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Die Stimme · 1930-11-20 · Heft 152 (20.11.1930) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 152 (20.11.1930)
Date
1930-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 162 — 20. November 1980 PlgSTTHMH Die Stimme des «n Aus tlem Briefe einer Palästinenserin einen Gesinnungsgenossen in Wien. *,Die politische Lage ist wirklich nicht schon. 2fr* nächst waren alle hier wie vom Donner gerUhrt. Aber die Juden sind wirklich ein wunderbares Volk lind «stiff-necked». Es ist wirklich unglhuMich, wie alte durchdrungen sind von dem Geist «wir‘müssen weiter»; wenn möglich m l t der Regierung, aber wenn sie nicht will, muß es auch ohne sie gehen, und wir werden durchhalten ... Es wird etwas langsamer gehen, aber vorwärts wird man kommen. So wie Schmaryahu Lewin letztens im Cafe sagte: «Noch viele Regierungen können wechseln, aber das jüdische Volk geht weiter.» Das ist wirklich der Ausdruck des ganzen Jischuw. Es ist bloß schade, daß der Galuth uns bis jetzt nicht mehr Geld geschickt hat, dann hätten wir jetzt viel mehr Boden haben können und unsere Position wäre noch stärker gewesen. Jetzt sieht man, wie recht Ussischkin die ganze Zeit hindurch hatte, als er darauf gedrängt hat, soviel Boden wie nur möglich zu kaufen, auch wenn man ihn vielleicht teuerer bezahlen mußte, als recht war. lieber viele Käufe wird auch jetzt noch verhandelt; hoffentlich gelingt es, genug Geld aufzubringen, um Kontrakte abzuschließen, bevor die neuen Gesetze herauskommen. Aber das können Sie ruhig jedem sagen: keiner im Jischuw denkt daran, etwas aufzugeben. Meine holländischen Freunde sagten zu Schm. Lewin, daß sie ln keiner glücklichen Zeit gekommen wären, worauf er ihnen erwiderte: «Seien Sie froh, daß Sie überhaupt hier sind; so ein Schlag ist in Erez Israel leichter zu ertragen als draußen», und das, glaube ich; ist wahr. Denn draußen kennt man den;Geist nicht, der hier herrscht. Und das Land ist so schön. Trotz der Nacktheit der Berge genieße ich deren Schönheit jeden Tag, wenn ich aus dem Fenster gucke oder spazieren gehe. Und wenn das alles bepflanzt wäre, wie. schön müßte es dann erst sein ... Wie liebe ich dieses Land, sowohl die Täler wie auch die Berge. Wie habe ich mich gefreut, den Weg von Tel-Aviv nach Jerusalem hinaufzufahren. Hier ist es wundervoll, selbst wenn man soeben aus der Schweiz und aus Holland zurückgekommen ist, wo es soviel Grünes gibt .' . .” Aus Palästina Der palästinensisch-arabische Kongreß. Die palästinensisch-arabische Exekutive wurde von verschiedenen arabischen Gruppen aufgefordert, im Hinblick auf die politische Situation den letzten (Siebenten) palästinensisch-arabischen Kongreß wieder einzuberufen. Die mohammedanisch-christ-: liehe Gesellschaft in Jaffa stellt fest, daß der Druck von jüdischer Seite die Regierung bewogen habe, in der Frage der jüdischen Einwanderung einen Rückzug anzutreten. * Die K. K. L.-Elmtahmen. Das Jahr 5690 wieder ein Rekordjahr. Nach der soeben vom Hauptbureau in Jerusalem veröffentlichten Uebersicht betragen dae K. K. L.-Einnahmen im Jahre 5690 (1929/30) 271.511 Pfund und sind die höchsten Einnahmen der letzten drei Jahre. Die diesjährige Orangenernte. Der Gesamtexport von Palästina-Orangen nach England wird in diesem Jahre auf 2Vz Millionen Kisten geschätzt. Der erste Transport von 27.000 Kistenist am 12. November von Jaffa abgegärigen. Im Hinblick auf die schlechte spanische.Entte dürften auf dem englischen Markt höhere Orangenprdse als im Vorjahr erzielt werden. J; /. Abschluß großer Drainage-Arbeiten bei Haifa. Anläßlich des Abschlusses der mit einem Kostenaufwand von 25.000 Pfund ' durchgeführten Drainage-Arbeiten an ' der Bucht yon Haifa, bei denen 250 Arbeiter, seit dem Juli-1929 beschäftigt waren, hielt M. M. Ussischkin eine Ansprache; in der er u. a. sagte: Wir wissen, daß die englische Regierung in die FußtaDfen der Türken tritt, daß sie uns feindlich gesinnt ist und die Errichtung eines Lahdes Isfriael, nicht aber eines Landes Israel wünscht. Dennoch werden wir siegen, denn Palästina bedeutet für uns das Leben selbst : Keine Petroletunkonzessfon in Palästina. Auf eine Anfrage der Jüdischen Jelegraphen-Agentur hat die Regierung die sensationelle Nachricht, daß einer mit der Standard Oil. Company in Verbindung stehenden englischen Gruppe eine Petroleumkonzession auf ein Areal von einer halben MjlHon Acres am Toten Meer erteilt worden sei, offiziell dementiert Es wurde bloß bestätigt daß der bekannte Bergingenieur Sutherland, hinter dem ein ungenanntes englisches Syndikat steht, eine kurzfristige Erlaubnis zu Bohrversuchen auf einem Gebiete von über 100000 Hektar zwischen dem Toten Meer und Beer Scheba erhalten hat. Die Noten* und Münzzirkulatlon hi Palästina. Nach dem Ausweis des Palestine Currency-Board für Ende 1930 beträgt die Zirkulation an palästinensischen Silbermünzen 234.500 Pfund, an Näckelmünzen 39.900 Pfund, an Kupfermünzen 2272 Pfund, zusammen 276,672 Pfund. An Noten waren.Ende September 1,992.992 Pfund im Umlauf, so daß die gesamte Zirkulation an diesem Tage 2.269.664 Pfund betrugt ■ der „ ftimme“ Silbenrätsel Jacob Bosenbeims 60. Geburtstag Der Begründer und Präsident der «Agudah», Herr Jacob Rosenheim in Frankfurt, feierte vorige Woche seinen 60, Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurde der Jubilar in Kreisen seiner Organisation, insbesondere in Deutschland, als der geistige Führer und Ideo.'og dieser orthodoxen Trennungsbewegung vielfach gefeiert. Zu einer imposanten Kundgebung für die Agudah, an deren Spitze er steht, gestaltete sich insbesondere — nach dem Berichte des Frankfurter «Israelit»; des offiziellen Organs der Agudah — die Agudahfeier in Frankfurt, in wecher als Hauptredner der prominente Agudahführer Oberrabbiner Dr. Josef Carlebach aus Altona figurierte tuid über «Zusammenbruch der Bibe kritik» einen Vortrag hielt Herr Rosenheim wurde seinerzeit vom Weltkongreß der Agudah in Wien mit der Verleihung der «Morenu» aus* gezeichnet. Aus folgenden SHbett: be — buk -ichaj —•ttho —• di — e — eb — el — es — lieh — ga — hil — ke *-- la — lo — me — mer — na — ne — pta — ra — re — than — te — tel — ulm — wot sind zwölf Wörter zU-bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten go esen, eine wichtige zionistische Losung ergeben. - Die Wörter bedeuten: 1. Tochter des Herpdes. 2. Ehemaliger Oberkommissär von Palästina. 3. Fluß in Deutschland. 4. Jüdische Gestalt aus einem Lessingdrama. 5. Drama von Anski. 6. Spätbiblische ‘Gestalt. 7. Kolonie in Nclrd-Galiläa. 8. Deutscher Philosoph. 9. Stadt an der ponati. 10. Flachland. 11. Kolonie in Südpalästina. 12. Gemeinde-(hebräisch). An-’-Dy. Magisches Quadrat 1 2 8 4 a — a — b e e — 1 — 1 — r t — u — t Die Buchstaben ergeben, richtig eingesetzt, waaigrecht und senkrecht dieselben Wörter folgender Bedeutung: 1. All. 2. Biblische Figur. 3. Erfrischung. 4. Eingang. An—Dy. Visitkartenrätsel e — e s — t - w Frag mich was Zehn neue Fragen für den Fragenwettbewerb der „Stimme». 1. Wie hieß Abrahams Vater? 2. Wie hieß der englische Feldherr, der Palästina hn Weltkrieg eroberte? 3. Wo befand sich die zionistische Leitung während des Weltkrieges? 4. Wo wurde Herzl geboren? 5. Welche Stadt eroberten die Juden zuerst, als sie von Aegypten ins Gelobte Land zogen? 6. Wieviel Kinder hatte Jakob? 7. Was heißt Keren Hajessod auf deutsch? 8. Wie heißt die griechische und wie die lateinisch« Uebersetzung der Bibel? 10. Was heißt wörtlich «Purim»? Wir fordern unsere Leser und Leserinnen auf, uns Ant Worten auf die zehn Fragen zu senden. Den Antworten Ist der Coupon (siehe Seite 1) beizufügen. Für die richtige Beantwortung der meisten Fragen setzen wir einen Preis, und zwar das Buch «Stürmer des Ghetto» von Z. F. Finkeistein, und zwei Trostpreise aps. Wenn mehrere Einsender die Fragen richtig beantworten, entscheidet unter ihnen das Los. Letzter Einsendetermin 29. November 1930, 12 Uhr mittags. M, Jt Tovele Trier Was ist der Heit yon Beruf? Für die richtige: Auflösung?*ller dr^i Rätsel setzen wir einen Preis aus, und zwar: Ada Fischmanns Buch «Die arbeitende Frau in Palästina» (ln deutscher Sprache). Das Schön ausgestattete und reich illustrierte Werk ist kürzlich im Verjag Moazath Hapoaloth, Tel-Aviv, erschienen. Antworten auf die zehn einfachen Fragen fn Nr. 150 der «Stimme» (Kupon 2). 1. Die Juden kamen auf Veranlassung Kasimirs des Großen nach Polen. 2. Präsident des ersten Zionistenkongresses war Max Nordau. 3. Moais’ Frau hieß Zipora. 4. Das Synhedrion trat zum letzten Male auf Napoleons Veranlassung 1807 in Paris zusammen. 5. Rasch! wurde in Worms geboren. 6. Baruch Spinoza war der Neffe Uriel Akostas. 7. König Saul war aus d^m Stamme Benjamin. 8. Der jüdische Marschall Napoleons hieß Soult, 9. Die Chasaren waren ein südrussischer Volksstamm, der um 840 das Judentum annahm. Gegen 1250 wurden sie von den Moskowiten vernichtet; der Rest vermischte sich mit den übrigen Juden. Den Preis, and zwar das Buch «Stürmer des Ghetto» von Z. F. FlnkelsteJn, gewann Herr Alfred Unger, Wien, DC. Die nationalsozialistischen Friedhotschänder Auf dem jüdischen Friedhot in Trebnitz (Schlesien) wurden, wie schon mitgeteilt, zahlreiche Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert Auch die Leichenhalle wurde verunstaltet, wie Justizrat Peiser (Breslau) der. „Q. V.-Zeitüng“ mitteilt, entging auch das Grabmal des Kaufmanns Julius HHler, dessen Stiftung die Stadt ihr Bürgerheim verdankt; nicht der Besudlung. Die Bürgerschaft, war in begreiflicher Erregung über diese Untat, und dadurch sah sich auch die nationalsozialistische Ortsgruppe veranlaßt, im „Trebnitzer Anzeiger“ eine Auslobung für die Ergreifung der Täter atisztisetzeri und von ihnen’abzurückem Das Inserat hieß: „Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei duldet keine Denjun&lechänder in ihren Reihen. Sie zahlt daher 50 Reichsmark Belohnung demjenigen, der die Schmierfinken, die auf dem jüdischen Friedhof das Hakenkreuz für ihr niedriges Treiben mißbrauchten, so namhaft macht, daß sie Ihrer Bestrafung zugeführt werden können. Mitteilungen sind zu richten an Herrn L. Fechner jun., Trebnitz, Wassermühle.» . Die Suche nach, den'Tätern; die von der Polizei sogleich ins Werk gesetz worden war, hatte Erfolg. Noch nicht 24 Stunden nach der Veröffentlichung jener Anzeige entpuppten «sich ein vierundzwanzigjähriger Maler und zwei Burschen jugendlichen Alters als die Täter, die, wie sie seihst zugeben,, eingeschriebene Mitglieder der Urisgruppe Trebnitz der N. S. D. A. P. sind, ’ Die „C. V. Zeitung“ bemerkt dazu: „Was sagen die Nationalsozialisten dazu? Sie dürfen nun für die Ergreifung ihrer eigenen Freunde der Poljzei die Belohnung von 50 Mark zahlen und Sie mögen daraus lernen, daß die nachträgliche moralische Entrüstung nichts nützt, solange sie Ihr System: die Vergiftung der Volksmasse mit dem Judenhaß,' beibehalten. Die wahren Schuldigen sind die Hetzer selbst!“ Mexiko gegen die Einwanderung von Joden. Die Nachricht von einer Sperre dser jüdischen Einwanderung nach Palästina hat bei den antijüdischen Gruppen in Mexiko die lebhafte Befürchtung einer «jüdischen Invasion» hervorgerufen. «El Universal Grafice» schreibt: Eine geradezu phantastische Anzahl jüdischer Einwanderer, eine förmliche jüdische Einwandererlawine, droht in denenächsten Monaten Uber unser Land niederzugehen. Es hat allen Anschein, als ob, bevor noch ein halbes Jahr vergangen sein wird, nicht weniger als 40 000 Menschen dieser Rasse sich in Mexiko niedergelassen haben werden. Seiteinigen Wochen schon bereiten diese Leute ihre Reise ins «gelobte Land» vor, unter dem in diesem Falle unsere Heimat zu verstehen ist. Auf Grund verläßlicher Informationen können wir mitteilen, daß noch im Laufe des Monates November die ersten Kontingente jüdischer Auswanderer sich in den polnischen Häfen von Mexiko einschiffen werden. Diese Kontingente werden aus einer großen Anzahl von Männern, Frauen und Kindern jüdischer Kasse bestehen. Innerhalb der nächsten drei oder vier Monate werden weitere Gruppen von tausenden Menschen aus Danzig nach Mexiko abreisen, so daß eine ungeheure Anzahl von polnischen Juden im Verlauf von sechs Monaten in unser Land kommen wird. Wir wünschen nicht, pessimistische Prophezeiungen zu machen. Aber im Hinblick auf die Wirtschaftskrise und den Arbeitsmangel in diesem Lande ist wenig Aussicht vorhanden, daß diese Einwanderer hier ihr Glück machen werden. Es Ist mit Rücksicht auf die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse im Gegenteil zu erwarten, daß diese Leute hier noch schlechtere Bedingungen vorfinden werden als in den Ländern, aus denen sie kommen und in denen ihre Vorfahren Jahrhunderte hindurch gelebt haben. Es ist bedauerlich, daß wir die Aufmerksamkeit auf diese Tatsachen lenken müssen, wir tun es aber, weil diese Masscncinwandcrung eine schwere Belastung für unser Land darstellen und die schon jetzt ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Mexiko noch verschlechtern würde. Die Zeitung schließt: Im Hinblick auf die hohe soziale Bedeutung des Gegenstandes müssen wir die Aufmerksamkeit der Männer, die berufen wären, Vorkehrungen gegen mögliche beklagenswerte Folgen dieser Einwanderung zu treffen, auf dieses Problem lenken. Der mexikanische Innenminister hat im September einem Vertreter der jüdischen Telegraphen-Agentur in einem Gespräch mitgeteilt, daß die Einwanderung nach Mexiko gegenwärtig vollkommen eingestellt sei. Ein neues Einwanderungsgesetz, auf Grund dessen nur mexikanische Bürger, das Recht naben werden, ihre nächsten Verwandten nach Meziko kommen zu lassen, sei in Vorbereitung. Die im Mai 1930-erteilten Einwanderungsbewilligungen seien annulliert worden; den Besitzern solcher Einwahderungszertifikate ’ würde die Landung in mexikanischen Häfen nicht gestattet werdet».

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