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Die Stimme · 1931-09-24 · Heft 194 (24.9.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 194 (24.9.1931)
Date
1931-09-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 g V. b. b. BEZUG» BEDING! INGEN Oester» «"«eb aumai lieh S J VO- •'«ertel |8hri S 4 2u $an7 |8hr! S 16- Deitrschlri. viertel lährl KM V- Ts cb e c ho sl o w « k ei viertel) Kr 24 - luKostftiviei viertel jMhrl Din 40 Po'e* rier*el|Ahi lieh J^lot> 6'S(' Ungarn vieriehähr lieb l’enur 4'21’ Rumänien viertel Ghrl l.ei 120 ebrijjv* ^uelantl Vierteljahr' Sch« 51 Franken 4'50 Jtidisdke Zeitung I Ercckeint I jeden Donnerstag Redaktion und AdnunistratioB Wien I. Kärntner «traft* 28 Tel R-27 4-86 Postsparkassenkonti: Oester» D 113-546 Polen 191.190 Tsrhecho- «lo«akei 500.236 ft Jugoslawien 40.879 4* )anr;^aag Wien, Donnerstag, 24. September 1931 (13. Tischri 5692) •ummet 194 Die Paläsflna-Doilenveronliiung lauen gelassen? Deutschland erwache! „VVenn’s Judenblut vom Messer spritzt, Dann geht’s nochmal so gut! . . (Aus einem Hitler-Lied.) In der Hauptstadt Deutschlands, Berlin — in der Weltstadt Berlin —, in der großen Kulturstadt Berlin fand ein regelrechter Pogrom statt. Die Vorkämpfer des «Dritten Reiches», die Hitlerianer, die hakenkreuzgeschmückten Rowdies in Braunhemden, waren es, die, mit Gummiknütteln und Eisenstöcken bewaffnet, sich am ersten Rosch- Haschanah-Abend dieses Jahres wie rohe und zugleich feige Barbaren benahmen; die Juden und dunkelhaarige Arier hinterrücks überfielen und verprügelten; die Frauen, Greisen und Kindern Fußtritte versetzten und den von der Andacht Heimkehrenden «Prosit Neujahr» (welch herrlicher Witz!) zuriefen, und die, als die Schupo erschien, fluchtartig den Kampfplatz verließen. Es war am Kurfürstendamm, in Berlins zentralster Straße, abends, zur Zeit, da der Verkehr am stärksten ist. Ein gräflicher Hitlerianer durchkreuzte höchstpersönlich im Auto die Walstatt und erteilte Befehle: «Da losschlagen, hier niederknüppeln, dort Flucht ergreifen.» Die Befehle wurden prompt ausgeführt. Es gibt Gott sei Dank noch Disziplin. Die S.-A.-Leute haben sie. S.-A.-Leute: die Avantgarde des Deutschland von morgen. Noch können wir uns an . das DeutscHfiähcTvöri gestern erinnern. Das Deutschland Goethes unc Kants, der großen Romantiker und der großen Philosophen. Das Land der bewundernswert tüchtigen und zugleich idealistischen Nation, die immer auf die jüdische Kultur und sogar auf die Sprache der jüdischen Galuth einen großen Eindruck ausgeübt hat und noch heute ausübt. Aber dieses Deutschland gehört der Vergangenheit an. An seine Stelle ist das Deutschland von heute getreten, mit seinem Chaos, das nicht nur in der Politik herrscht, und seiner. Sturmtruppe des «Dritten Reiches»: der blutrünstigen und verhetzten Hitlergarde. Diese Garde hat am ersten Rosch-Haschanah- Abend einen großen Sieg erfochten. Es ist ihr gelungen, wehrlose jüdische Passanten zu überfallen, die. an alles andere eher als an einen Ueberfall dachten und sich deshalb nicht zur Wehr setzen konnten. Es ist ihr gelungen, den friedlich-ernsten Feiertag in einen Tag gemeiner, an Juden begangener Niederträchtigkeit zu verwandeln. Und es ist ihr — zum großen Teil — gelungen, rechtzeitig die Flucht zu ergreifen. Das war in Berlin, im Zentrum Europas, Im Mittelpunkt der Kulturwelt — nicht im zaristischen Kischinew, nicht im petljuristischen Proskurow. Im strahlenden Licht der Kurfürstendammbogehlampen, nicht in osteuropäischen Winkelgäßchen vollzog sich dieses Massenverbrechen. So präsentiert sich vor der gesamten Kulturwelt schon heute das Deutschland voh morgen. Und die Kulturmenschen — nicht nur Juden — wissen nicht: sollen sie sich schämen, daß derartiges im Mitteleuropa 1931 möglich ist, oder sollen sie nur ein Gefühl des Abscheus und des Ekels haben. «Wenn’s Judenblut vom Messer spritzt . . .» beginnt der Refrain eines Liedes, das heute in Deutschland eine größere Popularität genießt, als irgendeine Dichtung von Goethe oder Heine. Dieses Lied' und andere ähnliche Lieder zeitigen ihre Früchte: sie bringen das deutsche Judentum in äußerste Gefahr und Deutschland selbst an den Rand des Abgrundes. Die Losung der Hitlermannen ist: «Deutschland erwache!» Wann wird die Zeit kommen — und wird sie überhaupt kommen? — da alle kulturellen, demokratischen Elemente Deutschlands diese Losung in anderem Sinne übernehmen werden? Wann wird sich Deutschland seiner kulturellen Erniedrigung, in die es Hitler gebracht hat, bewußt werden und wann wird es wirklich erwachen? W* Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, soll die neue nationale Regierung in England die Absicht haben, die vom früheren IColonienminister Lord Passfield ausgearbeitete und zur Veröffentlichung am 20. August — dann unter dem Druck der Baseler Tagung der Jewish Agency zur Veröffentlichung am 7. September — bestimmte Palästina-Bodenverordnung nunmehr ganz fallen zu lassen. Man weiß jetzt, daß betreffend diese Verordnung ein Kampf hinter den Kulissen geführt wurde, und wäre nicht ein plötzlicher Regierungswechsel eingetreten, der das Ausscheiden Lcrd Passfields aus dem Kabinett mit sich brachte, so wäre dies«* Verordnung bereits in Wirksamkeit und die Jewish Agency wäre vor neue große Schwierigkeiten gestellt worden. Sir John Chancellor, der inzwischen in London eingetroffen war, unterstützte die Passfield-Verordnung und bestand darauf, daß keine ändernden Bestimmungen nachträglich in die Verordnung aufgenommen werden. Chancellor konnte aber mit seiner Ansicht nicht durchdringen. Die Veröffentlichung der | Bfl^enverordnung erfolgte trotzdem nicht. Genf, 17. September. (J. T. A.) Die Sechste (Politische) Kommission des Völkerbundes ist heute in die Beratung der Frage der zeitlichen Abgrenzung der Mandate eingetreten. Hierbei kam es zu einer eingehenden Aussprache über Palästina. Der Berichterstatter Lange, Norwegen, hielt eine große Rede, die in der Forderung gipfelte, daß der Völkerbund die Politik der Errichtung des Jüdischen Nationalheimes in Palästina nochmals in autoritativer Weise dokumentieren solle. Nachdem er einen eingehenden Ueberblick über die Lage in Palästina gegeben hatte, kam Lange zu dem Schlüsse, daß Palästina dank der außergewöhnlichen Opferbereitschaft der Juden aufgebaut wird. Die Juden der ganzen Welt, sagt er, sehen in Paläm HÄ/5ER5TR. 123 X ALSERSTR. 6 5 15 - S 20 - S 28 Was die Haltung der neuen Regierung in der Frage der Landentwicklung Palästinas im allgemeinen betrifft, so wäre , es, wie man der JTA sagt, vielleicht ungerechtfertigt, auf die Möglichkeit einer sofortigen und radikalen Aenderung der offiziellen Palästinapolitik allzu große Hoffnungen zu setzen. Passfield ist in der Durchführung seiner Pläne zu weit fortgeschritten, als daß ein völliger Rückzug in der Palästinapraxis durch das neue Kabinett wahrscheinlich wäre. Immerhin dürfen einige wesentliche Aenderungen im Landentwicklungsplan bestimmt erwartet werdea. Heute steht die Frage so: wird die neue Regierung im Hinblick auf die Finanzkrise die Durchführung des Landentwicklungsplanes hinausschieben oder gar den Plan ganz fallen lassen? Mit den eigentlichen finanziellen Schwierigkeiten der Regierung hat die Frage der Landentwicklung nicht direkt zu tun, da die zur Landentwickltng notwendigen Summen nicht aus Regierungsfonds, sondern aus den Mitteln einer von der Regierung zu garantierenden Anleihe genommen werden sollen_ stina Ziel und Zentrum ihrer Hoffnung; für sie be* deutet es eine tiefe Genugtuung und es ist Sache ihrer persönlichen Würde, daß das Land, aus dem sie stammen, wiederum als ihr nationales Heim aufgebaut wird. Lange erinnerte an das böse Echo, das das Passfield-Weißbuch auf dem Zionistenkongreß in Basel geweckt hatte, und schilderte das traurige Leben der Millionen Juden in Europa, die dem Proletariat oder dem armen Mittelstand angehören und unter äußerst schwierigen materiellen Verhältnissen leben. Wenn diese Millionen Menschen, sagte Lange, des Elements der Würde beraubt werden, das Palästina ihnen gibt, wird dies das soziale Unbehagen in der Welt, das die gegenwärtige Epoche charakterisiert, nur vermehren und die soziale Frage komplizieren. Lange betonte zum Schluß, daß es notwendig sei, die Existenz des jüdischen Nationalheims in Palästina durch den Völkerbund zu garantieren und die Position der jüdischen Minderheit in Palästina kt jeder Weise zu sichern. Stuhlvcrcbpfung. Schon die Altmeister der Heilmittellehre haben anerkannt, daß sich das natür* liehe «Franz-Josef»-Bitterwasser als ein durchaus zuverlässiges Darmreinigungsmittel bewährt. Allen Neuabonnenten unseres Blalies und allen» die es werden wollen, teilen wir mit. daß wir lerne bereit sind, ihnen die bisher erschienenen Fortsetzungen des Romanes von AvIRdor Hameiri »Der große Wahnsinn“ graßs nachzuliefern Administration „Die Stimme“ Palästina vor der politischen Kommission des Völkerbundes Der Norwege Lange fordert, daß der Völkerbund die Politik der Errichtung eines jüdischen Nationalheims nochmals autoritativ dokumentiert. \ 3liotho4fc

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