Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 157 (29.12.1930)
- Date
- 1930-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere lieutffttfe Mi Ist 1® Selten storh V. b. b. Aboan«msntpreisa: Vir OMtomieh« Monatl. 8 1.60, Tlertelj. 8 4.90. gatmj. 8 10.— / Dsutaohlandi Monatl. Goldmark 1.-, vierteil. Gold mark a.— I Teehechoelowakei: Monatlich Ke f.—, viertelj. Ke 19.— l Jngoslawlea: Monatlieh Dinar 14.—. vierteljährlich Dinar 40.— < Jüdisthe Zeitung Crsütelnl feden Donnerslatt ÜtedaftMon und Administration: Wien, 1.» JVUmincrstrasac ZS — Jcfcpfton (ft Polen: Uonatl. Zloty 2.30, vlertelj. Zloty 6.60 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.60. vlertelj. Pengö 4.20 ( Rumänien: Monatl. Lei 46.—. vlertelj. Lei 126.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 80.—. vlertelj. Lewa 80.— Belgien: Monatl. Belga 2.—, vlertelj. Belga 6.— I Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.60 3. Jahrgang Wien, Montag, 29. Dezember 1930 (9. Teb. 5691) Nummer 157 I iQRP piacnnr gestorben | London, 28. Dezember. Lord Melchett (Sir Alfred Mond) ist heute gestorben Aue London kommt di« erschütterndo Nachricht, daß Lord Melchett of Langford (Sir Alfred Mond) im Alter von 62 Jahren verschieden ist. Mit ihm ist einer der einflußreichsten und treuesten Zionisten dahingegangen. Seit den Augustunruhen 1929 ist es bereits der dritte schwere Schlag, den die zionistische Bewegung durch den Tod führender Persönlichkeiten erleidet. Zuerst Marshall, dannpalfour und jetzt Melchett... Gerade heute, in der schwierigen politischen Lage, in der sich der Zionismus befindet; wäre' für uns das Wort und die Tat dieses wahrhaft großen Mannes von unschätzbarer Bedeutung gewesen. Das Schicksal wollte "M anders. ^ir. werden in unserer nächsten Nujpjftör die Persönlichkeit des allzu früh Dahingeschiedenen eingehend würaig^^ t;vt ••:r: e,y ’ . ly'/;; r« Die" ' aut Anfang Jänner vertagt Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur offiziell mitgeteilt wird, sind die Beratungen zwischen der Jewish Agency und dem vom britischen Kabinettsrat eingesetzten Subkomitee vorläufig noch zu keinem Abschluß gelangt und werden anfangs Jänner wieder aufgenommen werden. Die Vertagung wurde in einer am Sonnabend, den 20. Dezember, im Kolonialamt stattgefündenen Sitzung der Verständigungskonferenz beschlossen. Ueber den sonstigen Verlauf dieser Sitzung teilt das Regierungscommunique nichts mit. Goldsmid über die Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency London. (J. T. A.) Am 21. Dezember fand In London eine Sitzung des Jewish Board of Deputies statt, die siph mit dem Fortgang der Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency befaßte. Der Präsident des Jewish Board of Deputies O. E. d‘Avigdor Goldsmid erklärte, diese Verhandlungen seien dadurch gerechtfertigt, daß die Regierung eben jene Stelle sei, von der Zugeständnisse in der Palästinafrage erreicht werden müssen. Die Palästinakommission legte dem Board einen Bericht vor, in dem erklärt wird, daß die Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency über das Weißbuch noch im Gange seien, so daß derzeit keinerlei Erklärungen über ihren Stand abgegeben werden können. Die Verwaltung Palästinas soll dem Auflenamt unterstellt werden London. (J. T. A.) Der Abgeordnete der Labour- Party Lt.-Cdr.-Hon. J. M. Kenworthy hat auf dem Jubüäumsfestbankett des Hebrew Board of Guardians in Hüll eine Ansprache gehalten, ln der er die Mitteilung machte, es werde die Verwalt, ng Palästinas wahrscheinlich dem Kolonialamte entzogen und dem Außenamte unterstellt werden. Er selbst habe der Regierung einen diesbezüglichen Vorschlag unterbreitet und sei überzeugt, daß er angenommen werden würde. Vor kurzem hat auch Lord Erlelgh erklärt, daß mit der Unterstellung der Verwaltung Palästinas unter das Außenamt zu rechnen sei. (Ueber das Projekt, die Verwaltung Palästinas dem Außenamt zu unterstellen, haben wir bereits berichtet. — Die Red.J WirdEinstein in Amerika bleiben? Berlin. (J. T. A.) Nach Meldungen, die der Jüdischen Telegraphen-Agentur aus London und New York zugegangen sind, scheint es, daß Einflüsse sich geltend machen, um Professor Albert Einstein, der vor einigen Tagen zu Studienzwecken in Amerika eingetroffen ist, dazu zu bewegen, sich dauernd in den Vereinigten Staaten niederzulassen. Man führt ins Treffen, daß ja die Entwicklung in Deutschland eine Richtung eingeschlagen hat, die das Eintreten von Verhältnissen als möglich erscheinen läßt, unter denen es einem Gelehrten wie Albert Einstein überhaupt unmöglich sein würde, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Dies könnte z. B. geschehen, wenn es den Nationalsozialisten gelingen sollte, einen entscheidenden Einfluß auf das öffentliche Leben in Deutschland zu erlangen oder gar überhaupt die Herrschaft an sich zu reißen. Die New Yorker Jüdische Telegraphen-Agentur wandte sich direkt an Einstein mit der Frage, was von den Gerüchten zu halten sei, daß er nicht mehr nach Deutschland zürückzukehren, sondern seinen ständigen Wohnsitz in einem anderen Lande zu nehmen gedenke. Einstein erwiderte, er halte es nicht für angebracht, sich öffentlich über Verhältnisse zu äußern, oder gar Schlußfolgerungen aus solchen Verhältnissen zu ziehen, von denen er hofft, daß sie nur vorübergehend seien. Noch weniger geneigt sei er, unter solchen Umständen m KAI5ER5TR. 123 K. ALSEBSTR. 6 Die Unterhaltungsbeilage der „Stimme“ mußte infolge technischer Schwierigkeiten aus dieser Nummer Ausfallen. im voraus Entscheidungen zu treffen oder getroffene Entscheidungen bekanntzugeben. Einstein über jüdisches Zusammengehörigkeitsgefühl und Zionismus Bei seiner Ankunft in New York empfing Professor Albert Einstein an Bord der «Belgenland» einen Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und äußerte sich ihm gegenüber über seine Auffassung einer Reihe moderner jüdischer Probleme. Der Interviewer stellte zunächst an Professor Einstein folgende Frage: «Welches sind, Herr Professor, Ihrer Meinung nach die Kräfte, die den modernen Juden mit seinem Volke verbinden?» — «Jede menschliche Gemeinschaft,» erwiderte Professor Einstein, «wurzelt in gemeinsamer Ueberlieferung und verfolgt ein gemeinsames Lebensziel. Dieses bedingt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, zu dessen Entstehung auch Blutsgemeinschaft beitragen mag, doch kann eine nationale Gruppe auch ohne Blutsbande bestehen. So entwickelt sich z. B. allmählich ein nationaler amerikanischer Typus, obwohl das amerikanische Volk nicht einheitlichen Ursprungs ist. Die Einheit einer menschlichen Grupp« wird bestimmt durch ihre gemeinsame historische Vergangenheit,, durch eine gewisse psychische Eigenart, die das Volk im Verlauf seiner historischen Schicksale ausgebildet hat, durch eine gemeinsame Auffassung in Fragen der Ethik undeinen gemeinsamen Lebensweg. Die Grundlage zu dieser gemeinsamer, ethischen Auffassung wird in der Jugend gelegt, daher bleiben ihre charakteristischen Richtlinien das ganze beben hindurch bestehen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserem jüdischen Volke basiert nicht nur auf unseren religiösen Ueberlieierungen, sondern auch auf einer Reihe anderer Faktoren, deren Vorhandensein wir zwar fühlen, die aber sehr schwer zu definieren sind.» — «Glauben Sie, Herr Professor, daß dieses Zusammengehörigkeitsgefühl den Juden irgendwelche sittlich« Verpflichtungen auferlegt?» — «Ich glaube», antwortete Einstein, «daß der Jude darnach trachten muß, dieses Gefühl zu einem Bewußtseinsinhalt zu steigern und sich selbst als integralen Teil seiner Gruppe zu erkennen. Dem Bewußtsein seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Gruppe muß jeder auf seine eigene Art und Weise Ausdruck verleihen. Es ist das große Verdienst des Zionismus, daß er die jüdische Selbstachtung gehoben hat. Auf Grund des Zionismus macht sich eine neue jüdische Solidarität bemerkbar. Indessen kann der Zionismus die wirtschaftliche Judennot nicht lösen, weil Palästina zu klein ist. Die amerikanische Judenheit hat eine große Bedeutung für die Zukunft des Volkes, sie ist wirtschaftlich gesicherter und hat im letzten Jahrzehnt weniger als irgendein anderer Teil des jüdischen Volkes unter politischen Verfolgungen zu leiden gehabt. Welche Rolle die amerikanischen Juden im jüdischen Geistesleben spielen werden, steht dahin.» Auf die Frage, ob seiner Meinung nach die jüdische .Jugend die hebräische Sprache erlernen solle, antwortete Einstein: «Sicherlich sollten die Juden eine eigen« Sprache haben, doch habe ich mich nicht soweit mit diesem Problem befaßt, um sagen zu können, welche Sprache als «die» jüdische Sprache zu gelten hat.» , Kein« Intervention Rothschilds Im Haag Auf eine Anfrage wird der Jüdischen Telegraphen-« Agentur mitgeteilt, daß die unlängst vom «Neuen Wiener Journal» gebrachte Nachricht, Baron Edmond de Rothschild beabsichtige, vom Haager Gerichtshof die Annullierung des englischen Weißbuches über Palästina zu verlangen, vollständig aus der Luit griffen sei. Baron Rothschild hat niemals irgendwelche politischen Schritte ohne Kenntnis und Mitwirkung der J[e* wihs Agency in Erwägung gezogen. ^4991355