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Die Stimme · 1930-06-05 · Heft 129 (5.6.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 129 (5.6.1930)
Date
1930-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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m Rluimi»ESW*a«l io fetnsten Sport* 0.8eldenm8n(eln I 20*— 2B*- 32*- 39*- 46*- flnimniwarenhaas ALPHA Wien, L, Idlergasse 8, MoesoMft Protestversammlung der Zionistischen Ortsgruppe Graz Am Dienstag, den 27. Mai hielt die zionistische Ortsgruppe eine von allen Kreisen der indischen Bevölkerung gut besuchte Protestversammlung ab. Der Vorsitzende der zionistischen Ortsgruppe, Herr Karl Schwarz, führte aus: Dem Proteste, dem wir vor acht Monaten anläßlich der traurigen Ereignisse In Palästina hier an dieser Stelle Ausdruck gaben, müssen wir heute einen neuen, schwereren Protest folgen lassen. Wir erheben Protest gegen die Zurücknahme der Zertifikate, gegen diese jedem politischen Rechtsempfinden Hohn sprechende Behandlung unserer gerechten Forderung. Wir verkennen nicht die großen Schwierigkeiten, die England augenblicklich in Indien hat, aber niemals werden wir zugeben, daß Palästina als Kompensationsobjekt zur Beruhigung der englandfeindlichen Strömungen der mosleraitischen Welt dargebracht wird. 30.000 Chaluzim warten auf Einwanderung. Wir fordern die Aufhebung der Einwanderungssperre von England, wir fordern aber auch, daß endlich die Gesamtjudenheit sich ihrer Verantwortung für das Palästinaaufbauwerk bewußt werden, denn (Be Ereignisse in Palästina sind nicht nur Anklage gegen England, sie sind auch Anklage gegen alle diejenigen Juden, die bisher abseits gestanden sind. Herr Dr. Robert Sonnenwald, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde betonte, daß er nicht nur als Zionist, sondern auch als Präsident der Kultusgemeinde sich legitimiert fühle, hier seinem Protseie Ausdruck zu geben, denn der Palästinaaufbau ist nicht mehr Sache einer Partei, er ist heute Aufgabe des Gesamtjudentoms. Es Ist unsere Pflicht zu fordern, daß das uns durch England lindden Völkerbund gegebene Wort eingehaiten werde. Wir klagen England eines Wortbruches an. Wir haben - Kraft genug für unser eigenes Recht einzustehen and werden niemals unser Recht mit Füßen treten lassen. Hach dem noch Herr Samuel Selinger, Herr cand. med. Josef Feiger, namens der zionistischen Studentenverbindung «Charitase, Herr Milan Freiberger, namens der «Hakoah», Herr cand. jur. Adolf Liebt enstein namens der jungzionistischen Gruppe ihrem Proteste Ausdruck gaben, sprach zum Schluß Herr Lehrer Heinrich Herrmann als Vertreter der zionistischen Arbeitspartei «Hitachduth» und der jüdischen Pfadfinderorganisation «Hascbomer-Hazajr». Der Redner führte aus: Die jüdische Arbeiterschaft, auf deren Schultern der Hauptanteil zionistischer Aufbauarbeit ruht, erhebt flammenden Protest gegen die Verletzung unserer elementarsten Lebensrechte. Die ganze gesittete Kulturmenschheit anerkennt unser Recht auf Palästina, würdigt unsere wortschaffende aufbauende Kulturarbeit in Palästina. Um so schwerer trafen uns. daher die bedauerlichen Augustereignisse und um so schwerer trifft uns heute der Schlag, den England gegen urts führte. Doch für uns gibt es keine Entmutigung. Wir haben uns mit Schweiß und Blut ln die Geschichte Palästinas eingeschrieben, wir werden keinen Schritt zurückweichen von unserem Rechte. Unser Mahnruf gilt der gesamten gesitteten Kulturwelt, wir klagen nicht an, wir fordern. Anklage müssen wir mir nach innen richten. An unsere Brüder und Schwestern die hart sind für unsere Not und unsere Leiden. Am jüdischen Volk liegt es, seinen aufbauenden Pionierkreisen die Mittel zur Verfügung zu stellen, um Palästina zu einer Heimat ewigen Friedens, schönster kultureller Arbeit zu machen. Tief eingraben wollen wir in unser Herz das stolze Vermächtnis: «im eschkach jeruscholajim, tischkach jemini» (Wenn wir Deiner Jerusalem vergesse, verdorre meine Rechtet). Nach Annahme einer Protestresolution gegen die Einwanderungssperre wurde die gewaltige Kundgebung nach Absingung hebräischer Lieder geschlossen.. Chaim. Die Sorge der so viel geplagten Großstadtmenschen (st derzeit Weekend und Wetter, viele Dinge sind zu besorgen, um den Weekend angenehm verbringen zu können. Unerläßlich ist eine gute Sprechmaschine, welche man nur [n einem guten Spezialgeschäft beziehen soll. Auf Seite 2 bringen wir ein Inserat des berühmten Musikhauses E*celpior, Wien, 1., Adlergasse 5 (bitte genau auf Hausnummer :u achten), aus welchem zu ersehen ist, daß diese rührige 7irma dieses Jahr ein unerhört praktisches, sehr preiswertes dodell der engl. Columbia-Weltmarke herausbringt. Der Antauf wird unseren werten Lesern durch äußerst bequeme Teilzahlungen erleichtert. Alle modernen Plattenschlager sowie jüdische und hebräische Neuaufnahmen in Wirklich größtem Ausmaße lagernd. Ferner Radio- und Rundfunkgeräte. er iitttg bleiben nab Ä4awt§«t bentreibeit tmi ®ii WflMqfcit, fttmmt* mtn$eii, Eugenflttnmem. OJjtenfaufen bot* Beugen toifl, bttfud&e redjtäeitie eine Stab io* flletinfut. ®ie ätailtdj etpto&ten, frei bet* zättfföfcn fftabioiHtetfnoiCometiSR fotbetn Me SMutairfttlöttün bt ben Sßul&t&ent, erfaßen bfe geiftige unb!5cj>ettt<$e UzheüSttaft Bis in* $o$e SCIier. fftabtumgefjalt amttid; ge« prüft. &ej)oi: Spöttele ©aber, SStett, 1. 8%., vSottgetlc IS. fßtofhefte graft« nt» fvawa. Stimmen der Presse zum Einwanderungsverbot, dem Weißbuch und Simpson Mission Die „Times“ kritisieren die Palästina-Politik der Regierang «Times» schreiben Im Leitartikel: In Befolgung der Wünsche der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes nach einem klaren Statement, betreffend die Politik der Regierung in Palästina hat die Regierung einen ungewöhnlichen Schritt getan und das vom britischen Vertreter in der nächsten Sitzung der Mandatskommission vorzulegende Statement schon vorher veröffentlicht Es soll gleich gesagt werden, daß die Bezeichnung des aim Dienstag veröffentlichten Weißbuches als ein «Statement über britische Politik» eine unrichtige Benennung ist Ein Paragraph dieses Dokuments nach dem anderen enthält das ebenso stillschweigende Wie nachdrückliche Geständnis, daß die Regierung immer noch nicht jenes «klare Statement ihrer Politik», betreffend die größeren Probleme des heiligen Landes zu geben in der Lage Ist, das die Shaw-Kommission in ihrem Bericht dringend empfahl. Kein fair gesinnfer Leser des Berichtes oder des Weißbuches wird an dem Wunsch, die höheren Probleme Palästinas an Hand ausführlicherer Daten als gegenwärtig verfügbar, 2u studieren, etwas auszusetzen haben. Aber dieser Leser wird das Gefühl haben, daß die Regierang, allzusehr bei diesen Schwierigkeiten und bei diesem Dilemma öffentlich verharrt und daß die extremeren Elemente unter den Zionisten und den Arabern auf diese Weise in Versuchung kommen, der Mandatarmacht neue Schwie igkeiten zu bereiten, um eine die eine oder die andere Partei nicht zufriedenstellende Lösung verzögern oder verhindern zu helfen. Der Leser mag es ferner bezweifeln, ob die offenbare Absicht der Regierung, ihr politisches State- 'Sdiuh* & orn bringt eine fabelhafte Auswahl schicker, reizender Modelle n Eidechse, Krokodil und Chevreau in erstklassiger Qualität Die soliden fixen Preise sind allgemein bekannt &cfkufk~!Domt //., ‘Gaborstraße 8a ment allem auf der Basis der Vorschläge der Shaw- Kommission und des von Sir John Hope Simpson vorzulegenden Berichtes auszuarbeiten, überhaupt klug ist. Sir Walter Shaw und seine Kollegen haben es in in ihrem sonst so umfassenden Bericht unterlassen, des Hauptfaktors des bescheidenen Wohlstandes, dessen sich Palästina gegenwärtig erfreut, Erwähnung zu tun. Die Natur der Mission Sir John Simpsons läßt es nicht erwarten, daß er sich mit dem Hauptfaktor des Wohlstandes befassen Wird; vielleicht wird er ihn beiläufig erwähnen. Dieser Faktor ist gegründet auf dem Interesse der Juden In der ganzen Welt an dem zionistischen Experiment, ein Interesse, das seinen Ausdruck findet in großen Geldausgaben für Unterricht, landwirtschaftliche und induterielle Unternehmungen und Experimente, Urbarmachung von Boden, Bauten und. Gehälter. Hierzu kommen die Beiträge für jüdische Wohlfahrtsanstalten, die seit dem Kriege in wachsendem Umfang nach Palästina strömen. Noch ist keine Schätzung der jährlich in Palästina verausgabten jüdischen Gelder veröffentlicht worden. Aber man schätzt, daß diese Ausgaben seit 1920 jährlich oft die Ziffer von 2 Millionen Pfund überschritten haben. Die jüdische Einwanderung muß natürlicherweise gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes geregelt Werdern über es besteht die Gefahr, daß das Ausland den Eindruck erhält, daß diese Regelung so streng gehandhabt werden wird, daß sic fast einem Verbot der Einwanderung gleichkommen wird. Die Erregung und die Unruhe in Jerusalem, die durch die Zurücknahme der Zertfkate fü. 2300 jüdische Einwanderungsanwärter verursacht worden sind, dürfen dir ' die Minister Sr. Majestät nicht unbeac. 4 gelassen werden. Sollte die Befürchtung Verbreitung finden, daß Palästina faktisch den jüdischen Einwanderern verschlossen werden würde, so könnte dies unangenehme politische Folgen haben; noch unerfreulicher würden die finanziellen Konsequenzen sein. Würden die jüdischen Portemonnaies geschlossen bleiben, so würde °alästina fast mit Sicherheit in seinen natürlichen Zustand zurück* sinken: eine der ärmsten Regionen im Nahen Osten sein. Der britische Steuerzahler würde einen Teil der Last tragen müssen, das Land mit einer bescheidenen Verwaltung zu versehen, und sogar die antizionistischen arabischen Führer würden sich mit Bedauern der Moral einer alten populären Fabel erinnern, wenn sie der unvermeidlichen Entwertung ihrer Besitztümer gegenüberstehen werden. Die palästinensische hebräische Presse über das Weißbuch «Haarez» äußert sich zu dem Weißbuch u. a. Die Arbeiterregierung, deren Führer die Natur unseres Unternehmens in sozialer wie in moralischer Hinsicht durchaus kennen, hat die Verleumdung unserer Feinde gutgeheißen, aber es fehlt der Arbeiterregierung der Mut, die Balfour-Deklaration zu annullieren. Obwohl der Premierminister sofort nach Erscheinen des Berichtes der Shaw-Kommission die sogenannte «zionistische Politik» im Parlament neu bestätigt hat, werden die falschen Schlüsse der Mehrheit der Kommissionsmitglieder gegen Herrn Snells Ansichten akzeptiert und die Bedürfnisse des jüdischen Volkes sowie die von den Juden gemachten großen Wiederaufbauanstrengungen vollkommen ignoriert. Das jüdische Volk fordert nun, daß die Situation geklärt werden; die Regierung möge sich entschließen, entweder das Mandat nach Geist und Buchstaben zu verwirklichen oder die gegenüber dem jüdischen Volk hinsichtlich der Schaffung des Nationalheims übernommenen Verpflichtungen als zurtickgenommeji zu erklären. «Dawar» schreibt: Es ist unmöglich anzunehmen, daß die Unterhaltungen mit dem Großmufti und Herrn Nashashibi die britische Regierung davon überzeugt haben, daß die Araber im Rechte und die Juden im Unrechte sind. Das Zaudern in der erhabenen Aufgabe der Erfüllung einer hohen menschlichen Mission hat die britische Regierung dazu gebracht, ihre Pflicht zu vergessen und den Schwachen dem Starken auszuliefern. Das britische Imperium ist mächtig und die Juden sind schwach. Der Kampf wird auf einer unproportionierten Basis geführt, aber es ist unsere Hoffnung, daß die öffentliche Meinung in England doch aufgerüttelt werden wird. Unser Recht wird sich der Gewalttat nicht beugen. Wir werden die den letzten Regierungsdokumenten zugrunde liegende Unwahrhaftigkeit enthüllen, j denn, wenn das, was jetzt geschieht, die britische Politik in Palästina bleiben soll, wird das Mandat morgen nicht mehr bestehen. «Doar Hayom» schreibt: Die Lage ist klar, die Axt wird gegen die jüdische Einwanderung und die jüdische Kolonisation erhoben. Die arabische Presse über Simpsons Mission «Falastin» sieht in der Entsendung Simpsons e inen z i 0 n i s t i s c h e n E r f 01 g Es sei den Zionisten gelungen, nachzuweisen, daß die Untersuchungskommission ihre Kompetenzen überschritten habe und daß ihre Urteile in der Einwandercngs- und Bodenfrage nicht auf genügend Material basiert seien. Aus diesem Grunde sei Simpson ernannt worden. «Falastin» regt an, daß Simpson mit Vertretern der Juden und der Araber zusammenkomme und daß die von der Regierung eingesetzte landwirtschaftliche Kommission ihre Arbeit so beschleunige, daß Simpson schon die Resultate dieser Arbeit benutzen könne. Auch «Al Mokattam» nimmt an, daß die Mission Simpsons eine Folge der zionistischen Kritik gegenüber den Resultaten der Untersuchungskommission sei und daß er eine geheime Mission habe, die das Blatt mit dem Gerücht über die Kantonseicteilung Ln Palästina in Verbindung bringt.

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