Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 174 (7.5.1931)
- Date
- 1931-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 DIE STIMME Np. 174 — 7. Mal 1931 Dr. I. H. Körner gibt in seinem sowie im Namen der Verwandten bekannt, daß seine Mutter, Frau Karoline Körner am 3. Mai um %4 Uhr nachm, gestorben ist. Das Leichenbegängnis fand am Dienstag um 3 Uhr nachm, in Prerau statt. Die Hakenkreuz-Methoden an der Seine Die antisemitische Hetze der „Action Francaise“ Lag b’Omer — ein National-1 feiertag Von Josua Ho r o w i 11, Lag b’Omer ist, wie der Name schon besagt, der 33. Tag der Sefirahzählung und fällt mit dem 18. Ijar zusammen. Der Tag trägt den Charakter eines Halbfeiertages und manche Vorschriften und Gesetzesbestimmungen sind dtesem Charakter entsprechend gebildet und formuliert worden. Innerhalb der 49 Tage «wischen dem Pessach- und Schwuotfeste nimmt dieser Tag einen besonderen Platz ein. Er bedeutet eine willkommene Unterbrechung der siebenwöchigen Trauerperiode. Welches ist nun der historische Hintergrund und Basis, auf dem sich die Sefirahwochen stützen und welche Tatsache bot den Anlaß, diesen besonderen Tag als einen markanten und hervorstechenden aus der Reihe der übrigen herauszuheben? Die erste Quelle bietet der Talmud, wo (Jebamoth 62 b) berichtet wird, daß R. Akiba 24.000 Schüler hatte, von der Stadt Gabath bis Anthiphras, die alle in einer bestimmten Zeit starben, weil einer dem anderen nicht die gebührende Ehre zollte. Es heißt dort ( weiter: «Sie starben alle in der Zeit zwischen Pessach und Azereth (—Schwuot 1). R. Abraham ibn Jarchi schreibt in seinem Sefer hamanhig (fol 91b): «Ich hörte im Namen des R. Serachja halevi aus Gerone, der in einem alten Buch geschrieben fand, daß die Schüler von Pessach bis pras haazereth starben; was bedeutet pras? Die Hälfte (hier die Hälfte eines Monates), also 15 Tage vor Schwuot, d. h. Lag b’Omer.» Diese ältere Lesart wird auch im Sede^ha- Dorot (II. 306f) gebracht: «b!s pras iisazereth, d. h. 15 Tage vor Schwuot, bis 2um 18. Ijar, der mit Lag b’Omer zusammenfällt. Diese Erzählung wird auch in den Nidraschlm angetroffen, so Bereschith rabbah (parschah 61), Koheleth rabbah (par 11) und Tanchuma (ed. Buber, Wilna 1885, 122 f. vgl. daselbst.) Es muß bemerkt werden, daß alle diese angeführten Stellen untereinander variieren und kleine Abweichungen aufweisen. Es ist nun klar, warum diese Wochen als Trauerzeit gelten und auch warum der 18. Ijar (= Lag b’Omer) gleichsam als Freudetag begangen wurde, eben weil an diesem Tage dem Dahinraffen der Schüler Einhalt geboten wurde. Die Vermutung liegt nicht fern, wenn man behauptet, daß der so einfach und schlicht'aussehenden Talmudstelle in Jebamoth 62 b ein tieferer Sinn und eine weitgehendere Bedeutung zugeschrieben wird. Es ist bekannt, welche Rolle R. Akiba beim Bar-Kochbaaufstande spielte und wie er es verstand, die Juden mit flammenden Worten gegen die drückende Römerherrschaft aufzustacheln und anzueifern. Die Schüler, von denen im Talmud die Rede ist, sind keine Sohtüer im eigentlichen Sinne, sondern Jünger seiner Idee zur Befreiung Palästinas. Ihr Sterben, das im Talmud auf Mangel guter gegenseitiger Behandlung zurückgeführt wird, kann dahin gedeutet werden, daß Uneinigkeit in ihren Reihen herrschte und sie steh gegenseitig bekämpften. Auch das Sterben durch eine verheerende Krankheit, wie der Talmud aucn sagt, kann mit den Aufständen in Verbindung gebracht werden. Zu Kriegszeiten, zu Zeiten der Not und des Elends, waren Pest und Seuchen eine übliche Erscheinung. Diese Stelle kann sich nun bei tieferer und näherer Betrachtung als ein vereinzelter Bericht aus der Chronik der Befreiungskriege zur Zeit R. Akibas erweisen. Auch Grätz erblickt in der großen Zahl der Schüler einen Teil der Revolutionäre. So schreibt er in seiner Geschichte der Juden (A. Bd. 135 f): «Die große Zahl von 12.000 oder gar 24.000 Jüngern, die eine Nachricht ihm (R. Akiba) beilegt, dürften die begeisterten Anhänger gewesen sein, die er für den Aufstand angeworben hatte.» Verbreitet tet auch der Brauch, daß an dem Tage des «Schülerfestes» die Kinder, mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, Ins Freie gehen und dort als Bogenschützen wetteifern. Zwar wird dies in anderen Schriften auf den Sterbetag des R.*Schimon ben Jochat, des Verfassers des Sohar gedeutet, dessen Todestag auch auf Lag b’Omer fällt und an welchem Tage in der Stadt Meron bei Zefath, wo sein Orab vermutet wird, eine eigenartige Zeremonie veranstaltet wird, es kann aber dieser Brauch eben so gut an die Kämpfe der Juden erinnern und einen Waffengang der Aufständischen symbolisieren. Obzwar wir also über den Ursprung und die Bedeutung des Lag b’Omerfestes wenig unterrichtet sind, kann doch mit Recht behauptet werden, daß dieser Tag ein national jüdisches Fest bedeutet, das sich vielleicht auf ein vorübergehendes, siegreiches Vordringen der Juden beim Bar-Kochbaaufstande stutzt; es ist gleichsam ein Lichstrahl aus den düsteren Tagen des Aufstandes des jüdischen Volkes, das verzweifelt um seine letzte Freiheit kämpfte. Professor Einstein nach Oxford ibgsrelst Berlin, 30. April. (J. T. A.) Professor Albert Einstein hat am Mittwoch, den 29. April, Berlin verlassen und sich zu Engerem Aufenthalt nach England begeben. Prof. Einstein, der von dar Universität Oxfords eingeladen wurde, im Sommersemester 193t dort Vorlesungen zu halten, leistet nun dieser Einladung Folge. Paris, 30. April. (J. T. A.) Während die antisemitischen Camelots du Roi bisher keinen Versuch gemacht haben, die Ausschreitungen vom letzten Sonntag im jüdischen Viertel zu wiederholen, finden in den peripheren Teilen von Paris vereinzelte Angriffe auf jüdische Passanten statt. In der Straße La Dullette überfielen am Mittwoch, den 29. April, Camelots du Roi einen algerischen Juden, der sich zur Wehr setzte. Es entspann sich ein Kampf, in dem einer der Angreifer durch einen Messerstich verletzt wurde. An demselben Tage sammelte sich auf dem linken Seineufer eine größere Anzahl royalistischer Studenten an, die durch Rufe wie «Es lebe der König, nieder mit den Ausländern!» demonstrierten. Mehrere jüdische Studenten wurden auf dem Heimweg von der Hochschule unter Rufen wie «Juden nach Palästina!» bedroht. Mehreren fcAuA'JDoin ‘Wien, 2., ‘Gaborstraße ZHr. 8a S)ie Qrenze der Xetstungsfähigkeit für moderne Qualitätsschuhe jüdischen Einwohnern des Tempelviertels, in dem am Sonntag, den 26. April, antisemitische Exzesse stattfanden, wurde telephonisch eine Wiederholung der Angriffe in verstärkter Form am kommenden Sonntag angekündigt. , Die antisemitische royalistische Tageszeitung «Action Francaise» veröffentlicht einen Hetzartikel, in dem erklärt wird, die Juden müßten an den ihnen gebührenden Platz verwiesen und es dürfe ihnen nicht gestattet werden, in das französische Volk einzudringen. Das Blatt will glauben machen, daß bei den am vergangenen Sonntag stattgefundenen Zusammenstößen im jüdischen Viertel die Juden die Angreifer gewesen seien. . Sie hätten die Royalisten beim. Straßenverkauf der «Action Francalse» Überfällen, aber von diesen eine, «wohlverdiente Lektion» erhalten. «Diese ausländische Horde», heißt es in dem Artikel weiter, «diese Juden aus Polen und aus der Ukraine, die das Viertel von St. Paul unsicher machen und die zum Schutz der Aufführungen der «Affaire Dreyfus» mobilisiert worden waren, hatten eine Schlappe erlitten. Diese ausländische Pest glaubt, Eigentümerin jener Teile von Paris zu sein, die sie in ihr Ghetto verwandelt hat, und ist so unverschämt geworden, Franzosen den Verkauf ihrer Zeitung, einer französichen Zeitung, zu verbieten. Dieses ausländische Ungeziefer hat die erhaltenen Prügel verdient.» Die Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus hat auf die Herausforderung der «Actlon Francaise» eine Erklärung veröffentlicht, in der sie bekannt gibt, daß ihre Mitglieder bereit sind, den Kampf mit den Camelots du Roi auszutragen. Auch die Liga für Menschenrechte gibt in einem Kommunique bekannt, daß sie bei der Regierung wegen Verstärkung des Schutzes der jüdischen Bevölkerung von Paris interveniert hat. Die der Liga für Menschenreohte angehörenden Abgeordneten bereiten eine Interpellation Uber die antisemitischen Vorfälle für eine der nächsten Sitzungen der Kammer vor. Die allgemeine Presse berichtet über die antisemitischen Ausschreitungen rein tatsächlich und entr hält sich jeder Kommentierung. In den jüdischen Kreisen von Paris Ist man det Ansicht, daß die Drohungen der «Action Francaise»* deren Einfluß auf den verhältnismäßig kleinen Krei$ der Royalisten beschränkt ist, nicht als ein Zeicherf einer allgemeinen antisemitischen Stimmung in Frank-* reich gewertet werden dürfte. Es wird darauf hinge« wiesen, daß die «Action Francaise» seit jeher antisemitische Propaganda getrieben hat, ohne daß es ihc indessen gelungen wäre, die öffentliche Meinung Frankreichs in nennenswertem Ausmaß zu beeinflussen, Wegen der Ausschreitungen anläßlich der Aufführungen des Stückes «Die Affaire Dreyfus» hatten V sich 112 Camelots du Roi vor Gericht zu verantworten. Sie wurden, nachdem sie das Versprechen künftigen Wohlverhaltens abgelegt hatten, zu nominellen Geldstrafen von je 10 bis 20 Franken verurteilt. Nach dem' Verlassen des Verhandlungssaales demonstrierten sie durch Hochrufe auf Frankreich, worauf sie vom Richter aufmerksam gemacht wurden, daß diese lärmende Demonstration im Widerspruch zu der soeben abgegebenen Versicherung künftigen Wohlverhaltens stehe. Die palästinensische Volkszählung Jerusalem, 30. April. (J. T. A.) Mit der Leitung der im Jahre 1932 durchzuführenden Volkszählung in Palästina wurde der Hilfssekretär der Palästina-Regierung Mills betraut. Im Laufe der nächsten Woche wird ein Bureau für die Vorbereitung der Volkszählung eröffnet. Die erste Volkszählung fand in Palästina im Jahre 1922 statt. Es wurden damals insgesamt 757.182 Einwohner gezählt, unter ihneft 590.890 Moslems, 83.794 Juden, 73.024 Christen, 7028 Drusen, 163 Samaritaner, 265 Bahais, 156 Metawallis, 1454 Hindus und 408 Sikhs. Am 1. Juli 1927 wurde die jüdische Bevölkerung Palästinas vom Gesundheitsdepartement der Palästina-Regierung mit 147.687 Seelen angenommen. Am 31. März 1929 umfaßte die Bevölkerung Palästinas nach einer in den Londoner «Times» veröffentlichten Statistik 557.649 Mohammedaner, 149.554 Juden, 78.463 Christen und 8850 Angehörige anderer Glaubensbekenntnisse. 30 Kandidatenlisten bei der Wahl in die Warschauer jüdische Gemeinde Warschau, 29. April (j. T. A.) Die Zersplitterung der Wählerschaft bei den Ende Mal stattfindenden Wahlen in den SOgliedrigen Rat der Jüdischen Gemeinde hat ein bisher noch nie verzeichnetes Ausmaß erreicht. Es liegen nicht weniger als 30 Kandidatenlisten vor. Friedhofschändung auch in Polen Warschau, 29. April. (J. T. A.) Am vergangenen Sonntag wurde der jüdische Friedhof in Diwin, Kreis Kobrin, von unerkannt gebliebenen Tätern geschändet. 14 Grabsteine wurden umgeworfen, 11 Grabdenkmäler, darunter 6 von Rabbinergräbern, wurden vollkommen zertrümmert. wmmm Denket «n die Krawalle an der Hondelshoohsohulel unentB«ltllcha* Stellenvermittlung I der Hakoah Wer •usaeblldetee, iQohtlaee und disziplinierte* Personal «Iler Art und aller erenohen breuoht, wende •loh an die HAKOAH. l„ Wiesingerstr. 11 / Tal, R-25-0-10 hmmmmmmmmmmmmmrnmmt