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Die Stimme · 1930-04-10 · Heft 121 (10.4.1930) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 121 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen V|| |i ■ Da Di Zionisten treffen sich im Kaffee Püritenh c; II., Praterstrade Nr. 25 AboimemoatpnlMi rar Oaslarrefchj Monatl. 8 1.50, rlertelj. 8 4JO, r&nej. 8 16.— / Daatschlaad: Monatl. Goldmark .—» rlertelj. Goldmark S.— / Tschechoslowakei: Monatlich Ke T.—, rlertelj. Ke 19.— I Jugoslawien: donatlleh Dinar 14.—, riertelj&brlieh Dinar 40.— / Jüdische Zeitung Krsdaeaiiatf feden Donnerslatf HledalUton und ^dminiafünflon: Wien, I.. JlmiftciMlctadimc f — giefepfton CT I Polen: Monatl. Zloty 2.30, rlertelj. Zltöy 6.50 I Ungarn: Monatl. Peng!) 1,50, rlertelj. Peng» 4.20 I Rumänien: Monatl. Lei 45!—, rlertelj. Lei 125.— I Balgarien: Monatl. Lewa 30.—, rlertelj. Lewa 80.— Belgien: Monatl. Belga 2.—, rlertelj. Betga 5.— t Uobriges Ansland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 3. Jahrgang Wiea, Donnerstag, 10. April 1930 (12. Nissan 5690) Nummer 121 ■ Sii=:.JlgBJg .J-SiS'" ' '' ===yg'B!"-!l!..J . . .....■■ ■ .. ^=!= Um den Bericht der Shaw-Kommission j)ie fkeuti&e Jlummer ist W fetten stark Der Bericht der Untersuc&ühgslcommission, dessen Inhalt wir in unserer letzten Nummer gebracht haben, hat sowohl in der jüdischen wie auch nichtjüdischen Weit große Enttäuschung hervorgerufen. Den einzigen Lichtpunkt in diesem Berichte bilden die Vorbehalte des Vertreters der Laböur Party, Harry Snell, der in seinen Darlegungen in klarer und deutlicher Weise den Standpunkt der Balfour-Deklaration und. des Palästinamandates vertritt. Im Nachstehenden bringen wir auszugsweise die wichtigsten Punkte seiner Vorbehalte. ’ Obwohl ich den vorstehenden Bericht unterzeichnet, habe, (kann ich mich nicht mit einigen der Kritiken und K.orijdusionen, die er enthält, .einverstanden .erklärenj nrid ich möchte es über jeden Zweifel kJärfcgdn; daß meine Unter-, schritt unter dem Bericht keine Oehereinstjfliniungl.niit der allgemeinen St^Uirig-ineiper Kollegen zum Palä^dna-Problem -, bedeutet. Die Politik der Errichtung des Jüdischen. National- ’f heims in diesem Lande hat zweifellos komplizierte Fragen in rassischer wie in wirtschaftlicher Beziehung aufgeworfen,; aber ich bin überzeugt, daß diese Fragen weder .außerordentlich noch unlösbar sind, und ich glaube, daß viele der unmittelbaren Ursachen zu den Unruhen am letzten August eher zeitweiligen als fundamentalen Charakter hatten und auf Befürchtungen und Antipathien zurückzuführen waren, die meiner Ueberzeugung nach die moslemitischen und arabischen Führer zu wecken wußten und zu politischen Zwecken wach erhielten. Ich sehe deshalb die Verantwortung jener Führer für Art und Führung der Aufhetzungs-Kampagne, die zu den Unruhen im August geführt haben, ernster an, als meine Kollegen es tun. Ich glaube, daß der Wunsch, sich die. Unterstützung eines geeinigten moslemitischen Volkes zu sichern, für den Mufti das einzige Motiv seines Handelns war, und während ich nicht überzeugt bin, daß er für den Charakter des von einigen seiner Anhänger geführten antizionsitjschep Feldzuges direkt verantwortlich war oder daß er sogar hierbei ein Auge zudrückte, habe ich nicht den geringsten Zweifel daran, daß er über die Natur dieses Feldzuges im klaren war und daß er sich die Gefahr von Unruhen vergegenwärtigte, die immer da ist, wenn religiöse Propaganda aufreizender Natur unter einer moslemitischen Bevölkerung verbreitet wird. ' Ich messe deshalb dem Mufti einen größeren Anteil an der Verantwortung für die Unruhen zu, als er ihm ht dem Bericht zugemessen wird. Ich bin der Meinung, daß der Mufti die Verantwortung dafür tragen muß, da er es unterlassen hat, irgend 'eine Anstrengung zu machen, um den Charakter einer Agitation zu kontrollieren, die im Namen einer Religion geführt wurde, deren Oberhaupt er in Palästina ist. 1 Auch kann ich nicht die Grenzen akzeptieren, die in dem Bericht hinsichtlich der Verantwortlichkeit der arabischen politischen Führer für die Resultate des Profja^andafeldzuges gezogen sind. Die arabische Exekutive war zweifeüos berechtigt, Organisationen zur Förderung ihrer Ansichten .und ihrer Ziele zu bilden, aber als sie das getan hat, war es an ihr, auch die Verantwortung für die Tätigkeiten der gebildeten Gesellschaften zu übernehmen. Wenn die politische Agitation die Beseitigung der KJagegründe und die Sicherung von Bürgschaften für die Zukunft zum Ziele hatte, so waren meiner Meinung nach die von den arabischen Führern geübten Propaganda-Methoden schlecht gewählt und nutzlos; wenn anderseits der Feldzug zum Ziele hattp, arabische und moslemitische Leidenschaften aufzurühren, so mußten die, die an ihm teiinahmen, da sie sehr wohl die Ergebnisse gleicher Agitation in der Vergangenheit kannten, genau wissen, daß eine Möglichkeit ernster Unruhen geschaffen ist. Obwohl ich mit der Meinung übereinstimme, daß effe arabische Exekutive als Körperschaft nicht unbedingt verantwortlich ist für die Worte oder Taten ihrer Anhänger oder sogar ihrer einzelnen Mitglieder, kann ich schwer glauben, daß die Aktionen einzelner Mitglieder der Exekutive dieser Körperschaft unbekannt waren, oder daß diese Einzelpersonen wirklich in ihrer Eigenschaft als Privatpersonen handelten.; Ich bin überzeugt, daß die Masse.des arabischen Volkes von Palästina in keiner Weise mit den beklagenswerten Ereignissen vom letzten August identifiziert werden kann. Die gute Beziehung, die an manchen Orten zwischen den Angehörigen beider Rassen herrscht, wurde während der Unruhen durch einige tapfere arabische Arbeiter sehr schlagend dargetan, die mit ernstem Risiko für sich und ihre Familien ihre jüdischen Arbeitsgenossen in ihren Häusern solange beherbergten, bis die Gefahr vorüber war, und sie dann, als Araber verkleidet, in Sicherheit zu ihren Volksarigehörigen zurück geleiteten. .! SchUeßljc^katm |c|L(bezüglich.der Verfietzun^kairibäg^e nicht; mit den Konklusionen;iu dem Bericht"Übefeinstiriimdh, die die mosl^ttlachewTeligiösen Behörden von jedem, auch dem kisestert ’ Tadel im Zusammenhang mit denvitudcr Nachbarschaft' der kiageniauer eingeführten NeuerimgeiL freispricht. Meine Prüfung der Beschlüsse und Tätigkeiten der Palästina-Regierung während des ersten Stadiums der Unruhen ist von der Erwägung ausgegangen, daß die der Regierung zur Verfügung stehenden militärischen und Sicherheitskräfte unzulänglich waren.* In dieser Tasache finde ich. die Rechtfertigung für viele Beschlüsse, die ich sonst nicht gebilligt haben könnte. Die allgemeine Frage,, ob in einem; Lande mit rassischer Trennung eine Rasse von, der Regierung mit Waffen für eventuelle Benutzung gegen die andere Rasse beliefert werden sollte, ist zugegebenermaßen eine schwierige, aber bei den in Palästina im letzten August vorherrschenden Verhältnissen wäre es — sofern nicht die Regierung glaubte, die jüdische Minderheit selbst schützen zu können —- tatsächlich nicht «grundlegend falsch» gewesen, ausgewählte Juden mit den Mitteln zur Verteidigung für sich und für ihre Mitmenschen auszurüsten. Ich kamt nicht die Palästina-Regierung von der Schuld befreien, daß sie nicht in einem offiziellen Communlquee der Legende, daß die Juden Absichten auf die moslemitischen Heiligen Stätten haben, entgegengetreten ist Die Tatsache, daß es einzelne Juden in Palästina und anderswo gibt, die die Jahrtausende alte Hoffnung hegen, daß, wenn der Messias kommt, der jüdische Tempel auf der alten Stätte errichtet werden wird, hätte die Regierung nicht davon abhalten dürfen, das dnrehzuführen, was meiner Meinung nach ihre unzweideutige Pflicht war. Es ist meine Ansicht, daß in dem Bericht bei den Angelegenheiten «Jüdische Einwanderung» und «Bodenproblem» zuviel Bedeutung den erregten Protesten arabischer Führer auf der einen Seite und den ungeduldigen Kritiken und Forderungen zionistischer Führer auf der anderen Seite beigemessen wird. In Palästina notwendig ist weniger eine Aenderung der Politik in diesen Dingen als vielmehr eine Geistesänderung bei der arabischen Bevölkerung, die zu dem Glauben ermutigt worden ist, daß sie ein großes Unrecht erlitten hat und daß der ejngewanderte Jude eine dauernde Drohung für Ihren Lebensunterhalt und Ihre Zukunft bedeute. Ich bin überzeugt, daß diese Befürchtungen übertrieben sind K 445B5S773. C Aus dem JnAuff: H. N. Brailsford: Die Zukunft des Zionismus. Michael: Die Helden von Hebron. W. Ebenstein: Unheilige Erinnerungen an das Heilige Land. Dr. N. M. Gelber: Ein vergessenes Jubiläum« Z. F. Finkeistein: Vor 25 Jahren: Dr. Sem Wolf: Purim und Pessach. J. Jj. Perez: Der Wundermann. .; Hsw.idswipid daß manbei gründlicher Prüfung der -Lage zu’diöif'Ergebnis kommen wird, daß das arabisch^ Volk aus dem jüdischen Unternehmen eher Gewinn als. Verlust zieht. Ich Zweifle nicht daran, daß 3 ' ■ jüdische Tätigkeiten das Gedeihen Palästinas erhöhen, den Lebensstandard des arabischen Arbeiters gehoben und die Fundamente gelegt haben, auf denen der zukünftige Fortschritt der beiden Gemeinschaften und Ihre . Entwicklung zu einem Staat gegründet werden kamt. Das Prinzip, daß! die Einwanderungsrate die wirtschaftliche Kapazität Palästinas nicht überschreiten sollte, wird von allen verantwortlichen Juden akzeptiert. Sofern dieses Prinzip von der Palästina-Regierung sorgfältig und gründlich angewendet wird, können die Araber keinen berechtigten Einwand haben, gegen die Einwanderung einer Bevölkerung nach Palästina, deren Wirksamkeit zu der Entwicklung neuer Unternehmungen, der Verbesserung landwirtschaftlicher und industrieller Methoden führen können, was wiederum eine Erhöhung der Regierungseinkäufe und die Hebung des Lebensstapdardes der Bevölkerung im allgemeinen zur Folge hat. Ich kann nicht der Kritik zustimmen, die der Bericht an der bestehenden Methode der Auswahl von Immigranten . übt. Irgend eine Form der Auswahl ist notwendig; die Regierung aber ist nicht in der Lage, selbst diese Aufgabe zu übernehmen. Die Verantwortung ruht deshalb auf der zionistischen Exekutive. Iph akzeptiere die in dem Bericht zum Ausdruck gebrachte Ansicht, daß die vom Immigranten zu fordernden Qualifikationen Fähigkeit, Charakter und Eignung zum Arbeiter und Bürger sein sollten. Die politischen oder wirtschaftspolitischen Ansichten eines Kandidaten sollten bei seiner Auswahl als Immigrant keine Rolle spielen. Auch ich spreche die jüdischen Behörden von jeder Schuld in der Angelegenheit der Bodenerwerbung frei; verantwortliche jüdische Führer leugnen einmütig jede Absicht, die arabischen Pächter in jüdischem Interesse zu benachteiligen. So sagte uns Dr. Ruppin, daß die Zionisten «nicht wünschen, die Araber vom Boden zu. vertreiben, und zwar nicht nur darum, weil unser Gewissen dagegen ist, sondern auch weil ein ungeheures Maß von Haß gegen uns entstehen würde, das es uns schwer machen würde, mit den Arabern zusamjnenzuarbeiten». Herr Jabotinsky sagte: «Es gäbt nicht einen Zionisten, der auch nur im Traume daran denkt, die ländliche Bevölkerung aus Palästina zu vertreiben.» Endlich möchte ich aus einem der Kommission durch die allgemeine Federation der Jüdischen Arbeiter unterbreiteten Memorandum den folgenden Abschnitt zitieren: «Die jüdische Arbeiterbewegung erachtet das arabische Volk als ein integrales Element dieses Landes. Es wird nicht daran gedacht, daß diese Bevölkerung verdrängt werde oder daß jüdische Siedler sich auf deren Kosten etablieren. Dies würde nicht nur vom politischen und wirtschaftlichen Standpunkt unmöglich sein, sondern es würde auch der moralische» Auffassung, die der zionistischen Bewegung zugrunde liegt, zuwider laufen. Jüdische Einwanderer, die in diese« Land kommen, um von der Frucht ihrer eigenen Ajbeit zu leben, betrachten die arabischen arbeitenden Men-

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