Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 125 (8.5.1930)
- Date
- 1930-05-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 125 DIE STIMME Seite 9 Die Entschädigungspraxis der Palästinaregierung Jerusalem. (I. T. A.) Es werden weitere Tatsachen über das Vorgehen der Palästina-Behörden bei der Auszahlung von Entschädigung an Opfer der Augustunruhen bekannt, die Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung hervorrufen. Dem Jüdischen Nationalfonds, der 23.250 Pfund als Schadenersatz für die bei der völligen Zerstörung der jüdischen Arbeiterkolonie Hulda erlittenen Verluste beanspruchte, wurden 1153 Pfund ausbezahlt. Professor Joseph Klausner von der Hebräischen Universität, dessen bedeutende Bibliothek in Talpioth, enthaltend zahlreiche wertvolle Bücher und unersetzliche Manuskripte, zerstört wurde, wurden 197 Pfund statt der beanspruchten 1321 Pfund ausbezahlt. Dem ebenfalls in Talpioth wohnhaften hebräischen Schriftsteller S. Agnon, der als Schadenersatz für die Zerstörung seiner Bibliothek 1876 Pfund forderte, wurden 183 Pfund ausbezahlt. Dr. Jaffe, der 230 Pfund Schadenersatz beanspruchte, erhielt drei Pfund ausbezahlt. Eine interessante Pressestimme aus Indien Bombay. In der hiesigen englischen Presse sowie in dem englischen Organ der revolutionären Partei «Bombay Chronicle» erschien ein längerer Brief eines Anonymus, der die Mohammedaner auffordert, den Zielen des Zionismus Verständnis entgegen zu bringen. Der Verfasser des Briefes analysiert eingehend die Resolutionen des letzten Kongresses der indischen Mohammedaner in Angelegenheit Palästinas und weist nach, daß die Lage der Juden in Palästina der der Mohammedaner in Indien in vielen Punkten ähnelt. Beide Völker bilden eine Minderheit im Lande und in beiden Ländern ist ihre gesellschaftliche Kraft weitaus stärker als ihre Zahl. Großbritannien habe den Mohammedanern in Indien und dem mohammedanischen Volke für ihre Unterstützung während des Krieges mit der Schaffung des arabischen Staates seine Dankbarkeit bewiesen. Die Juden in ihren Bestrebungen der Wiedererrichtung ihrer Heimstätte zu unterstützen, ist eine der schönsten Aufgaben der Menschheit. Es sei unmöglich, den Juden den historischen Anspruch auf -Palästina abzusprechen, da diese Rechte bereits durch die ganze Welt anerkannt worden sind. Vertragsabschluß zwischen dem Weitverband Schomre Schabbos und der Lebens Versicherungsgesellschaft „Phönix“ Berlin. Der Weltverband Schomrei Schabbos hat mit der Lebensversicherungsgesellschaft «Phönix» einen Vertragsabschluß getroffen. Der «Phönix» richtet im Rahmen des . Weitverbandeseine Versicherungsabteilung ein, durch die alle ihm zugewendeten Versicherungen geleitet werden sollen. Außerdem beabsichtigt der Weltverband,: in gemeinsamer Arbeit mit dem «Phönix» und anderen ausländischen Versicherungsgesellschaften eine Abteilung für Sachversicherungen einzurichten, deren Ertrag zur Schaffung eines Fondes zur Förderung von Personen dienen soll, die durch Heiligung des Sabbath stellenlos geworden sind. Gefährliche Judenhetze der Cuzisten in Bessarabien . Bukarest, 2. Mai. (I. T. A.) Die Zeitung «Dimineatza» teilt mit, daß die Anhänger des Antismitenfüfrrers Cuza in Bessarabien eine gefährliche Judenhetze betreiben und daß die Behörden keinerlei Maßnahmen ergreifen, um diesem gefährlichen Treiben Einhalt zu gebieten. Während Hunderte von Bauern zum Jahrmarkt in dem hauptsächlich von Juden bewohnten Städtchen Capresti, Bezirk Soroca, zusammenströmten, erschienen in einem Auto Agitatoren aus Balfi und hielten aufrührerische Ansprachen an die Bauern, die sie aufforderten, über die Juden herzufallen und deren Wohnungen zu zerstören. Eine Gruppe Bauern überfiel unter dem Einfluß dieser Reden mehrere Juden, die sich auf dem Jahrmarkt befanden; nur der Zurückhaltung der Juden ist es zu danken, daß es nicht zu einer Katastrophe kam. Die cuzistischen Agitatoren versprechen den Bauern, für'den Fall, daß diese die Cuzisten bei den Wahlen 'unterstützen, daß die Häuser, und Felder der Juden unter die Bauern verteilt werden. Die mißhandelten Juden haben bei dem Gendarmeriechef Beschwerde erhaben, die aber unberücksichtigt gelassen wiurde. Gendarmen, die der Mißhandlung der Juden beiwohnten, hatten sich geweigert, den Angegriffenen zu Hilfe zu kommen. «Dimineatza» teilt, mit, daß ähnliche Vorfälle in mehreren anderen bessarabischen Orten Vorkommen und fordert die höheren Behörden auf, dem gefährlichen Treiben Einhalt zu gebieten, bevor es zu spät ist. Die Zeitung stellt fest, daß sich die Cuzisten der Unterstützung der Ortsbehörden erfreuen. Di« Juden Indiens wollen bei der Konferenz mit den Delegierten der indischen Minderhcitsvölker vertreten sein Bombay, 2. Mai. fl. T. A.) Die Juden Indiens, die etwa 25.000 Seelen stark sind, haben dem Vizekönig von Indien, Lord Irwin, ein Memorandum übereic'ht, ln welchem sie, den Wünsch aussprechen, bei der Round Table-Konferenz zwischen der Regierung und den Vertretern der verschiedenen Völkerschaften .Indiens vertreten zu sein- Sie berufen sich hierbei auf die von der letzten allindisch.cn Minderheitflvölkerkonfcreuz aufgestellten Grundsätze, laut därien jede’Minderheit im Lande eiti Recht auf Vertretung hatt. Bisher'waren die Juden Indiens, obwohl sie seit vielen Generationen in Indien leben, als Europäer klassifiziert. Fortsclireiten der J. C. A.-Kolonisation in Argentinien Paris, 29. April. (I. T.-A.) Das Hauptbureau der ICA in Paris erhielt von dem ICA-Bureau in Buenos Aires Mitteilung übet die erfolgte Ansiedlung von 17 jüdischen Bauernfamilien aus Marmorosch-Sziget und Solo-Solotvina in Sub-Karpathien (Tschechoslowakei) auf Boden der von der Jewish Colonisation Association (ICA) begründeten und betreuten Kolonien in Entre-Rio (Argentinien). Die neuen Siedler wurden sofort nach ihrer Ankunft auf den für sie reservierten Boden gebracht, es wurden ihnen je 25 Hektar Böden zugeteilt; ihre Installierung auf den Böden wurde schnell, in guter Ordnung und zufriedenstellend für alle durchgeführt. Die ICA-Vertreter versähen die neuen Kolonisten mit allem notwendigen Material, mit Zugtieren und Milchkühen, die sich die Kolonisten selbst auswählen dürften. Da sich die nächstgelegene Schule in beträchtlicher Entfernung von der Kolonie befindet, wird für dieselbe eine eigene Schule errichtet, die auch provisorisch als Synagoge dienen wird. Es wurden Vorbereitungen für Errichtung eines rituellen Bades getroffen. Bei der ICA gehen jetzt in großer Zahl Gesuche von jüdischen Familien in Transsylvanien, Ungarn und anderen Ländern ein, die wünschen, unter gleichen Bedingungen in Argentinien angesiedelt zu werden. Haym Salomon Ein Kämpfer für die Unabhängigkeit Amerikas Es dürfte nur wenig bekannt sein, daß in den Kämpfen der Vereinigten Staaten um Befreiung von der englischen Oberhoheit ein polnischer Jude, Haym Salomon aus Lissa, eine wichtige Rolle spielte; ihm fiel die Aufgabe zu, den stets leeren Kassen der’Aufständischen immer neue Mittel zuzuführen. Die Gestalt dieses Mannes, der wegen seiner Wirksamkeit für die Freiheits-, bewegung viele Verfolgungen erduldet hat, ist überaus interessant. Salomon wanderte 1772 aus seiner Heimat aus, als Lissa bei der Teilung Polens an Rußland gefallen war. Von New York aus sandte er bei Ausbruch der Revolution wichtige Mitteilungen an die Aufständischen, wurde entdeckt und gefangen gesetzt. Eine barte Strafe wäre ihm sicher gewesen, hätte nicht der hessische General Heister, der auf Englands Seite kämpfte, ihn" wegen seiner guten Sprachkenninisse — Salomon beherrschte acht Sprachen — als Dolmetscher verwendet. Späterhin gelang es ihm, zu der. Armee Washingtons zu gelangen, wo er mrt dem Führer der Revolution in Berührung kam und ihn finanziell unterstützte. Von den Engländern wieder gefangen, als er in New York Frau und Kinder besuchte, wäre ihm diesmal der Tod sicher gewesen, hätte er nicht die Wächter bestochen. Sein Vermögen wurde jedoch von den Engländern konfisziert, so daß er sich an den Kongreß wenden mußte, den er um Zuweisung einer Stelle bat, damit er seine Familie erhalten könne. Seine Bitte wurde zwar nicht, gewährt, es gelang ihm jedoch, in Philadelphia Fuß zu fassen und sich wieder emporzuarbeiten. Kaum war er wieder zu Geld gekommen, als er auch begann, die Sache der Freiheit zu unterstützen. Die noch immer schwer kämpfende Armee und vieie hohe Offiziere; so Baron Steuben, Palaski, General Arnold, empfingen von ihm ohne jede Sicherheit namhafte Summen. Bald kam Salomon mit dem französischen Botschafter Chevalier de Luzerne in Berührung; Frankreich stand bekanntlich gegen England auf seiten der Aufständischen. Salomon wurde zum offiziellen Finanzberater und Agenten der französischen Regierung berufen. Mit einigen anderen einflußreichen Juden verfaßte er eine Petition an den Kongreß, worin er bat, die Besetzung der Beamtenstellen nicht wie bisher von der Leistung eines Eides auf das Neue Testament abhängig zu machen, da hierdurch den jüdischen Bürgern, die der Unabhängigkeit große Opfer gebracht hatten, schweres Unrecht geschehe. Nach Beendigung der Kämpfe eröffnete Salomon ein Finanzinstitut, bedurfte jedoch dazu eines Teilhabers, weil seine Mittel nicht mehr ausreichten. Kurz darauf starb er und seine Witwe mußte eine Aufforderung zur Rückzahlung an alle ergehen lassen, denen er Geld geliehen hatte. Die Summen, die er den Vereinigten Staaten geliehen hatte, betrugen etwa 658.000 Dollar, also fast drei Millionen Mark. Diese Schulden haben die Vereinigten Staaten nie bezahlt! Karl »Stand ein Siebziger Ende April feierte Karl Stand, ein Bruder unseres unvergeßlichen Führers Adolf Stand, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar beendete seine Studien in Lemberg und in Wien betätigt er sich seit dem Jahre 1882 zionistisch. Zusammen mit Dr. Malz und Dr. Braude organisierte er die ersten zionistischen Vereine in Galizien. Längere Zeit gehörte er der Redaktion des ersten zionistischen Wochenblattes in polnischer Sprache «Przyszlosc» an. Karl Stand zählte stets zu den eifrigsten Mitarbeitern der zionistieshen Sache in Galizien, Sein 70. Geburtstag gab auch der Zionistischen Laudesorgauisation in Ostgaiizicn Gelegenheit, ihm den Dank der Zionistischen Organisation für seine bisherige Tätigkeit auszusprechcii. Antisemitismus in der „Hundewelt“ Die Berliner Zeitschrift «Hundewelt» bringt einen Aufsatz des Harzburger Nervenarztes Dr. Görlitz über das «Hirnicben des Hundes». Er kommt zu dem Fazit: auch der bestdressierte Hund habe seine Fehler und seine Vorzüge wie wir Menschen auch, nur werde man unter den Hunden nie so gemeine Charaktere treffen wie unter den Menschen. «Menschgemcin» sei kein Hund. Jedenfalls kenne er keinen Hund, dem die Revolution und die Inflation den Charakter verdorben hätte. Die «Frankfurter Zeitung» .fragt, unter welcher Rubrik das gehört, was Dr.' Görlitz von den bissigsten seiner Hunde erzählt, nämlich, daß dieser «einmal» einen Neger angriff, aber Juden, auch getaufte, überhaupt nicht leiden konnte und sie «stets» anfiel. Warum, fragt die Zeitung, erzählt er uns nicht, wie er — oder ein andererV — seinen Hund diesen Antisemitismus hergebracht hat? Von sich aus hat der Hiind diesen Instinkt doch sicher nicht. Sagt doch Doktor Görlitz selber: kein Hund sei; allgemein. Gastspiel der „ Wilnaer Truppe" Die nächste Premiere. Nach dem großen Erfolg des «D o r f s j i n g» von Kobrin wird das berühmte russische Schauspiel «D e r Iker» («Komödie des Glücks») für Freitag, den 9. Mai, vorbereitet. In den Hauptrollen sind die Damen Paula Walter, Frieda W it a 1 i n a, Sonja A11 b a u m, Manja P i k u s und die Herren Alex Stein, Adam Do.mb, J. Schi gor in, S. Schefte 1, J. Kamay beschäftigt. Für das von Alex Stein inszenierte Stück wurden neue Dekorationen angefertigt. «Der Iker» bleibt die ganze Woche vom 9. bis zum 16. Mai auf dem Spielplan. Neues Jüdisches Theater, II., Praterstraße 60. Ab Samstag, 10. Mai, gelangt das Lebensbild mit Gesang: «Unser Rebbele» zur Aufführung. Für die Titelrolle wurde der ausgezeichnete Heldendarsteller Dir. A’rco aus New York gewonnen. Mitwirkend das ganze Ensemble. Beginn x/29 Uhr. Kinderchor-Kouzert des Chajes-Realgymnasium. Das Chajcs-Realgymnasium veranstaltet am Mittwoch, den 21. Mai tun halb 8 Uhr abends im Kleinen Konzerthaussaale ein Chorkonzert der Schüler-der unteren Klassen unter der Leitung. Dr. Berthold Löwenfelds. Das Programm enthält hebräische und deutsche Chorgcsängc. Kartenvorvcrkaui in der Buchhandlung M. Rath, II., Taborstraße 20a. Karten von 1 bis 3 S. Der Ertrag fällt der Ferienkolonie zu. Ein jüdisches Jesus-Buch. Im Jüdischen Verlag G. rn. b. H., Berlin W 50, erscheint soeben die deutsche Uebcrsetziing des Buches «Jesus von Nazareth. Sein Leben, seine Zeit und seine Lehre», von Dr. Joseph Klausner, ordentk Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Dieses Buch ist die erste groß angelegte wissenschaftliche Darstellung des Lebens und der Lehre Jesu, vom jüdischen Standpunkt gesehen. Das Werk verarbeitet zum ersten Mal das .gesamte ungeheure Queilenmaterial, insbesondere das jüdische, in umfassender Weise. Trotz seines streng wissenschaftlichen Charakters ist es in einer auch für den Laien verständlichen Sprache geschrieben. In hebräischer Sprache erschienen von dem Buche bereits vier Auflagen, in englischer Ueberseizung, die von dem Kanonikus der St. Georgs-Kathedrale, Jerusalem, H. Danby, stammt, bereits sieben Auflagen. Preis des 600 Seiten starken Werkes in Leinen M. 16.—, in HalWeder M. 21.—. Baruch Schoir, der berühmte Lemberger Kantor, den wir vor kurzem anläßlich der 25jährigen Wiederkehr seines Tadestages in der «Stimme» gewürdigt haben, hat sich, wie uns mitgeteilt wird, auch schriftstellerisch betätigt. So sind von ihm zwei Werke in hebräischer Sprache erschienen, und zwar «Bechor Schorr al Hathora» und «Jitron leehochma al kohelet». Schalom Asobs «Gott der Rache» als jiddischer Tonfilm. Alexis Grauowsky, der frühere Direktor des Moskauer Jiddischen Theaters, wird seinen ersten Tonfilm, pack Schalom Ascbs «Gott .de; Rache* in deutsch, englisch, französisch und jiddisch drehen. Es wiixl das wohl der erste in jiddischer Sprache hergestellte Tonfilm sein. Die Dreifuß-Affäre iw Tonfilm- Wilhelm Herzogs und Hans J. Rebfisohs Schauspiel «Die Affäre Dreyfuß» wurde von der Pararnount-Filmgesellschait zur Tonverfilmung erworben. Streit um eine jiddische Theatervorstellung im Stadtrat von Cleveland. In der Sitzung des Stadtrats von Cleveländ kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen, als das Staderatsmitglied Alfred G. Jones den Antrag stellte, die angekündigtc Aufführung eines jiddischen Theaterstückes durch den jüdischen Arbeiterzirkel in der Stadthalle zu verbieten, weil der jüdische Arbeiterzirkel aus Kommunisten besteht und das Reiuerträgnis radikaler kommunistischer Propaganda in den Vereinigten Staaten zugeführt werden soll. Der Manager der Stadthalle, Herbert J. Twelvctrec, erklärte demgegenüber, es handle sich um eine Kinderv'cranstaltung, bei der Kinder jüdischer Arbeite; mit wirken; der jüdische Arbeiterzirkel sei nicht kommunistisch, im übrigen sei es nicht seine Sache, _ nach der poltischen Uoberzeugung oder der Religion derjenigen zu fragen, die die Stadthalle mieten. Der City-Manager Daniel h\ Morgan unterstützte die Ausführungen Twelvetrees und erklärte, der Arbeiterzirkel habe nichts mit Kommunismus und radikaler Propaganda zu tun. Schließlich wurde der Antrag Jones’ abgelehnt. Eine jüdische Kunstausstellung in Berlin. In der Berliner Jüdischen Gemeinde besteht die Absicht, im Herbst 1930 eine Ausstellung von Werken jüdischer Künstler zu veranstalten, die als eine Art Generalschau des zeitgenössischen Schaffens gedacht ist. Ausstellung jüdischer Antiquitäten im Wawel-Schloß zu Krakau. Die Krakauer jüdische Gemeinde trifft Anstalten ihr eine Ausstellung in ihrem Besitz befindlicher und anderer seltener jüdischer Antiquitäten, die im Sommer d. J. int Wawel-Schloß m Krakau stattfinden wird. Im Rahmen der Feierlichkeiten aus Anlaß des 400. Geburtstages des polnischen Dichters Jan Kochanowsky wird eine große polnische Kunst- und Antiquitätenausstellung arangiert, von der die jüdische Ausstellung einen Teil bilden wird. Das Kochanowsky-Jubiläumskomitee hat den Warschauer jüdischen Gelehrten Professor M. Balaöan eingeladen, die Leitung der jüdischen Ausstellung zu übernehmen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Krakau hat in-, dieser Angelegenheit mit Prof. Balaban und der Leitung der «Gesellschaft zur Verbreitung der schönen Künste unter Jen Juden» Beratungen abgehalten, woraufhin ein Ausstelhingskomitee gebildet wurde. Der Präsident der Gemeinde L. Landau gab in dieser Sitzung einen Ueberblick über die m Krakau vorhandenen jüdischen Antiquitäten, Proi. Balaban wies auf die historische Bedeutung der jüdischen. Antiquitäten in Krakau und in ganz Polen hin und'kündigte die Veröffentlichung eines Katalogs im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ausstellung und der Schäftung eines jüdischen Museums für ganz Polen an. — Die vorläufige Ausstellung im Wawel-Schloß enthält antike Kunstwerke und seltene Drucksachen und Manuskripte aus dem 16. Jahrhundert, sowie Bildnisse alter Synagogen und Gedenksteine aus der gleiche« Epoche. Itn Mai 1931 wird in Krakau die Ausstellung jüdischer Antiquitäten aus ganz Polen eröffnet werden