Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 188 (13.8.1931)
- Date
- 1931-08-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 8 DIE STIMME Nr. 188 — 13. August 1931 lltferatf nr / Kunsi/Iheaier Neuerscheinungen jüdischer Musik . .arco Rothmäler: Drei palestinensische Volkslieder (för sollten Chor); Sclia, stiil! (für gemischten Chor). Es ist immer freudig zu begrüßen, wenn auf dem dürren Gebiete künstlerischer Bearbeitungen von Volkshedern für Chor etwas Neues erscheint, um so mehr, wenn solche Bearbeitungen vo-j einer kundigen Hand genaht werden. Marco R o t!i m ü i 1 e r, der bekannte Dirigent des jüdischen Gesangvereines, ein Schüler Alban Bergs, hat alle Voraus- .se‘-.'"im •«. kf^tlersche Bearbeitungen zu Schaffen, i'.io jeder jüdischen Gesrngvcrin'gung wärmsier.a zu empfehlen sind. Die Begleitung ist nicht überladen, die po yrnoinsctie Ausnützung k.augi eher c.toraier Möglichkeiten verrät den ausgezeichneten Musiker und erfahrenen Chordirigenten. Das «Scha, still!» ist eine köstliche Filigranarbeit. Von den drei palästinensischen Volksliedern (Moladeti, Pakad Adonaj, He! Chaluz) dürfte das letztere die größten Erfolge haben; es braust und sprudelt hier alles in ungehemmter Lustigkeit und jenem frohen Gemüt, das in den Liedern der Diaspora leider nicht zu finden ist. Hoffentlich hören wir in der nächsten Saison diese prächtigen Bearbeitungen des öfteren. J. Woifsohn. (Büdierstfiau „Der Kampf der Juden um ihre Zukunft". In den nächsten Tagen erscheint im Jüdischen Verlag, Berlin W 50, der zweite Band von Ruppins „Soziologie der Juden" (in Leinen RM. 14.—, in Halblcder RM. 18.— pro Band). Während der erste Band „Die soziale Struktur der Juden" einen Querschnitt durch das Judentum der Gegenwart gegeben hat und als eine umfassende Enzyklopädie des zeitgenössischen Judentums gelten kann, behandelt der zweite Band die Strömungen und Bestrebungen im Weltjudentum, den drohenden Untergang der Juden aufzuhalten oder zu verhindern. Ruppin behandelt im ersten Abschnitt ausführlich den Kampf um die Glelch- Berecbtigung, um Minderheitsrechte und den Kampf gegen den Antisemitismus. Im zweiten Abschnitt werden die wirtschaftlichen Kämpfe ln West- und Osteuropa und in Amerika dargestellt, im dritten Abschnitt die Bestrebungen zur körperlichen Ertüchtigung der Juden. Der vierte Abschnitt ist der Darstellung der geistigen Strömungen im Judentum der Gegenwart gewidmet. Er geht auf die Assimilationserscheinungen, auf den Zerfall der Sprachgemeinschaft, auf die Verdrängung jüdischer durch weltliche Bildung und auf den Niedergang der Jüdischen Religion ein. Dann werden die Gegenströmungen gegen diese zentrifugalen Tendenzen, nämlich die Bestrebungen zum Ausbau der jüdischen Gemeindeorganisation, zur Erhaltung von Religion und Tradition und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls überhaupt, sowie die Bildung neuer Jüdischer Zentren eingehend geschildert. Der fünfte Abschnitt gibt einen trotz seiner Knappheit ungemein instruktiven und lebendigen Ueberbllck über Geschichte und Leistungen des Zionismus, Uber die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Palästina und über den Standpunkt der Araber und der Juden. Im letzten Abschnitt „Die Zukunft der Juden" wird dann schließlich der Wert der Juden für die Weltkultur, ihre speziellen Kulturaufgaben für die Zukunft dargestellt und die Frage „Fortbestand oder Untergang?" beantwortet. — Der zweite Band der „Soziologie der Juden“, geschrieben von dem hervorragendsten Kenner des zeitgenössischen Judentums, wird voraussichtlich eine starke Wirkung auf alle jüdischen Parteien und Richtungen im Judentum ausüben, ebenso auch auf alle Nichtjuden, die sich mit dem Jüdischen Problem befassen, das heute brennender ist als je. Von Simon Dubnowt „Geschichte des Chassidismus" erscheint jetzt im jüdischen Verlag, Berlin, der zweite Band, mit dem das Werk vollständig vorliegt. Professor Dubnow, der Verfasser der zehnbändigen „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“, gibt in diesem Werk die erstfi zusammenfasaende historische Darstellung des Chassidismus, der wichtigsten religiösen Bewegung im neuzeitlichen Judentum. Er vollendet damit eine in seiner Jugend begonnene Arbeit, für die er ein immenses; meist handschriftliches, vielfach« bisher unzugängliches Urkundenmaterial verwertet hat. Die chassldischo Lehre erscheint jetzt durch dieses streng wissenschaftliche Werk Prof. Dobnows ln einem ganz neuen Licht (Preis pro Band in Leinen RM. 12.—, ln Halbleder RM. 15.—). Thomas Mann über Palästinaaufbau und Zionismus. Thomas Mann, der sich gegenwärtig in der litauischen Sommerfrische Niden aufhält, erklärte in einem Gespräch mit dem Kownoer J. T. A.-Vertreter, er stehe dem Gedanken der Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina mit voller Sympathie gegenüber. Im weiteren Verlaufe des Gespräches teilte Thomas Mann dem J. T. A.-Vertreter mit, daß er gegenwärtig an einem neuen Roman «Joseph und seine Brüder» arbeite. Um Studien zu diesem biblischen Thema zu machen, habe er seinerzeit eine Reise nach Palästina unternommen und dem jüdischen Leben in diesem Lande seine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Das Werk der Chaluzim, die wahre Idealisten seien, habe auf ihn einen außerordentlich tiefen Eindruck gemacht. Ehrung für Dr. Zamenhof Krakau. (J. T. A.) Am 1. August wurde in Krakau der Internationale Esperantistenkongreß in Anwesenheit von 1000 Delegierten aus 40 Ländern feierlich eröffnet. Im Rahmen der Eröffnungssitzung wurde eine Gedenkfeier für den Begründer der Bewegung, den jüdischen Arzt Dr. Ludwig Zamenhof, abgehalten. Anläßlich des Kongresses hat der Krakauer Stadtrat beschlossen, eine Straße in der Stadt nach dem Schöpfer der Esperantosprache Dr. Zamenhof zu benennen. Am 6. August fand die feierliche Enthüllung einer Zamenhof-Gedenktafel an einem Hause der in Zamenhof- Straße umbenannten Niecala-Straße statt. Mohammedaner und der Spruch der Klagemauerkommission Wie die arabische Presse mitteilt, soll Ende August eine mohammedanische Konferenz einberufen werden, um zu den Beschlüssen der internationalen Klagemauerkommission Stellung zu nehmen. Als Einberufer der Konferenz zeichnet der Oberste Moslemitische Rat. In aller Kürze Bei den Ersatzwahlen in den engeren Senat der Berliner Universität für das neue Amtsjahr wurde Professor James Goldschmidt zum Dekan der juridischen Fakultät gewählt. » Die Stadtgemeinde von Sofia hat für die jüdischen Schulen der Stadt eine Subvention von einer Million Lewa bewilligt. Der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in der Türkei, Bitscharano Effendi, der sich um die türkische Judenheit große Verdienste erworben hat, ist g<|torben. * Der bekannte «Kremenetzer Raw», Rabbi Hillel Jizchak Rappaport, der sich großer Verehrung seitens der jüdischen Bevölkerung erfreut hat, ist im Alter von 45 Jahren gestorben. Die Kantoner Regierung hat den jüdischen Berufsoffizier Morris Abraham Cohen zum Generalbrigadier ernannt. * Dr. Emil Warburg, ehemals Professor der Physik an der Berliner Universität, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Lebensversicherungs- Gesellschaft PHONIX GEGRÜNDET IM JAHRE 1882 Versichernngabeatand p«i Ende Juni 1980 ........ .2500 Millionen Schilling (jaraiiMeniittei yei Knu» 1929 . 800 Millium*» Schilling Prämienand Zinueneinniilimen im Jahre 1929 19b Millionen Schilling Auasahlungen au die Veraicherten im Jahre 1929 ..... . 28*/, Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet det fieaellachaft: Oesterreich. Deutsches Reich. Tschechoslowakische Republik, Belgien. Holland. Frankreich. Spanien. Italien. Ungarn. Polen. Jugoslawien. Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten. Pi« Gesellschaft schließt su billigen Prämien und günstigen Bedingungen Kapitals* und üentenveraicherungen jeder Art ab HenelwgefBhrti KINDER-VERSORGUNQS-VBRSICHERUNQ (Auszahlung eines Kapitals bei Verheiratung, Studien beit rag. Rückerstattung der elngezahlten Prämien bei Ableben des Kindes) Inraliditfttnreraichemng (Zahlung emei Rente bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit und Auszahlung des versicherten Kapitals nach reijlbriger Dauer der Invalidität) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Die Nachricht von einer in jüdischen Kreisen Polens, Ungarns und Amerikas einsetzenden Bewegung zur Boykottierung von Ethrogim aus Griechenland hat unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis große Unruhe hervorgerufen, weil befürchtet wird, daß dies ein neuer Anlaß zu antisemitischen Kundgebungen sein werde. * Auf dem Frankfurter Israelitischen Friedhof wurde von unbekannten Tätern ein Opferstock erbrochen. ♦ Die jüdische Kooperativbank «Unitas» in Warschau hat ihre Zahlungen eingestellt. ♦ Die Tatsache, daß bei den Warschauer Gerichten In letzter Zeit kein einziger jüdischer Referendar angestellt wurde, hat dazu geführt, daß Maßnahmen erwogen werden, diesem offenkundigen Boykott der jüdischen Juristen zu begegnen. Die Leiter der amerikanischen Palästina-Kampagne haben ein Manifest an die jüdische Jugend Amerikas erlassen, in dem sie die jüdische Jugend auffordern, sich als freiwillige Mitarbeiter einer Haussammlung für die Palästina- Kampagne zu melden. * Die Erkrankung des Führers der liberalen Partei Englands, David Lloyd George, gibt zu der Befürchtung Anlaß, daß er nicht mehr ins politische Leben zurückkehrea könne, ln diesem Falle wird damit gerechnet, daß Sir Herbert Samuel die Führung dieser Partei übernehmen werde. * Der kürzlich verstorbene amerikanische Bankier Jesse Winburn, ein getaufter Jude, hinterließ ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar. Davon vermachte er 125.000 Dollar verschiedenen kirchlichen Institutionen und 25.000 Dollar der Emanu-El-Bruderschaft in New York City. * Lord Reading, der ehemalige Vizekönig und Generalgouverneur von Indien, vermählte sich am 6. August mit Fräulein Stella Charnaud, seiner früheren Sekretärin. Austritte aus dem Judentum Bruck Franz, 27. Oktober 1900, VI. Mariahilferstraße I; Schubert geb. Karoline Schwarz, 17. November 1862, XX, Angerergasse 13; Fischer Ilona, 29. Juli 1907, II., Czerningasse 14; Thiemann Elisa, 4. August 1909, XVII., Bergsteiggasse 44; Brück geb. Julianne Reiß, 6. Juni 1898, Vl., Ma» riahilferstraße 15; Brück Nadja Susanna, 11. August 1926, VI., Mariahilferstraße 15; Freund Hans, 8. September 1907, XVII., Eltcrleinplatz 6; Kellner Josef Jakob, 19. Jänner 1900, II., Praterstraße 22; Hermann Anna, 29. März 1890, VI., Grabnergasse 10; Schiling Regine, 2. Februar 1910, II., Sterneckplatz 6; Steiner Ernst, 1. |unl 1907, XXL, Neustraßäcker-Siedlung 22; Langfelder Gertrud, 15. April 1908, VIII., Josefsgasse 12; Schwarz Louis, 21. Dezember 1893, II., Schöllerhof 7; Drelinger Walter, 17. November 191$ II., Böcklinstraße 80; Berger Heinrich, 21. August 1894, XIV., Ortnergasse 3; Wolf Rudolf Seligmann, 10. Juni 1881, XIII., Dicsterweggasse 7; Freiberger geb. Alice Perlsee, 24. Juli 1876, XVII., Lorenz-Bayer-Platz 5. | Jüdisdker Maiendet 3 I August 1931 Elul 5691 i 14 fl Freitag •J Rosch-Chodaach i15 Samstag 2« | 16 Sonntag 8. l 17 Montag 4* i« Diensag 5, I19 Mittwoch 6* i 20 i oHHü Donnerstag naifffIMIItfllfflMIIIMHUH 7* Hebräische Schreibmaschinen Arbeit u. Vervlelfä.tigen (auch Deutsch) sorqfältlg und I — XX., Jägerstraße Nr. 69 Grabsteine Friedländer & Deutsch Wien. I.'belteneietteagasse Nr.t Tel. Ci 28-1-28 XI., Zentraltriedhof, neben dem i. loi. Te» U 18-0-88 lllllllillllllllllllllll iinumiiiini ii KINDERWAGEN von « 20.- aufwärts direkt beim fr »eurer XX, WAIUNSTBINPIAU 1 III, OAftiCHO.4 (Ecke Hwpttti IN) XX,Kloftern«uburserstr.01 // fcigentumer, Verleget und Herausgeber: Zumwtievhei LäuUntverhand für Oesterreich. Wien, (., Käriunerstralk Nr. 28. — Verantwortlicher Redakteur; Dr. Stumutw* FinkeJatcin, Wtea, L, Kärtner»Vaße Nr. 28. — Druck: «lnva», Wien, VIL, Lerchenteldvratraße Nr. 1. s I