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Die Stimme · 1930-09-18 · Heft 143 (18.9.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 143 (18.9.1930)
Date
1930-09-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 PIE OTTOE Nr. 143 Die Wahlen in Deutschland und die luden Der überwältigende Sieg der Nationalsozialisten in Deutschland kündet ohne Zweifel das Anechwellen der antisemitischen Welle in Mitteleuropa an. An der Spitze einer machtvollen politischen Partei mit 107 Vertretern im Reichsrat wird wohl Hitler in seiner sattsam bekannten Demagogie wohl keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um seinen geradezu pathologischen Judenhaß in politisch-reaktionäre Wirklichkeit umzusetzen. Die unverblümt antisemitische Aktion des Ministers Frick zeichnete bereit« lange vor diesen Wahlen den Weg vor, den diese Partei nunmehr, gestützt auf das Vertrauen von sechseinhalb Millionen deutschen Wählern über lang oder kurz mit rücksichtsloser Vehemenz betreten wird. Die Gefahr, die über das deutsche Judentum hereingebrochen ist, erscheint umso größer, als auch der äußerste Linksflügel keinesfalls judenfreundlich gestimmt zu sein scheint und so manche Wahlreden und Wahlaufrufe kommunistischer Führer grenzten hart an die antisemitische Psychose der Nationalsozialisten. Das deutsche Judentum trifft der Beginn einer neuen Reaktion leider vollkommen unvorbereitet. Schon während der Wahlbewegung konnte man bei den deutschen Juden, die trotz ihrer verschwindenden Minorität es verstanden haben, seit der Emanzipationsbewegung im geistigen und ökonomischen Leben Deutschlands eine überragende Stelle zu erringen, den Mangel jeglicher Orientierung und jeglicher Einheitlichkeit konstatieren. Allerdings muß man bedenken, daß die Stellungnahme jüdischer Wähler schwieriger war als die nichtjüdiseher. Der Jude mußte nicht nur die wirtschaftliche und staatspolitische Ideologie wahlwerbender Parteien prüfen, sondern vor allem auch die Stellungnahme zu den Juden und zum Judentum. Abgesehen von den jüdischen Sozialisten, deren Wahlredhteausübung an kein Dilemma gebunden war, kam das Zentrum und die Staatspartei in Betracht, die halbwegs jüdischen Wünschen entgegenkamen. Diesbezüglich gab es jedoch auch keine einheitliche Auffassung. Die Kandidatur Kareskis auf der Berliner Liete des Zentrums, die scheinbar ohne Fühlungnahme mit den maßgebenden Instanzen erfolgt ißt und die Kandidatur Dr. Weile auf der Liste der Staatepartei offenbarten eine Meinungsverschiedenheit, die bei einer einheitlichen Erfassung aller jüdischen Wähler leicht vermieden werden konnte. Ob es eine eigene jüdische Liste gewesen wäre oder die Bindung einer deutschen Partei zugunsten aller jüdischer Stimmen, mag dahin gestellt bleiben. Zu politischen Aktionen gehört vor allem Zusammenschluß und die Einheitlichkeit des Willens —- beide fehlten jedoch vollkommen bei den letzten Wahlen und dies ist bedauerlich. Allenfalls muß das deutsche Judentum auf der Hut sein und gegen schwere Angriffe von der äußersten Rechten hie zur äußersten Linken gewappnet sein. Die Aera des tändelnden Liberalismus scheint längst geschwunden zu sein. Nur in der stolzen Betonung jüdischer Eigenart und nur im engen Anschluß an dasJudentum der gananenWelt kann das Heil der deutschen Juden liegen. Wird doch Hitlers Sieg in Deutschland ohne Zweifel auch in andere Länder wo Juden wohnen, »eine Schatten werfen und nur ein gemeinsamer Kampf um unser© Rechte ■ als nationale Juden, der die ganze Welt umfaßt, kann auch eine kleine Minderheit, wie es die deutschen Juden sind» zum Siege führen. r 1 Hanclgtstukte Gobelins,nid^rc^rb» HERZL*Gobelins fefteugt Atelier Zahradnik Wisn, V Anzengrubergasea Nr. 30 III tftlephen U‘46«e*1? m ||| ||| Die Palästinafrage vor dem Völkerbund und die englische Presse Glossierung der Genier Vorgänge in der englischen Presse — „Manchester Guardian“ fragt, wann die uneingeschränkte Einwanderung wieder vor sich gehen wird London, 10. September. «Manchester Guardian» befaßt sich im Leitartikel mit Hendersons Antwort auf den Palästinabericht der Mandatskommission und schreibt: In seiner Rede hat Henderson, dessen versöhnliche Gesinnung besonders hoch einzuschätzen ist, klar zum Ausdruck gebracht, daß «die Regierung Seiner Majestät die Pflicht der Mandatskommission, zu kritisieren, anerkenne» und daß «sie die Haltung der Kommission in diesem Belang gebührend zu schätzen wisse». Diese Feststellungen sind nicht nur von Bedeutung im Hinblick auf Palästina allein; denn England hat noch andere Ljinder nach demselben Grundsatz zu verwalten, anderen Mächten obliegen ähnliche Aufgaben. Eine Verneinung des Rechtes der Mandatskommission, Kritik zu üben, hätte ihre Autorität in künftigen ähnlichen Fällen erschüttert und damit das gesamte System, das ln Versailles zum Schutze der Rechte unentwickelter Völker geschaffen wurde, zu Fall gebracht <* Henderson hat sich nicht damit begnügt, den Fehler wieder gutzumachen, der dnreb die scharfe Sprache der englischen Antwort auf den Bericht der Mandatskommission begangen wurde; er hat darüber hinaus dem Völkerbund die Unterbreitling einer ausführlichen Erklärung der englischen Regierung über deren künftige Politik ln Palästina versprochen. One solche Erklärung ist nötig, um eine Periode der Unsicherheit abzuschließen, welche das Experiment in Palästina länger als ein Jahr gehemmt hat Henderson gibt bekannt, daß Sir John Hope Simpson seinen Bericht über Einwanderung und Besiedlung vorgelegt hat. Er gibt weiters bekannt, daß die Einstellung der Einwanderung eine nur zeitweilige sei. Wann wird er uns ragen können, daß die Einwanderung wieder vor sich geben könne? „Daily Telegraph“ klagt die Mandatskommission der Befugnisüberschreitung an London, 10. September. Der «Daily Telegraph» bemerkt zu den Genfer Ereignissen, daß der Komplex der Palästinafragen durch den' Bericht der Mandatskommission und den Kommentar der englischen Regierung einen höchst heiklen, um nicht zu, sagen, unerfreulichen, Charakter, angenommen hatte. Daher war es das wichtigste Ergebnis der Montagssitzung, daß eine Formel gefunden wurde, mit der sich auch die engtische Vertretung zufrieden geben , konnte. Henderson konnte ejn so entgegenkommend vorgebrachtes. Ersuchen, die Kontrovejse zu beendigen, nicht ablehnen, und §o'kam es zur Annahme der.Resolution, in der unsere Regierung aufgefordert wurde, die ihr geeignet erscheinenden Maßnahmen zii treffen, durch welche' die'' Vorschläge der Kommission verwirklicht werden können. Dieser glückliche Ausgang einer unangenehmen Episode enthebt uns nicht der Notwendigkeit, einige Bemerkungen über einen unserer Meinung nach bedeutungsvollen Mißbrauch der Stellung des Völkerbundes in der Frage der Mandate zu machen. Wenn die von unserer Regierung selbst angestellte Untersuchung die geschehenen Fehler bereits vor aller Oeffentlichkeit aufgedeckt hatte, und wenn die zur Abhilfe nötigen Maßnahmen bereits getroffen worden waren, so war es unverzeihlich, daß dieselben Punkte in schulmeisterlicher Art von einer Kommission atitgegriffen wurden, deren Aufgabe es nur sein kann, auf solche Fehler hinzuweisen, die nicht eingestanden wurden. Es ist nicht die Aufgabe der Völkerbundsorgane, Maßnahmen zu treffen, welche die Autorität der Mandatarmächte untergraben können. Das ist die Lehre dieser Vorkommnisse. „Morni&g Post“ bezeichnet den Völkerbund eie „tnlHtaHetieoh“ London, 10. September. «Morning Post» schreibt: Man muß annehmen, daß der Völkerbundrat. hauptsächlich von der Furcht vor den Folgen eines eventuellen Verzichtes Englands auf das Mandat beeinflußt war. Dann selbst, wenn man geglaubt hätte, daß eine andere Macht bereit gewesen wäre, eine so beschwerliche und undankbare Aufgabe zu Übernähmen, son konnte man unmöglich glauben, daß Jene, anderen Mächte erfolgreicher bei dem Versuch gewesen wären» einen Ausgleich der Gegensätze in Palästina herbeizuführen. Der Bericht der Mandatskommission wirft uns vor, wir hätten Mangel an Voraussicht und Vorsorge gezeigt, wir hätten es verabsäumt, unser Mandat auszuführen und, was das Erstaunlichste ist, wir hätten nicht genügend britische Truppen im Lande gehabtv Eine Kommission des Völkerbundes» die eine Vermehrung von bewaffneter Macht fordert, ist eine eigenartige, Erscheinung., HoudersoriB Rede — ein diplomatischer Rückzug Genf, 10. September. (J. T. A.) Hendersons Rede fn der Montags&itzung des VÖlkerbuhdsrates wird, verglichet! mit der englischen Entgegnung auf den Bericht der ' Mandats*-‘ kommission, allgemein als diplomatischer Rückzug angesehen. Nach der Auffassung maßgebender Kreise Tn Genf war Henderson bemüht, oinoh offenen Konflikt in der Sitzung zu vermelden, durch den anders Mächte in die Läge hätten kommen können, sich auf die seife der Mandatskommission zu stellen, jedem Beobachter war es klar, daß Henderson die Eröffnung umfassender Diskussionen übet Palästina Vermeiden wollte, fn deren Verlauf Italien die Möglichkeit gehabt hätte, England von der Tribüne des Völkerbundes herab Herrn MM RICHARD HERZOG. Inh. d. Musikhauses Excelsior ■;.* Wien, I* Adlergasse 6 Im Besitze der von mir ge* machten Neuaufnahmen teile ich Ihnen mit, dass-dieselben mich sehr befriedigt haben. Sie übertreffen iö bezug der Reinheit der Stimme alle meine bisherigen Platten, .«...mit herzlichen Grüsseh S. Kwärtin. in der Palästinafrage, auch im Zusammenhang mit den Ansprüchen des Vatikans, anzugreifen. Diese weise Zurückhai-, tung seitens Hendersons führte eine Situation herbei, in der die von Procope vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen werden konnte, deren Wortlaut trotz Hendersons vielfachen Bemühungen nicht abgeändert worden war. Der einzige Delegierte, der mit dem Bericht der Mandatskommission nicht völlig einverstanden war, der Perser Khan ÄH, war als Mohammedaner offensichtlich von der Haltung der palästinensischen Araber beeinflußt, ln.den Kreisen des Völ* kerbundes war man von seiner;unfreundUchen Stellungnahme zürn Bericht , der Mandatskommission wohl unterrichtet und hegte die Befürchtung, er würde gegen Procopes Resolution stimmen. Wäre dies geschehen, so wäre die Resolution ab-: gelehnt worden, da im Völkerbund der Grundsatz einstimmiger Annahme von Resolutionen besieht. Schließlich stimmte auch Khan AU für die Resolution, so daß Einstimmigkeit erzielt wurde. Englands Definition des Begriffes „Jüdisches Nationalheim“ Genf, 10., September. Auf der Genfer Pressekonferenz richtete der Sonderberichterstatter der JTA. an den englischen Außenminister Henderson die* folgende Fraget Wie definiert die gegenwärtige britische Regierung den Begriff «Jüdisches Nationalheim», der in dem Bericht der Mandatskommission enthalten ist? Sie haben ja selbst für diesen Betricht gestimmt Henderson erwiderte: «Wir verstehen cjfe Öalfour-Deklaration in dem Sinne, daß die arabischen Interessen nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Juden haben die Bälfouir-DCklaration nur in. dem Sinne verstanden, daß England dte Schaffung eines Jüdischen Nationälheims vorzubereiten habe, sie haben aber dabei vergessen, daß England auch für deh zweiten Teil des Mandates, aer sich mit den Rechten tfer Araber befaßt, verantwortlich ist.» Auf eine Frage da« Vertreters des «Manchester Guardian*, ob auf dieser Tagung des Völkerbundes das Mlnoritttenproblfem erörtert und eine eigene permanente Minoritltenkommisslön geschaffen werden würde, erwiderte Hendersbti, die sei nicht zu erwarten. Ein neuer autonomer jüdischer Rayon in der Krim Moskau, 8. September. (J* T. A.) Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Neuorganisierung der Verwaltungsbezirke in der Krim wird die Errichtung eines neuen autonomen jüdischen Verwaltungsrayons geplant. Der neue Rayon Wird eine größere Anzahl jüdischer. Kolonien der jetzigen Distrikte Dzankoj und Eupatoria vereinigen. idio<xxxkxxxx>{xx>obp{xxxxx?oQOooooboobooi5o TreUpil der Mle» im Cafe „intus Rathaus" (Cafötier Leo Löwy) Größer» und kleine Klublokftle 1. Bez., Wipplingerstraße 24 T.L U 27-4-84, U 26-2-74 oftci(X)CKX)POcxfflcxxäoon.yyKXX»acxxxx>oo<xxxi 1

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