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Die Stimme · 1930-06-12 · Heft 130 (12.6.1930) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 130 (12.6.1930)
Date
1930-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen V|| b ■ Da Da Aboancmentpreise: Mr Owtemloh: Monatl. S 1.60, riertelj. S 4.20, imt» S 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark L—Tiertelj. Goldmark 8.— / Tschechoslowakei: ■ Monatlich Ke T.—, rlertelj. Ke 10.— I Jugoslawien: Monatlieh Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— I 3. Jahrgang Jüdisdke Zeitung Ersdliciwl fcsateaa Donnerstatf ÄedalMion und Administration: Wien, 1., ^quftcng<cintf<M»c I — gcfepHton!R 20-3-8* Polen: Monatl. Zloty 2.30, vlertelj. Zltoy 6.00 I Ungarn: Monatl. Peng9 1.60, vlertelj. Pengö 4.20 I Rumänien: Monatl. Lei 45.—, vlertelj. Lei 125.— I Bulgarien: Monatl. Lewa 80.—, vlertelj. Lewa 80.— Belgien: Monatl. Belga 2.—, vlertelj. Belga 5.— I Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Pranken 1.60 Wien, Donnerstag, 12. Juni 1930 (16. Siwan 5690) Nummer 130 Palästina var Völkerbund Die Stimmung in Genf für uns günstig — Weizmann zu den Sitzungen der Kommission nicht zugelassen — Parlament in Palästina? — Die Memoranden der Jcwish Agency — Weizmanns Brief an Sir Chancellor — Die Antwort der Jewish Agency auf den Bericht der Shaw-Kommission r, #, Wachsam bleiben! Dl« Nachrichten der letzten Tage lauten fttr unsere Sache ein wenig günstiger im Vergleich zu jenen Katastrophen, die in den letzten Wochen auf das jüdische Volk niedersausten. Genf scheint uns gewogener zu sein, als London. Die politischen Vertreter der Kulturwelt identifizieren sich nicht mit der Politik eines Pasefield und MacDonald. Das Weltjudentum atmet auf: noch haben wir Freunde, noch sind wir nicht gottverlassen, noch ist die Welt nicht so weit, daß man das ehren wörtliche Versprechen der Nationen ohne Protest mit den Füßen treten darf. . . . Eine schwere Probe hat das jüdische Volk in den letzten Wochen bestanden. Es ist unter der Last der niederschmetternden Schläge nicht zusammengebrochen. Es hat die gefährliche Krise mannhaft durchgehalten. Es hat stolz und zornentbrannt mit allen friedlichen, ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen das ihm angetane Recht gekämpft und — es hat einen kleinen Erfolg errungen. Die Stimme des Protestes verhallte nicht ohne Echo, erstaunt horchte die Welt auf, in London begann man zu wanken und in Genf hat man uns—wenigstens teilweise — recht gegeben Es wäre aber ein unverzeihlicher, unverbesserlicher Fehler zu glauben, daß wir bereits gesiegt haben. Schöne Worte und angenehme Phrasen mögen unserem wunden Herzen wohl tun — solange ihnen keine Taten folgen, bergen sie in sich eine große Gefahr: sie schläfern unsere Wachsamkeit ein und wiegen uns in Hoffnungen, deren Erfüllung unter ein großes Fragezeichen gestellt ist. Deshalb sind heute nach wie vor Mut, Entschlossenheit, Opferbereitschaft, Unnachgiebigkeit und Kampf, Forderungen, die diese schicksalsschwere Zeit an das schicksalgeprüfte Volk stellt. Wir haben viele und wir haben mächtige Feinde und wir besitzen keine anderen Waffen, als unsere Einigkeit und unseren Willen. Man hat das jüdische Volk in tiefstem Innern seines nationalen Seins beleidigt und verwundet. Man hat vielleicht gehofft, daß es verbluten und an dieser Wunde zugrunde gehen werde. Man hat die Rechnung ohne die Zähigkeit des ewigen Volkes gemacht. Man wird an berufenen Stellen umlernen und einrenken müssen. 15 Millionen Verzweifelte sind eine Macht, , mit der auch ein Weltimperium rechnen muß. An uns in erster Reihe liegt es, daß man uns höre, von uns in erster Linie ist unsere bessere nationale Zukunft, die wir aus dem Jammertale unserer heutigen Not heiß ersehnen, abhängig. w. Die Verurteilung Englands in Genf? Der „Hajut" berichtet aus Genf: Die Mandatskommission hat am 9. Juni über die Frage des legislativen Rates in Palästina beraten. Es scheint, daß die Resolution bezüglich Englands Palästinapolitik, die die Mandatskommission dem Völkerbundrate unterbreiten wird, für England ungünstig lauten werde. Mitteilung der Redaktion Infolge der Pfingstfeicrtage ist die gegenwärtige Nummer der „Stimme“ bloß 8 Seiten stark. Die nächste Nummer unserer Zeitung erscheint in normaler Stärke. (W.) Die Erklärung Dr. Shiels, abgegben vor der gegenwärtig tagenden Mandatskommission des Völkerbundes, die wir in der letzten Nummer der „Stimme“ an leitender Stelle veröffentlichten, ist als erstes Anzeichen dafür anzusehen, daß die britische Regierung dem Drucke der jüdischen Oeffentlichkeit in der ganzen Welt, venigstens we'nn es sich um Worte handelt, Rechnung zu tragen ge-, willt ist. Zu spät scheint die Regierung zu bemerken, daß sie eich vergalloppiert habe. Der einmütige Protest und der Entrüstungsschrei aus allen Ecken und Enden der jüdischen Welt,” konnten auch auf die Londoner Machthaber ihre Wirkung nicht verfehlen. In Genf erscheint heute England als Beschuldigter vor dem Forum der Kulturwelt: es hat seine Mandatsverpflichtungen mit Füßen getreten. Scheinbar ist auch die Stimmung unter den Mitgliedern der Mandatskommission — wie es aus den eingelaufenen Nachrichten ersichtlich ist — England gegenüber nicht besonders freundlich. Ein leidenschaftlicher prozionistischer Artikel des bekannten Publizisten Martin im „Journal de Geneve“, den wir an anderer Stelle unseres Blattes wiedergeben, ist bestimmt nicht als Einzelstimme zu werten. Wie übrigens Prof. Weizmann in Berlin dem Berichterstatter des „Haint“ mitteilte, haben wir auch unter den Mitgliedern der Mandatskommission Freunde, die uns und unsere Probleme verstehen. Da die Sitzungen der Mandatskommission nicht öffentlich sind, dringen nur wenige Nachrichten über ihren Verlauf in die 1 Oeffentlichkeit. Wenn aber alles nicht trügt, scheint die moralische Lage der Vertreter Englands nicht besonders beneidenswert zu ©ein. Einem Privattelegramm zufolge, sollte Van Rees, der Vorsitzende der Mandatskommission, in sehr scharfen Worten Englands mandatswidrige Palästinapolitik angegriffen haben. Die britische Presse konstatiert mit Befremden, daß die Mandatskommission England gegenüber eine verhältnismäßig scharfe Stellung einnimmt und führt diesen Umstand auf die jüdische Protestbewegung zurück. Die Anstrengungen Doktor Shiels, der sieh Mühe gab, die Mitglieder der Kommission zu überzeugen, daß die Schaffung eines jüdischen Nationalheini es in Palästina gesichert sei und daß die Sistierung der Arbeitereinwanderung bloß eine zeitweilige Maßnahme /// kAt5ER5TR. m A ALSBRSTR. 6 ■ ■ -■ V, ' ■ V-. sei, waren also nicht von allzu großem Erfolge begleitet. Einem Berichte des „Haint“ zufolge hat Lukes Anwesenheit in Genf keinen besonders guten Eindruck auf die Mitglieder der Kommission gemacht und einige von ihnen sollten offen erklärt haben, daß England das Palästinamandat nur zu dem Zwecke bekommen habe, um die Balfour-Dklaration zu verwirklichen, und daß die Hauptaufgabe Englands sei, den Aufbau des Nationalheims zu sichern und nicht die Araber zu schützen. Als eine Schlappe unsrerseits muß dagegen betrachtet werden die Tatsache, daß die britische Regierung Prof. Weizmann nicht erlaubt hatte, den Sitzungen der Mandatskommission heizuwohnen, unter dem Vorwände, daß dies gegen die Satzungen der Kommission verstoßen würde. Eine schwere Niederlage würde uns treffen, sollte sich folgende, mit Vorsicht aufzunehmende Nachricht des „New York World“ bewahrheiten: In Genf verlautet es, daß die Palästinaregierung ein Projekt der gesetzgebenden Körperschaft für Palästina nach dem Muster der Parlamente in anderen arabischen Ländern, über die England das Protektorat ausübt, ausgearbeitet hat. Der Genfer Berichterstatter des «New York World-» drahtet: Das Parlament soll aus 40 Mitgliedern bestehen, darunter sechs Juden und 34 Arabern und Christen, Der Palästinaregierung soil das Vetorecht auf die Beschlüsse dieses Parlaments zustehen. Außerdem soll sie die ganze Vollzugs- und Gerichtsgewalt haben, wie auch das Recht, selbständig Gesetze zu erlassen. * Am Dienstag, den 8. Juni, begann die außerordentliche Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, die ausschließlich den Angelegenheiten Palästinas im Zusammenhang mit den Unruhen im August und September 1929 gewilmet ist. Ueber die zweite Sitzung wird offiziell mitgeteilt: Die Kommission befaßte sich mit der Prüfung der Ereignisse, deren Schauplatz Palästina vom September 1928 bis August 1929 gewesen war. Seitens der Mandatarmacht war der Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels anwesend, dem der Chefsekretär des Oberkommissariates in Palästina, Herr Luke, und die Herren Lloyd und Clauson vom Colonial Office assistierten. Nach chronologischer Prüfung der Ereignisse und ihrer unmittelbaren Ursachen befaßte sich die Kommission mit dem Moment der Verantwortung für die Unruhen im Herbst 1929 und deren tieferen Ursachen. Dr. Shiels gab der Kommission ergänzende Informationen und erwiderte auf seitens der Mitglieder der Kommission an ihn gestellte Fragen. Auch Luke erwiderte auf Fragen, die sich auf die Ereignisse in Palästina bezogen.

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