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Die Stimme · 1931-08-22 · Heft 198 (22.8.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 198 (22.8.1931)
Date
1931-08-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Marcheschwan 5692) «ummer 198 / Ein zweiter Fall Horäk verlangt Aufklärung Eigentr milche Duplizität der Fälle - Einen Tag vor der Ermordung der sieben Juden in Velky Vitez wurde in dtr Nähe dieses Dorfes ein 23jähriger Student ermordet und beraubt Die Enthüllungen, für deren Richtigkeit der Name des bekannten Publizisten aus Preßburg bürgt, werden zweifellos die maßgebenden Faktoren des cechoslovakischen Staates veranlassen, diesen Fall restlos aufzuklären. (Anm. d. Red.) Der Fall des Legionärs Horak, der unter dem Verdacht, sieben Juden ermordet und beraubt zu haben, vor den Prager Geschworenen stand und in dessen Sache noch kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, bewegt die öffentliche Meinung noch sehr stark — und schon wird ein zweiter Fall bekannt, der in so starkem Maße den Geschehnissen ähnelt, mit welchen sich das Prager Schwurgericht vor zwei Wochen befaßte, daß man nicht den Verdacht von der Hand weisen kann, daß zwischen der Mordtat von Velky Vitez und dem neuen Verbrechen, über welches wir berichten wollen, ein Zusammenhang besteht. Am 7. Juni 1919, also einen Tag vor der Ermordung, der Brüder Fleischer und Lefkovits in Velky Vitez, Erschien in dem Dorfe Bertotovce, welches einige Kilometer von Velky Vitez entfernt ist, eine Gruppe tschechischer Soldaten, die von einem Gefreiten zum Ortsrichter geführt wurden. Beim Richter erkundigte sich der Gefreite, ob und wieviel Juden in dieser Ortschaft leben. Er erhielt die Auskunft, daß in Bortotovce insgesamt drei jüdische Familien leben, Gyula Safran, Mark Sturz und der 70jährige Jakob Moskovits. Die ersten beiden hielten sich an dem genannten Tage in Presov auf. Der 70 Jahre alte Jakob Moskovits mit seinem 23jährigen Sohn waren also die einzigen jüdischen Bewohner, die am 7. Juni in Bortotovce anwesend waren. Es verdient bemerkt zu werden, daß der 23jährige Universitätshörer Samuel Moskovits am gleichen Tage nach langjähriger Abwesenheit aus d^r russischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war. I Der unbekannte Gefreite suchte das Gehöft der I außerordentlich armen Familie Moskovits auf und forderte den jungen Mann auf, sich vorzubereiten und mit ihm zu kommen und Geld mitzunehmen, da er ihn mit der Eisenbahn zur Kommandatur führen wolle. Auch in diesem Falle wurde, wie im Fall Horak, diese Maßnahme damit begründet, daß Moskovits, der, wir betonen dies nochmals, aus der russischen Gefangenschaft zurückgekehrt war, zugunsten der bolschewistischen ungarischen Truppen spioniert habe. Samuel Moskovits zog seinen Feiertagsanzug an, der Vater gab ihm die ganze im Hause befindliche Barschaft von 100.— Kronen und der Gefreite machte sich auf den Weg und führte den Jungen an den Rand des Dorfes. Die jüngere Schwester Moskovits*, die kein Vertrauen zu dem Gefreiten hatte, der ihr durch sein haariges Benehmen auffiel, folgte^ der Eskorte in weiter Distanz. Als der Zug das Dorf verlassen hatte und die Straße nach dem Dorfe Frlce betrat, wurde das Mädchen Zeuge einer furchtbaren Tat. Der Gefreite hatte den. Jungen einige Schritte vorgehen lassen, hob das Gewehr zur Schulter und gab Feuer. Samuel Moskovits stürzte zu Boden und war sofort tot. Der Gefreite durchsuchte alle Taschen des Erschossenen, nahm alle Sachen zu sich, zog ihm die Schuhe aus, warf sie über die Schulter und entfernte sich. Das Mädchen, das weinend und zitternd in | einiger Entfernung stehen geblieben war, wagte es erst sich der Leiche ihres Bruders zu nähern, nachdem der Soldat «leb entfernt batte« Es grub mit eigenen Händen ein Grab für seinen Bruder am Rand der Landstraße. Das unglückliche Opfer dieses Raubmordes liegt noch heute am Wege von Bertotovce nach Frice eingescharrt. Einige Zeit nach diesem Mord wurden von der verängstigten jüdischen Bevölkerung Versuche gemacht, die Behörden auf diese furchtbare Mordtat aufmerksam zu machen und die Einleitung einer Untersuchung gegen unbekannte Täter gefordert. Der Staatsanwalt in Kaschau lehnte es ab, die Anklage zu erheben und begründete dies mit dem Hinweis darauf, daß der geschilderte Fall im Vergleich zu den Judenpogromen, wie sie z. B. in Polen vorzukommen pflegten, eine bagatelle Angelegenheit sei. Nach der Wiederaufrollung des Horak-Prozesses haben sich die Hinterbliebenen des ermordeten Samuel Moskovits wiederum an die Behörden und Am Bauernmarkt, beim Teppich-Schein Kauft man stets mit Freuden eml Doch heißt es sich vor Irrtum schützen, Da wir keine Filiale besitzen I an die «Liga für^Menschenrechte» gewendet und fordern die Aufklärung dieses tragischen Falles. Sie verweisen dabei auf die Aehnlichkeit zwischen den Geschehnissen in Velky Vitez und jenen in Bertotovce und auf die Nähe des Datums und des Schauplatzes der beiden Mordtaten. Karl Baum. Professor Einstein in Wien Einstein Gast der Jüd sehen Kultusgemeinde Die Wiener Kultusgemeinde benützte die Anwesenheit Prof. Einsteins in Wien, um den weltberühmten Gelehrten feierlich zu empfangen. Am 16. Oktober besichtigte Prof. Einstein den Seitenstettentempel. Daran schloß sich ein Empfang des Gelehrten im Präsidium und in den Sitzungsräumen der israelitischen Kultusgemeinde. Mit lebhaftem Interesse besichtigte Prof. Einstein die Porträtgalerie, wobei die Vizepräsidenten Dr. Or n s t e i n und Dr. L ö w e n h e r z die historischen Erläuterungen gaben und über die Entwicklungsgeschichte der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Herrn Prof. Einstein das Wissenswerteste mitteilten. Belm Abschied wurde dem Gelehrten, der bekanntlich für alle das Judentum berührenden Angelegenheiten das lebhafteste Interesse an den Tag legt, vom Präsidium als Andenken ein Exemplar des zur Hundertjahrfeier des Stadttempels faksimiliert herausgegebenen «Ersten Statutes des Bethauses in der Inneren Stadt» überreicht. Prof. Einstein brachte für die ihm gewidmete Aufmerksamkeit seinen wärmsten Dank zum Ausdruck. Begrüßung durch das Zionistische Landeskomitee Auch das Zionistische Landeskomitee begrüßte Prof. Einstein in Wien. Der Gelehrte dankte bestens für die Grüße der Landesorganisation und entbot den Wiener Zionisten durch das Landeskomitee seine besten Grüße und Wünsche für unsere Tätigkeit. Eine österreichische Schande Oesterreich hat wieder einmal bewiesen, daß es von allen guten Geistern verlassen ist. Einstein kam nach Wien und kein österreichischer Minister fand es der Mühe wert, ihn persönlich zu begrüßen. Piccard wurde vom Bundespräsidenten empfangen, doch der Jude von Weltruhm, Einstein, wurde dieser Ehre nicht gewürdigt Auch relative Begriffe! Bei dem wissenschaftlichen Vortrage Einsteins fehlten viele bedeutende Wissenschaftler. Fürchteten etwa unsere Minister und Wissenschaftler den Zorn der Hakenkreuzler? War ihnen das Wohlwollen der Hakenkreuzler wichtiger als die Tatsache, daß sie sich durch ihr Verhalten einem weltberühmten Wissenschaftler gegenüber vor der ganzen Welt der Gefahr der Lächerlichkeit aussetzen? Ja, wäre Einstein nebenbei auch ein Bankmagnat gewesen, der Oesterreich einen Auslandskredit verschaffen könnte, da hätte es einen feierlichen Empfang durch die Regierung gegeben, da wären große Reden über die völkerversöhnende Wissenschaft und wie sonstige Gemeinplätze alle heißen, geschwungen worden. So aber — Wissenschaft? Wie sagte doch einmal der verstorbene christlichsoziale Abgeordnete Bielohlawek? «Wissenschaft ist, was ein Jud vom anderen abschreibt.» Und nun gar Relativitätstheorie! Damit ist doch überhaupt nichts anzufangen. Und da haben es die Herrschaften eben dem Juden Einstein gezeigt, wie er ihnen schnuppe ist. Lieb Vaterland, magst ruhig sein! m m fobolon und üiodcisfiy beim JVigfi tommissioner jtondon. Stet Präsident der JerolsA Jtiency Jtnhum Sottoion und das OSlttrUed der £xehutive der JenlsA dtfenew Jtt. 'S. fflrodetshy besuthten heute den neuem JfigA Commisstoner für Palästina, Qcnetal Jtrthur Seenfett Waudkope. auf dessen £in* fadunf in seiner londoner Wohnuutt. Die Unterredung des Sührer der Jervish JtHeney mit dem neuen Jtigh €ommisslonet dauerte Öfter eine Stunde. iiotnek

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