Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 177 (28.5.1931)
- Date
- 1931-05-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE Nr. 177 — 28. Mai 1931 Grabsteine Friedländer & Deutsch Wien. I., Seitenstettengasse Nr. 2 Tel. U 28-1-28 XIM ZentralfriedJiof, neben dem t. Tor. Tel. 0 18*9-85 Zur Kalender reform Wenn eine Regierung umgebildet oder durch neue Mitglieder ergänzt wird, so teilt man das der Oeffentlichkeit unter Nennung der neuen Personen mit, da man doch allgemein wissen muß, wem die Volksinteressen anvertraut sind. Analog ist es bei jeder Korporation der Fall. Man beachte dagegen die offizielle Mitteilung über die Umbildung, respektive Erweiterung des jüdischen Kalenderreformkomitees, das ja die wirtschaftlichen Interessen von Millionen Juden vertreten soll. Es wird mitgeteilt, das Komitee sei durch drei neue Mitglieder erweitert worden. Namen werden nicht genannt; nur bezüglich einer Person wird eine Funktion des Betreffenden (Vorsitzender eines Verbandes) erwähnt. Hinsichtlich des Genannten muß ich bemerken: Wenn es derselbe ist, der schon im August v. J. Vorsitzender war, so trägt er die Mitverantwortung für seitens des betreffenden Verbandes in Sachen der Kalenderreform beim Völkerbund begangene Fehler. Wer sind nun die anderen? Sogar wenn das Komitee bis jetzt seine Aufgaben in geschicktester Weise erfüllt hätte, wäre es zu einer derartigen, einer Bevormundung gleichkommenden Vorgangsweise nicht berechtigt. Wichtig ist, daß seit der Neukonstituierung schon zwei Wochen vergangen sind. Auch wird in der offiziellen Mitteilung von der Teilnahme einiger namhafter Persönlichkeiten an der betreffenden Konferenz gesprochen. Vielleicht entschließt man sich, die namhaften Persönlichkeiten namhaft zu machen? Wesentlich anders wird die Neubildung von einem Wochenblatt dargestellt: Es spricht von einer Ausgestaltung zu einem Exekutivkomitee eines Rates der Judenheit. Aber da drängen sich Fragen auf, u. a.: Trifft die letzte Nachricht zu, warum kommt es nicht in der offiziellen Mitteilung zum Ausdruck? Eilt sie den Ereignissen voraus — wann werden die Ereignisse folgen? Marcus S i 1 b e r s c h a t z. Jüdischer Sport fußboll Hakoah enttäuscht im Pfingstturnier. Blamable Niederlage am Sonntag. — Halber Erfolg gegen B. A. C. Das Pfingstturnier am Rapid-Platz war wegen der hochsommerlichen Hitze nur sehr schwach besucht, es hatten sich an beiden Tagen nur je 3000 Zuschauer eingefunden, die vom Gebotenen nicht gerade begeistert waren. Die fürchterliche Hitze drückte sichtlich das Niveau der Spiele und die Stimmung wer auch demgemäß sehr flau. Für die Hakpeh fiel diese Veranstaltung nicht nur finanziell, sondern auch sportlich sehr mager aus. Am ersten Tage wurde sie von dem keineswegs überragenden F. C. Wacker-München 5:1 (1:0) geschlagen. Die Hakoahner, die in äußerst schlechter Verfassung an den Start gingen, hatten gewiß auch gegen einiges Mißgeschick anzukämpfen. Bereits in der 10. Minute wurde Amster verletzt und wurde durch den gerade jetzt sehr mäßigen Ersatzmann Berson, der überdies auf dem ungewohnten rechten Verteidigerposten spielen mußte, in keiner Weise ersetzt. Außerdem wurde Donnenfeld, der agilste Stürmer, verletzt und konnte nach zeitweiligem Ausscheiden nur statieren. In Anbetracht der großen Hitze war das sicherlich ein schweres Handikap. Alle diese Umstände hätten wohl eine ehrenvolle Niederlage erklärlich erscheinen lassen, können aber keineswegs als Entschuldigung für dieses beschämende Debakel angeführt werden. Angesichts der Unzulänglichkeit der Verteidiger wäre es Sache ihrer Vorderleute, der Halfs und der Verbindungsstürmer gewesen, rückwärts auszuhelfen. Eine kämpfende Mannschaft darf in fünf Minuten keine drei Tore bekommen, dies ist nur bei einer so sträflichen Indolenz, wie sie einige Hakoahner an den Tag legten, möglich. Ein Professional hat die Verpflichtung, sein Bestes zu geben. Ein jüdischer Professional hat die Verpflichtung, bis zur Erschöpfung zu kämpfen, um ein derartiges Debakel zu verhindern. Es wird Sache der Hakoah-Leitung sein, den beiden Spielern, die Sonntag durch ihr aufreizend nonchalantes Spiel ihre Kameraden infizierten, den Standpunkt klar zu machen. Das Debüt Druckers verlief am ersten Tag sehr eindrucksvoll. Seine gute Leistung verdient angesichts der geschilderten Umstände doppelte Anerkennung. Am zweiten Tage war er etwas schwächer, aber immer noch besser als alle anderen (mit Ausnahme Oppenheims). Mermelstein konnte seinen Befähigungsnachweis noch nicht erbringen. Er bot an beiden Feiertagen schwache Leistungen, doch muß man angesichts der katastrophalen Leistungen seiner Nebenleute, die die Parodie eines Stürmerspieles vorführten, in seiner Beurteilung noch vorsichtig sein. Am ersten Tage konnten mur Drucker und Piaczek, sowie zeitweise Mausner gefallen. Am zweiten Tage erschien die Mannschaft unter eisigem Schweigen der Zuschauer auf dem Felde. Als aber der brave Scheuer erschien, der sich für den verletzten Amster zur Verfügung gestellt hatte, wurde er mit großem Jubel begrüßt. Diese Ovation war vielleicht nicht nur an Scheuers Adresse gerichtet, es war eine Begrüßung des alten unverwüstlichen Hakoah-Kampfgeistes, dessen Repräsentant eben der alte Scheuer ist. £ine hervorragende Leistung bot Oppenheim, der der beste Mann im Felde war. Scheuer war der bessere Verteidiger, ließ sich aber gegen Schluß von Berson vertreten. In der Halfreihe glänzte Drucker durch gutes Zuspiel, fiel aber begreiflicherweise gegen Schluß zurück. Piaczek war gut wie immer und Stroß diesmal ambitioniert und deshalb auch besser. Im Sturm wurde Katz, der einen guten Tag hatte, in der 30. Minute verletzt, schied für kurze Zeit aus und wurde nach Halbzeit durch den Reservespieler Wettstein, der bereits im Vorspiel mitgewirkt hatte, überraschend gut ersetzt. Der kleine Mann zeigte sehr vernünftiges und effektives Spiel. Mausner war schwächer als am Vortage und Mermelstein konnte wieder nicht überzeugen. Heß war nicht ganz so schlecht wie am Sonntag, Ehrlich schwach. Hakoah wurde vom Schiedsrichter benachteiligt, der einen unberechtigten Elfer diktierte, der zum Ausgleichstor der Brigittenauer führte. Nachstehend kurz die Berichte. Wacker-München — Hakoah 5:1 (1:0). Hakoah hat einen schwachen Start und die Gäste finden einige gute Torchancen, die sie aber nicht verwerten können. Drucker bringt den Angriff durch wunderbare Paßbälle in Front, doch scheitern die meisten Aktionen durch das ungenaue Zuspiel Heß’. Donnenfeld macht, sich durch wuchtige Durchbrüche bemerkbar, flankt .aber viel zu scharf. In der 10. Minute wird Amster verletzt und scheidet aus. Nach fünf Minuten tritt für ihn Berson ein, der sich nicht zurechtfinden kann. Hakoah wird offensiv, ein klares Hands im gegnerischen Strafraum wird nicht gegeben. Mausner spielt Mermelstein frei, doch dieser vergibt. Donnenfeld wird mehrmals gefoult und muß in der 35. Minute wegen einer Knöchelverletzung ausscheiden. Gleich darauf verliert Heß durch eine unnötige Spielerei den Ball, der Gegner bricht durch und erreicht die Führung. Donnenfeld tritt wieder ein, kann aber infolge seiner Verletzung nur statieren. Nach Halbzeit hat Mausner nach einer gemeinsamen Aktion Donnenfelds und Mermelsteins eine prächtige Ausgleichschance, die er aber nicht ausnützen kann. Nun kommen die Münchner wieder in Front. Durch das schwache Spiel der rechten Seite (Donnenfeld ist verletzt, Heß geht spazieren) kommen die Gäste immer wieder vor. Da sie bei Stroß keinen Widerstand finden und Berson nicht zu sehen ist, erzielen sie mühelos in der 15. Minute den zweiten Treffer und erhöhen in der 20. Minute nach einem Fehler Oppenheims den Vorsprung. Die Hakoahner spielen eine klägliche Rolle und müssen gleich darauf ein viertes Tor einstecken. In der 30. Minute fällt der fünfte Treffer. Die Gäste sind hoch überlegen. Erst gegen Schluß kommen die Hakoahner etwas auf und erreichen in der letzten Minute durch Mausner den Ehrentreffer. Schiedsrichter Pruschina. Hakoah — B. A. C. 2:2 (2 : 1). Die Hakoahner legen sich diesmal etwas energischer ins Zeug und arbeiten einige gute Chancen heraus. Ein Korner Katz’ geht an die Stange, der Nachschuß Mausners prallt von einem Gegner ab. In der 15. Minute skort Mausner nach einer Flanke Ehrlichs. In der 29. Minute wird Katz verletzt und scheidet aus. Die Brigittenauer nützen die numerische Schwächung aus und stellen das Spiel ein (30. Minute). Zwei Minuten später bricht Mermelstein durch und placiert in die Ecke. Nach Halbzeit kommen die Brigittenauer auf, Stroß attackiert den Linksverbinder hart an der Strafraumgrenze und Herr Jannak verhilft den 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 ■■ Lebensversicherungs- ÖLJ A Kl I \f Gesellschaft i llUINIA GEGRÜNDET IM JAHRE 1883 Versicherungsbestand per Ende Juni 1930 .. 2500 Millionen Schilling Garantiemittel per Ende 1929 ... . 300 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnabmen im Jahre 1929 . 125 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 ...... 28Millionen Schilling % Tätigkeitsgebiet der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland. Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten. Die Gesellschaft schließt zu billigen Prämien und günstigen Bedingungen Kapitals- und Rentenversicherungen jeder Art ab Neueingefflhrt: KINDER-VERSORGUNGS-VE RSICHERUNG (Auszahlung eines Kapitals bei Verheiratung, Studienbeitrag, Rückerstattung der eingezahlten Prämien bei Ableben des Kindes) Invaliditätsversicherung (Zahlung einer Rente bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit und Auszahlung des versicherten Kapitale nach dreijähriger Dauer der Invalidität) nnnrrjnnnri^iTirrirniT 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Brigittenauern durch einen Elfer zum Ausgleich. Scheuer springt aus und wird durch Berson ersetzt. GegCn Schluß geht ein Freistoß Mausners an die Stange. Jn der zweiten Halbzeit spielte Wettstein mit gutem Erfolge für Katz auf dem linken Flügel. Schiedsrichter Jannak. . Aufstellung am Sonntag; Oppenheim; Feldmann, Amster (Berson); Piaczek, Drucker, Stroß; Donnenfeld, Heß, Mermelstein, Mausner, Katz. Aufstellung am Montag: Oppenheim; Feldmann, Scheuer (Berson); Piaczek, Drucker, Stroß, Katz (Wettstein), Mausner, Mermelstein, Heß, Ehrlich. Sp. Vorbereitung der Makkabiah. Vor kurzem weilten Dir. Loewy, Vorsitzender des Rumänischen Makkabikreises, und Arthur Herzog, Vorsitzender des Makkabikreises der Tschechoslowakei, in Berlin, um mit dem. Präsidium des Makkabi-Weltverbandes wichtige mit der. Makkabiah .zur sammenhängende Fragen zu besprechen. Die Anmeldungen zur Makkabiah in diesen beiden Ländern steigen dauernd, so daß eine Gesamtmindestbeteiligung von 1000 Sportlern und Turnern gesichert erscheint. Europatournee palästinensischer Makkabitn. — Stadionbau ln Tel-Avlv. In diesen Tagen verließ eine Gruppe palästinensischer Makkabim auf Motorrädern und mit einem Automobil Jaffa, um sich zur Propaganda der Makkabiah auf eine Tournee durch Europa zu begeben. Die Gruppe fährt per Schiff nach Saloniki und von dort durch Bulgarien; Jugoslawien, Oesterreich, Süddeutschland nach Paris,: wo ein feierlicher Empfang beim Palästinä-Pavillön der Kolo* nialausstellung vorgesehen ist. Von dort begibt 'sich';: die Gruppe nach England, wo große Vorbereitungen für jbreji Empfang getroffen werden. Die Vertreter des palästinensischen Makkabi, die ihre Reise unter dem Protektorat de* Makkabi-Weltverbandes machen, werden gleichzeitig eine. Bausteinaktion des Weltverbandes zum Bau eines Stadion* in Tel-Aviv durchführen. Amtliche Verlautbar ungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Z. 3373. Wien, 27. Mai 1931. Neuerliche Stellenausschrelbiidg. Bei der Israelitischen Kultusgemqinde Wien gelangen in nächster Zeit Schächterstellen zur Besetzung. Bewerber, welche die volle ^körperliche Eignülig" besitzen, auf eine Tätigkeit in gleicher Eigenschah jn Gemeinden hinweisen können, wollen ihre Gesuche, riebst Befähigungszeugnissen niJ^Tin und IT)/ÜD von mindestens drei orthodoxen Rabbinern, unter NäChWfciß . bisherigen Verwendung und Angabe ihres Lebenslaufes bis längstens 20. Juni 1931 an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, 3. Stock, Amtsdirektion, gelangen lassen. Bei entsprechender Qualifikation kommen in erster Reihe österreichische Staatsangehörige für die Anstellung in Betracht. ...... Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. (Nachdruck wird picht honoriert.) Es ist zur Kenntnis des Vorstandes gelangt, , daß unter Gemeindemitgliedern das Gerücht verbreitet wurde, daß die zur Vornahme von rituellen Waschungen bestellten Organe der Israelitischen Kultusgemeinde nicht den für dieses Amt geforderten strengen religiösen Lebenswandel führen. Der Vorstand sieht sich veranlaßt, diesen das Ansehen der Gemeinde schädigenden Gerüchten entschieden entgegenzutreten. Es wurde stets darauf geachtet, für solche Funktionen nur Personen zu bestellen, welche auch den strengsten religiösen Anforderungen der Gemeihdemitgheder voll und ganz entsprechen. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Am Samstag, den 3Ö. Mai 1931, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Austritte aus dem Judentum Braun Alfred, 18. Juli 1902, III., Schlachthausgasse 18; — Kris Roseda, 5. Juli 1905, III., Kegelgasse 25 — Müller Theodor, 11. März 1899, XVIII., Exnergasse 3. — Taubtief Venetlana, 21. Oktober 1897, II., Ferdinandsstraße 20. —. Walter Ida Marie, 2. Dezember 1894, XIII., Meyleissgasse 18. — Adler Emil, 6. November 1899, XVIIL, Hofstadtgasse 13. — Roseuspitz Friedrich, 29. August 18.78, XIII.f Hietzinger Kai 181, — Großmann Hugo, 16. Mai 1870,:VL» Stumpergasse 23. — Schräger Lidya, 25. Mai 1909, &VIL;:Anastasius Grüngasse 38, — Wieder geh. Berta Wertheimer, 23,? September 1880, IIL, Reisnerstraße 36. — Wieder geb. Flora, &.Qktober 1901, HL, Reisnerstraße 36. — Fischl Renee, 6.-Dezember 1904, IV., Johann-Strauß-Gasse 49.—- Röksch Robert, 27. August 1904, XVL, Grundsteingasse 64. -r* Kornltzer Otto, 24. März 1906, XX., Dammsträße 21. -— FrSnklKäthe, 17. Mai 1907, I., Franz-Josef-Kai 17. — Weiß Elsa, 13. August 1897, VI., Rahlgasse 2. KINDERWAGEN von S 26.— aafwilrtBdIrekt beim £r*9l<g«f ’inpnp XX, WALLENSTeiNPlAT? 3 1 nrnll Ul. baricho,4 (EckeHwptsti. 108> XX,Klo«terneuburgeritr.91 fTt-Töm iii'flmmwwni Bernhard Kohn j^T WIEN, I.. HIMMELPFORTGASSE 20 KLAVIERE In allen Pralelegen, neu vonß 1440 en Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Oesterreich, Wien, I., Kärntnerstraße Nr. 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Sigmund Fmkeistein, .Wien, L, Kärtnerstraße Nr. 28, — Druck: «Inva», Wien, VII., Lerchenfelderstraße Nr, 1.