Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 191 (3.9.1931)
- Date
- 1931-09-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Nr. 191 — 3. September 1931 IHeratnr/Kunst /Theater £Jfl«fters<fiau Ein Wort über »Das Wort" („Hadawar") «Das Wort» heißt «Hadawar» auf hebräisch und «Hadawar» ist ein neues Unterrichtslehrbuch der hebräischen Sprache, das der in Wien bestens bekannte Lehrer J. Herzberg unter Mitwirkung einer Lehrergemeinschaft kürzlich herausgegeben hat. Es ist ein kleines Büchlein für Kleine, das bestimmt einen großen Erfolg haben wird und ihn auch verdient. Die im «Hadawar» eingeschlagene Lehrmethode zielt darauf hin, dem Kinde durch selbständige Arbeit, wobei der Lehrer ihm nur gewisse Anleitungen gibt, einfach, rasch und fast spielend die Kenntnisse der hebräischen Sprache beizubringen. Herzberg hat für sein Werkchen die synthetischanalytische Methode gewählt: das Kind lernt durch das Normalwort nicht nur einzelne Buchstaben, sondern auch ganze Wörter kennen (Synthese), wobei es aber diese wieder in Buchstaben zerlegt (Analyse). Eine Uebersetzung der Vokabeln durch den Lehrer ist nicht nötig. Zahlreiche naturalistische (und nebenbei gesagt künstlerisch wertvolle) Illustrationen und Zeichnungen (von Judith Honig), machen die Uebersetzung entbehrlich. Der Primitivität des Kindes Rechnung tragend^ bedient sich der Verfasser in den ersten Lektionen der einfachen Strichdruckschrift (Blockschrift), die das Kind mit Stäbchen, Papierstreifen, Plastelin leicht nachmachen und mit Kreide oder Bleistift leicht nachschreiben kann. Auf diese Weise zusammengestzte oder aufgeschriebene Vokabeln bleiben für initiier im Gedächtnisse des Kindes. Nebenbei gesagt, wird dank der Blockschrift auch die Kursivschrift rasch erlernt, da die Formen dieser Blockbuchstaben denen der Kursivbuchstaben sehr ähnlich sind. Der Inhalt der Lesestücke ist für ein sechsjähriges Kind gedacht und durchwegs seiner Umgebung entnommen. Viele Wörter und Sätze wiederholen sich, damit sie dem Gedächtnis dauernd eingeprägt werden, und doch darf festgestellt werden, daß der Inhalt des «Hadawar» trotzdem unterhaltend und interessant ist. Es ist dem Verfasser zweifellos gelungen, ein hebräisches Kinderlehrbuch zu schaffen, das einer der sichersten und besten Wege ist, dem Kinde rasch und einfach die Kenntnisse der hebräischen Sprache, in erster Reihe aber ein sicheres und verstehendes Lesen kurzerhand beizubrtngen. Es ist zu erhoffen, daß das Büchlein zur Verbreitung der hebräischen Sprache beitragen wird. s. w. «Das Gesicht der Zeit.» Der E. Prager-Verlag, Wien- Leipzig, bringt eine Bücherserie heraus, deren Absicht vom literarischen Standpunkt beachtenswert erscheint. Der Verlag will — wie er ankündigt — Romane von Autoren aller Länder, Werke von menschlicher und künstlerischer Wahrhaftigkeit, Enthüllungen über gegenwärtige und vergangene weltpolitische Abenteuer und Abenteurer, Reportagen aus Kasernen, Kerkern und Kolonien bringen. Die uns vorliegenden beiden ersten Bände dieser Serie zeigen, daß es dem Verlag mit diesem literarischen Programm ernst ist. Als erstes erschien ein neues Buch des repräsentativen Dichters Rußlands, Gladkow, des Verfassers von «Zement». In seinem neuesten Werk «Ugrjumow erzählt vom Zuchthaus» beschreibt Gladkow den zaristischen Kerker nach 1905, nach der Niederschlagung der Revolution. Die grauenhaft echten Bilder, die Schilderung einer Zuchthausrevolte und ihrer Niederschlagung, die meisterhafte Charakterisierung der Gefangenen und ihrer Quäler machen das Buch zu einem Kunstwerk. Das zweite Werk der Serie ist «Der Leib der Mutter» von Else Feldmann, der Wiener Dichterin. Else Feldmanns Bereich ist der der Elenden, der Erniedrigten und Beleidigten. Ein jüdischer Journalist, dem der Weg nach «Oben» offen steht, gerät in dieses Milieu. Unbeschreibliches Mitleid und ein irgendwie «metaphysisches» Verantwortungsgefühl hindern ihn, sich aufzuraffen und Karriere zu machen. Er wird sein eigenes Opfer, wiewohl er von fremder Hand fällt. — Else Feldmann wird viele Leser finden. Die Bücher des E. Prager-Verlages erscheinen in guter Ausstattung und kosten broschiert S 2.—, in Ganzleinen S 3.—. «Zewi Lazadik». Zum Andenken an den 100. Todestag des Rabbi Zewi Sydaczow, von M. H. Braver (Jerusalem). Ediert von Löbl Taubes im Selbstverlag, Wien, 5691. (112 S., Oktav.) Löbl Taubes, einer der ersten Pioniere des Zionismus und jiddischer Publizist, tritt in den letzten Jahren mit der Herausgabe manch interessanter Sammlung und Bearbeitung aus älterer hebräischer Literatur hervor. Das soeben von ihm edierte Buch enthält nebst einer ausführlichen biographischen Schilderung der Persönlichkeiten des Stammbaumes der chassidischen Rabbi Sydaczow, eine populäre Darstellung der Lehren dieses eigenartigen chassidischen Zweiges. Das Buch gewährt belehrenden Einblick in ein nicht einmal allen Chassidim bekanntes chassidisches System. S. P. «Likrath Ofkim Chadaschim». Von Ab. Goldberg. Verlag Histadruth Iwrith, U. S. A. Druck Lyfschitz, Jerusalem, 5691. Der bekannte zionistische Politiker und Publizist Ab. Goldberg untersucht in dieser Broschüre den neuerlich öfter auftauchenden Gedanken eines arabisch-jüdischen Staates. Der Idee des Panasiatismus stellt aber der Verfasser die des Pansemitismus entgegen, den er realpolitisch in einem großen asiatischen Reiche verwirklicht sehen möchte, dem auch ein jüdisches Erez Jisrael angehören würde. Darin sieht er die Lösung des semitischen wie auch des zionistischen Judenproblems. Den Juden sei hierbei mit der Zeit eine ähnliche Rolle im Osten zugedacht wie sie England im Westen spielt ... Es ist gut, daß man bei uns auch an das erweiterte arabisch-jüdische Problem herantritt, da es auch schon von gutmeinender arabischer Seite ventiliert wurde. S. P. Jtotixen Ein neues Werk von Stutschewsky. In der Universal- Edition, Wien, ist soeben die neueste Komposition von Joachim Stutschewsky, dem unermüdlichen Förderer jüdischer Musik, erschienen: «Palästinensische Skizzen» für Klavier. Es sind sieben kleine Stücke. Jüdischer fröhlicher Abend unter künstlerischer Leitung J. Segal-Rosenbachs findet Sonntag, den 27. September d. J. (zweiter Tag Sukkoth), um 8 Uhr abends im Konzertsaale «Post», L, Fleischmarkt 24, statt. Es gelangen zum Vortrage hebräische, jiddische Lieder und Volkslieder (J. Segal-Rosenbach) und Rezitationen (Sam. Schwager). Ein Teil des Reinerträgnisses fällt dem Keren Kajemeth zu. Kartenvorverkauf: Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-3-20. Hans Land 70 Jahre. Am 25. August vollendete der bekannte deutsche Romandichter und Essayist Hans Land (mit wirklichem Namen Hugo Landsberger) sein 70. Lebensjahr. Er wurde in Berlin als Sohn eines Rabbiners geboren. Hans Land ließ 1888 sein erstes, viel beachtetes Werk «Stiefkinder der Gesellschaft» erscheinen. Es folgte eine Reihe Romane, die bei Kritik und Publikum starken Erfolg hatten. Um die Jahrhundertwende gründete er die Zeitschrift «Das neue Jahrhundert». Von seinen epischen Werken haben die meisten eine soziale Einstellung: «Die am Wege sterben», «Die Richterin», «Staatsanwalt Jordan», «Des Königs Pflegesohn» usw. Aufgeführt wurden seine Dramen «Amor Tyrannus», «Der Skorpion» und das soziale Drama «Die heilige Ehe» (mit Felix Holländer). Die deutsche Presse widmet ihm zu seinem 70. Geburtstag längere Würdigungen. Dr. Arthur Sakhelm gestorben. Im Alter von 44 Jahren verstarb in Berlin nach kurzer schwerer Krankheit der bekannte Schriftsteller und Dramaturg Dr. Arthur Sakheim. Seit 1926 war er Dramaturg und Regisseur am Schauspielhaus in Frankfurt a. M. Er veröffentlichte eine Monographie über E. T. A. Hofmann, zwei Sammlungen lyrischer Gedichte «Magnificat» und «Patmos und Kythera», die Romane «Marion in Rot» und «Der Kopf zwischen den Bergen» sowie die dramatischen Werke «Pilger und Spieler», «Krise im Gottesländchen», «Galante Pantomime», «Haßberg oder Die neuen Karamasoffs», «Der Zaddik», «Die Heiligung des Namens» sowie sieben Vorträge «Das jüdische Element in der Weltliteratur». In der «Frankfurter Zeitung» veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze über jüdisches Schrifttum. Heinrich Grünfeld gestorben. Professor Heinrich Grünfeld, der weltberühmte Cellist, ist am 26. August in Berlin an den Folgen einer Arterienverkalkung gestorben. Er war ein Bruder des vor etwa zwei Jahren in Wien verstorbenen berühmten Pianisten Alfred Grünfeld, der dem Judentum treu blieb, während Heinrich Grünfeld dem Judentum nicht mehr angehört hat. 0 n □ □ 0 0 0 Lebensversicherungs- DLJ O Kl IY Gesellschaft I nUlHIA GEGRÜNDET IM JAHRE 1880 Versicherungsbestand per Ende Juni 1980 . 2500 Millionen Schilling Garantiemittel per Ende 1929 . 800 Millionen Schilling Prämien- und ZinBenemnahroen im Jahre 1929 125 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 28V, Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Beigrien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten. Die Gesellschaft schließt zu billigen Prämien und günstigen Bedingungen Kapitals- und Rentenversicherungen jeder Art ah Neueingeführt: KINDER-VERSORGUNGS-VERSICHERUNG (Auszahlung eines Kapitals bei Verheiratung, Studienbeitrag, Rückerstattung der eingezahlten Prämien bei Ableben des Kindes) Invaliditätsveraicherung (Zahlung einer Rente bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit und Auszahlung des versicherten Kapitals nach reijähriger Däner der Invalidität) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 AmtlicheV erlautbar u ngen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Dispens der jüdischen Schüler vom Schulbesuche au den hohen jüdischen Feiertagen Der Stadtschulrat für Wien hat mit Erlaß Zahl 1646/9 — Ha — 1931 sämtliche Schulleitungen in Kenntnis gesetzt, daß die israelitische Schuljugend an den Tagen des Neujahrs-, Versöhnungs-, Laubhütten-, Passah- und Wochenfestes Anspruch machen kann, vom Schulbesuche befreit zu werden. Z. 5530 cx 1931. Gottesdienst für Jugendliche Wien, 30. August 1931. an den hohen Feiertagen. Kundmachung. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltte an den kommenden hohen Feiertagen im Fe&tsaale des Hotel «Post», I., Fleischmarkt 20 (Eingang I., Drachengasse 1), einen Festgottesdienst, der hauptsächlich für Jugendliche beiderlei Geschlechtes bestimmt ist. Der Zutritt zu diesem Gottesdienste, der nach dem Vorbilde und im Umfange der Gememdegottesdienste abgehalten wird, erfolgt auf Grund unentgeltlich ausgegebener Karten, deren Verteilung tunlichst im Wege der Jugendorganisationen vorgenommen wird. Die Ausgabe von Einzelkarjen an Jugendliche erfolgt im Jugendreferat, I., Seitenstettengasse 2, I. Stock, von 9 bis 1 Uhr mittags. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde' Wien. Z. 626 ex 1931. Kundmachung. Es wird hiemit im Einvernehmen mit dem ehrw.. Rabbinate der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bekanntgegeben, daß die Fleischbank des Herrn Emil Spuller, XVI., Lindauergasse 24, ab 1. September 1931-unter Aufsicht der Israelitischen Kultusgemeinde Wien steht. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. . Festpredigt in der Bezirks-Synagoge, II., Pazmanitengasse 6. Freitag, den 4. September 1931, wird bei dem um 6 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in der Bezirks-Synagoge, II., Pazmanitengasse 6, eine/Festpredigt anläßlich des Gedenktages der Einweihung, der Synagoge (Rabbiner Dr. Z. Taubes) abgehalten. Austritte aus dem Judentum Läufer Anton, 19. Oktober 1904, IX., Währingerstraße 2; Fink Leopold, 18. Mai 1910, XVI., SpeckbacR^fgasse 35; Weinberger Aron, 5. Jänner 1903, VII., Schottenfeldgasse 89; Sieber Alfred, 23. August 1890, II., Förstergasse 7; Großmann Adele, 16. August -1917, XX., Stromstraße 69; Spiegel Albert, 19. Februar 1895, VIII,, josefstädterstraße 105; Schick, geb. Auguste Gumseil, 11. Jänner 1901, Hadersdorf-Weidlingau. Friedländer & Deutsch Wien. I., Seitenstettengasse Hr. ** Tel. D 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Toi, Tel. ü 18-0u8& Grabsteine •i EINLADUNG zum Gratisbezug eines Taschenkalenders 5692 mit Gebeten JUd.-Hebr. Buchhandlung L. D. Hirschler & Cie. Wien, I. Rabensteig 6 Telephon U 28-7-45 Seiden- und Woll-Talessim, Machsorim, Judaica, Hebraica, Zionistica; ferner Goldstickereien und sämtliche Kultusgegenstände. j üdisdkei Malender Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Oesterreich, Wien, 1., Kärntnerstraße Yinkdstein, Wien, L, Kärtnerstraße Nr. 2ß. — 1%$: «laug*. V/w, VU*, l*e#^ü$derstiaß* Nr.’X | September 1931 Elul 5691 4 Freitag 22, 5 Samstag 23. 6 Sonntag 24, Mlohet 7 Montag 25, 8 Dienstag 26, 9 Mittwoch 27. Ll Donnerstag 28,