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Die Stimme · 1931-01-08 · Heft 158 (8.1.1931) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 158 (8.1.1931)
Date
1931-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 158 — 8. Jänner 1931 DIE SUMMT: Seite 3 Lord Melchetts Tod bedeutet für sein Vaterland, für das britische Weltreich und die britische Industrie, für ^ie Förderung des Friedens zwischen Arbeit und Kapital einen unwiederbringlichen Verlust. Uns trifft er doppelt schwer. Mclchett ist in einer Zeit von uns gegangen, da unsere Arbeit durch eine schwere Krisis hindurchgcht. Zu all den Schwierigkeiten, denen wir in den letzten 18 Monaten gegenüberstanden, tritt der Verlust unserer einflußreichsten Freunde, Marshalls, Balfours und Melchetts, hinzu. Vor zwei Jahren traf ich mit Melchett in New York zusammen. Er war damals mit der Bildung des Nickel- Konzerns beschäftigt. Am Abend nach dem erfolgreichen Abschluß dieser großen Transaktion sagte er zu mir in seiner gewohnt herzlichen Weise: Ich bin hier in der Durchführung, einer außerordentlich großen geschäftlichen Operation begriffen, von der ich großen materiellen Gewinn erwarte. Ich verspreche Ihnen, daß ich für Palästina mehr tun werde als irgendein Mensch auf der Welt. Ich bin sicher, fuhr Dr. Weizmann fort, daß er sein Versprechen gehalten hätte. Denn seit jener Zeit begann er, seine Unternehmungen in Palästina auszubauen, die sich, wie ich hoffe, weiter entwickeln und ein ewiges Denkmal für den Mann bilden werden, der so viel für uns getan hat. Ich selbst habe in Lord Melchett einen persönlichen Freund verloren, für den ich uneingeschränkte Bewunderung und tiefe Zuneigung empfand. Alles, was ich sagen kann, ist, daß wir in bescheidener Weise versuchen sollen, unser Bestes zu tun, damit seine ruhmreiche Arbeit keine Unterbrechung erleide. Was er in Tel Mond, am Tiberiassee, in Haifa und auf den verschiedensten Gebieten des palästinensischen Lebens geschaffen hat, wird weiter blühen zur Ehre und zum Andenken an Lord Mclchett. Das Leben muß weitergehen. Die Erfüllung unserer Pflicht ist durch das Hinscheiden eines großen Freundes schwerer geworden, aber das ist nun unser Los im Leben. Er ruhe in Frieden.» Wie Melchett Zionist wurde Nach Dr. Weizmann sprach auf der Konferenz der English Zionist Federation Simon Marks Worte des Gedenkens für Lord Melchett. Er führte u. a. aus: Lord Melchetts Anschluß an den Zionismus erfolgte in einem großen psychologischen Moment. Es war einige Zeit vor der Veröffentlichung der Balfour- Deklaration. Eine Reihe von englischen Juden suchte die Veröffentlichung dieses Dokumentes zu verhindern und übergab der Regierung eine Liste von hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten, die Gegner des Zionismus waren. Diese Liste enthielt auch den Namen Sir Alfred Monds, des späteren Lord Melchett. Glücklicherweise hatte ich eine Woche vorher Kenntnis von einem von Sir Alfred Mond verfaßten Artikel erlangt, in dem er ein unzweideutiges zionistisches Bekenntnis ablegte. Ich war in der Lage, dem Memorandum, das wir Zionisten der Regierung unterbreiteten, diesen Artikel beizu fügen. Ich arrangierte eine Zusammenkunft Dr. Weizmanns mit Sir Alfred Mond, der damals Minister für öffentliche Arbeiten war. Diese Unterredung führte zu einer engen Freundschaft zwischen den beiden Männern, die von nachhaltiger Bedeutung für unsere Sache wurde. Das Begräbnis Lord Melchetts London. (J. T. A.) An dem Begräbnis Lord Melchetts, das Dienstag, den 30. Dezember nachmittags auf dem St. Pancras-Friedhof in East Finch.ey stattfand, nahmen neben zahlreichen bekannten Industriellen und Politikern Mitglieder der Regierung und der Diplomatie, indische Fürsten und Vertreter der organisierten Arbeiterschaft Englands teil. Unter anderen waren Innenminister J. H. Clynes, Kolonieminister Lord Passfield, ferner Lord Ashfield, Lord Baseverbrook, Lord Burnham, Lord Dawson of Penn, der ehemalige Sprecher im Unterhaus Lord Ullswater, Lord Swaythling, Lord Jessel, Sir Hugo Hirst, Doktor Chalm Weizmann, Sokolow, Dr. Eder, Simon Marks, Abg. Major H. L. Nathan, Sir Meyer Spielman, sowie die englischen Gewerkschaftsführer Ernest Bevin, E. Firth und R. Coppock erschienen. Da auf dem Friedhof keine jüdische Zeremonienhalle vorhanden Ist, war für die Beerdlgungsfeierlichkeiten ein mehrere hundert Personen fassendes Zelt Aufgestellt worden. Der eihbalsamlerte Leichnam Lord Melchetts ruht in einem bleiernen Sarg, der in einen Mahagonisarg eingeschlossen Ist. Unter dem Haupt des Toten liegt ein Säckchen mit Palästina-Erde. GEBRÜDER BRAIJMIN WIEN, I. Witter naljt tmfi) nwt itym feine 33 efdjti) erben, 'Benontmei^eif, ßopffdjnrcr^en, Gdjtüin'belgefüh’I, .fterj&cftenunuugeu treten auf, bie Ecbcit»* fcHjigfcit nimmt ab. S)urd& eine 3t a b i o f f le r t n f lt r Inirb ben SnterlcrfcfietMJngen Uor gebeugt. Sic frei bcrfäitffidicu Steine* fffcnntabfcHen förbern hie 33hn^irfuTiTHoii, reinigen unfl) Uerbünn-cn baö Sötn.t, geben ben Vttunn bie nürige (Staftigität, tuoburd; ffifüe.v§erf4cwtuugen aX>grtvcnkr itub bie Sir&cttes Traft bis? in3 bot>c Eber erijalreu Meibt. 9i a b i u nt g c Ij ct 11 a nt t f i rfj ii I) c r p r ii f t. Sepot: Epoifjefc 33 a tj c r, SIBien, 1. Skßivf, 2$t>'fl;,etfc 13. — ‘L-rofpcr'ic gratis tttib fraitfo. Brodetsky über die Verhandlungen mit der Regierung In einem auf der Konferenz der English Zionist Federation gehaltenen Referat wies das Mitglied der zionistischen Weltexekutive Professor Selig Brodetsky auf die Bedeutung der politischen Arbeit hin, ohne die eine wirtschaftliche Arbeit in Palästina nicht denkbar sei. Das Problem zionistischer Politik, das uns heute beschäftigt, ist die Haltung der englischen Regierung gegenüber dem Aufbau in Palästina, wie sie in der Suspendierung der Arbeiterzertifikate und in den beiden Weißbüchern zum Ausdruck gekommen ist, ferner die offizielle Auslegung des Mandats. Die Verhandlungen zwischen Jewish Agency und Regierung, die von einem großen Teile der Anhänger der zionistischen Bewegung nicht gebilligt werden, sind nicht als eine Annäherung der Jewish Agency an die Regierung, sondern umgekehrt als eine Annäherung der Regierung an uns aufzufassen. Nach Dr. Weizmanns Demission ist von jüdischer Seite kein Versuch gemacht worden, den Kontakt mit IC3H<=>IOaOBOaOIOBOBOICDBC3IC3ICD Ü ö q Zionistische Arbeiterpartei „Hitachduth“ ■ 0 Sonntag, den 18. Jänner 1931, 4 Uhr nachmittags im 0 q Festsaal des Handelsmuseums, IX. Berggasse 16, j? ■ v m 0 0 ■ 0 ■ 0 ■ 0 ■ 0 ■ 0 B9 0 Palästina-Nachmittag Devise: lOjähriger Bestand der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth Haowdim) 10 Jahre Arbeiterkolonisation im ,.Emek". Festrede: Dr. Leo Goldhammer Grosses künstlerisches Programm Karten erhältlich bei den Chawerim der;,Hitachduth“ und im Keren Kajemeth, Wien I, Kärntnerstraße 28, Q Tel. R-27-3-20. Ein Teil des Reinertrages Hießt dem n ■ Keren Kajemeth zu. „ o c fÖlOIOIOIOIOBOBOIOIOIOIOlC der Regierung wieder herzustellen. Die Frage von Verhandlungen ist erst aktuell geworden, als Ministerpräsident Mac Donald eine Einladung zu Verhandlungen an Dr. Weizmann und einige seiner Kollegen ergehen ließ. Dr. Weizmann hat diese Einladung nicht auf eigene Verantwortung, sondern nach Genehmigung seitens des Aktionskomitees und des Politischen Komitees der Jewish Agency angenommen. Das Aktionskomitee hat eine Reihe von Grundsätzen für die Führung der Verhandlungen mit der englischen Regierung aufgestellt, namentlich den Grundsatz, daß das Weißbuch nicht die Basis für diese Verhandlungen bilden dürfe. Im Verlauf der letzten Monate hat die Tatsache, daß es nunmehr zwei oberste Instanzen für die Palästina-Arbeit, den Zionistenkongreß und die Jewish Agency, gibt, gewisse Schwierigkeiten verursacht. Seit der Bildung der erweiterten Agency wurde dieser nicht nur die finanzielle, sondern auch die politische Arbeit übertragen, während die Zionisten weiterhin den Zionistenkongreß und die Zionistische Organisation als verantwortliche Organe für die Palästina-Arbeit betrachten. Der nächste Zionistenkongreß wird dem Problem dieses Dualismus besondere Aufmerksamkeit widmen müssen. Die Bedeutung der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und Regierung liege unter anderem darin, daß das britische Kabinett durch Delegierung von vier Mitgliedern zu erkennen gegeben habe, daß es den Verhandlungsgegenstand nicht als eine Angelegenheit des Kolonialamtes, sondern des Gesamtkabinetts betrachtet. Der Grundsatz, keine Verhandlungen auf der Basis des Weißbuches führen zu wollen, darf nicht so verstanden werden, daß das Weißbuch bei diesen Verhandlungen überhaupt nicht erwähnt werden dürfe. Dieser Grundsatz bedeutet vielmehr folgendes: 1. Wir dürfen uns nicht mit einem ergänzenden Statement zufrieden geben, in dem etwa erklärt wird, daß diese oder jene Stelle des Weißbuches verbesserungsbedürftig sei. Eine Zustimmung zu Verbesserungen des Weißbuches würde eine Annahme des Weißbuches schlechthin bedeuten. Ferq^r: Wir verhandeln nicht über Gegenstände, die im Weißbuch enthalten sind, sondern über die Politik der Errichtung eines Jüdischen Nationalheiins in ihrem vollen Ausmaße. Endgültige Entscheidungen betreffend ein neues Uebereinkommen mit der englischen Regierung würden erst von den höchsten Instanzen der Bewegung, vom Aktionskomitee oder vom Kongreß und dem Council, getroffen werden. Aus drei Gründen könne das Weißbuch nicht die Basis für eine Kooperation zwischen Jewish Agency und der Mandatsniadit bilden: 1. wegen seines Tones, 2. wegen der in ihm enthaltenen offiziellen Auffassung und Interpretation des Mandats, 3. wegen der in ihm in Vorschlag gebrachten praktischen Politik in bezug auf Einwanderung, Bodenkauf, konstitutionelle Einrichtungen usw. Was für eine Politik immer sich auf Grund der Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency ergeben werde — erklärte Dr. Brodetsky zum Schlüsse — welche Schritte immer unternommen werden würden, um Juden und Araber in Palästina einander näher zir bringen — und so sei zu hoffen, daß die Regierung das gute Einvernehmen zwischen Juden und Arabern fördern werde — was immer künftig in Palästina geschehen werde, eines sei Grundbedingung: sowohl Kolonialamt wie Palästina-Regierung müssen eine loyale Haltung gegenüber der im Mandat betreffend die Einrichtung des Jüdischen Nationalheims festgeiegten Politik einneiunen. Wiederaufnahme der Verhandlungen London, 4. Jänner. (J. T. A.) Die Verhandlungen zwischen den Beauftragten der Jewish Agency und Vertretern des englischen Kabinetts über die Grundsätze der künftigen Palästinapolitik werden Mittwoch, den 7. Jänner, wieder aufgenommen. Die Zeitung «Jewish Chronicie», die bisher über die Verhandlungen zwischen der jewish Agency und der englischen Regierung nur pessimistisch klingende Nachrichten gebracht und die Resultatlosigkeit dieser Verhandlungen vorausgesagt hat, nimmt jetzt eine mehr optimistische Haltung ein und teilt mit, daß die verhandelnden Parteien auf dem Wege zu einem Kompromiß sind. Die Zeitung glaubt, daß es den Unterhändlern der Jewish Agency nicht gelungen ist, wichtige Konzessionen zu erhalten, daß aber eine Anzahl der krassesten Punkte des letzten Weißbuches von der englischen Regierung fallen gelassen wird. «Jewish Chronicie» ist der Meinung, daß die Reise Malcolm MacDonalds, des Sohnes des Ministerpräsidenten Ramsay MacDonald, nach Palästina zweifellos die Verhandlungen zwischen den Zionisten und der Regierung günstig beeinflußen wird, mag auch diese Reise nur privaten Charakter tragen. Wie die J. T. A. erfährt, hat die Exekutive der Jewish Agency den Waad Leumi aufgefordert, seine Vertreter zur Teilnahme an den Verhandlungen mit der Regierung, die sich dem Abschluß nähern, nach London zu entsenden. Dabei soll die Exekutive angedeutet haben, daß sich die Verhandlungen bereits dem wichtigsten Punkte genähert haben und daß es nun an cler Zeit sei, daß auch der Waad Leumi durch Teilnahme an den Verhandlungen die Mitverantwortung für den endgültigen Beschluß übernehme. In einer Mitteilung an die Jüdische Telegraplien-Agentur erklärte aber der Vorsitzende des Waad Leumi, Ing. Pinchas Ruthenberg, daß er nicht die Absicht habe, nach London zu gehen, ln einem vom «Doar Hayom» publizierten Schreiben erklärte Ruthenberg, er lehne jede Verantwortung für die Londoner Verhandlungen ab und wolle an diesen Verhandlungen auch nicht teilnehmen. Ruthenberg erklärte weiter, niemand habe ihn als künftigen Präsidenten der Jewish Agency in Vorschlag gebracht, und er würde dieses Amt, falls es ihm angeboten werden sollte, nicht annehmen. Aegypten liefert arabische Pogroinisten ans Jerusalem, 2. Jänner (J. T. A.). 20 Araber aus Hebron, die in Aegypten unter dem Verdacht, an den Massakern im August 1929 teilgenommen zu haben* vea* haftet wurden, werden an Palästina ausgeliefert,

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