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Die Stimme · 1931-08-15 · Heft 197 (15.8.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 197 (15.8.1931)
Date
1931-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 g V. b. b. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oesterreich oonat Heb S WQ* «nertel jährl S 4-20. ganz jährl » 16*— Deutschld. viertel jährl. RM 3'— Tschechoslowakei vnertelj Kc 24’— Jugoslawien vierte) jährl Din 40' - Polen Vierteljahr lieh Zloty 6*50 Ungarn Vierteljahr lieb Pengö 4*20 Rumänien viertel jährl Lei 120’ - Uebrige» Ausland vierteljährl Schw Franken 4’50 4. Jahroang Wien, Donnerstag, 15. Oktober 1931 (4. Marcheschwan 5692) Jiidisdke Zeitung Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien. I» Kärntner «traA* 28 TeL R-27-4-86 Postsparkassenkonti> js*} Oester» D 113-546 ® Polen 19U9<5 ß Tschecho- Slowakei 500.236 fugoslawieo 40.879' »*ummer l£i Am Bauernmarkt, beim Teppich-Schein Kauft man stets mit Freuden ein I Doch heißt es sich vor Irrtum schützen, Da wir keine Filiale besitzen I Prof. Weizmann in Berlin Berlin, 12. Oktober (J. T. A.) Prof. Weizmann sprach hier in zwei Versammlungen, in einer öffentlichen Versammlung im Bachsaal am Abend des 10. Oktober, einberufen von der Z. V. f. D. und der B. Z. V., und bei einer ihm zu Ehren gegebenen Ver- | anstaltung der Jewish Agency am 11. Oktober bei Kroll. An beiden Abenden wurde Dr. Weizmann sehr gefeiert. Die Zuhörer hatten den Eindruck, einen ganz neuen Weizmann vor sich zu sehen: nicht mehr den die Last seiner Aufgaben und seiner Verantwortung schwer tragenden erwählten Führer, der der Oeffentlichkeit Rechenschaft über sein Tun und Lassen gibt und der sich gegen immer erneute Angriffe gegen seine Person und seine Politik zu wehren hat,, sondern einen Führer, der, von der Last der Verantwortung befreit,' frisch von der Leber weg spricht und das einzige Ziel vor Augen hat, für die Idee, die sein ganzes Sein ausfüllt, zu werben. An beiden Abenden ging Weizmann jeder Erörterung der politischen Lage des Zionismus geflissentlich aus dem Wege, seine Ansprachen waren fein durchdachte, witzig pointierte und im Tone frische Werbereden für den Zionismus und für die tätige Mitarbeit an dem Aufbau des jüdischen Palästina, die die Zuhörerschaft enthusiasmierten und immer wieder zu. begeistertem Beifall hinrissen. Große Bodenkäufe in Palästina Deutsche, englische und amerikanischen Juden Der «Warschauer Moment» teilt aus Palästina folgendes mit: In. der letzten Zeit wurden größere Bodenflächen durch Juden aus England, Deutschland , und Amerika angekauft. Die Käufer rekrutieren sich vorwiegend aus nichtzionistischen Kreisen, die mit Rücksicht auf die krisenhaften Zustände auf dem internationalen Geldmarkt wertbeständige Investierungen in Palästina suchen. Auch der palästinensische Jischuw hat in der letzten Zeit sein Besitztum an Boden erweitert. So wurde unter anderem das Wie aus Jerusalem gemeldet wird, verlangt die Jewish Agency von der Palästinaregierung für die Zeit vom 1. Oktober 1931 bis'zum April 1932 1720 neue Zertifikate. Auf Grund von genauen Berechnungen ergibt sich, daß die Situation auf dem Arbeitsmarkte in Palästina sich in der letzten Zeit bedeutend gebessert hat. Das Besitztum an Orangenplantagen wurde im letzten Jahre um 10.000 Dunam vergrößert. In der letzten Zeit haben 1000 jüdische Arbeiter Beschäftigung gefunden, unter diesen 500 bei den Regierungsbauten. Es ist nicht lange her, da gab es unter den Arbeitern in Haifa keinen einzigen Juden. Derzeit kommen auf 320 arabische Arbeiter — 150 jüdische. Die Zahl der beim Hafenbau in Haifa beschäftigten jüdischen Arbeiter beträgt derzeit 22 Prozent und gehen die Bemühungen der Jewish Agency dahin, diese Zahl auf 50 Prozent zu erhöhen. erwerben Boden in Palästina arabische Dorf, welches; zwischen den; Kolonien B'nei Brak und Beth Hatikwah gelegen ißt, käuflich erworben. Dieser:Kauf kam^haüptsächlich mit Zu-' hilfenahme privaterKapitalien derßfÜtler Litwinsky aus Tel Aviv zustande:Mitdiesem Wächstum des jüdischen Besitzes und der Privatinitiative geht auch die Vergrößerung der Plantagen Hand in Hand. Es. wird mitgeteilt, daß im letzten Jahre allein 10.000 Dunam Orangenplantagen angebaut wurden. verlangt 1720 In der letzten Zeit macht sich auch eine gewisse Aenderung in der Einstellung der Palästinaregierung den Juden gegenüber bemerkbar. Es verschwindet allmählich das bisherige Mißtrauen der palästinensischen Machthaber und es werden derzeit die Wünsche der Juden sachlich und wohlwollend behandelt. Hervorzuheben wäre die Erklärung eines Vertreters der jüdischen Landwirte in der Einwanderungskommission der Jewish Agency, wonach in der nächsten Zeit ein Mangel an jüdischen Arbeitern sich ergeben wird. In Palästina macht sich schon heute dieser Mangel bemerkbar. Aus diesen Gründen verlangt die Jewish Agency 1720 Zertifikate für die nächste Zeit, wovon 650 den in Palästina wohnenden Familien zugewiesen werden, der Rest für Chaluzim. Die Entscheidung der Palästinaregierung steht noch aus. Die jewish Agency neue Zertifikate Folgen der Währungskrise in Palästina . Der Fall des englischen Pfundes macht sich in Steigendem Maße im palästinensischen Wirtschaftsleben fühlbar. Die Banken haben sofort am ersten Tage des Sinkens der englischen Valuta für alle Ueberweisungen ins Ausland einen Garantiezuschlag von 10 Prozent über den notierten Kurs und eine schriftliche Garantie gegen eventuelle Verluste der Ueberweisung gefordert. Der Zuschlag wurde in den nächsten zwei Tagen auf 25 Prozent erhöht, und Geld wurde nur gegen Warenkonoss^ements überwiesen. Im Großhandel haben diese Ereignisse zur Annullierung größerer Käufe im Auslande geführt, wobei oft Konflikte in Fragen der Bezahlung für schon auf dem Wege befindliche Waren entstanden sind. Die Großhandelspreise und in noch höherem Maße die Kleinhandelspreise haben beträchtlich angezogen, manchmal infolge der Spekulation über das durch den Fall des Pfundes berechtigte Maß. Besonders wurde der Preis des Brotes übermäßig erhöht. Die, Zollbehörden ziehen die Zollgebühren nach dem alten Kurs des Pfundes ein, sogar wenn die Faktura ln anderer Währung ausgestellt ist. Die nachteiligen Folgen der Erschütterung der englischen Währung wirken sich besonders stark auf die arbeitenden Schichten der Bevölkerung aus, da die Waren bereits erheblich verteuert wurden und demgegenüber die Löhne ohne Aenderung geblieben sind. Sollte das Pfund auf einer bestimmten Höhe stabilisiert werden, die das frühere Niveau nicht erreicht, würde dies zweifellos einen günstigen Einfluß auf die Entwicklung der Industrie haben, die durch gesenkte Produktionskosten in die Lage versetzt würde, ihren Export zu steigern. Auch der Markt für landwirtschaftliche und industrielle Produkte erweitert sich infolge der Verteuerung fremder Waren. Die ständigen Schwankungen der Währung wirken sich jedoch ungünstig aus und ermöglichen keine verläßliche Kalkulation. Man erwartet auch eine günstige Saison der Citrusfrüchte, da die skandinavischen Länder und Deutschland wahrscheinlich eher von Ländern mit niedrigerem Kurse ihren Bedarf decken werden. Auch die voraussichtliche Einfuhr des Schutzzolles: in England,.mit Vorzugszöllen für Länder des britischen Imperiums, (inklusive Palästina), wird für den Citrusexport von Bedeutung sein. Bei der arabischen Bevölkerung hat der Fall des Pfundes eine Flucht zum Golde verursacht. Es macht sich Mangel an Kleingeld (Silber) bemerkbar.; Alles in allem werden: die Folgen dieser Ereignisse erst nach dier Stabilisierung auf irgend girier Höhe zutage treten. Erst dann werden die Nachteile für Lohnarbeiter und Angestellte etwas gemildert werden und der günstige Einfluß auf Industrie und Landwirtschaft sich'auswirken können. Der Jerusalemer Mufti vor dem Fall Jerusalem, 5. Oktober. (J. T. A) Gut informierte Kreise wollen wissen, daß die Palästinaregierung bereits beschlossen habe, die Verordnung des einstigen High Commissioners, Sir Herbert Samuel, wonach der Jerusalemer Mufti auf Lebenszeit Präsident des Obersten Moslemitischen Rates sein soll, abzuändern und schon in kurzer Zeit die Wahl eines Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates auszuschreiben. Das bedeutet den Anfang vom Ende der Muftidiktatur über das palästinensische Arabertum. Die Regierung, erklären die informierten Kreise, habe sich zu diesem Entschlüsse durch die wachsende Opposition gegen die Muftiherrschaft bewogen gefühlt. Der Mufti, dessen Popularität zur Zeit der Palästinapogrome Ende August 1929 den höchsten Grad erreicht hatte, fühlte seinen Einfluß auf das Arabertum immer mehr sinken und machte alle Anstrengungen, um sein Ansehen künstlich zu erhalten. Er setzte die pompösen Bestattungen des indischen Führers Mohamed Ali und des Exkönigs Hussein im Jerusalemer Felsendom durch und nützte auch Schaukat Alis Besuch in Palästina zur Befestigung seines Einflusses aus. Aber das Mißtrauen der Bevölkerung in diese Führerschaft wuchs immer mehr an. Die arabische Zeitung «Meraat ei Shark» berichtet, daß die vom Mufti nach Nablus einberufene Konferenz zum Protest gegen die Waffenlager in den jüdischen Kolonien ein vollständiger Versager war; von 750 eingeladenen Notabein kamen nur 70, Leute von den Straßen und aus den Kaffeehäusern würden in den Konferenzsaal gerufen, um den Mißerfolg zu verdecken. Die finanziellen Schwierigkeiten des Ober-* sten Moslemitischen Rates werden auf das Schuldkonto des Mufti gesetzt. Seine Opposition gegen! den Landentwioklungsplan gefällt vielen arabischen Führern nicht, die sich von dem Plan eine Besserung der Gesamtlage des Arabertums Palästinas versprechen. Auch die Beamten des Mufti lehnen sich gegen dessen Diktatur auf, und sogar der als Muftifreund bekannte Auni Bey Abdul Adi hat sich nach Safed begeben, wo die Opposition gegen den Mufti ihren Sammelpunkt hat, um mit dieser Opposition über dl* Frage der Entfernung des Mufti von seinen Aemtem w verhandeln.

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