Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 174 (7.5.1931)
- Date
- 1931-05-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053928--2334-3057754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 174 — 7. Mai 1931 DIE STIMME Seite 11 ftlieratw r /Kunst/Theater Die Juden und* das Theater Wer sich über die Geschichte des jüdischen Theaters und über die Rolle der Juden im Theater überhaupt, informieren will, greife zum neuesten Heft der französichen Zeitschrift «Palestine, Nouveile RCvue Julve» (3 e anri6e, No. ICH 12). Es finden sioh dort ausgezeichnete Aufsätze über das Leben im Ghetto, Uber die Bedeutung der Purimfestspiele, über den Aufschwung, den das jüdische Theater seit ungefähr sechzig Jahren genommen hat, ferner darüber, wie europäische Theaterauffassungen allmählich auch ins Ghetto eindringen und hier beitragen, eine eigene jüdische Schauspielkunst zu schaffen. Und das war in den Anfängen, z. B. für einen Goldfaden, sicherlich nicht leicht, der vor einem Publikum spielen mußte, das nicht Kunst sehen, sondern lachen wollte. Aus der «Palestine Nouveile Revue Juive» erfährt man auch, wie die Juden, durch die letzten Kriegs- und Revolutionsereignisse endgültig aus der Ghettolethargie erwacht, die Jahrhunderte geistiger Absperrung überwänden und mit wunderbarem Elan ein Niveau der Theaterkunst erreichten, das an die Seite der besten europäischen Schauspielkunst gestellt werden kann. Die Wilnaer Truppe, die amerikanischen Theater, die Habimah, sie haben keinen Vergleich mit einer europäischen Bühne zu scheuen. Dadurch aber, daß sie, ohne die eigene jüdische Note zu vernachlässigen, von der europäischen Theaterkultur gelernt haben, deren Einfluß auf das jüdische Theater dankbar anerkannt sei, haben sie auch das Welttheater um viele Probleme bereichert. Damit aber ist der Beitrag der Juden für das Theater noch nicht erschöpft. Dank dem Verlangen der Juden nach Klarheit, der Gabe, sioh in die Lage anderer zu versetzen, sind die fähigsten unter ihnen ins Innere der dramatischen Werke selbst vorgedrungen und haben derart, wie noch niemand vor ihnen, die Seele des Dichters zu erschließen verstanden. Unter den größten Darstellern, deren Kunst in der Geschichte des Theaters Höhepunkte bedeutet, finden sich Juden: Kean, der berühmteste Tragöde Englands, Rachel, die der klassischen französichen Tragödie neuen Glanz verliehen hat, Sarah Bernhardt, Max Reinhardt, der erste Regisseur Europas. Und Charlie Chaplin müßte es schwer fallen, seinen jüdischen Ursprung zu verleugnen, seitdem die Photographie seine natürlichen Gesichtszüge hinter der berühmten Chaplinmaske verrät. w •.nr.-Daswar. bisher das Schicksal dieses Volkes, daß es seine besten Kräfte in den Dienst anderer stellte. s. r. Jloiisen Großer Abend des jüdischen Liedes und des jüdischen Humors. Sonntag, den 10. Mai, findet im Theater Reklame, II., Praterstraße 34, %9 Uhr abends, ein großer Abend des jüdischen Liedes und des jüdischen Humors statt. Herr Jakob L e h r mann, der Meister des jüdischen Volksliedes, ist von seiner Gastspieltournee aus Frankreich zurückgekehrt und wird unter Mitwirkung der Volkssängerin Hilda D u 1 i t zk a j a, der Herren Oskar Teller und Viktor Schlesinger (Humorduette) und mit Klavierbegleitung der Frau Betty L e v i n einen einmaligen großen Abend geben. Herr Lebrmann ist dem Wiener Publikum bereits von seinen früheren Gastspielen her bestens bekannt. Er singt jüdische Volkslieder mit Innigkeit und humorvoller Pointierung und — wo es das Lied erheischt — so erschütternd, daß das Publikum hingerissen wird. Bei seinen Gastspielen in Paris hatte er-'großen Erfolg, Di6 Wiener Tänzerin Gertrud Kraus ist vor einiger Zeit nach Palästina abgereist, wo sie in einer Reihe von Städten lind Kolonien Tanzabende geben wird. Nach Absolvierung ihrer Palästinatournee wird Gertrud Kraus einige Abende auch iii Aegypten geben. . Dr. Jacob Horowitz, hebräisch-palästinensischer Schriftsteller und Mitredakteur der literarischen Wochenschrift «Ktuwim», Tel-Aviv, ist nach längerem Aufenthalt in Wien nach Palästina zurückgekehrt. 25jfihiiges Schauspielerjubiläum. Der bekannte und beliebte Charakterdarsteller Adolf Bell feiert in diesen Tagen sein 25jähriges Jubiläum. Die Direktion der Jüdischen Bühne (11., Taborstraße 12) wird am Mittwoch, dem 12. Mai, dem Jubilar zu Ehren einen Abend veranstalten. Gespielt wird «Kawkaser Liebe», in der Hauptrolle der Jubilar. Schülerkonzert des neuen Wiener Konservatoriums. Im vornehmen, stimmungsvollen Konzertsaale des Ratibor- Palais.fand am 29. v. M. das von Prof. Fritz Lilienthal. Professor am Neuen Wiener Konservatorium, veranstaltete Schülerkonzert statt. Das Publikum hatte Gelegenheit, die ausgezeichneten Leistungen der Pianistin Frl. H. Kraus, der Geiger Gottfried Müller, Richard Chajes, Dodol u. a. wahrzunehmen, die ein erlesenes Programm zur Auf* flihruiig brächten. Nebst Werken von Dvorak, Ooldmark und Mozart wurden zwei Werke des jungen Komponisten Julius Chajes vorgetragen. Als erstes brachte man das Trio Andante für Klavier, Cello und Violine, das der Komponist mit 13 Jahren geschaffen hat, und als zweites ein Streichajartett, das er im-Alter von 14 Jahren komponierte. Anßllch des Konzertes bei der Mutter des Altbundespräsident«n, Frau Marianne Hainisch, war die Presse voll Anerkennung für die reife und edle Musik des aufstrebenden jungen Komponisten. Wir begrüßen in ihm freudig die Rückkehr zum Melodischen. P. G. Der von seiner Wiener ruhmreichen Tätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Musik bekannte Kapellmeister Pro* fessor S. Braslawsky hatte letzthin große Erfolge in Amerika. In Boston, wo er ständig wohnt und als Musikdirektor der dortigen Großen Synagoge fungiert, organisierte er ein Symphonieorchester, und einen großen Chor, Mit dieser Musikerschar veranstaltete Prof. Braslawsky ein großes Konzert, wobei er außer einer Symphonie von Goldmark (Ländliche Hochzeit) sein eigenes Werk jüdischer Musik (Psalm) zu Gehör brachte. In spaltenlangen Artikeln zollt ihm die Presse uneingeschränktes Lob und stellt seinen durchschlagenden Erfolg beim Publikum fest. —* Prof. Braslawsky hält auch öfters Vorträge über jüdische Musik an der dortigen Universität. * Sperlings Zeitschriften* und Zeitungs*Adreßbuch 1931. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. Mark. 25.—. Nunmehr ist die 57. Ausgabe dieses altbewährten Handbuches der deutschen Presse erschienen; auf über 900 Seiten bringt es die Adressen der wichtigsten deutschen Zeitschriften und politischen Zeitungen Deutschlands, Oesterreichs und des Auslandes, unter Angabe der Herausgeber, Redakteure, Verleger und der Inseratenpreise. Viele tausend Blätter werden so, in Abteilungen zusammengefaßt, angeführt und ein mit Sorgfalt angelegtes Register erleichtert die Auffindung jeder einzelnen Zeitung bezw. Zeitschrift. Auch viele jüdische und zionistische Blätter sind im Sperling angegeben —, die in Wien erscheinenden sind aber merkwürdigerweise vergessen worden. Im übrigen kann das Werk den Interessierten als wertvoller Nacnschlagebehelf empföhlen werden. r. s. «Cain» im Schwedenkino. Ein exotischer, in der herrlichen Natur Madagaskars spielender Film, der nur drei Darsteller hat: Cain, einen Heizer, der von einem großen Passagierdampfer in den Urwald flüchtet, um dort, ein neuer Robinson, ein selbstgenügsames Leben sich aufzubauen; sie, die Dschungelschönheit, das widerspenstige und dann den fremden Weißen heißliebende Weib Zouzour; und die Natur in ihrer tropischen Pracht. Dieser Film, ein würdiger Nachfolger der unvergeßlichen «Weißen Schatten», ist ein Kunstwerk. So”Ä'Jmh1ciMuÄ Theater Reklame II., Prafersfrafte 34, ein Sro&er Hberid des lüdisdien Wortes, des fQdisdien Uedes und des {üdisdien Humors statt. Gfnmairges Auftreten des populären Sängers und Schauspielers 3akob kehrmann nadi seinen erfolgreichen Gastspielen in Paris, UUfwlrkend; Hilda Duliizkala, Polkssängerln, Oskar Teller—Viktor Schlesinger, Humor* Duette, Bettg tyeoln, Klaoier, jüdisches Jahrbuch 1931. In der vorliegenden Ausgabe des Jüdischen Jahrbuches 1931 werden die wichtigsten jüdischen Zeitprobleme, durch Aufsätze aus fachmännischer Feder von allen Seiten eingehend beleuchtet, so u. a. das Siedlungsprpblem, Darlehenskassenwesen, Wohlfahrtsfragen. Der Nachschlageteil mit seinem umfangreichen Adressenmaterial der Organisationen und Vereine, Gemeindeverwaltungen und Einrichtungen, sowie der jüdischen Gemeinden in Deutschland, wurde in Anbetracht seiner Wichtigkeit für jeden, der sich über die Aufgaben der Gemeindeverwaltung und Über das Organisations- und Vereinswesen unterrichten will, einer sehr genauen Durchsicht unterzogen. Daneben sind Tätigkeitsberichte fast sämtlicher Organisationen und Vereine, soweit sie den lokalen Rahmen an Bedeutung überragen, erstmalig zusammengestellt worden. Chajele Grober. In Berlin weilt gegenwärtig die bekannte jüdische Schauspielerin und Sängerin Chajele Großer, früheres Mitglied des hebräischen Theaters «Habimah». Die Künstlerin hat vor einigen Jahren das Habimah-Ensemble verlassen und sich ausschließlich dem jüdischen Volkslied zugewendet. Chajele Grober hat sich in aer Wiedergabe des Volksliedes ihren eigenen Stil geschaffen. Sie gibt jedem Lied den besonderen mimischen Ausdruck und die kulturelle Einhüllung seiner Zeit und seines Milieus. Sie hat mit ihrem neuen Stil in Amerika und in den Ländern Osteuropas bereits große Erfolge errungen. Die amerikanische Presse nennt sie die jüdische «Yvette Guilbert». Die jüdische Presse in New York. Im Maiheft des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin berichtet G. Hirschfeld, New York, über die jüdische Presse in New York. Es gibt in New York etwa zwei Millionen luden, die Über die Riesenstadt mit ihren 10 Millionen Einwohnern ungleichmäßig verteilt sind. Heute erscheinen vier Tageszeitungen in Jiddisch: «Der Vorwärts»: Abendausgabe 140.000, Sonntagsausgabe 160.000, Durchschnitt 143.000. «Yiddisches Morgen-Journal»: Morgenausgabe 95.000, Sonntagsausgabe. 80.000, Durchschnitt 90.000. «Tog» (Tag): Abendausgabe 80.000, Sonntagsausgabe 85.000, Durchschnitt 82.000. «Freiheit»: Abendausgabe etwa 30.000. Diese 34Ö.000 Leser repräsentieren etwa 18 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung in New York City; im Durchschnitt kommt auf eine fünfköpfige Familie je eine jiddische Tageszeitung. Insgesamt existieren in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 190 jüdische Zeitungen und Zeitschriften. Davon erscheinen 5 in hebräischer, 72 in jiddischer, 12 in jiddischer und englischer, 98 m englischer, 1 in deutscher und 1 in spaniolischer Sprache. Die jiddische Enzyklopädie. Das Komitee zur Schaffung einer Enzyklopädie des allgemeinen und des jüdischen Wissens in jiddischer Sprache hat, wie wir erfahren, beschlossen, die Enzyklopädie in Deutschland herauszugeben. Sitz der Redaktion ist Berlin. Das Komitee wurde von der vor einiger Zeit unter dem Vorsitz Dubnows in Berlin stattgefundenen Konferenz von auf dem Gebiete der jiddischen Kultur führenden jüdischen Persönlichkeiten aus mehreren . Ländern eingesetzt. Herr Dr. M. Gergöl, der bekannte Volkswirtschaftler und Jurist, begibt sich ln diesen Tagen nach den Vereinigten Staaten, um dort für den Gedanken der Jiddischen Enzyklopädie zji werben. I r hhhhhhmhmhbmhmi Aus der Provinz St. Pölten. Am 2. Mai i. j. veranstaltete die Z. 0. 0. St. Pölten einen Vortragsabend. Herr Dr. Köppl aus Wien sprach über «Die derzeitige Lage im Zionismus» und Herr Viktor Hahn aus St. Pölten über das Thema: «Wozu Judenstaat, wozu überhaupt Zionismus?» Beide Redner fantfen bei den zahlreichen Zuhörern lebhaften Beifall. €clf$tcin’$ Familicn*?eitsion Restaorition, tiaftiUiii täglich 5-Uhr-Tee SEMMERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans. Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm* und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U-27*6-24 ■VI ifc,: VM;\ JEDES KLEID 3 SCHILLING Zuschneiden, abstecken, probieren von Damentoiletten nach neuesten Modellen Wien, 15. Bezirk Mariahilfer Straße Nr. 151/23 ^3ioioioioioioiOMia(Pioic| Wenn 3hnen unser fätatt äefüttt, empfehlen Sie es, bitte, bet jeder Gelegenheit alten Ihren Freunden und Bekanntem Geben Sie ans Adressen an, an die wir Probenummern unserer Zeitung absenden können. »aoaoBoaoaoaoBoaoBoaoao m Soeben neu SCHALOM ASCH: ERSCHIENEN: SCHILLING Di« Kinder Abrahams REMARQUE: Der Weg zurücH J. MÜNZ: Jüdisches leben im jViittelalter DR. SIMON RUBIN: Biblische Probleme Buchhandlung Josef B*lf WIEN, I., RABENSTEIG 3 4*80 9*- 7*50 2*50 Hicht ansdriichltch abbestellte Abonnements gelten als Verlängert! Jüdisdker Malender Mai 1931 Ijjar 5691 8 Freitag 21* 9 Samstag 22» 10 Sonntag 23» 11 Montag 24» 12 Dienstag 25» 13 Mittwoch 26» 14 Donnerstag 27. ■bst Jeder Zionist verlangt im Kaffeehaus sein Parteiorgan ii lie Stimme“