Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 174 (7.5.1931)
- Date
- 1931-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b, b. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, viertel jShrl. S 4*20, ganzjährL . . S 16*— Deutschld. vierteljährl. RM 3*- Tschechoslowakei viertelj. Kc 24*— Jugoslawien viertelfährt Din. 40*— Polen vierteljährlich Zloty 6*50 Ungarn vierteljährlich Pengö 4*20 Rumänien vierteljährl. Lei 120‘— Uebrigea Ausland vierteljährL Schw Franken 4*50 Preis 35 g Erscheint 1« R und A Wien, Oest« Polen Tschechoslowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 ,'1.199 4« Jahrgang Wien, Donnerstag, 7. Mai 1931 (20. Ijjar 5691) Nummer 174 TELEFON: B 24*5 gross betrieb fUr HßusuuäscHE Zuerst führte ihn der Weg nach Palästina, dann ging er zurück nach England, um nach kurzer Rast wieder eine Ueberseereise anzutreten t— diesmal nach den Vereinigten Staaten. Professor Chaim Weizmann, der nach wie vor an seiner Demission von der Stelle des Präsidenten der Organisation festhälf, will noch die Zeit bis zum Kongreß ausnützen und seine Pflichten in gesteigertem Ausmaße bis zum letzten Augenblick erfüllen. Wir glauben, daß es dem schwergeprüften Führer lieber war, in das Land unserer Aufbauarbeit zu fahren, als in die vom Business besessenen U. S. A. Nach erschütternden Schicksalsschlägen wirkt ein Besuch der werdenden: jüdischen Heimstätte erfrischend. Im Emek, in Tel-Aviv, in jüdischen Kolonien und Gartenstädten, wo, unabhängig-von der Politik, die zukunftsfrohe Arbeit vor sich^geht, kann man neuen Mut und neue Hoffnung schöpfen. New York und Chikago sind aber Asphaltwüsten: und die jüdischen Menschen, die dort leben, wissen noch immer sehr wenig vom Heldentum der -palästinensischen';., Pioniere, und, was bedeutsamer ist; sie verstehen es' nicht, in genügendem Maße das Palästinawerk, zu unterstützen. Es ist ein öffentliches Geheimnis: ‘ Professor Weizmann geht nach Amerika, um Geld zu verschaffen. Erfüllt von noch frischen Eindrücken aus dem Lande der zionistischen Tat will er unseren Brüdern jenseits des Ozeans die Notwendigkeit größerer finanzieller Anstrengungen klarmachen und sie an ihre Pflicht erinnern, das zu tun,; was sich für den größten und wichtigsten Teil der Weltjudenheit gebührt: unter Anspannung aller Kräfte an dem Aufbau mitzuhelfen. Wir brauchen uns nichts vorzulügen: das amerikanische Judentum war eine Enttäuschung. Diese finanzielle Großmacht hat bisher am Pälästinaaufbau nicht in genügendem, ihrer Leistungsfähigkeit entsprechendem Maße teilgenommen. Man komme da nicht mit Argumenten wie: Wirtschaftskrise auch in den Vereinigten Staaten, Börsenkrach etc. Trotz alledem ist das amerikanische Judentum, wenigstens im Verhältnis zum europäischen, reich, was insbesondere die in viele Millionen Dollars gehenden Spenden beweisen, die jährlich für philantropische, wissenschaftliche und sonstige, jedenfalls aber nicht für palästinensische Zwecke gegeben werden. Die wahre Ursache dieses Zustandes ist: das Herz'der amerikanischen Juden wurde bisher noch nicht erschlossen, und der Weg zur Brieftasche führt durch das Herz. Wir alle wünschen nichts sehnlicher, als daß es Prof. Weizmann gelänge, diesen Weg zu finden und zu erschließen. Wir wissen, daß die gegenwärtige finanzielle Lage der zionistischen Organisation unerträglich ist und daß sie auf die Dauer nicht so bleiben kann, soll nicht das ganze Werk in Gefahr geraten. Wir wissen auch, daß es billig, aber unrecht wäre, alle Hoffnung nur auf Amerika zu konzentrieren und hier in europäisch-jüdischen Zentren untätig die Arme zu kreuzen und der Dinge zu warten, die da kommen sollen. Wir wissen, daß der Reiche nur dann gibt, wenn der Arme gegeben hat, und wir haben gelernt, auch den Groschen des kleinen Mannes zu ehren und ihm größte Bedeutung beizumessen- Aber unsere amerikanischen Brüder, insbesondere diejenigen, die im zionistischen Lager stehen, müssen endlich einsehen, daß sie bisher ihrer Pflicht nicht Genüge getan haben und daß die Forderung, die Am 1. Juni 1931 spricht Professor S. Brodetsky über unsere Politische Lage Die Verhandlungen abgebrochen Die englische Regierung gibt den Landentwicklungsplan auf L o n d o n, 30. April (J. T. A.). Die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der Jewish Agency sind auf einem toten Punkt angelangt. Während die Vertreter der jewish Agency auf sofortiger Festlegung der' Ländentwicklungspolitik sowie auf der Forderung bestehen,' daß. die für die Erschließung Palästinas bestimmten staatlichen Mittel zu gleichen Teilen zur Förderung der jüdischen und der arabischen Interessen verwandt werden sollen, beabsichtigt die Regierung, die geplante Landentwicklungskommission als Departement der Palästina-Regierung zu organisieren und der Kommission die Entscheidung über die Verwendung der zur Durchführung des Landentwicklungsplanes bestimmten Gelder zu überlassen, ein Plan, dem die Jewish Agency nicht zustimmen kann. Die Verhandlungen wurden abgebrochen und es wurde vorläufig keine weitere Besprechung zwischen den Vertretern der englischen Regierung und den Unterhändlern der Jewish Agency anberaumt. London, 1. Mai (J. T. A.). Die tiefgehende Wiedereröffnung Cafe Donau Wien, 2. Bez., Praterstraße 10, lei. R46346 Vollständig umgebaut, gänzlich neu eingerichtet Treffpunkt der Zionisten Meinungsverschiedenheit zwischen den Vertretern der jewish. Agency und der niit der Führung der Verhandlungen mit diesen beauftragten interministeriellen Kommission wird u. a. darauf zurückgeführt, daß die Kommission unter dem Eindruck der in jerusalem stattgefundenen inoffiziellen Besprechungen zwischen dem High Commissioner und den Vertretern der arabischen Exekutive stand. Die ursprünglich im Vordergrund der Verhandlungen stehende Frage der Zusammensetzung der Landentwicklungskommission ist auf der letzten Besprechung zwischen den englischen Regierungsvertretern und der Jewish Agency vollständig hinter die Erörterung der grundsätzlichen Frage, welches das Ziel des Landentwicklungsplanes sein soll, zurückgetreten. Die Regierungskommission nahm den Standpunkt ein, daß die Araber in erster Reihe, wenn nicht ausschließlich, Nutznießer des Planes sein sollen. Sie machte ferner geltend, daß es gegenwärtig unmöglich sei, die Zahl der von ihrem Boden verdrängten Araber festzustellen, es handle sich aber jedenfalls, wie auch Dr. Shiels im Unterhause erklärt habe, um viele Tausende, etwa 29 Prozent der Bevölkerung. Augenblicklich könne nur die Art der Zusammensetzung der der Palästina-Regierung anzugliedernden Landentwicklungskommission erörtert werden. Dagegen müsse die Bestimmung über die Verwendung der zur Durchführung des Landentwicklungsplanes bestimmten Gelder der künftigen Landentwicklungskommission selbst überlassen bleiben. Demgegenüber bestanden die Vertreter der Jewish Agency darauf, daß die Richtlinien der Landentwickjetzt mit Prof. Weizmann das ganze jüdische Volk an sie stellt, mehr als berechtigt ist. In den allerletzten Tagen erfuhr die Lage eine unvorhergesehene Verschärfung. Die Verhandlungen der Jewish Agency mit der britischen Regierung sind an einem toten Punkt angelangt und ad calaendas graecas verschoben worden. Der sogenannte Landentwicklungsplan ist ins Wasser gefallen. Mit Recht wollten unsere Vertreter in bezug auf die Verwendung der Gelder im Verlauf der Realisation des Landentwicklungsplanes der britischen Regierung kein plein pouvoir geben. Mit Recht befürchteten sie, daß man uns, wie schon oft, betrügen und daß der ganze Landentwicklungsplan nur den Arabern zunutze kommen werde. Unsere Verhandlungspartner konnten unter diesen Umständen nicht anders handeln als sie eben gehandelt haben. Aber die Tatsache, daß wir durch den Abbruch der Verhandlungen wieder nur .auf unsere eigenen Kräfte angewiesen sind, soll ein Impuls zu um so größeren Anstrengungen in der ganzen jüdischen Welt sein. Niemand kann uns helfen, niemand wird uns helfen, wenn wir uns selbst nicht helfen können. Wir führen keinen Krieg und wir machen keine Eroberungen: Unser Werk entstammt idealistischen Motiven und ist durchaus friedlicher Art. Aber das berühmte Wort des Markgrafen Pallavicini könnte — 'variiert — auch unsere Losung sein: Um Palästina aufzubauen, brauchen wir außer Glauben, Idee und Selbstaufopferung drei Sachen — Geld, Geld und wieder Geld. Wird das das amerikanische Judentum verstehen? w. m KA/5ER5TR. 123 K. AlSERSTR. 6