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Die Stimme · 1931-05-21 · Heft 176 (21.5.1931) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 176 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 176 — 21. Mal 1931 DIE STIMME Seite Tf sang mit klangvollem, gutgeschultem und tragfflhigem Tenor neben jüdischen und hebräischen Liedern auch eine Arie aits «Rigolelto» in hebräischer Sprache und erntete verdienten Beifall. Auch die bekannte Opernsänaerin Fräulein Nöfä Dauber entzückte durch ihren glockenhellen Sopran uhd durch die musikalische Wiedergabe jiddischer Volkslieder. Herr Dr. Siegfried Seidner, ein Meister auf der Oboe, und Präulein Gerda Kreitfer, eine hochbegabte junge Pianistin, fügten sich ausgezeichnet in den Rahmen dieses gefüitjgenen Abends ein, dessen künstlerische Leitung in den bewährten Händen von Frau Pia Klein lag. «Voruntersuchung» fm Apollo. Das weltberühmte Theaterstück von Dr. Max Alsberg, das in dieser Saison einen Siegeszug Über die führenden Bühnen Europas feierte, wurde nunmehr von der Ufa (Erich-Pommer-Produktio«) verfilmt. Man darf es behaupten: der Film ist zumindest ebensogut wie das Schauspiel. Die Regie Siodmaks brachte das. Kunststück zustande, das Publikum innerhalb eineinhalb Stunden in sich immerwährend steigernder Spannung zu halfen und ihm einen erlesenen Kunstgenuß darzubieten. AÖe Darsteller, insbesondere Bassermann als Landgerichtsrat, Fröhlich als Student Fritz Bernt und Falkenstein als Buchhalter Scherr, schufen unvergleichliche Typen. Del Film hatte großen Erfolg, den er in vollstem Maße verdient. David ßelasco, der Nestor des amerikanischen Theaters, gestorben. In New York verstarb kürzlich im Alter von 72 Jahren der hervorragende Theaterdichter und Theaterleiter David Belasco, den man den «Nestor des amerikanischen Theaters» nannte. David Belasco wurde 1859 in San Francisco als Kind aus England eingewanderter jüdischer Eltern geboren, war zuletzt Regisseur von Baldwfas Grand Opera Hoiise und des Metropolitan Theaters in San Francisco, ging dann nach New York, wo er das Madteon Square Theatre, später das Lyceum leitete, bis er Eigentümer und Direktor des Belasco Theatre in New York wurde. Seine Stücke gingen über alle amerikanischen Bühnen, auch ais Regisseur und Theaterleiter wurde er tonangebend. Er verstand es, die besten amerikanischen Schauspielkräfte um sich zu scharen. Obwohl von einem katholischen Priester erzogen, blieb er dem Judentum treu und war Mitglied der Central Synagogue in New York und der Jewish Theatricai Ouild. Wintersemester 1930 31 an der Wiener Universität An der Wiener Universität waren im vergangenen Wintersemester 12.006 Hörer inskribiert (9055 Männer, 2951 Frauen), davon waren ordentliche Hörer: 10.852, außerordentliche Hörer: 1154. Unter den ordentlichen Hörern waren: Gesamthörerzahl Judea Juristen 3.176 558 Mediziner 2.793 917 Philosophen 4.4B6 701 10.455 2.176 (Katholische und evangelische theologische Fakultäten 397 Hörer.) Von den jüdischen ordentlichen Hörern sind: Inländer Ausländer Juristen 476 83 r; , ..Mediziner 528 389 . Philosophen 444 257 1448 72» Inländer: 1448 Ausländer: 728 2176 Technik. An der Wiener technischen Hochschule waren im vergangenen Wintersemester 3500 Hörer inskribiert, davon waren 367 Juden. Inländer: 253 (72 %) Ausländer: 114 Die abgebrannte Stadt Zum Besuche der Borsaer Hiifsdelegatlon ln Wien Es ist noch kein Jahr verflossen, seit die Judengemeinde Borsa in Rumänien von judenfeindlichen Huiigans durch böswillige Brandstiftung gänzlich eingeäschert wurde. Die Bestien in Menschengestalt haben innerhalb weniger Stunden 430 jüdische Wohnhäuser dem Erdboden gleiclhgemacht. Alles wurdezerstört, selbst die Bethäuser und die heiligen Thorarollen wurden ein Raub der Flammen. So wollten es die Jungen «Kulturträger», die cuzistischen Studenten. Ihre Opfer sind 213 jüdische Familien. 2100 jüdische Seelen irren schön fast ein Jahr auf freien Feldern herum, weSI sie eine unmenschliche Horde Im Verlaufe einiger Stunden ihrer ganzen Habe beraubt hat \Vohl hat die rumänische Regierung auf Interventionen maßgebender jüdischer Repräsentanten versprochem, den bedauernswerten Opfern Hilfe zu leisten, bis heute rüber nichts oder fast nichts für sie getan. Die Brandstifter, «die Henker so vieler jüdischer Opfer aber wurden von den rumänischen Justizbehörden freigesprochen. Die Schilderungen der augenblicklich in Wien weilenden Hilfsdelegierten sind grauenerregend. Die Edelsten und Mutigsten der zerstörten Judengemeinde haben es. unternommen, die Welt zu durchwandern, um ihren verzweifelten Brüdern Hilfe zu bringen; sie berichten vom unsäglichen Leid der Borsaer Juden, erzählen in schlichten, einfachen Worten. «Wir wissen wohl», meinen die Hilfesuchenden, «daß die wirtschaftliche Not in der ganzen Welt verbreitet ist .md es heute nicht sehr leicht fällt, anderen zu helfen. Angesichts dieses1 großen Unglückes jedoch, von dem eine ganze Gemeinde betroffen wurde, müßte jeder sein Möglichstes tun, um das Elend von 2000 Menschen zu lindem. Die große Not der Obdachlosigkeit und des Hungers hat Krankheit und Tod über unsere arme Judengemeinde gebracht. Wir appellieren an Sie, an das weltberühmte Wiener Edelherz und an das aller Oesterreich er; sie mögen doch auch diesmal helfen, da die Hilfe so not tut» Helfet nach Möglichkeit, Wer ein schützend!« Dach über teindm Haupt hat, denke an die Obdachlosen. Wter eine reichliche Mahlzeit hat, denke an die hungernden und darbenden Brüder. Seit dem großen Brande, der in Borsa von übermütigen Jünglingen entfacht wurde, ist bald ein Jahr verstrichen. Die Gluten sind schon längst erloschen, die Feuersbrunst erstickt, ift den Herzen aber von 2000 Seelen brennt noch heute ein tiefer Schmerz, der nicht erlöschen kann, ehe ihnen nicht Hilfe geboten wird. Dort brennt es noch immer und Rettung ist dringend notwendig. Rettet die brennende Stadt. Josef Grob. Spenden nimmt entgegen das Bankhaus M. Rohatyn, Wien, I., Maria-Theresien-Straße 7. Die Spenden werden in unserem Blatte ausgewiesen. (Red.) Sprechsaal der „Stimme“ (Für die Mitteilungen, die in dieser Rubrik erscheinen, Übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Von einem Leser unseres Blattes erhalten wir folgende Zuschrift: Die Besucher des neuen israelitischen Friedhofes müssen den bei Regen tder Hitze und für gebrechliche Personen besonders beschwerlichen weiten Weg vön der Endstation des 7ler-Wagens bis zu dem einzigen Eingang beim neuen Haupttor entlang der langen Einfriedungsmauer machen und innerhalb des Friedhofes, zum Besuch der älteren Gräber, nahezu denselben Weg wieder zurückgehen, obwohl am Beginn der Einfriedungsmauer eine Türe besteht, die direkt zu diesen Gruppen führt. Diese Türe wurde offenbar in der Absicht gemacht, diesen selbstverständlichen Eingang zu schaffen, ist aber stets zugesperrt. Wenn bei dieser Eingangspforte ein Invalider öder sonst Versorgungsbedürftiger placiert würde, würde dies, wenn überhaupt, so nur ganz unwesentliche Kosten verursachen, die in keinem Verhältnis zu der dem Publikum aufgebürdeten Last stehen L. W. Der jüdische Hochschüler Verband jüdischer Hochschüfer polnischer Staatsbürger in Oesterreich, IX., Berggasse 33, Cafö Metropol. In der am 9. Mai I. J. stattgefundenen IV. ordentlichen Generalversammlung wurden folgender Ausschuß gewählt: Präses: E. Hauser; Ausschußmitglieder: S. Rothmann, N. Katz, J. Heim, B. Katz, L. Biemer, L. Mazur, D. Ochs, N. Langiewicz. Der jüd.-akad. Philosophenverein veranstaltet am Samstag, dem 6. Juni, einen zweitätigen Ausflug in das Rax- Semmering-Gebiet in zwei Gruppen. 1. Abfahrt: Samstag, 6 Uhr früh, Südbahnhof (2. Abfahrt: Samstag, 17.40 Uhr nachm.). Rückfahrt: Sonntag, 9 Uhr abends. Führer: Koll. Judenberg. Anmeldungen und Auskünfte nur bis 2. Juni täglich von 1 bis 2 Uhr mittags im Sekretariat des J. A. P. V., IX., Zimmermannplatz 8, Tel. A 25-2-28. «Theologia», 11., Tempelghsse 3, Koll. cand. phil. et theol. Moses Landau hält am ersten Tage Schawuoth — Freitag, den 22. Mai — bei dem um 8 Uhr beginnenden Gottesdienste eine Predigt im «Kleinen Tempel», Tempelgasse 3. Koll. cand. phil. et theol. Adolf Keßler hält am zweiten Tag Schawuoth — Samstag, den 23. Mai — bei dem um 8 Uhr beginnenden Gottesdienste eine Predigt im «Kleinen Tempel», Tempelgasse 3. Jüdischer Sport rußball Hakoah—Hertha 3 :2 (2:1) Hakoahplatz. 1000 Zuschauer. Schiedsrichter Nemetz. Die Hakoahner boten in diesem Spiele eine sehr mäßige Leistung und konnten demgemäß auch nur nach hartem Kampfe siegen. Dieser Versager muß aber nicht besonders tragisch genommen werden, da die Mannschaft sicher mehr leisten kann, als sie Sonntag zeigte. Die Schwächung durch unzulängliche Ersatzleute machte, sich eben unangenehm bemerkbar, und da die übrigen Spieler sich wegen der bevorstehenden bedeutenden Spiele in diesem für die Meisterschaft ganz belanglosen Treffen sichtlich Reserve auferlegten, ist die schwache Leistung leicht erklärlich. In der Verteidigung konnte nur Amster restlos befriedigen, während sich Oppenheim und Feidmann schwere Schnitzer leisteten. Ein besonders krasser Fehler Oppenheims verursachte ein Tor und damit das Aufkommen der Hertha. Im Half konnte nur Piaczek entsprechen, während Stroß und namentlich Schock versagten. Im Sturm war Defris eine vollkommene Niete. Am besten gefielen hier Mausner und Donnenfeld. In der 26. Minute erreicht Donnenfeld die Führung und Heß erhöht nach zwei Minuten den Vorsprung. In der 36. Minute holen die Gegner ein Tor auf. In der 5. Minute nach der Pause fällt der Ausgleich, doch kann Donnenfeld in der 14. Minute durch einen Volleyschuß den siegbringenden Treffer erzielen. Aufstellung: Oppenheim; Amster, Feldmann; Schock, Stroß, Piaczek; Katz, Mausner, Heß, Donnenfeld, Defris. Hakoah spielt Donnerstag, den 2t. Mai, auf dem W. A. C.-Platz ihr fälliges Meisterschaftsspiel gegen Liberias. Da es sich um ein Revanchematch handelt, werden die Hakoahner in stärkster Aufstellung antreten. Drucker spielte vergangenen Samstag und Sonntag als Gast der Austria in Chemnitz und Leipzig. Speziell am zweiten Tage lief er laut Bericht zu großer Form auf, ein Beweis, daß unsere Nachricht von seinem verbesserten Stehvermögen auf Richtigkeit beruht. Hakoah bei den Pflngstspielen Die Hakoah tritt bekanntlich kommenden Sonntag und Montag im Pfingstturmer auf dem Rapidplatze gegen \Vakker-München und B. A. C an. Die Hakoahner werden diese Spiele in verstärkter Aufstellung bestreiten und gehen mit den besten Aussichten in den Kampf. Bei Redaktionsschluß steht einstweilen die Mitwirkung von Drucker und Mermelstein fest, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß noch weitere Verstärkungen einlangen. Drucker befindet sich in glänzender Verfassung und muß als kolossale Verstärkung gewertet werden. Sensationell kann das Debüt des hier noch unbekannten jungen Mermelstein, der im Stile Iszo Gansls arbeiten soll, werden. Mit dieser Veranstaltung tritt die Hakoah nach langer Zeit wieder vor die breite Sportöffentlichkeit und es ist zu hoffen, daß ein großer Anhang der Mannschaft den nötigen moralischen Rückhalt verleihen wird. Mit Rücksicht darauf, daß die Modalitäten des Klassen Wechsels noch nicht endgültig festgelegt sind, wäre es opportun, wenn die jüdischen Sportfreunde durch ihr zahlreiches Erscheinen bei dieser Veranstaltung den maßgebenden Fa/'o'en de« Fußballvefbandes einen Fingerzeig geben würden, wer für die erste Liga wertvoller wäre: Die Hakoah oder ein Provinzverein! H. Sp. Jüdischer Sport- und Schützenverein «Menorah», IX., Liechtensteinstraße 30, Souterrain. Zugang durch den Hof. Uebungsstunden, Auskünfte und Anmeldungen: Montag, 20 bis 22 Uhr; Mittwoch, 19.30 bis 22 Uhr; Samstag, nach Einbruch der Dunkelheit. Schwimmsport. Beim Schwimmfest des Touringklubs am 16. und 17. Mai im Dianabad gelang es der Hakoah wie auch den jüdischen Schwimmern aus der Tschechoslowakei neue Rekorde aufzustellen und schöne Siege zu erringen. Der erste Tag brachte einen neuen österreichischen Rekord über 200 m Uamenbrustschvvimmen, den Hedy Wertheimer (Hakoah) in der Zeit von 3:15.2 aufstellte. Im Damencrawl 200 m siegte Fritzi Löwv (Hakoah) vor Wunder (Leipzig) in der Zeit von 3:03.2. Getreuer (Bar-Kochba, Prag) wurde zwar von 'Paris (Paris) 2:17.4 geschlagen, stellte aber als Zweiter in der Zeit von 2:21.2 einen neuen tschechoslowakischen Rekord auf. Am zweiten Tage siegte Fritzi Löwy im 100-m-Damencrawl in der Zeit von 1:18.2 und Hedy Wertheimer in der Zeit von 1:30.2 im 100-m-Brustschwirnmen. Beide vor der deutschen Meisterin Wunder. Getreuer stellte wieder einen neuen Rekord über 400 in in der Zeit von 5:14 auf. Bei den Kämpfen um den Verbandspräsidentenpreis wurde die Hakoah mit 6 Punkten nach W. A. C. (10 Punkte) Zweiter. Bei einem Freundschaftsspiel am 17. gegen den W. A. C. unterlag zwar die Hakoah 3:4, aber die jüdische Mannschaft war der des Siegers ganz gleichwertig. CclßteitT? Fatnilicn-pcnsfon ResMion, KMidi täglich 5-Uhr-Tee 0E0K SEMMERING TELEPHON U Miiäligi .43 neben Hotel Panhans. Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U-27-6-24 Soeben NEU ERSCHIENEN: SALTEN: SCHILLING 5 Minuten Atneriiia, feinen 8*30 NEMIKOWSKI: DaVid Gelder PRINZ: Jüdische Geschichte B REH 31: Tierlehen, 150 Bilder Buchhandlung Josef Bell WIEN, L, RA BEN STEIG 3 10*80 18*— 8*60 JÜcM ausdrücklich abbestellte Abonnements gelten als Verlängert! |. Mai 1931 Siwan 5691 B 22 Freitag 6» tTag 8chawuoth I 23 Samstag 7, 2.Tag Schawuoth] I 24 Sonntag 8* fi 25 Montag 9. 1 26 Dienstag 10. fi 27 Mittwoch 11* | 28 Donnerstag «• Jeder Zionist verlangt im Kaffeehaus sein Parteiorgan „Die Stimme“

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