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Die Stimme · 1930-05-15 · Heft 126 (15.5.1930) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 126 (15.5.1930)
Date
1930-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b Preis 35 firosdien Abonnementpreise: Für Ossterreich: Monatl. 8 1.50, viertel], 8 4,30, ganz], 8 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmärk 1.—, vlertelj. Goldmark 8.— I Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, viertel]. Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—. vierteljährlich Dinar 4Ö.— I Jüdische Zeitung Crsdieimi feden Aonnerstod fneddftMon und Administration: Wien, I„ (ftaufkenstein&asae I — gcfepftow Jl Polen: Monatl. Zloty 2.80, viertel]. Zltoy 6.50 I Ungarn: Monatl. Pengii 1.50, viertel]. PengS 4.20 I Rumänien: Monatl. Lei 46.—, viertel]. Lei 126.— I Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—. vicrtelj. Lewa 80.— Belgien: Monatl. Helga 2.—, viertel], Belga 6.— I Üobriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.60 3. Jahrgang Wien, Donnerstag, 15. Mai 1930 (17. Ijar 5690) Nummer 126 Die Wien er Wah len zum Delegiertentag der österreichischen Zionisten Sieg der Liste der Allgemeinen Zionisten — Niederlage der Liste Robert Strickers Die am 13. Mai stattgefundetien Wahlen des Kreises Wien, die einen durchaus ruhigen Verlaut nahmen, hatten folgendes Ergebnis: l. Allgemeine Zionisten (Listenführer Dr. JakobEhrlich) . , . * # , . , . 1524 2. Demokratische Zionisten (Listenführer Oberingenieur Robert Stricker)^ . . 864 3. Revisionisten (Listenführer Pr. Karl Pollak) . . . . . ... . . . 317 4. Hitachduth (Listenführer Dr. G e i b a r d) 256 Nach diesen Ziffern entfallen auf djeA 11 g ©■*-, meinen Zionisten von den 60 Wiener Main Diese Wahl bedeutet eine offene und deutliche Absage der Wiener Zionisten an den jeder ideologischen Grundlage entbehrenden F r a k t j onsg e i s t, die Anerkennung der unter den schwierigsten Verhältnissen geleisteten Arbeit der gegenwärtigen zionistischen Leitung und die Aufforderung an die künftigen Führer der Organisation, die Reihen der österreichischen Gesinnungsgenossen zu ernster z i ö n i s t i s c h e r Arbeit zu schließen und die vielen Tausende Wiener Zionisten, die ihren Zusammenhang mit der Organisation verloren haiien, dieser wieder zuzuführen. . Wenn auch das Ergebnis der Wahl als erfreulich zu bezeichnen ist, weil es das Märchen, die Wiener Zionisten stünden hinter Robert Stricker, gründlich I zerstört hat, müssen wir es dennoch aufs tiefste bedauern, daß diese Wahlen — ganz abgesehen von ihren häßlichen Begleiterscheinungen — überhaupt stattgefunden haben. Schon vor mehreren Monaten hatte der Präsident der österreichischen. Organisation den Versuch unternommen, alle Gruppen zusammenzuführen und sie zu einer kampflosen Beschikkung des Delegiertentages zu veranlassen. Wiewohl diese Anregung von fast allen Vertretern der Wiener Organisationen freudigst begrüßt wurde, ist dieser Plan infolge des intransigenten Standpunktes der Demokraten, die bei dieser Konferenz durch die Herren Robert Stricker und Leon Wechsler vertreten waren, gescheitert. Es ist zu begrüßen, daß die Wiener Zionisten sich gegen jene gewendet haben, von denen ihnen der unfruchtbare und bedauerliche Kampf autgezwurigen wurde. Ist es schon an und für sich in der Welt einzig dastehend, daß Delegierte zu einer Parteitagupg durch Wahlen designiert werden, wurde das Schauspiel noch dadurch ein viel beschämenderes, daß der Wahlkampf von der Gruppe Strickers mit Gehässigkeit, ja sogar mit der .Verunglimpfung der. persönlichen Ehre seiner langjährigen Mitarbeiter geführt worden ist. ln dieser Kampfesweise liegt auch eine teilweise Erklärung seines schweren Mißerfolges. Trotz seines seit Jahren mit größter Rücksichtslosigkeit gegen die Wiener Organisation geführten Kampfe? und trotz seiner leidenschaftlichen Agitation hat er nicht viel mehr als die doppelte Stlmmenanaahl der jungen revisionistischen Gruppe aubgebracht, die ihren bescheidenen Erfolg »ach einem allerdings etwas überflüssig lärmend geführten Kampfe dem Umstand dankt, daß sie für wenn auch daten 31, auf die mit dieser Liste gekoppelte Hitachduth 5 Mandate, auf die Liste Stricker 18 und auf die mit ihr gekoppelt gewesene Liste der Revisionisten6 Mandate. Die Liste der Allgemeinen Zionisten hat mehr als 51 Prozent der Stimmen, die Liste Stricker bloß 29 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt. Hiezu kommen noch die Mandate der einzelnen Bezirkssektionen, Spnderverbände und der Provinzortsgruppen. Das Ergebnis dieser Wählen ist noch nicht vollständig bekannt Die Allgemeinen Zionisten werden auf dem Delegiärt^^ag^zweifeilos üb$r eine Sehr*farfreAtajorittt%?nii«r.- * anfechtbare programmat i.s che Forderungen eingetreten ist. Die Hitachduth, die ebenso wie die Liste der Allgemeinen Zionisten, einen durchaus ruhigem, sachlichen und sich jeder persönlichen Angriffe enthaltenden Kampf geführt hat, konnte alle ihre Mitglieder zur Wahlurne bringen. Wiewohl die Zahl der Wiener Zionisten sicherlich weit mehr als Zehntausen.d beträgt, was sich gelegentlich politischer und Kultuswahlkämpfe wiederholt gezeigt hat, hat diese Wahl das betrübliche Moment zutage gebracht, daß infolge der eigenartigen Wiener Organisationsyerhälthisse nur über viertausend Zionisten wahlberechtigt waren. Hier muß gründlicher Wandel geschaffen werden. Die Wiener Zionisten werden vor allem ihren eigenen Haushalt 1 n Ordnung zu bringen haben. Es ist mehr ais unbescheiden, wenn unsere Organisation, wie es manchmal den Anschein erweckt, ihre Hauptbeschäftigung ip einer oft überheblichen und vorlauten, das Ansehen der Gesamtbewegung schädigenden Kritik der leitenden Männer und Behörden der Weltorganisation erblickt. Wir können den Wiener Zionisten nur nochmals mit dem Aufruf der Allgemeinen Zionisten zurufen: Weniger unfruchtbare und bequeme Kritik, dafür aber mehr aufbauende, positive zionistische Arbeit! Vor allem aber wollen wir dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck geben, daß die durch den Wahlkampf aufgepeitschten Leidenschaften raschest einer ruhigen und versöhnlichen Stimmung weichen und daß sich die Wiener Zionisten baldigst zu einer friedlichen und ersprießlichen Arbeit zusammenfinden mögen. Das Landeskomitee hat sich in dieser Erwartung und zwecks gründlicherer Vorbereitung des Delegiertentages veranlaßt gesehen, die Tagung auf den 14. Juni einzuberufen. ' Alsmbstb. <> Bewegte Unterhaus-Debatte über die Korrespondenz zwischen Mac Mahon und Hussein. London, 8. Mai (I. T. A.). Der Antizionist Colonel Howard-Bury richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels die Frage, Welche zwischen MacMahon und dem einstmaligen Sheriff Hussein gewechselten Briefe bezüglich der staatlichen Selbständigkeit der Araber veröffentlicht und welche nicht veröffentlicht wurden; ob er im Hinblick auf die bezüglich dieser Korrespondenz herrschenden verschiedenen Auffassungen veranlassen wolle, daß die gesamte Korrespondenz veröffentlicht werde? Dr. Drummond Shiels erwiderte: Ich habe bei vielen Anlässen bereits auf die Gründe hingewiesen, warum wir die Veröffentlichung dieser Briefe für unerwünscht und unnötig halten. Offiziell ist bisher keiner dieser Briefe veröffentlicht worden. Als ein Antrag auf Vertagung der Sitzung gestellt wurde, erhob sich das Mitglied des Unterhauses Cocks und forderte in temperamentvollen Ausführungen die Veröffentlichung der MacMahon-Hussein-Korrespondenz. Er führte aus, die Veröffentlichung müßte geschehen, bevor noch das Haue zu einem 'Beschluß über den Bericht ■' der Palästihä- Ürtferäuöhüngskoinmissioh gekommen ist. . ..,r Dr. Drummond Shiels erwiderte: Die britische Regierung befaßt sich jetzt eingehend mit der Palästina-Frage und hofft, daß es ihr gelingen, wird, eine für alle Beteiligten annehmbare Lösung zu finden. Die Regierung gebe sich keineswegs einem oberflächlichen Optimismus hin, aber sie ist entschlossen, nach Kräften einer Lösung zuzusteuern. Die Regierung appelliert an das Unterhaus, Vertrauen in ihre guten Absichten zu setzen. Nicht durch Auswühlen von Kontroversen aus der Vergangenheit, sondern durch Inangriffnahme einer Lösung der Schwierigkeiten jetzt und in Zukunft wird ein beifriedigendes Ende erreicht werden. Dr. Shiels erinnerte an die Erklärung Winston Churchills im Unterhaus im Jahre 1922, in der Churchill darauf hinwies, daß die Korrespondenz mit dem Sheriff von Mekka nicht endgültigen Charakters sei und daß sie mit dem Eintritt des Sheriffs in den Krieg endete, bevor noch irgend ein endgültiges oder auch nur formell aufgesetztes Abkommen erreicht worden war. Churchill fügte damals noch hinzu, daß welches Versprechen . Großbritannien immer auch gegeben habe, dieses Versprechen dem Sheriff von Mekka, nicht aber den Arabern- Palästinas gegeben worden sei. Durch die Wiedereröffnung .einer Diskussion , über dieses Thema, fuhr Dr. Shiels fort, wird keinem ersichtlichen Zweck gedient. Die Regierung vertritt die Ansicht, daß diese Korrespondenz keine faktische Beziehung zu-den konstitutionellen und politischen Aspekten der Palästina- Frage habe. Die Natur der Versprechungen an den Sheriff von Mekka wurde in dem im Weißbuch von 1922 gegebenen politischen Statement ausführlich erklärt. Das Weißbuch wurde von der Koalitionsregierung, deren Chef Herr Lloyd George war, herausgegeben. Die dort gegebene Definition besagt, daß ganz Palästina westlich des Jordan von den Versprechungen ausgeschlossen sei. Genau die gleiche Richtlinie wurde auch von der konservativen Regierung, die im Herbst 1922 der Koalitionsregierung gefolgt war, angenommen. In einer vom 4. Oktober 1923 datierten Depesche akzeptierte der Herzog von Devonshire, der damals das Amt des Staatssekretärs für die Kolonien innehatte, die in dem Weißbuch vom vorangegangenen Jahre enthaltenen allgemeinen Konklusionen. Die folgenden Regierungen haben die gleiche Haltung eingenommen. Fenner Brockway unterstützte Cocks Appell auf Veröffentiiehung der MacMahon-Korrespondenz und führte aus, im Gefängnis zu Jerusalem seien 39 politische Häftlinge in den Hungerstreik getreten; sie fordern Aufhebung der im Zusammenhang mit den August-Unruhen ausgesprochenen Todesurteile, Abschaffung der Geißelung in den Gefängnisse«, sowie der Händefesselung und der Zwangsarbeit für poütisdie Gefangene. Sie fordern ferner dringend eine beordere Abstufung im Strafvollzug für politische und kriminelle Häftlinge. Penner Brockwaj schließt, efem ssr-

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