Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 161 (29.1.1931)
- Date
- 1931-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053915--2151-3057558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
CmifHMt 9 für den RÄTSELWETT* BEWERB der „STIMME“ Preis 35 Groschen V. b. b Aboaaaneatpreisoi Für Ooslerralcb: Aluiinil 8 i.ao. vierte!]. 8 4.SO gaozj. 8 IO.- / Deatsclilaad: Mn'iall. UoLltnark 1.—. viertel] Gold mark 3 - > Tschechoslowakei: Monatllelt Ke 7.—. viertel] Ke 19 - > Jugoslawien: Monatlich Dinar 14 — rlrrtHilthrllPh Dinar 40.— 4. Jahrgang Jüdische Zeitung Ehroiüatcsft«»* Donnei slatt Sfl**daMion und /Cftministration: Wien. I.. Mür nt ner stramme 2S — Üeiepfton äf9 27-%-SO Wien, Donnerstag, 29. Jänner 1931 (11. Schebath 5651) Polaat Monatl. Zloty 2.30. viertel] Zloty S.fiO I Ungaro: Monatl. l’engö I 50. viertelj Pengö 4.20 f Rumänian: Monatl Lei 45.—. viertelj Lei 125 — t Bulgarien: Monatl Lewa 30.— viertelj Lewa 30.— Belgien: Monatl Belga 2.—. viertelj Belga 5.— I Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 Nummer 161 Die Zeit muß ausgenützl werden Der Schluß der Londoner A. C.-Tagung Es ist gut, daß der Kongreß verschoben wurde. JJie letzte Februarwoche dieses Jahres wäre unter den gegebenen Umständen nicht der richtige Zeitpunkt für seine Abhaltung gewesen. Fs ist vielleicht schlecht, daß unsere obersten Organlsalionslnstanzen den Kongreß nicht sofort nach der Veröffentlichung des Shaw- Berichtes oder des Weißbuches einberufen hatten. Damals hätte ein geeinter Protest unserer demokratischen Repräsentanz notgetan. Der Februar dagegen wäre ein zu später Zeitpunkt, um zu protestieren, und ein zu früher, um, die Tatsachen rekapitulierend, ein neues Aufbauprogramm aufzustellen und neue Wege einzuleitcn. Die Verhandlungen mit der britischen Regierung sind noch nicht beendet; die amerikanische Geldkampagne muß wenigstens in ihrem letzten Stadium erfogreich durchgeführt werden; in vielen Ländern der Welt sind die Zionisten dabei, ihre Arbeit auszubauen. Per Kongreß zu dem ursprünglich angesetzten Zeitpunkte wäre ein Fehlgriff gewesen. Diese Erkenntnis bleibt aufrecht, wenn die Opposition auch noch so tobt. Der Opposition geht es in erster Linie um den Sturz Weizmanns, alles andere ist ihr nebensächlich. Die Opposition möchte schon jetzt den Kongreß haben, und das ohne Rücksicht auf die Lebensnotwendigkeiten der Bewegung, da sie ihrer Entrüstung über die zionistische Politik vor dem berufenen Forum Luft machen möchte. Die Mehrheit der AktionskomiteemitgMedsr hat sich aber durch die intransigente Haltung der Revisionisten, der Radikalen und der Misrachisten nicht einscliüchtern lassen und hat das getan, was jeder real denkende Zionist im Grunde genommen wünschte: sie hat den Kongreß bis Mitte Juni verschoben. Nun, da die Verschiebung eine Tatsache ist, gilt es, die Zeit bis dahin auszunützen. Und zwar sowohl in London als auch in Jerusalem und — last but not least — in allen zionistischen Landesorganisationen. Die Verhandlungen, die bisher im Schneckentempo geführt worden sind und über die so wenig Authentisches in die zionistische Oeffcntlichkeit durcbsickert, müssen mit größter Energie, Einhelligkeit und Entschiedenheit seitens der zionistischen Verhandlungspartner geführt werden, um möglichst rasch den ersehnten Erfolg herbeizuführen: Aufhebung des Weißbuches oder eine derartige Aenderung dieses Schmachdokumentes, daß os seine ganze antizionistische Spitze verliert. In Palästina muß das drohende Gespenst der Arbeitslosigkeit gebannt werden, die Einwanderung frischer Elemente fortwährend vor eich gehen. Und in allen Ländern der Diaspora muß endlich eine Zeit der Besinnung kommen, eine produktive Periode der wichtigsten aller Arbeiten: der Kleinarbeit auf organisatorischem und finanziellem Gebiet. Wir dürfen nicht am 15. Juni vor uns selbst und der Welt so daßteben, wie wir am 24. Februar dagestanden wären. Wir müssen den Beweis erbringen, daß wir nicht nur Großes verlangen, sondern auch Großes leisten können. Es gibt Worte, die durch allzu häufige Wiederholung ihr spezifisches Gewicht und ihre Gewichtigkeit verloren haben: eie sind zur Phrase geworden. Insbesondere im zionistischen lieben kommt es sehr oft vor, daß Losungen. Auf Grund des offiziellen Communiques über die außerordentliche Tagung des Zionistischen Aktionskomitees in London ist über die Sitzungen vom Samstag, den 17., und Sonntag, den 18. Jänner, noch nachzutragen: Nach dem von Dr. Nurok erstatteten Bericht der politischen Kommission und der Erklärung Dr. Weizmanns, daß er unter der Voraussetzung, daß die Opposition für die Aufrechterhaltung der Disziplin innerhalb der Bewegung Sorge trage, bereit sei, die Verhandlungen mit der Regierung weiterzuführen, nahm Abg. J. Grünbaum das Wort und erklärte, Dr. Weizrnann habe einzelnen Gruppen der Opposition nicht Gerechtigkeit widerfahren lassen. Rabbi Berlin erklärte namens des Misrachi, dieser sei überzeugt, daß der ,Kongreß ohne Aufschub abgehalten werden müsse. - Ben Gurion wandte sich energisch gegen die Einberufung des Kongresses im gegenwärtigen Augenblick und unterwarf die Kampfmethoden der Revisionisten einer scharfen Kritik. Namens der Revisionisten erklärte Meer Grofirn a n, Dr. Weizrnann habe keine Ursache, sich über den Mangel an Einigkeit innerhalb der zionistischen Reihen zu beklagen. Er selbst habe bei mehr als einer Gelegenheit die ihm angebotenc Mitarbeit der Revisionisten abgelehnt. Nachdem das Aktionskomitee den von T w e r s k y erstatteten Bericht der Finanzkommisslon zur Kenntnis genommen, stellte Dr. Felix Rosenblüth namens der Exekutive den Antrag auf Aufhebung des Beschlusses, den Kongreß für den 24. Februar einzuberufen. Der Antrag wurde mit 20 gegen 11 Stimmen angenommen. Daraufhin gab Rabbi Fish man im Namen des Misrachi die Erklärung ab, daß dieser sich infolge der vom Aktionskomitee getroffenen Entscheidung veranlaßt sehe, seine Vertreter aus der Exekutive zurückzuziehen. Lazarus Barth erklärte, er müsse auf Grund des Beschlusses seiner Partei seine Stelle in der Exekutive niederlegen, obwohl er in der Frage des Kongreßtermins die Meinung der Majorität teile. Rabbi Berlin hatte seine Demission als Mitglied der Zionistischen Exekutive und der Exekutive der Jewish Agency bereits am Schlüsse der ersten Sitzung bekanntgegeben. Dr. Nahurn Goldmann erklärte namens der radikalen Mitglieder des Aktionskomitees, es sei für die radikalen Mitglieder des politischen Komitees schwer, sich im Hinblick auf den Beschluß des Aktionskomitees, den Kongreßtermin zu verschieben, an den weiteren Verhandlungen mit der Regierung zu beteiligen. Trotzdem sehen die radikal zionistischen Mitglieder des Aktionskomitees davon ab, vor Beratung mit ihrer Organisation die Vertreter der radikalen Zionisten aus der politischen Kommission zurückzuziehen. Die Schlußsitzung des Aktionskomitees wurde Sonntag, den 18. Jänner, im Konferenzsaal der Zionistischen Organisation abgehalten. Felix Rosen- und Aufforderungen ihren ursprünglichen Sinn verlieren. Sie werden häufig wiederholt und selten beachtet. Sollte aber nicht jeder Jude, der sich Zionist nennt — und sich Zionist nennen, heißt nicht, fruchtlose Kritik üben, eondern verantwortungsvolle Arbeit leisten —• aus den einfachen, brutalen, auf uns fortwährend niederhämmernden Schlägen die einzig b 1 ü t h schlug namens der Exekutive vor, den Kongreß Ende Mai oder anfangs Juni abzulialten. Abg. G r ii nb a u m verlangte eine genaue Festsetzung des Kongreßtermins. Der Vorschlag der Exekutive, den Kongreß nicht später als am 15. Juni 1931 zusammentreten zu lassen,- wurde mit überwiegender Majorität angenommen. Weiters wurde beschlossen, die zum Zwecke der Zusammenarbeit mit der Exekutive bei den Verhandlungen mit der Regierung auf der letzten Tagung des Aktionskomitees ernannte politische Komm’ssion aufzufordern, ihre.Mitarbeit mit der Exekutive L.tzusetzen. Waad Leumi und die Zionistische 0;gan!satVnn Amerikas wurden neuerlich aufgefordert, ihre Vertreter in diese politische Kommission zu entsenden. Derh Verlangen der Zionistischen Organisation Polens nach Fner Vertretung in der Politischen Kommission wurde entsprochen. . Ein Antrag von N a i d i t s c h, die Demission der misrächistischen Mitglieder der Exekutive nicht zur Kenntnis zu nehmen, wurde einstimmig angenommen. Dr. A. Goldstein forderte die Mitglieder des Aktionskomitees auf, die größten Anstrengungen zu machen, um eine Schekelzahl von einer M Uion aufzubringen. Harzfeld forderte Verstärkung der praktischen Arbeit in Palästina. Rabbi Berlin gab die Versicherung ab, daß die Demission der misrachistischen Mitglieder der Exekutive nicht eine Verminderung ihrer Anstrengung für den Palästinaaufbau zur Folge haben werde. S p r i n z a lc erklärte, trotz der Wirtschaftskrise müßten alle jüdischen Kräfte für die Entwicklung der Kolonisationsarbeit mobilisiert werden. Meer Großman erklärte, die Einberufung des Aktionskomitees sei nicht gerechtfertigt gewesen. Der Vizepräsident des Aktionskomitees, Richard Lichtheim, habe im Hinblick darauf, daß das Aktionskomitee einberufen wurde, ohne daß vorher sein Rat eingeholt worden wäre, den Redner ermächtigt, dem Aktionskomitee die Demission Lichtheims als Vizepräsident bekanntzugeben. Die Annahme der politischen Resolution durch das Aktionskomitee und die Verschiebung des Kongresses seien nicht zu rechtfertigen. Ben Gurion gab einen Ueberblick über die Lage in Palästina und hob die Notwendigkeit hervor, in höherem Maße auf die innerjüdischen Kräfte und Möglichkeiten als auf Sympathien und Förderung von außen, so wertvoll und wichtig diese auch sein mögen, zu bauen. Am Schluß der Sitzung beglückwünschte Dr. Berthold F e i w e l im Namen des Aktionskomitees den Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahurn Sokolow, zu seinem 70. Geburtstag. Wer gesehen habe — so führte Dr, Feiwel aus —, wie Sokolow in den Kommissionen .und Subkommissionen umsichtig und energisch jedes Detail behandelt habe, habe die Seelengröße eines Kommandanten bewundern müssen, der wie ein einfacher Soldat arbeitet. Das Aktionskomitee wünsche seiner Dankbarkeit für diesen großen Meister und Lehrer, der stets eine Quelle von Bereicherung und Erkenntnis gewesen sei, Ausdruck zu verleihen. richtige Lehre ziehen: mit verbissenen Zähnen in Einigkeit wenigstens im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zu arbeiten. Die Zeit vom 24. Februar bis zum 15. Juni ist eine Frist, die wir uns selbst gesetzt haben, um unsere Lebens- und Entwicklungsfähigkeit , zu beweisen. Diese Zeit muß ausgenützt werden! yc. iothek