Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 132 (26.6.1930)
- Date
- 1930-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 firosdian v. b. b geründet 1899 Inhaber: Untere Angartenstrafle Nr, Abonneiaempreis«: FUr Oestarreloh: Monatl. 8 1.50, viertelj. 8 440, ganzj. 8 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.—« viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Ko 7.—, Tiertolj. Kc 19.— I Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— I Jüdische Zeitung CirpciMBimHt ledea» D4*«ftnersiUut jftedntktton und Jtdministratton: yiwi, 1, OTfluftcwaicfrutossc f s ggfepftön 2'0-3-8+ I Pqleji: Monatl. Zloty 3.30, viertelj. Zltoy 6.60 I Ungarn: Monatl. Fengö 1.60, viertelj. Pengö 4.20 I Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— f Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 60.— Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 6.— I Uebrigcs Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 3. Jahrgang Wien, Donnerstags 26. Juni 1930 (30. Siwati 5690) Nummer 132 Die Eröffnung der Session der London; 23. Juni. (J. T. Ü.) Heute wurde hier die Session der politischen Kommission der Jewish Agency eröffnet. Den Vorsitz führt Lord Melchett. Apwesend sin4 m a,MbtrisHexter, James Rotschild, AvigdorGoldsmjth, Bernhard Cahan, Leo Motzkin, Sojmabgeordneter Farbstein, Kurt Blümenfeld, Nahum Goldmann, Bcrthold Feiwel und Bin Gurion. Prof. Wcizmann hielt eine großangelegte politische Rede, in der er einen Ueb erblick über die gegenwärtige politische Lage iui Zionismus gab. Er erstattete auch leinen ausführlichen Bericht über die Unterhandlungen, die zwischen der Jewish Agency und der britischen Regierung. vor dem Einwanderungsverbot geführt wurden. Prof. Wcizmann hat in seiner Rede die Stellungnahme der englischen Regierung einer scharfen Kritik unterzogen. Lord Melchett sprach von der Notwendigkeit! auf die: britische Regierung einen Druck auszuüben upd ihr IdarZumachen, daß es unmöglich ist, ein Nationalheimohne Menschen und ohne Boden aufzubauen. Er erklärte, daß man in'diesent Momente die Bemühungen nicht ab* schwächen solle, sondern umgekehrt, die ganze Energie konzentrieren, um die; Schwierigkeiten zu überwinden. „ ,. .L . - > . . - Ueber die Lage in Palästina sprachen Morrfs Hextet-/ Gurion Und äuchHerr Disem goff, der als Gast der Session beiwohnt. *; \..~ : P—----- ..n.^^111^.,.||,| n,|p.t ,r 1 V Der Zionistenkongreß Aus London wird mitgeteilt : Die - Zionistische Exekutive hat beschlossen, den ordentlichen XVII. Zionistenkongreß einzubörufen. Sie ist - zu diesem Beschluß vor allem durch den Umstand veranlaßt worden, daß die Einberufung des Kongresses von beträchtlichen Teilen der Zionistischen Organisation gefordert wird, besonders von großen Landesverbänden, wie England, Polen, Ostgalizien, - vom -Sondetverband Misraehi und von den Radikalen lind Revisionisten. Die Einberufung des Kongresses erscheint auch deshalb erwünscht, weil ein objektives Bedürfnis nach Aussprache und; Klärung und nach den Erfahrungen und Ereignissen dieses Jahres eine Notwendigkeit der erneuten Ueberpriifung der Voraussetzungen und Methoden unserer Politik besteht. Für den ordentlichen Kongreß hat man sich entschieden, weil in weiten Kreisen der Organisation das Verlangen danach besteht, nicht bloß nach außen hin für das Recht des jüdischen Volkes, auf nationale Wiedergeburt in Palästina zu demonstrieren, sondern auch die Mehrheitsverliältnisse innerhalb der Organisation durch Neuwahlen zu klären. Die Bestimmung von Ort und Zeit des Kongresses ist nach dem Statut Sache des Aktionskomitees. Die Palästinaexekutive hat sich telegraphisch für den ordentlichen Kongreß, ausgesprochen. Eine Schwierigkeit liegt in der nach dem Kongreß notwendigen Einberufung des Council der Jewish Agency, über die gegenwärtig noch keine Uebereinstimmung besteht. Simpson ist nicht gegen die Zurücknahme des Einwanderungsverbotes Jerusalem, 23- Juni (J* T. A.), Hier wird mitgeteilt, daß auf die Anfrage des Kolonialamtes §ir Simpson seine Meinung in Angelegenheit der Etnwanderungssperi;e nach London übersendete. Simpson soll in seiner Antwort bemerkt haßen, daß er kein Qegner der Zurücknahme des Einwanderungs- Verbotes spi. Gleichzeitig betont er aber, daß er diese Meinung nicht als ihn bindend betrachte. Sir Simpson wünscht es nicht, daß zur Zeit seiner Untersuchung die Araber behaupten können als ob seine Meinung das Nichteinhalten des Versprechens der britischen Regierung an Araber hervorgerufen hätte. Scharfe Kritik ander englischen Administration Genf, 20. Juni (J. T. A.). Das von der Mandatskommission eingesetzte Redaktionskomitee zur Redigierung des Textes des für den Völkerbundsrat bestimmtet* Palästinaberichtes hat den Bericht bereits fertiggestellt. Sämtliche vier Mitglieder des Komitees (Van Rees, Rappard,; Orts und Medien) haben sich auf einen gemeinsamen Text geeinigt. Der Bericht: stellt ein umfangreiches Dokument dar, in welchem; Ulfe schwebenden Palästinafragen ber handelt werden. An vielen Stellen des Berichtes wird die Haltung der englischen Administration in Palästina in der Zeit der Unruhen scharf kritisiert Das Plenum der Mandatskommission wird in diesen Tagen sich mit dem Bericht beschäftigen, der bereits den einzelnen Mitgliedern zugegangen ist. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, herrscht innerhalb der Kommission die Entschlossenheit; eine Einmütigkeit 1 hinsichtlich des Berichtes herzustelten und jeden j Schein einer Meinungsverschiedenheit zu vermeiden; es erscheint demnach ausgeschlossen, daß es zu der Abfassung eines Mehrheits- und eines Minderheitsberichtes kommen wird. Annahme des Palästinaberichtes durch die " , . Mandatskommission Genf, 22. Juni. (J, T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes, die ihre bereits begonnene ordentliche Session unterbrochen hat, um den von ihrer Redaktionskommission hergestellten Text des Paiästinaberichtes an den Völkerbundsrat zu prüfen, hat am Sonnabend, den 21. Juni, diese Prüfung beendet und den von Van Rees, Rappard, Orts und Merlin abgefaßten Berichtsentwurf mit nur geringen Aenderungen angenommen. Wie der J. T. A.-Ver- 4 mKAissRsze-!^ » ALSS35ZB- 6 trpter erfährt, erfolgte diese Annahme einstimmig, woraus zü schließen ist, daß die dem Ziö inipmus freundlicher gesinnten Mitglieder der Kommission und diejenigen, die dem Zionismus i kritischer V gegontlbersffehen, sich gegenseitig Konzessionen machten. Der Bericht nimmt Stellung ZU den Ereignissen des August 1929, zudem von der Mandatarmacht unterbreiteten ' über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1929 und schließlich zu den zahlreichen Petitionen, die von Juden wie von Arabern ein-;:g4gängen waren. '• ' Wie der j. T. A.-Vertrcter erfährt, kritisiert die Mandatskommission in ihrem Berichte die Haltung der Palästinaadministration und der Mandatarmacht während der Unruhen des Vorjahres und verlangt für die Zukunft eine energischere Durchführung des Mandates seitens der Mandatar- -! -macht. f Gemäß der hier geübten Prozedur wird der angenommene Bericht jetzt noch nicht verüfffentlicht werden. Er. -wird zuerst der britischen Regierung* zugestellt, die berechtigt ist, .i^^lB^erküngen^ demselben anzufügen. Der 'Bericht wird dann zusammen mit dem Protokoll dör. gegenwärtigen Session der Mandatskommission gedruckt der Oeffentlichkeit übergeben ,werden, dies wird, wie man glaubt, E n d e J Uli der Fall sein. Der Völkerbundsrat; wird sich mit dem Palästinahericht erst in seiner Septembersession befassen. Es wird in Völkerbundskreisen angenommen, daß bis September auch der Bericht der gegenwärtig in Palästina weilenden Klagemauerkommission beendet sein und dem Völkerbundsrate gleichzeitig mit der von der Klagemauerkontmission getroffenen Entscheidung über die Rechte der Juden und der Araber an der Klagemauer vorliegen wird. Mit der Annahme des Palästinaberiohtes ist die außerordentliche Session der Mandatskommission definitiv beendet, die Kommissön wendet sich min der. Erledigung des Programm mes ihrer ordentlichen Session zu. Davis Nachfolger Lukes Jerusalem, 22. Juni XJ* X. A.). Heute kam hiet an der Schatzmeister der Palästinaregierung, Sir StewaTt Davis, der den Oberkommissär, Sir Chancellor, zur Zeit seines Urlaubes vertreten wird.'Dies soll am 29. d. M. erfolgen. Man nimmt an, daß Sir Davis dann die Stelle des Zivilsekretärs der Palästinaregierung, die früher Luke inne hatte, übernehmen wird. Palästinensische Araber wenden sich an ägyptische Juden, daß diese den Bodenverkauf an Juden vermitteln Cairo, 22. Juni (J* X. A.). Mehrere Araber Palästinas sind in der letzten Zeit in Aegypten eingetroffen und suchen Verbindung mit ägyptischen Juden, um diese zu veranlassen, als ihre Vermittler beim Verkauf von Boden in Palästina an Juden zu fungieren. Die arabischen Bodenbesitzer erklären, sie seien infolge der Propaganda der arabischen Exekutive gegen Bodenverkauf an Juden nicht in der Lage, direkt mit palästinensischen Juden in Verbindung ZU treten, upd seien gezwungen, den Umweg über ägyptische jüdische Vermittler zu suchen, um ihren Beden iu verkaufen.