Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 124 (1.5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 124 DIE SUMME Seite 11 Itterafaur «und Kunst Jubiläumskoiizert des jüdischen Gesangvereines 10 Jahre Kultivierung des jüdischen Liedes! 10 Jahre emsiger Arbeit, und harten Kampfes um den Bestand der Vereinigung! Bei 30 Konzerte mit Werken ausschließlich jüdischer Musiki Dies alles ist viel leichter auf2uzählen als zu vollbringen. Daß der jüdische Gesangverein ein wichtiger Kulturfaktor im musikalischen Leben des jüdischen Publikums geworden ist, dürfte allbekannt sein. Für die Pflege des Volksliedes in künstlerischer Form, für die Förderung der vokalen jüdischen Musik hat er in Wien vieles, sehr vieles geleistet; ist er doch die einzige Chorvereinigung, wo die Aufführung solcher wertvollen Werke, wie das bei diesem Konzert zu Gehör gebrachte «Unsane Teikef» von Millrier oder sein Psalm XIlFmöglich war. Diese tiefempfundenen Schöpfungen wurden mit Hingabe und Elan gesungen, wobei das Tenorsolo von dem beliebten, bestbekannten, stimmgewaltigen Oberkantor Gerson MargulieS mit Inbrunst, reinster Intonation und großem vokalem Können vorgetragen wurde. Der gegenwärtige Präsident des Gesangvereines, der rührige, energische Dr. Lichtner, hielt eine Festrede, in der er dem Publikum den Werdegang des Vereines schilderte. Vor 10 Jahren gründete der aus Czemowitz stammende Dr. Ebner nach dem Muster des dortigen «Hasomir» den «Jüd. Gesangverein» und berief als Delegierten den bekannten Komponisten Leon Erdstein, der das jüdische Volkslied kultivierte, indem ei einige für diesen Chor bearbeitete, Es war klug und pietätvoll, daß man in chronologischer Folge dem ersten Leiter dieser Vereinigung im Volksliederteil des Pfögrammts als ersten das Wort gab.!m Solo eines dieser stimmungsvollen Gesänge fiel die satte, ausgezeichnet kultivierte Stimme der Frau Smetana-Blüh auf. Der Nachfolger iErdstein, Prof. Braslawski, gab dem Verein einen mächtigen Ruck nach vorwärts. Er benützte die Gelegenheit, daß er igleichzeitig der Gründer und erste Dirigent des Hakoah- Orchesters war und führte mit den beiden Vereinigungen größere Oratorien werke jüdischer Tondichter auf, ohne freilich die weitere Kultivierung des Volksliedes zu vernachlässigen. Im Gegenteil, er bearbeitete viele davon und wir ihörten an diesem denkwürdigen Abend drei köstliche Lieder 'von denen besonders «Ich bin a Balegele» wiederholt werden mußte. Es folgten dann: «Die alte Kasche», gesetzt von jSchklar, «Lulanke» von Ljew, «Handle-Lied» vom verdienstvollen Begleiter des Jüd, Gesangvereines, Rudolf Beck, {(der viel Sinn für Stimmungen hat) ferner «Der Fedim», 'gesetzt von Ljew. In diesem schwermütigen Liede sang das Solo Grete Körner, die in der letzten Zeit stimmlich und musikalisch sehr gewachsen ist; ihre klangschöne Stimme zeigt vdet Kultur und verrät die gute Schule ihres Meisters!Prof. Fuchs. Den Schluß bildete die > Aufführung zweier köstlicher Volkslieder in ganz ausgezeichneter Bearbeitung des gegenwärtigen Leiters des Gesangvereins Prof. Dzimitrowski; besonders «In a kleine Stibele» zeigt viel Humor und eminentes Können des Chorsatzes, Vorher spielte mit großem Erfolg der Violinvirtuose E. Schafberg. Dzimitrowski legt besonderen Wert auf die Pflege größerer Werke der Chorliteratur neuer jüdischer Musik und da er ein großer Kenner derselben ist, sind die Programme mit Sorgfalt und Geschmack gewählt. Die überaus sichere Hand des Dirigenten gibt dem Ganzen Niveau. Der Beifall war sehr groß, oft enthusiastisch. Das begeisterte Publikum huldigte {der einzigen jüdischen Gesangsvereinigung und es wäre zu Ihöffen, daß diese Begeisterung nicht mit dem Verlassen [des Könzertsaales verschwindet. Die Mitglieder des Vereines verdienen es, daß das jüdische Publikum denselbn durch Beitritt unterstützte. Die Mitgliederzahl ist in letzter Zeit von 150 auf kaum 70 gesunken, Ein Gesangverein, Ser viele Oratorienwerke jüdischer Musik und über 30 Volkslieder in seinem Repertoire besitzt, der bei jeder Gelegenheit seine Arbeit in uneigennützigsterWeise zur Verfügung stellt, der als einzige Stätte für die Placierung, also Förderung jüdischer Chorwerke zu betrachten ist, eine derart produktive jüdische Kunstvereinisung soll ihre Mitglieder häCh {Hunderten zählen. Dieser Appell ist an alle jette gerichtet, 'denen die Sache der Förderung jüdischer Musik besonders am Herzen liegt und dies schien an jenem Abend bei jedem Ißesucher der Fall gewesen zu sein. Jul. Wolfsohn. Die Juden ln der neued , Musik. Prof. Dr. Max Graf sprach am Samstag über dieses hochinteressante Thema mit jener Ueberlegenheit und Gründlichkeit, die den bekannten Musikschriftsteller kennzeichnet. Er führte aus, daß beim Beginn und Abschluß jeder neuen Etappe in der Musikentwicklung, Jüdische Tondichter eine gewaltige Rolle spielten, so z. B. ln der Zeit der Romantik Mendelssohn und Meyerbeer, beim Abschluß der romantischen Zeit Gustav Mahler; er streifte die Bedeutung Goldmarks und schilderte Arnold Schönberg als den größten Bahnbrecher der Zelt, den Gründer der neuen Zeitepöche. Er verglich Ihn tttit Einstein und Sigmund Freud. Das ewige Suchen und Ringen nach neuen Erkenntnissen, neuen Formen, das «Ahasverische», das diesen Potentaten des Geistes eigen ist, seJ spezifisch jüdisch. Das anwesende, vornehmlich aus studierender Jugend sich rekrutierende Publikum bereitete den Vortragenden einen überaus warmen Empfang. Die Absicht des Vereines zionistischer Schüler «Chajes», eine Vortragsreihe zu veranstalten, die den Rahmen bilden sollte zum Problem «Der Anteil der Juden am Geistes- und Wirtschaftsleben der Gegenwart* lat aufs wärmste zu begrüßen.^ las neue Gastspiel der „Wilnaer Truppe" Wie Wir bereits gemeldet haben, treffen die Schaulieler der «Wilnaer Truppe» zu einem neuerlichen Gastspiel Wien ein, das Samstag, den 3. Mal, in den «Judithen KünstUrspielen» beginnt. Der Plan, die Wilnaer dauernd an Wien zu fesseln id Ihnen ln den «Jüdischen Kürtfctleraplelen» ein Heim Bu halfen, hat Insoweit Gestalt gewonnen, als eine Gruppe >n Freunden des jüdischen Theaters (prominente Pernlichkelten des jüdischen Wien) weitgehendste Förderung igesagt hat. Um die VarwirkUctowg dieses Planes m beschleunigen und die Wilnaer selbst zum Hierbleiben zu ermutigen, ist es notwendig, daß alle, denen die jüdische Theaterkunst am Herzen liegt, das gegenwärtige Gastspiel in den «Künstlerspielen» besuchen und damit die Notwendigkeit einer ständigen jüdischen Kunstbühne in Wien dokumentieren. Auf dem Programm steht: Von Samstag, den 3., bis Montag, den 5. Mai, «Der Dorfsjing» von Kobrin, Dienstag, den 6. Mai, «Tag und Nacht», Mittwoch, den 7. Mai, «Schwer zu sein ein Jud» (mit Paula Walter als Frau Schapiro), Donnerstag, den 8. Mai, l«D e r Dorfsjing». — Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Soeben Ist das zweite Heft des Werkes «Klassiker der Weltliteratur Im jüdisch-hebräischen Kulturkrelse» von Samuel M e 1 s e 1 s im Druck erschienen. In diesem Werke sollen die geistigen Repräsentanten aller Völker und Zeiten, von Homer bis zu Gerhart Hauptmann, auf ihre Erscheinung und Wertung im jüdisch-hebräischen Kulturkreis gemustert und somit in einer völlig neuen Beleuchtung vorgeführt Werden. Subskriptionspreis für das ganze Werk (15 Hefte) RM. 12.—. Das Einzelheft kostet 1 Reichsmark. Zu beziehen direkt vom Verlag Die Neuzeit (S. Meiseis) in Wien, IX., Der Verlag Gustav Kiepenheuer hat den Roman «Tohuwabohu» von Sammy Gronemann von dem Weltverlag erworben und bringt das Buch jetzt in neuer Ausstattung heraus. Eia neues jiddifches Werk von Schneur Der bekannte hebräifche Dichter Schnäur hat foeben den erften Band feiner Erzählungen, die er in der jüdifch-amerikanifdien Tageszeitung „Vorwärts“ veröffentlichte, unter dem Titel „Szklöw“ herausgegeben. In i6 Erzählungen werden hier intereffante Epifoden aus dem Leben der jüdifehen Kleinftadt gefchildert. Der zukünftige Kulturhiftorikef wird aus Schftüura Erzählungen fo manches intereffante Detail aus dem jüdifehen Leben in Litauea fchöpfen können. Deutsche Vorlesung Jehuda Ehrenkranz. Bei seinem Abend am 7. Mai d. J. im Fcstsaal des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, liest Jehuda Ehrenkranz von Pohl: «Der Deserteur», von Babel: «Der Sohn», die Schicksale zweier Juden während des Krieges und der Revolution. Aus dem Buche «Tatsachen» von Barbusse («Tatsachen» betitelt sich auch der Abend) u. v. A. Das Interesse für diesen Abend ist außerordentlich groß. Restliche Karten in den Buchhandlungen R. LÖwit, 1., Wollzeiie 6 und R. Lanyi, L, Kärntnerstraße 44. Beginn 8 Uhr abends. Eine atavistische Abteilung an der jüdischen Nationalbibliotheli in Jerusalem. Das jugoslawische Komitee für die Hebräische Universität hat der Leitung der jüdischen Nationalbibliothek den Vorschlag unterbreitet, eine Abteilung für Slavistik zu gründen. Dieser Vorschlag ist akzeptiert worden. Die Vorarbeiten für die Errichtung der slavistischen Abteilung Übernahm ein Komitee in Zagreb, das bereits eine Geld- und Büchersammlung für die Jerusalemer Bibliothek in Jugoslawien erfolgreich durchgeführt. Die Serbische Akademie für Wissenschaften in Belgrad und die Jugoslawische Akademie für Wissenschaften, in Zagreb haben Sich bereit erklärt, Ihre Publikationen nach dem Austäüschprlnzip der jüdischen National-Bibliöthek Zu übersenden, «Zehn Jahre Verfolgungen». Unter dem Titel «Zehn Jahre Verfolgungen» erschien soeben in Tel-Aviv im Verlag der historischen Kommission des Bundes «Kibbuz Galujath» ein Buch über die Verfolgungen der Zionisten und der zionistischen Bewegung in Sowjet-Rußland, Tonfflm-Aufnahmen in Palästina. Eine Expedition der amerikanischen Firma «Paramount» wellt seit zwei Wochen ln Palästina, um hier Aufnahmen für die «Tönende Wochenschau» zu machen. Gefilmt wurden Szenen von der Bekämpfung der Heuschrecken ln Transjordanien, die Massenszenen der arabischen Nebl-Mussa-Prozessionen, sowie Volksleben in Jerusalem. Einen interessanten Gegensatz dazu werden die Aufnahmen von der Eröffnung der Universitätsbibliothek bieten, wo die hebräische Eröffnungsrede des Kanzlers der Universität, die Ansprache des High Commisslonefs und verschiedene andere Szenen für den Tonfilm aufgenommen wurden. Im Emek wurde der Festakt am Masaryk-Wald aufgenommen, Wobei Col. Kisch für die Exekutive der Jcwlsh Agency, Herr Ussischkin für den Keren Kajemeth und Herr Leib Jaffo für den Keren Hajessod VOf dem Mikrophon gesprochen haben. In den nächsten Tagen wird eine Reihe interessanter Tontilmbüder von Tei- Avfv angenommen werden. Es ist das erste Mal, daß das Hebräische Wort Von der töHendeft Leinwand ln direkter Verbindung mit interessanten Szenen aus den verschiedenen Bereichen palästinensischen Lebens vernehmbar sein wird. Beth Achad Häam 1 ifl Tel Aviv. Nach dem Tode Atihad HaaihS wurde über Beschluß der Stadtverwaltung von Tel Aviv sein Wohnhaus als Beth- Aöhad-Haam-Bibllothek eingerichtet, Den Grundstock der Bibliothek bildeten 2200 Bände äüS Achäd Hääms Privatblbllothek. Einem Berichte der Verwaltung des Beth Achad Hsarn entnehmen wir nun, daß die Bibliothek in den letzten zwei Jahren eihen großen Aufschwung genommen hat, Die Bibliothek erhält einen großen Lesäsabl mit Zahlreichen jüdischen und anderssprachigen Zeitungen und Zeitschriften. Außerdem wurde im Wege von Schenkungen und Ankäufen die Bibliothek um weitere 2900 Bände aus den Gebieten der jüdischen Wissenschaften bereichert. Die Universitätsbibliothek schenkte dem Beth-Achad-Haam seine Duplikate, ferner ist es dank den Bemühungen einzelner Ausschußmit* glleder, gelungen, größere Bücherschenkungen zu erhalten. Die Bibliothek wurde seit ihrer Gründung von 11.000 Perconen aufgesucht, darunter 2319 Lehrer und Schriftsteller, 618b Studenten und Schmer, 1102 Beamten und intellektuelle, 1138 Arbeiter und Landwirte. An der Spitze des Komitees stehen Bialik, Bürgermeister Dizengoff, A. S. Rabbinowitsch, s. Gluskin, Sch. Ben-Zion^ Dr, Bogratschöw, Rafael Soffer« | mann, I. L. Ooldberg, Df.! S. Lewin, Schoschaha Persitz, L Ch. Rabnifzki« JVisfociMft Bedeutsame (fade dieser Ufocfke 1. Mai ( 3. ijer) 1863: Gabriel Rdesser zu Hamburg gestorben. 2. Mafi ( 5. Ijar) 1860:. The odo r HerzJ in Budapest g e b 0 r e n. 1864: Giacomo Meyerbeer in Paris gestorben. 3. Mad ( 6. Ijar) 1898: Unlv.-Prof. Dr. Hermann Schapiro, Mathematiker an der Universität Heidelberg, der Initiator des Jüdischen Natdonailfonds (K. K. L.)( gestorben. 6. Mai ( 9. Ijar) 1856: Prof. Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, Jn Frottier g (Mähren) geboren. 7. Mar (10. Ijar) 1916: Der bekannte Jiddische Schriftsteller J. Ra bbtino witsch (Scholem Ate* cliem) in New York gestorben. afaaraasBanaar^mr.1.flirr ■ ■■fifnrnrr" arr ■’7 "t.-rrra Das entstehende jüdische Gemeinwesen in Erez Israel Uebor unser Schicksal in Palästina werden in erster Linie die Immer lebenden, aufbauendon Kräfte entscheiden, Wir wollten daher von Fall zu Fall Ausschnitte aus den stillen Leistungen unserer Menschen bringen. Die Gesellschaft «Jachln». Seit der zweiten Aliija (um 1905 herum) kämpfen unsere Pioniere um die jüdische Arbeit in den jüdischen Siedlungen, denn nur diese vermag unsere Kolonien jüdisch zu erhalten und säe zu Zellen des jüdischen Gemeinwesens zu gestallten. Eine der Formen dieses Kampfes mit den (friedlichsten Mitteln steht die Gesellschaft «Jaohfin» dar. Im Jahre 1926 wurde sie geschaffen, als es sich geigte, daß die Pflanzungen eine entscheidende Rohe in unserem wirtschaftlichen Leben spiele«. Das Ziel war: «Die Eroberung aller Zweige der lanidwirtschaftlichen Arbeit in den bestehenden Privatwirtschaften und in denen, die erst geschaffen Werden sollten, für den jüdische« Arbeiter, u. zw. dadurch, daß sie mit Hülfe umfassender Unternehmungen zusammeaigetfaßt werden.» Also nicht Kampf gegen die Privat wirtschaften, sondern heißes Bemühen, die Arbeit den jüdischen Arbeitern zu sichern, mit Hilfe organisatorischer Maßnahmen. Säe begann ihre Tätigkeit mit einem Anfangskapital von 333 Pfund Sterling. Sie erwarb sich aber sehr bald das Vertrauen der Flamtagenbesfitzer wegen der Güte der Arbeit und der Verläßlichkeit. Das äußerte »ich auch darin, daß sSe auf ihre Arbeit Vorschüsse er Welt und so in die Lage kam, die nötigen Maschinen sich zu erwerben und die Arbeitslöhne regelmäßig zu zahlen. Der Umfang der Arbeit wuchs daher von 8000 Pf. St. 17.000 „ und schließlich auf 24.000 „ „ Von den anfangs zufälligen PHanzungsarbeftefl gingen sie zur Konzentrierung auf dauernde ,unid umfassende über: HerzJila, Raa nana und Magdlel. Der Umfang der Pflanzungen Wuchs: 130 Dunam, 700 „ 1400 *, ln den drei Jahren ihres Bestandes erzielte säe einen Rein ge Win« von 2000 PI Säe arbeitet zu 70 Prozent für ausländische Besitzer von großen «lAohUsdth»; Man hört von kefitteu (KaufJütten zwischen Aifibeit Und Kapital. Dr, Chaäm Tdrtflkowier. Berlin, 28. März. llciohsinhenittiniateritihi und ReiohSattßentaiüisterium nehmen Stellung au den Friedhofsschändtmgen uud zum bayrischen Schächtverhotsgesetz Die «Deutsch-Oesterrdchtsche Tageszeitung» drückt die folgenden amtlichen Schriftstücke ab: Abschrift II/A 4440/28. 3, Auswärtiges Amt III 0 1447 Artg. IL An das Reichsministerium des Innern. Die Deutsche Botschaft in Washington berichtet unter dem 12. März d. J., daß seitens des Präsidenten des American Jewish Committee, das Sieh ntit der Währung jüdischer Rechte in der Welt beschäftigt, und seitens des Chefredakteurs der «Jewish Telegraphie Agency», die außer in New York In Löndöri, Paris, Berlin und Warschau erscheint und einen großen Einfluß besitzt, Klagen über die zunehmenden Schändungen jüdischer Friedhöfe in Deutschland und Über den Beschluß des Bayerischen Landtages, das Schächten in Bayern zu verbieten, eingelaufen sind. Es wurde seitens der Einsender die Bitte daran geknüpft, die deutsche Reichs- Uhd bayerische Landesregierung von der dadurch . entstehenden Mißstimmung in den jüdischen Kreisen der Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen. Da die Erlassung von Schächtverbotsgesetzen auch in anderen deutschen Ländern, Wie z. B. in Sachsen, beantragt ist, wird das Reichsministerium des Innern gebeten, den Regierungen der deutschen Länder von der Mißstimmung großer Bevölkerungstelle ln den Vereinigten Staaten, die sich politisch ungünstig außwirken könnte, Kenntnis zu geben. Die Erklärung, die der damalige Reichsminister der Justiz, Df. Koch-Weser, namens der Reichsregierung am 18. Oktober in einer Versammlung des Centralvefelrtös deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegeben hat, Ist der deutschen Botschaft in Washington mitgeteilt worden. Im Auftrag: ~ * . , . t , . ' gez. de Haas. Der Reichsminister des Innern, II A 4440/28 3. Berlin, den 5. April 1930. Betrifft: Schändungen jüdischer Friedhöfe und Erlaß vor Schächtverbotsgesetzen in Deutschland. Abschrift beehre ich mich zur gefälligen Kenntnis zu übersenden. gea. Wirth. An dte Landesregierungen (für Preußen: Ministerium des Irtnem, Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.) Das HakCnkreuzler-Blatt knüpft an die Wiedergabe dieser Schriftstücke Schmähungen unter der Adresse der deutschen Regierung, der amerikanischen und der deutschen Juden»