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Die Stimme · 1931-11-26 · Heft 203 (26.11.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 203 (26.11.1931)
Date
1931-11-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 203 — 26. November 1931 DIE STIMME zu bilden, wenn sie nach wie vor schutzlos bleiben, weiter wüsten Beschimpfungen ausgesetzt sind und nicht faktisch dieselben Rechte haben wie die Deutsche Studentenschaft. Nur Narren oder gewissenlose Menschen können annehmen, daß sich nach Erlassung der StudentenordnungdieStahlruten-undGummiknüttelhelden in «liebwerte Kommilitone m der jUdischen Studenten verwandeln werden. Ist die Studentenordnung nur die Attrappe einer Gleichberechtigung, dann haben die jüdischen Studenten, die in der «Judäa» organisiert sind, keinen Anlaß, eine Studentennation zu bilden, Damit würden wif nur den Hakenkreuzlern in die Falle gehen und vor den schandbaren Zuständen an der Universität kapitulieren. Das wird niemand von aufrechten jüdischen Studenten erwarten. Die Studentenordnung kann nicht der «Judäa» das statutenmäßige Recht entziehen, die Interessen der Juden an den Hochschulen vor den akademischen Behörden zu vertreten. Das versuchte nicht einmal die Gleispachsche Studentenordnung. Es darf daher keine «Jüdische Studentennation» gebildet werden, solange uns nicht dieselben Rechte garantiert werden, welche den Ariern zustehen. Die jüdischen Studenten müssen sich darüber klar sein, daß di® Hakenkreuzler mit der Studentenordnung Janen Zustand schaffen wollen — das wird ganz offen zugegeben — der im «Dritten Reich» Hitlers herrschen soll: Entrechtung der Juden. Das muß das ewige Memento für unsere Studenten sein. Denken wir daran, daß die «Studentenordnung» Sehule machen könnte^ daß die Antisemiten in den Aerztekammern, in den Rechtsanwaltskammern und in anderen Berufsvertretungen die Oberhand gewinnen und dort nationale Kammern durchsetzen könnten, wobei die Juden soviel «Rechte» hätten wie heute an den Hochschulen 1 Die Studenten laden eine ungeheure Verantwortung auf «ich, wenn sie einen Weg gehen, der uns in den Abgrund führen kann. Wir hoffen, daß jeder Jude und alle Führer den Ernst der Situation begreifen werden. Hier gibt es keine Sonderinteressen einzelner Gruppen. Die Situation ist zu ernst, als daß man billige Propaganda für einzelne Gruppen betreiben dürfte. Pie Losung muß sein: Einheitsfront! Wir sind nach wie vor Verfechter des Minoritätsrechtes und das heißt; Wir-verlängern für.die jüdische Minorität in Oesterreich ohne jede Einschränkung alle Staatsbürgerrechte, die der Mehrheit im Staate auf allen Gebieten des privaten und'öffentlichen Lebens zuatehen. Minoritätenrecht setzt selbstverständlich volles Staatsbürgerrecht voraus, das in Oesterreich leider allenthalben bedroht wird, nicht zuletzt durch die bestehenden Zustände an den Hochschulen. g. Der Emek Jesreel an das jüdische Volk Die Siedler des Emek haben den folgenden Aufruf erlassen: Der Emek Jesreel appelliert an das jüdische Volk. Der Fonds des Volkes, der K e r e n H a j e s s o d, hat die Grundlage zu den Arbeitersiedlungen auf dem Keren-Kajemeth-Boden im Emek Jesreel und im Jordantale gelegt. Der Boden, der seit unserer Vertreibung aus dem Lande brach lag, ist von den Händen der Arbeiter und dank der Opferwilligkeit des Volkes wieder zum Blühen gebracht worden. Zehn Jahre sind seit der Erlösung des Emek Jesreel vergangen, zwanzig Jahre seit dem Beginn der Arbeit hn Jordantale. Zu unserer Genugtuung ist es uns gelungen, Uber die Unfruchtbarkeit Herr zu werden, gesunde Bedingungen für die Siedlungen zu schaffen, die Sümpfe auszutrocknen, die Quellen zu erschließen, so daß wir unser Brot in Ehren verzehren können. Die Kraft hierzu sogen wir aus der Zuversicht, daß wir unserem verfolgten und gepeinigten Volke ohne Heimat hier eine feste Grundlage schaffen. Das Land wartet auf seinen Aufbau. Groß sind die Kräfte, die in unserem Volke schlummern und groß ist die im Boden schlummernde Kraft. Große Flächen des Bodens gehören uns. Tausende von Menschen warten mit Sehnsucht darauf, herzukommen und sie zu bearbeiten. Andere Flächen des Emek warten noch auf ihre Bebauung. Die Gebiete von Schefela und Wadi el Chawarath rufen nach den Tausenden von Händen, die zu ihrer Bebauung notwendig sind. Diese Pionierarbeit soll die Tore des Landes einer verstärkten Einwanderung eröffnen. Wir stehen mitten in einer Scbicksalsstunde des jüdischen Volkes. Unsere Volksmassen gehen zugrunde aus Mangel an einem ruukt, an den sie sich klammern können. Das Leben des einzelne» Juden verliert seine Bedeutung, das Volk ln seiner Gesamtheit siecht dahin in Leiden und Not, weil es keinen Boden, unter den Füßen föhtt Unser Volk dürstet und ruft nach Einwanderung und An&iedlung in Erez Israel. Unser Werk muß konsolidiert werden. Viele Gefahren bedrohen uns, aber die grüßte aller Gefahren für unsere gesamte jjykunff ||t die Tatenlosigkeit und das nutzlose Veritreieheit jeder Stunde, die unserer aufbauenden Arbeit gehören sollte, Wir appellieren an das jüdisch! Volk. Stärket die, welche an unserer Rettung arbeiten f Vervielfacht Eure Anstrengungen! Erhöht Eure Opferwilligkeit für den Fonds des Volke*, den Keren Hajessod! Erleichtert dieElnwanderunglKehretzurüCkinBuertend! 1,035.154 Einwohner in Palästina Das Ergebnis der äm Donnerstag, den 10. November, durchgeführten Volkszählung In Palästina liegt bereits vor. Danach leben gegenwärtig in Palästina 1,035,154 Seelen. Bel der Volkszählung im Jahre 1922 waren es 775.182 Seelen. In der rein jüdischen Stadt Tel-Aviv wurden gestern 46.00g Einwohner gezählt Ueber die Einteilung der Bevölkerung ln Nationen und Konfessionen liegen offizielle Mitteilungen noch niebt vor. Nur 350 ArlieiterE nwanüerungszertifikate bewilligt Jerusalem, 18. November. (J. T* A.) «Offtefsl Gazette», das amtliche Organ der Palästina-Regierung, teilt mit, daß der Jewish Agency für das nächste Halb« Jahr 350 Arbeiter-Einwanderungszertifikate, und «war 150 für Männer zwischen 18 und 3g Jahren und 200 für Frauen in dom gleichen Alter, bewilligt wurden. Die Jewish Agency bat für die gleiche Periode 1720 Chaluz- Zertifikate verlangt In einem Gespräch mit Pressevertretern hat der Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Chaim Ariosgroff, sich scharf gegen die Nichtbewilligung der von der Jewish Agency geforderten Chaluz-Einwanderungaquote ausgesprochen und weitere Schritte in dieser Angelegenheit angekündigt. Harry Herbert Trusted zum Oberstaatsanwalt für Palästina ernannt Jerusalem, 19. November, (j. T. A ) Harry Herbert Trusted, früher Oberstaatsanwalt in den Leewards- Inseln, wurde zum Chef des Justlzdepartementa der Palästina-Regierung und zum Oberstaatsnwalt in Palästina an Stelle von Norman Bentwich, der in Pension geschickt wurde, ernannt. Kundgebung der Zionistischen Exekutive zur Einigung der ameiikanischen Zlo* nisten London, 22, November, (J. T. A.) Die Zionistische Exekutive sandte eine Botschaft an die Zionisten der Vereinigten Staaten, in der d$r Freude über die auf der Konvention der amerikanischen Zionisten erzielte Einheit Ausdruck gegeben und erklärt wird, daß durch diese Einheit der amerikanische Zionismus nunmehr zu einem mächtigen Faktor im Weltzionismus geworden ist. Im Hinblick auf die wertvolle politische und organisatorische Arbeit, die das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Emanuel Neuman, ln den letzten Monaten in Amerika geleistet und noch zu leisten hat, beschloß die Zionistische Exekutive, Neuman zu ersuchen, noch eine Zeltlang in den Vereinigten Staaten zu verbleiben. Die Jewish Agency ehrt Welzmann Marquis of Reading und Amery als Redner London, 16. November. (J. T. A.) Die jewish Agency for Polostine hat für den JO. Dezember d. J. zu einem Ehrenempfang für ihren früheren Präsidenten Dr. Chaim Weizmann eingeladen. Marquis of Reading, der frühere Außenminister, wird der Veranstaltung präsidieren. Der frühere Kolonienminister L, S. Amery wird der Hauptredner sein. Palästina im Wirtschaftssystem des British Empire Die Frage der Position Palästina? im Wirtschaftssystem des British Empire ist in der letzten Sitzung des Palästina- Komitees des Jewish Board of Deputies eingehend besprochen worden. Das Komitee wird an die englische Regierung mit dem Ersuchen herantreten, dieser Angelegenheit «hre volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Lunatsoharsky Aber Zionismus uni die hebräische Sprache m SowJelruOland Anatollj W. Lunatscharsky, der Mittwoch, den 25. November, ln Wien angekommen lat, empfing \m Rahmen einer Pressekonferenz ein Mitglied unserer Redaktion. Der russische Vol!«kommlssär äußerte eich eingehend über Zionismus und die hebräische Sprache )n Sowjetrußland. Wir werden das Interview, das interessante Einzelheiten beinhaltet, in der nächsten Nummer der «Stimme» veröffentlichen. Bia ik kommt nach Wen Wie wir erfahren, wird über Einladung der Hiatadruth Iwrith der große Dichter Biallk anfangs Jänner ln Wien elntreffen und hier ln einer Massenversammlung Uber die hebräische Kultur sprechen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Persönlichkeit dieses führenden hebräischen Dichters vom Wiener Judentum ebenso enthusiastisch begrüßt werden wird, wie es bisher in allen großen 8tädten, die er besuchte, der Fall war. Hitachduth-Weiikonfercnj )„ Danx’g Die für Anfang November nach Danzig einbernfen* Weltkonferen? der zionistischen Arbeiterpartei Hltacliduth lat auf den 25. und 25, Dezember d, j, verschoben worden. An der Konferenz in Danzig werden auch Führer der Paale Zion, wie Ben Gurion u. a. m., teil»’ nehmen. Die Konferenz wird endgültig über die Vereinigung von Hitachduth und Verband Poale Zion In den Galuth-Ländem (in Palästina ist die Vereinigung seit längerer Zelt vollzogen) zu beschließen haben# Der Antisemitismus In Kanada Montreal, lü. November, (J. T. A.) Der jüdische Dept£ tierte Pater Uercowitch, der für das Amt eines Schatz* meiste« der Provinz Quebec in Aussicht genommen ist, hat in einer Mitteilung an die Prasse erklärt, er werde kein Ministeramt in der Provinz Quebeck annehmen, solange das antisemitische Vorurteil das politische Leben dieser Provinz beherrscht, Jfn die {freunde ■de»Meürüisetkeni Die Hebräische Weltkonferenz, die am 6. bis 8.Tammus in Berlin stattgefunden hat, proklamierte die Schaffung der tirit Iwrit Olamit, der die Aufgabe zufiel, alle auf dem Gebiete der hebräischen Kultur tätigen Organisationen, Institutionen und Privatpersonen unter ihrer Fahne zu vereinigen. Übereinstimmend wurde anerkannt, daß die Gründung der tirit Iwrit Olamlt (Hebräischer Weltbund) ein Gebot der Stunde sei. Die Brit Iwrit damit soll der das Bestehen des hebräischen Geisteslebens bedrohenden Gefahr entgegentreten, di* der hebräischen Kultur und Erziehung dienenden Institutionen fördern und das Tätigkeitsfeld der hebräischen Volks¬ und Hochschulbildung wie auch der hebräischen Jugendbewegung und Literatur erweitern. Aus der Erkenntnis heraus, daß die Frage unserer Kultur ohne die Tätigkeit einer höhere» Instanz, der tirit Iwrit damit, keine Lösung finden könne, ist man bereits in verschiedenen Ländern zur Gründung von Ortsverbänden geschritten, und wir hohen zuversichtlich, daß sich das Netz dieser Zweigstellen in kürzester Zeit über alle Länder jüdischer Siedlung erstrecken wird, Der Grundpfeiler für die Organisierung der tirit Iwrit Olamitist der «Sela*! Der «Sela* lat eine Pflichtabgabe eines jeden Juden, der die Erhaltung der hebräischen Kultur wünscht. Jeder «Selas- Zahler hat Anteil am Aufbau des Werkes der hebräischen Bewegung, reiht sich dem Kreise der Mitglieder der tirit Iwrit Olamit ein und erwirbt das Wahlrecht zum Hebräischen Weltkongreß. Jeder hebräische Schriftsteller und Lehrer, jede hebräische Organisation und Institution muß sich an dieser Aktion, die eine Volksaktion werden soll, aktiv beteiligen, Diese Aktion wird Zeugnis ablegen für den Willen des jüdischen Volkes, seine hebräischen Geistes- und Kulturwerte zu erhalten. Bis zum ersten Hebräischen Kongreß müssen mindestens 100.000 «Selalm» verbreitet werden. Die 100.000 «Sela»-Zahler im Jahre 5692 werden die Spitzeuorganisationen, die Brit Iwrit Olamit, befestigen und dadurch die Existenz und den Ausbau der um Hilfe flehenden hebräischen Erziehungs-und Kulturinstitutionen sicherstellen, Freundeund AnhängerunsererSache, erwerbt den «Sela» und fördert die Sicher- tellung der tirit Iwrit Ulamit, der hebräischen Kultur! JUDEN! Schenket zu Chanukkah Keren Kajemeth-Spiele

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