Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 161 (29.1.1931)
- Date
- 1931-01-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMtoffc Nr. 161 — ». Jftimer 1931 Ganz wie bei uns Wer erinnert sich nicht, daß der Wiener Bürgermeister Seitz sich seinerzeit weigerte, den letzten Wiener Zionistenkongreß namens der Stadt Wien zu begrüßen? Seitz meinte damals, der Zionistenkongreß sei eine konfessionelle Sache, die ihn, bezw. die Stadt nichts angehe. Ganz anders war die Meinung des New Yorker Bürgermeisters Major Walker, als Ussischkin kürzlich in New York eintraf, um einen Drive für den Jüdischen Nationalfonds zu organisieren. Die Stadt New York empfing Ussischkin in der City Hall und der Bürgermeister Major Walker hielt an den jüdischen Gast folgende Ansprache: «Ich heiße Sie in dieser Stadt willkommen, die nicht nach der Konfession oder nach der Rasse eines Menschen fragt, sondern nur nach seinem Charakter, seinen Fähigkeiten und nach seiner geistigen Kapazität. Ich heiße Sie in dieser Stadt willkommen, die den Zionismus würdigt und eine tiefe Liebe für die zionistischen Ideale hegt.» Dann pries Bürgermeister Walker die Bürgertugenden der Juden, denen Amerika soviel zu verdanken habe, und fuhr fort: «Es gibt in New York mehr Juden als in Palästina, mehr Iren als in Dublin und mehr Italiener als in Rom. Lassen Sie es mich hier offiziell aussprechen: New York wäre nicht die Stadt, die es ist, ohne die Leistungen seiner Juden. Wenn es nach mir ginge, müßte New York doppelt soviel Juden haben, weil es doppelt soviel Vorteil davon hätte.» Zu Ussischkin gewendet, sagte der Bürgermeister: «New York freut sich, Sie als Gast begrüßen zu können. Die Achtung, Wertschätzung und Bewunderung, die Sie hier für das Volk finden werden, das Sie repräsentieren, ist größer als in irgend einem Lande der Welt.» Mit einem Worte — ganz wie bei uns. Tarn. Der Bericht der Mandatskommission vom Völkerbundrat zur Kenntnis genommen Beratung des Weißbuches auf der Septembertagung des Völkerbundrafes Genf, 23. Jänner (J. T.-A). In der am Donnerstag, dea«22. Jänner, vormittags, abgehaltenen Sitzung des Völkerbundrates kam der Bericht über die vom 4. bis 19. November 1930 abgehaltene 19. Tagung der Mandatskommission zur Verhandlung. Als Berichterstatter fungierte der jugoslawische Außenminister Marinkovie. Die Mandatskommission war durch ihren Vizepräsidenten Van Rees vertreten. Wie bekannt, stand die Palästinafrage nicht auf der Tagesordnung der letzten Sitzung der Mandatskommission. Doch ist den Mitgliedern der Kommission bald nach der Eröffnung der Tagung das Weißbuch über die künftige englische Palästinapolitik und der Simpson-Bericht zugegangen. Im Hinblick auf die Wichtigkeit dieser beiden Dokumente hat die Mandatskommission in ihren Bericht an den Völkerbundrat die Ankündigung aufgenommen, daß sic sich mit ihnen auf ihrer nächsten Tagung im Juni 1931 befassen wird. Inzwischen wird es den Mitgliedern der Kommission möglich sein, die Dokumente gründlich zu studieren. Die Behandlung der Frage durch die Kommission wird darin im Zusammenhang mit der Prüfung des jährlichen Berichtes der palästinensischen Mandatsverwaltung in Anwesenheit des britischen Regicrungsvertreters erfolgen. Nach kurzer Debatte wurde auf Vorschlag des Rapporteurs, des Außenministers Marinkovic, der Bericht der Mandatskommission vom Völkerbundrat zur Kenntnis genommen. Dem Protokoll der Kommissionstagung Ist u. a. ein Verzeichnis der kurz nach Beendigung der Palästina gewidmeten außerordentlichen Sitzung eingelauTenen Proteste von jüdischer Seite angefügt. Es handelt sich um Protesttelegramme aus Kuba, Mexiko, Charbin sowie aus verschiedenen Städten Polens und Rumäniens gegen die von der englischen Regierung noch vor der Veröffentlichung c?es Weißbuches und des Simpson-Berichtes verfügte Einstellung der jüdischen Einwanderung. Das soeben veröffentlichte Protokoll der letzten Tagung der Mandatskommission enthält einen Bericht über eine Sitzung, in der sich die Mandatskommission mit der Antwort der britischen Regierung auf den Bericht der Mandatskommission über Palästina beschäftigt hat. Noch in der Ratssitzung vom 8. September 1930, in der der Palästinabericht der Mandatskommission und die britischen Einwände zur Behandlung gekommen sind, hat Van Rees im Namen der Kommission erklärt, daß sich diese das Recht vorbehält, zu dem scharfen und wenig höflichen Ton der britischen Regierungserklärung Stellung zu nehmen. In der Eröffnungssitzung der 19. Tagung der Mandatskommission hat Van Rees bei Erstattung seines Berichtes über die Ratssitzung am 8. September die Mei- Ueber 6000 Aerzte bestätigen die hervorragende, schmerzstillende und heilende Wirkung des Togal bei rheumatischen, gichtischen und nervösen Schmerzen. Auch bei Erkältungskrankheiten sind Togal-Tabletten altbewährt. Die Wirkung tritt unmittelbar ein. Togal-Tabletten and absolut unschädlich und üben weder auf den Magen, die Nieren oder andere Organe einen schädlichen Einlfuß aus. mmg geäußert, es wäre untunlich, sich gegenwärtig in eine ausführliche Kontroverse mit der britischen Regierung über Ton und Inhalt ihrer Bemerkungen einzulassen, und die Vertagung dieses Gegenstandes beantragt. Sodann präzisierte Van Rees nochmals seinen Standpunkt in dieser Frage. Er erklärte, die Kommissionsmitglieder würden anläßlich der künftigen Behandlung der Palästinafrage Gelegenheit haben, an den Vertreter Englands Fragen Uber die englische Reg'erungserklärung zu stellen. Der Vorsitzende, Thcodoli, schloß sich dem Standpunkt Van Rees’ an und wies darauf hin, daß der Mandatskommission durch die nachträgliche Erklärung Hendersons in der Ratssitzung vom 8. September 1930, in der Henderson anerkannte, daß die Kommission nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, die Maßnahmen der Mandatsregierung zu kritisieren, eine gewis.se Genugtuung zuteil geworden sei. Eine scharfe Rede gegen die erste britische Regierungserklärung hielt das belgische Kommlssionsmltglied Orts. Er stellte fest, daß die Bemerkungen der englischen Regierung irn allgemeinen unzutreffend waren und wies die von der englischen Regierung erhobene Beschuldigung, daß sich die Kommission mit Dokumenten befaßt habe, zu denen die britische Regierung nicht habe Stellung nehmen können, zurück. Auf Grund des Protokolls wies er nach, daß der britische Vertreter einer Berücksichtigung des von der Jewish Agency einige Tage nach Beginn der außerordentlichen Tagung der Mandatskommission vorgelegten Memorandums zugestimmt hat. Auf Grund dieses Memorandums haben die Kommissionsmitglieder an den britischen Vertreter Fragen gestellt, so daß die britische Regierung Gelegenheit hatte, ihren Standpunkt gegenüber allen in der Diskussion aufgeworfenen Problemen zu präzisieren. Van Rees erklärte, er könnte die Aus- Invenfur~, Okkaslon- und QuaJtätsschuhe bis unter den halben Preis Damenscimhe ab S 12.50.— Herrenschuhe rahmen^enäht ab S 59.50.- Schuh-Dorn JKSÄSu*» führungen seines Kollegen Orts vielfach ergänzen, halte es aber für unangebracht, in die Polemik einzugreifen. Der Vorsitzende stellte die Zustimmung der Mandatskommission zu den Ausführungen ihres Mitgliedes Orts fest. In aller Kürze General Makarow, der Sohn des aus dem russisch-japanischen Kriege bekannten russischen Admirals, ist mit seiner Famile zum Judentum übergetreten und hat den Namen \braham angenommen. Der Sohn Makarows beabsichtigt nach Palästina zu gehen. * Der Jude Kapitän Pontremo’i wurde zum Admiral der Italienischen Kriegsmarine ernannt. * ln Santiago (Chile) wurde eine jüdische Gemeinde gegründet. * Der Präsident der Jeschiwah-College von New York, Samue! Lcvy, wurde zum Bczirksvorsteher von Manhattan gewählt. Der Völkerbundsrat hat den Leiter der Abteilung des Völkerbundsrates für Transit und Verkehr, Haas, einen französischen Juden, zum Direktor ernannt. * In Phi'adelphla wurde die 32. Zweijahrskonferenz des amerikanischen Rcforinjudentums abgehalten. Es erschienen 1500 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten. * Der Magistrat von Charberoi (Belgien) hat der jüdischen Gemeinde dieser Stadt ein Grundstück zur Anlegung eines speziellen jüdischen Friedhofes zum Geschenk gemacht. Es wird dies der erste jüdische Friedhof in Belgien sein. In Jassy kam es aniäß'ich des Vortrages von Panait Istratit zu antisemitischen Studentencxzessen. Der Vortrag konnte nicht abgehalten werden. * Bei einer in Lemberg stattgefundenen Konferenz der Agudisten Ostgaliziens wurde beschlossen, mit den Zionisten in den Gemeindestuben nicht zusamnvenzuarbeiten. Die amerikanischen Einwanderungsquoten um 90 Prozent gekürzt Washington, 23. Jänner. (J. T. A.) Der Einwanderungsausschuß des Repräsentantenhauses hat den Antrag des Staatssekretärs Stimson, die Einwanderungsquoten für die nächsten zwei Jahre auf 10 Prozent ihres jetzigen Ausmaßes herabzusetzen, angenommen. Schulrat Prof. Dr. Heinrich PoilaK Worte der Einnerung. Von Prof. Dr. K. Kupfer. Wenn jemals eine Geschichte des jüdischen Iirziehuugawesens in Wien geschrieben werden sollte, wird man den Namen Heinrich Pollak nicht übergehen können. Der jüdische Religionsunterricht an den Wiener Mittelschulen war eine Aktion, die gleichzeitig mit dem r.rl'dvamen und sei:! V'PcriJ vor sich gehenden Erkämpfen unserer Gleichberechtigung vor sich ging. Heinrich Pollak entstammte dem mährischen Judentum. Aus seinem Elternhause in Holleschr.u brachte er lebendiges und erlebtes Judentum nach Wien mit. Sein Studium hingegen glich mehr der altphilologischen Hoclisc’uilnr'vclt, die auch später das Stigma seines Lebens und seines Wirkens war. Der jüdische Religionsunterricht wurde durcli Heinrich Pollak mittelschulreif, eine Disziplin, die sich in den regelrechten Betrieb der Schule einfügte. Einem Judentum Pollak* gehorcht man, man widmet sich ihm, man widmet ihm seine Kinder. Sein Judentum belebte, bereicherte und befruchtete. Pollak war kein Titan. Er lehrte uns, die Jüngeren, die sich ihm gerne anschlossen, das ruhige Abwügen, das Abstecken des Zieles, die Grenzen des Erreichbaren im Auge zu behalten. Wir Jungen, beseelt von Idealen der jüdischen Renaissance, sehnten uns nach Aufschwung, nach der äußersten Spannung, nach Kraft und Glauben. Pollak erkannte hingegen die Zusammenhänge des jüdischen Religionsunterrichtes mit der allgemeinen klassischen Biloung und bewahrte seine Schüler vor Uebertreibungen und Enttäuschungen, die oft im späteren Leben so manchen jugendlichen Enthusiasten zum nüchternen Spötter, ja sogar zum Abtrünnigen machten. Schließlich wurde er selbst ein Teil der Mittelschule, man hatte ihn lieb, er gehörte wie ein notwendiges Stück zur Einrichtung der Lehranstalt. Pollak hatte eine Abneigung gegen alles Uebcrschwängliclia und Uebcrradikale. Wir lernten von ihm, für unsere jüdischen Gefühle warme, schöne und klar begrenzende Worte zu gebrauchen. Prof. Pollak nach der Pensionierung, als Rabbiner, wurde anders, geklärter, liebevoll und zart; keinem Menschen konnte er gram sein. Seine Seele blieb kindlich, rein und makellos, ohne Argwohn und ohne Bcargwöbnung des Nächsten. Seine Sprache war gewählt und blumenreich. Die jungen Mädchen blieben seinen Exorten treu. Agressive Charaktere mied er und verstand sie nicht. «Macht, Ehrgeiz», sagte er mir einst, «kann kein geistiges Ziel sein.» Bei aller Vorsicht im Urteilen hat Pollak gewußt und gelehrt, daß man dem Judentum am besten nützen kann, indem man ein tieuer Teil seines Volkes ist. Nun ist er von uns gegangen. Sein Leben ist sein Werk. Es ist das Denkmal seines Wesens. Das Irdische, Vergängliche hat sich verflüchtigt, die Erinnerung an den Juden und Menschen im Prof. Pollak wird bleiben. Ein vierter autonomer jüdisoher Rayon in Sowjetrußland Moskau, 20. Jänner. (J. T. A.) Das Gebiet von Fr ‘dorf in der Krim ist als autonomer jüdischer Rayon proklamiert worden. Damit ist der vierte autonome jüdische Rayon in der Sowjetunion geschaffen; die anderen autonomen jüdischen Rayone sind Kalinindorf im Distrikt Cherson, Stalindorf im Distrikt Krivojrog und «Oktjabr» im Distrikt Zaporozhie. Biro- Bidschan, das allgemein ebenfal's als ein in Entwicklung befind’iches jüdisches autonomes Gebiet betrachtet wird, ist mit Rücksicht darauf, daß die jüdische Kolonisation dort langsamer fortschreitet als erwartet wurde, bisher noch nicht als autonomer Rayon proklamiert worden. Beisetzung Mohammed Alis in <ler Omar-Moschee Jerusalem, 23. Jänner. (J. T. A.) Die Beisetzung des Führers der indischen Mohammedaner Maulana Mohammed Ali in der Omar-Moschee zu Jerusalem fand am Freitag, den 23. Jänner, statt. Dank den umfangreichen Siclierungsmaßnahmen der englischen Behörden ist es im allgemeinen nicht zu Ruhestörungen gekommen. Nur ein Auto mit jüdischen Insassen wurde mit Steinen beworfen. Besprechungen zwischen Jcwish Agency und Agudas Jisrccl in Berlin Berlin, 25. Jänner. (J. T. A.) In der vergangenen Woche haben in Berlin Besprechungen zwischen Vertretern der Jcwish Agency und Beauftragten der Agudas Jisrocl stattgefunden. Die Besprechungen sollen im Verlauf dieser Woche unter Hinzuziehung weiterer maßgebender Persönlichkeiten fortgeführt werden. Das neue jüdische Gemeindegesetz für Italien in Kraft getreten Rom. (J. T. A.) Durch die soeben erfo’gte Veröffentlichung in der «Gazetta Ufficiale», dem italienischen Amtsblatt, hat das im Oktober v. J. angekündigte königliche Dekret über die Verwaltungsnormen für die jüdischen Gemeinden in Italien und die Schaffung eines Gesamtverbandes der jüdischen Gemeinden Italiens (Unione delle Conrmunita Israelische) Rechtskraft erlangt. Palästina-Orangen in Wien Eine der besten Möglichkeiten, die wirtschaftliche Lage Palästinas zu lieben, ist die Förderung des Absatzes von Produkten Erez Israels. Am raschesten hat sich bisher die Parole; Kaufet die Produkte Palästinas bei der Palästina-Orange durchgesetzt, die infolge ihrer hervorragenden Qualität und Güte in kurzer Zeit den Weltmarkt erobert hat. Um es jedem Gesinnungsgenossen zu ermöglichen, die Orangen zu billigen Preisen' direkt ins Haus zugestellt zu erhalten, hat das Zionistische Landeskomitee mit Herrn S. Halpern, II., Förstergasse 6, Tel. R 40-4-12, ein diesbezügliches Uebereinkommeo getroffen. Wir ersuchen alle Gesinnungsgenossen, Orangen direkt bei Herrn Halpern zu bestellen und sich selbst vonder Güte dieser alle anderen Sorten weit übertreffendea Orange zu überzeugen.