jüdische Studentenschaft in einen Zustand dauernder Wehrlosigkeit und Entrechtung zu versetzen und den Vergewaltigungen durch eine ihr feindliche Studentenmehrheit auszuliefern. In dieser Ueberzeugung kann uns auch nicht das gleisnerische Versprechen der Gleichberechtigung der einzelnen nach der Studentenordnung zu schaffenden Studentenschaften schwankend machen. Wir wissen aus der leidensvollen Geschichte unseres Volkes, daß die Zusicherung der Gleichberechtigung uns nicht die gleiche Geltung und Wer- Die von der britischen National-üga für den 2. November, dem Jahrestage der Verkündung der Balfour-Delclaration, nach der Albert Hall einberufene und dann zweimal verschobene Massenkundgebung für englisch-moslemitische Freundschaft und gegen Bälfour-Deklaration und Jüdisches Nationalhelm, in der die Führer der Moslems und der englischen Antlzionisten hätten sprechen sollen, wird nun nicht mehr stattfinden. An ihrer Stelle wurde am 23. November im Hyde Park-Hotel den London verlassenden moslemitlschen Delegierten der Indien-Konferenz ein Abschiedsabend gegeben, dem etwa 450 Personen beiwohnten. Den Vorsitz führte Earl Howe, unter den Anwesenden bemerkte man den britischen Außenminister Sir John Simon, der bekanntlich Leiter der Simon-Kommission In Indien war, den Unterstaatssekretär für die Kolonien Sir Robert Hamilton, das britische Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes Lord Lugard, den früheren Staatssekretär für Indien Wedgwood Benn, einige weitere hohe britische Beamte, eine Anzahl Getung bringt und daß gleiches Recht nicht durch das Gesetz allein, sondern durch seine objektive unvoreingenommene Handhabung gewährleistet wird. Das Vertrauen zur Objektivität der Entscheidungen studentischer Angelegenheiten durch die dazu berufenen Organe ist uns vollständig verloren gegangen. Wir Zionisten haben uns stets offen und stolz als Angehörige des jüdischen Volkes bekannt und halten unerschütterlich an diesem Bekenntnis fest. Wir sind seit jeher für den nationalen Zusammenschluß der Juden auf Grund des freien Bekenntnisses zu unserem Volkstum eingetreten und lehnen deshalb grundsätzlich eine Gliederung der Studentenschaft nach ihrer Volkszugehörigkeit nicht ab. Wenn wir dennoch in der beabsichtigten, auf dem Prinzip der Volkszugehörigkeit aufgebauten Studentenordnung nicht eine Erfüllung unserer nationalen Postulate erblicken, so sind für uns folgende Erwägungen maßgebend: Wir lehnen jeden mittelbaren oder unmittelbaren Zwang zu einem nationalen Bekenntnis ab, weil wir der Anschauung sind, daß nur die aus dem eigenen freien Willen des Einzelnen fließende Ueberzeugung die Grundlage eines wahren Bekenntnisses sein kann. Wir verfechten das nationale Prinzip, weil wir von seiner gerechten Durchsetzung eine ehrliche Verständigung der Völker und eine Milderung bestehender Gegensätze erhoffen. Ein Studentenrecht, das dem Judenhaß seine Entstehung verdankt, das nach dem Zugeständnis seiner Urheber neue Schranken der Abgrenzung schaffen, die bestehende, auf Rassendünkel gegründete Vormachtstellung eines Teiles der Studentenschaft sanktionieren will, und durch dessen nach den bisherigen Erfahrungen zu erwartende tatsächliche Praxis die Rechtsstellung der jüdischen Hörerschaft an den Hochschulen zur Ermessenssache von Behörden werden soll, die sich willfährig antisemitischen Einflüssen beugen, wird niemals unsere Billigung finden. Wir fordern alle Juden und alle, die sich ln diesem Staate ihren Rechtssinn bewahrt haben, auf, die jüdische Studentenschaft in ihrem Daseinskampf auf akademischem Boden zu unterstützen. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. sandter und Geschäftsträger auswärtiger Regierungen und mehrere Mitglieder des Ober- und Unterhauses. Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete eine Ansprache Schaukat Alis, eines der prominentesten Führer der indistfhen Moslems. Schaukat Ali legte ein Bekenntnis zum Frieden ab und sprach von seiner Absicht, nach Rom zu gehen, um den Papst und den «großen Mann Mussolini» zu sehen. Von Rom, sagte er, gehe ich nach Aegypten, von dort nach Palästina zu der großen Moslem-Konferenz. Ich gehe nach Palästina, weil ich nicht will, daß die arabische Sache über Bord geworfen wird. Die Araber sind tapfere Männer. Die schlummernde Kraft, die diese Rasse groß gemacht hat, wird zu vollem Schwung erwachen. In diesem weiten Herzen, rief Schaukat All, mit Emphase aut seine Brust weisend, gibt es keinen Judenhaß. Ich war — führte Schaukat All weiter aus — gestern abends mit Herrn Nahum Sokolow, dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation zusammen und hatte mit ihm ein zweistündiges Gespräch. Ich fragte ihn: Was sind Ihre Absichten? Kommen Sie mit mir nach Palästina und stellen Sie Ihre Sache den dort zu der Konferenz versammelten Führern der Moslems dar. Wenn Ihr in Palästina herrschen und den den Arabern gehörenden Boden aufkaufen wollt, so ist das nicht fair. Es ist unser heiliges Land. Kommen Sie nach. Palästina, sagte ich dem zionistischen Führer, und klären Sie uns über Ihre Absichten auf. Wenn Euch an meinem Wohlwollen gelegen ist, warum wollt Ihr dann 100.000 Menschen aus Polen ins Land bringen? Dort ist kein Platz für sie. Eine Darstellung Nahum Sokolows Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, teilte det Jüdischen Teiegräphen-Agentur auf ihre Anfrage folgendes Uber sein Gespräch mit Schaukat Ali mit: Im Verlauf meiner privaten Unterhaltung mit Schaukat Ali sagte mir dieser, ich möge mich nach Palästina begeben, um die zionistische Sache der Moslem-Konferenz darzulegen. Ich. erwiderte, die Jewish Agency würde die Möglichkeit einer Round Table-Konferenz jüdischer und arabischer Repräsentanten zur Erreichung einer freundschaftlichen Verständigung nur begrüßen; eine solche Konferenz müßte jedoch erst sorgfältig vprbereitefc werdeti, und es müßten vorher Besprechungen zur Schaffung einer Plattform stattfinden. Das Erscheinen des Präsidenten der Jewish Agency vor der Islam-Konferenz würde schwerlich eine geeignete Vorbereitung zu einer Round Table- Konferenz sein. Die städtische und die ländliche Bevölkerung Palästinas Wie auf Grund der kürzlich durchgeführten Volk««« zählung bekannt wird, zählt Palästina eine Städte* bevölkerung von 387.525 und eine ländliche Bevölke« rung von 647.629 Seelen. Die Bevölkerung von Jerusalem hat sich von 62.678 im Jahre 1922 auf 90.526 im Jahre 1931 vermehrt, die Bevölkerung von Jaffa stieg von 47.709 (1922) auf 51.876 (1931). Die Bevölkerung von Haifa hat sich mehr als verdoppelt; 1922 zählte HU 24.634, heute 50.669 Seelen. Schwerer Raubäberfali auf der StraBu Jerusalem—Jericho Jerusalem, 30. November. (J. T. A.) Auf det von Jerusalem nach Jericho führenden Straße wurde eine Ausflugsgesellschaft, die sich aus mehreren prominenten Ausländern, hauptsächlich Engländern und Angehörigen der Jerusalemer christlichen Gesellschaft zusammensetzte, von einer arabischen Räuberbande überfallen und ausgeraubt. Die aus etwa 30 Personen bestehende Gesellschaft, in der sich der Direktor dem Jerusalemer Hospitals für Augenkrankheiten, DcktoC Stratheara, die Direktorin des Jerusalemer Mädchen* Colleges Miß Coates und die Tochter des angläkani« sehen Bischofs von Jerusalem befanden, reiste in 12 Autos, als plötzlich die Chauffeure von bewaffneten Banditen zum Halten gezwungen wurden. Die Räube# nahmen den Ausflüglem alles Geld und alle Wertsachen ab und zogen den mitreisenden Frauen sogar die Ring* von den Fingern ab. m HA/5ER5TR. 123 Alserstr. 0 SI5-S20VS28- Schaukat Ali und Sokolow i

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