Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 118 (20.3.1930)
- Date
- 1930-03-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 10 DIE STIMME Nr- 118 Literatur und Kunst Saul Tschernichowskys BOjähriges Dichter* Jubiläum Vor genau 30 Jahren ist der erste Gedichtband des hebräischen Dichters Saul Tschernichowsky erschienen, der die moderne hebräische Lyrik auf ganz neuen Bahnen führte. Seither hat Tschernichowsky weitere Gedichte und. „Idyllen“ veröffentlicht, deren jedesmaliges Erscheinen für die hebräisch Sprechenden und für alle Freunde der hebräischen Literatur ein Fest bedeutete. 1929 veröffentlichte Tschernichowsky sein Drama „Bar Kochba“, das große Hoffnungen für Tschernichowskys Entwicklung als Dramatiker geweckt hat. Er schrieb auch Gedichte für Kinder. Novellen und humoristische Erzählungen. Epochal wirkte er in der hebräischen Literatur als Uebersetzer. So hat er die „Ilias“ und die „Odysee“, Goethes „Beinecke Fuchs“ und Sophokles* „König Oedipus“ in metrischer Treue ins Hebräische übertragen, nachdem er schon früher die großen Gedichte Longfellows, die Lieder Anakreons und das Gilgamesch-Epos der hebräischen Literatur einverleibt hatte. Die Hebraisten aller Länder feiern in diesen Tagen Tschernichowskys Jubiläum mit. In Berlin fand am 12. März im Schubert-Saal ein Ehrenabend für Tschernichowsky statt. Der Dichter lebt bekanntlich seit einigen Jahren in Galizien. Den Höhepunkt erreichte diese Feier mit dem Erscheinen Tschernichowskys auf dem Podium. Das Publikum erhob sich spontan und brachte dem Dichter eine begeisterte Ovation dar. Tschernichowsky las J schlicht und dennoch sehr eindrucksvoll zuerst | ein kleines Poem „Maginah“, dann sein Poem Jj der Verherrlichung des Lebens „Zachaki, Zat chaki al Hachalomoth“ und gab damit dem Abend J die höhere Weihe. Mit der ganzen hebrä'sch sprechenden und das hebräische Wort liebenden Welt senden auf diesem Wege auch die Wiener Bewunderer des (Talentes von Tschnernichowsky, dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche. Vlttorio Weinberg, der Bariton der Mailänder Scala, der ais einziger Jude und Ausländer ein fixes Engagement an diesem weltberühmten Theater hat, kommt demnächst nach "Wien, um Wer ein einziges Konzert z>u geben. Weinberg ist ein geborener Palästinenser, und betont bei jeder Gelegenheit seine jüdisch-nationale Gesinnung. Sein Wiener Konzert findet am 9. April dm Großen Musikvereinssaale statt Wir werden auf die interessante Persönlichkeit dieses großen Künstlers noch zurückkommen. Jüdische Künstlersplele (Gastspiel des Warschauer Jüdischen Theaters). Von Freitag, den 21. d. M., bis Montag dfie neue Komödie «Wedwele Schmatnile« mit Regina Zucker uod Max Bozyk in der Hauptrolle; Dienstag «Die Kredithiife für den jüdischen Mittelstand Am 12. M1/, I. i. fand bei reger hjteJ.,RU>',g der Genossenschafter die 7. ordentliche Generalversammlung der Kreditkasse für Kleingewerbe und Kleinhand e 1 in Wien statt, welche ihr Entstehen der Initiative und und den Bcdmühungen des seligen Oberrabbiners Dr. Chaj es und der weitherzigen materiellen Förderung des American Joint Distribution Committees verdankt. Der Obmann des Vorstandes, Herr Börserat Ignaz Glück, eröffnete die Generalversammlung, der er nach kurzen einleitenden Worten den erfeulichen Beschluß das Wiener Kultusvorstandes mitteilte, die Ziele und Tätigkeit der Kreditkasse durch Uebernahme von Geschäftsanteilen derselben im Betrage von 20.000 S zu fördernr. Ebenso habe die Kreditkasse vor kurzem eine materielle Förderung seitens der American Joint Reconstruction Foundation erfahren, in der Form eines nueen Kredits, der noch erhöht werden dürfte. Die Generasversammiung nahm diese Mitteilungen mit Befriedigung zur Kenntnis und sprach sowohl dem Wiener Kultusvorstande als auch der Foundation den wärmsten Dank aus. Den Bericht über den Gecshäftsbetrieb und Rechnungsabschluß pro 1929 erstattete Herr Direktor M. H e n i s c h. Er entwarf ein anschauliches Bild der ersprießlichen Tätigkeit der Kreditkasse im Intersse des Wiener jüdischen Kleinhandels- und Kleinqgewerbestandes, das in kurzen Umrissen im folgenden wiedergegeben sei: Das abgelaufene Geschäftsjahr war von einer großen Sorge um die ungestörte Fortführung des Geschäftsbetriebes ausgefüllt, da mit diesem Jahre die vertraglich festgelegten Fälligkeiten der großen Raten des Foundation-Darlehens begännen. Aber trotz der bedeutenden Verringerung des Betriebskapitals in der Berichtsperiode war der Vorstand bemüht, den seitens der Kreditwerber an die Kasse gestellten Anforderungen möglichst gerecht zu werden. So wurden im abgelaufenen Jahre in 14 Vorstandssitzungen 880 Kreditansuchen einer Erledigung zugeführt, von denen 822 positiv beschieden wurden. JÜDISCHER LIEDERABEND Mittwoch, den 26. März 1930, 8*4 Uhr abends, Großer Festsaal (Konzertsaal) im Industriehaus (Schwarzenbergplatz 4) I. «EGALitOSENDACII (Tenor) Lieder, Volkslieder (hebr. und jüd.) Opernarien (ital.) Am Flügel: Rudolf Beck. Kartenverkauf: Zionistisches Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Buchhandiung Rath, II., Taborstraße 20a, Parfümerie Schurberg, II., Hafnergasse 3. lustige Mali»; Mltwoch «Welwele Schmafimk»; Donnerstag «Zurück von Sibirien». Pepi Lithmann in Wien. Die berühmte jüdische Soubrette Pepi Lithman ist nach einer überaus erfolgreichen Tournee in verschiedenen Staaten Europas in Wien eingetroffen und hat sich der Jüdischen Bühne für drei Abende, d. i. Freitag, den 21. März, Samstag, den 22. März und Sonntag, den 23. März, ver pflichtet. Gegeben wird «Czaczkale dem Chasens». An diesen drei Abenden wirkt auch der bekannte Schauspieler und Sänger Jacob Leihrma.nu mit. Ein Ehrenabend Paula Dreiblath. Dienstag, den 25. März 1930, findet m der Jüdischen Bühne, II., Taborstraße 12, ein Abend zu Ehren der beliebten Schauspielerin Frau Paula Dreiblarh statt. Die Jubilarin wird in der Titelrolle des Stückes «Weiße Sklavin» autftreten. An diesem Abend wird auch die bekannte Maxhnow- Truppe mitwirken. Konzert J. Segal-Rosenbach. Jüd. Lieder- und Volks- Hederabend. Das Konzert des bekannten jüdischen Tenors, das am 26. März im großen Festsaale des Industriehauses am Schwarzenbergplatz stattfindet, verspricht den Kennern und Schätzern seriöser jüdischer Gesangskunst einen erlesenen Genuß zu bereiten. Der Ruf, den sich Herr Segal- Rosenbach bei verschiedenen jüdischen Vereinsveranstaltungen sowie bei eigenen Jüdischen Liederkonzerten erworben hat, bürgt für einen genußreichen Abend. Das Repertoire, vom Sänger in gewohnter Weise reichhaltig zusammengestellt, bringt ernste, lyrisch-romantische und religiös-mystische Lieder und Volkslieder, darunter chassidische Tischlieder (Smiroth), Wiegenlieder und jemenitische Volkslieder in jiddischer und hebräischer Sprache. Die Lieder, die an diesem Abend zum Vortrag gebracht werden, stehen auch auf hohem literarischen und künstlerischen Niveau. Auf Verlangen wird aber Segal-Rosenbach auch Opernarien zum Vortrag bringen. Für dieses Konzert macht sich ein reges Interesse bemerkbar, was man daraus ersehen kann, daß der Kartenverkauf sehr gut vor sich geht. Restliche Karten an der Abendkassa. «Klrjath Sepher.» Soeben erschien das vierte Heft des sechsten Jahrganges der von der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek herausgegebenen bibliographischen Vierteljahrsschrift «Kirjath Sepher». Das Heft enthält ein Verzeichnis der in Palästina erschienenen Bücher, ferner ein bibliographisches Verzeichnis der judaistischen Erscheinungen in der ganzen Welt (545 Nummern fiir das letzte Vierteljahr) und folgende Aufsätze: A. Tauber: Forschungen über Inkunabeln A. Jaari: Ergänzungen zur Wienerschen Bibliographie der Haggadoth;'G. Scholem: Zur Bibliographie der Literatur der Brazlawer Chassidim; B. Dinaburg veröffentlicht aus den Archiven der Bibliothek Briefe Abraham Mapus an Abraham Kaplan. — Das Heft umfaßt 160 Seiten. Der Abonnementspreis der Vierteljahrsschrift beträgt für die ersten sechs Jahrgänge 10 sh, angefangen vom siebenten Jahrgang 15 sh pro Jahr.. Der Schriftfteller Elchanan Kalmanfon in Riga verftorben. In Riga verftarb im Alter von 73 Jahren der bekannte hebräifch-jiddifche Schriftfteller Elchanan Kalmanfon, ein Sohn von Mofes Kalmanfon, der durch fein Buch „Assarah maamaroth“ bahnbrechend auf dem Gebiete der hebräifchcn Erziehung gewirkt hat. Elchanan Kalmanfon war Mitarbeiter fall aller hebräifchen Tageszeitungen und Zeitfchriften und fdirieb Bücher über Literatur, Religion, Ethik und Sozialismus. Er war der Entdecker des jiddifdien Dichters David Bcrgclfohn. Kalmanfon lebte mehrere Jahre in Kiew, wo er (ich in der zioniftifchen Bewegung aktiv betätigte. Nach dem Beilis-Prozeß überliedelte er nach Paläftina, wo er Friedensrichter wurde. 1922 kam er nach Riga. Von den bewilligten Darlehen gelangten in der Berichtsperiode 724 Darlehen mit einer Gesamtsumme von S 367.530 zur Auszahlung, was einen Monatsdurchschnitt von 60 Darlehen mit S 30.630 ergibt. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 82 Prozent der Fälle S 500.—, in 7.5 Prozent unter S 500.— und in 10.5 Prozent der Fälle zwischen S 500.— und S 1000.—. Nach Berufskategorien der Darlehensnehmer gegliedert entfallen auf Kleinhändler 509 Darlehen (70.3 Prozent), auf Handwerker 132 Darlehen (18.3 Prozent), auf kleinindustrielle Betriebe 66 Darlehen (9.1 Prozent) und auf Angehörige freier Berufe 17 Darlehen (2.3 Prozent). Die Gesamtsumme der Rückzahlungen der Darlehensnehmer betrug S 364.000. Der Darlehensstand mit Jahresende beziffert sich auf S 193.000. Die Zahl der Genossenschafter mit Jahresende beträgt 1567 mit volleingezahten 4112 Geschäftsanteilen, so daß das Anteilkapital mit Jahresschluß S 41.120 ausmacht. Als erfreuliches Symptom ist die Abnahme der Klagefälle auch in diesem Berichtsjahr zu werten, ebenso die Tatsache, daß trotz der andauernd tristen wirtschaftlichen Lage die Abschreibung an dubiosen Forderungen im abgelaufenen Jahre bloß zirka ein Viertel von der im Vorjahre abgeschriebenen Summe ausmacht. Namens des Ausschusses zur Uebcrprüfung der Bilanz erstattete Herr Oberrechnungsrat M. Weiner der Revisionsbericht. Ueber dessen Antrag erteilte die Generalversammlung dem Vorstand und dem Aufsichtsrat einstimmig die Entlastung. Nach durchgeführten Ergänzungs-, bezw. Neuwahlen setzt sich der Vorstand aus folgenden Herren zusammen: Karl A 11 m a n n, Aron Barschak, Max E i s n e r, Börserat Ignatz Glück, Rafael H a 1 p 0 r n, Dr. Siegfried K a nt o r, Jakob März, Oskar Rosner, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Feiwel T ti r k l und als Vertreter des Kultusvorstandes rieugewählt: David Dohan und Dr. J. H. Körner. Dein Aufsichtsrate gehören an die Herren Mendel Feigen bau in, Gustav G 0 I d ni a n n, Kammerrat Moriz K 0 h n, David L e s s i n g, Dr. Josef Löwenherz, Samuel Preis, N. M. R a c k e r, Max S c h i f f m an n, Direktor Wolf Wahrhaftig und die neugewählten Vertreter des Kultusvorstandes Dr. Desider Fried mann und Kommerzialrat Moritz Reif. In den Revisionsausschuß wurden die Herren Schaje H o r 0 w i t z, Simon Picker und Oberrechnungsrat M. Weiner wiedergewählt. Schließlich wurde über Antrag des Herrn Weiner der Beamtenschaft der Kreditkasse Dank und Anerkennung ausgesprochen, worauf Herr Dr. Löwenherz in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Kultusgemeinde in einer Scnlußansprache die Bedeutung des eingangs erwähnten Beschlusses des Kultusvorstandes würdigte und der Generalversammlung die Wünsche des Kuitusgemeinde-Präsidiums übermittelte. Jüdisches aus der Großstadt Der fromme, tr«dition*treue Jude hat feit jeher einen ftarken Widerwillen gezeigt, wenn es galt, (ich in der Großftadt anzufiedein. „In der Großftadt" — hieß es in diefen Kreifen — „find logar die Steine des Pflaftcrs trete.“ Diele ihre Abneigung gegen die Großftadt lag in der Furcht begründet, man könne in der Großftadt eben nicht den Bräuchen und Sitten traditionsgemäß nachkommen. Und doch war dies zum großen Teil nur ein Vorurteil. Denn, daß man auch in der Großftadt — trotz des fremden und unjüdifchen Milieus — ftrengc an Gebräuchen fefthalten kann, beweifen uns gerade die Peffadifeiertage, die ihre befondere Anforderung an Kafchruth ftcllcn. Freilich ift cs anders, als in den kleinen oftjüdifchen Städten. Denn, verletzen wir uns für einen Augenblick in diefes kleine Städtchen, wie es in der Zeit zwilchen Purim und Peffach dort ausfah. Vcrgeften wir für einen Augenblick die Großftadt mit ihrem Lärm, ihren Autos und „all den trefenen Steinen“. Erinnern wir uns an die kleinen Bäckereien, in denen man die Mazzoth hcrzuftcllcn pflegte. Wie wcfentlich anders ift cs heute im Zeitalter der Technik und in der Großftadt. Und will man heute an den Sitten und Gebräuchen fefthalten, muß man fich diefer modernen Errungenfchaften bedienen. Wie lehr aber verläßlichfte Kalchruth, gepaart mit peinlicher Sauberkeit, in harmonifcheften Einklang gebracht werden kann und in der Güte und Qualität der hier erzeugten Mazzoth ihren Ausdruck finden, zeigt uns ein kurzer Befuch bei der unter Auffidit des Rabbinats der Ifraelitifchen Kultusgemcinde Wien ftchenden Mazzothbäckerci H. Strum im 2. Bezirk. Vier Wochen trennen uns noch von Peffach und die Arbeit ift im vollftcn Gange. Die Erzeugung der Strum-Mazzoth erfolgt durch eigens hiefür konftruierte Mafchinen, die von jüdifchen Arbeitern bedient werden. Die Mafchinen werden alle 18 Minuten von Mafchgichim ausgcwechfelt und geputzt, fo daß während der Reinigung der einen, die anderen im Betrieb find. Ein Vorgang, der in bezug auf Kafchruth von großer Bedeutung ift. Die Mafchgichim überwachen den ganzen Prozeß, den jede Mazza durchzumachen hat — von der Verforgung des Wallers, des fogenannten majim fchelanu, das fchon tags vorher, und zwar bis Sonnenuntergang des vorangegangenen Tages bereitgcftellt fein muß, bis zum Auswerfen der Mazzoth durch den elcktrifch betriebenen Drehofen, von wo aus fie von gefchultcm Perfonal der forgfältigften Verpackung zugeführt werden. So fehen wir, daß uns die Großftadt mit ihren tcchnifdien Errungenfchaften nicht nur in bezug auf den ftrcngjüdifchen Ritus, fondern auch für die Qualität führend fein kann. i-r* . Predigten in den Israelitischen Gemeinde- und Bezlrkssynagogeu. Freitag, den 21. März 1930, werden bei dem nun 6 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgattesdienste in naohbenannten Gemeinde- und Bezirkssyna.goge n Predigten abgehalten, und zwar- IX., Müllnergatsse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Ta glicht); XVI., Huborgasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). Israelitischer Jugendgottesdieusi. Am Samstag, den 22. März, tun 3 Uhr nachm., findet der Jugendgottesdienst für die israelitsche Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Sprechsaal der Stimme (Für die Mitteilungen, die io dieser Rubrik erscheinen, übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Ueber Engländer und Chaluzim Wir erhalten nachstehende Zuschrift: «Es scheint miiir, daß es im gegenwärtigen Moment einer gewissen Gärung Im Zionismus an gezeigt wäre, daß die zionistischen Zeitungen eine ständige, größere Rubrik für «Briefe der Leser widmen, damit auch die Meinumgetn der «poseheten», mit publizistischen Fähigkeiten nicht ausge* statteten Zionisten, an die Oeffentlichkeit gelangen können. Es würde mich sehr freuen, wenn meine Zuschrift den Aul" takt hiezu gelben sollte. Ich möchte als Leser der «Stimme» zu zwei Dingen Stellung nehmen. Einerseits zur merkwürdigen Diskrepanz zwischen dem Ton der zionistisebgesinnten nichtjüdischen Engländer und dem unserer Exekutive; andererseits zum Problem «Ghaluzim und Palästina-Aufbau», anläßlich der Durch reise von 300 Chaluzim durch Wien. In Nr. 115 der «Stimme» lasen wir von der Einstellung des Engländers Herbert Sldebothum zum Problem der Verwaltung Palästinas im Sinne der Balfour-Deklaraition. Wer die Schriften und Reden von Wedgwood, Stuuts, Cecil, Kcnworthy und anderen kennt, findet in Sldebothams Schrift nichts Neues. An der Einstellung all dieser Freunde des Zionismus ist zweierlei bemerkenswert-' Die außerordentliche Klarheit In der Kritik der bisherigen Verwaltung Palästinas (die falsche Linie Herbert Samuels; der zu schwache Anteil der Juden an der Polizei und Gendarmerie; die Unterbindung einer agrlkulturellen und industriellen Entwicklung durch schlechte Steuer- und Zollpolitik usw.) und die Hervorhebung der Bedeutung Palästinas, und zwar ©Ines jüdischen Palästina, für das britische Reich. Beides haben wir bisher in dieser klaren und systematischen Form von unseren Führern nie gehört. Eher das Gegenteil: die politische Lage ist befriedigend (sagte Dr. Weilzmann bis zum August 1929 unzählige Male); Herbert Samuel sei1 ein genialer Staatsmann, der Frieden Ins Land gebracht 'hat; Schutz? — In Palästina ist es vollkommen ruhig, seit neun Jahren gibt es keine Zusammenstöße mehr usw. Und was -€eopotd Sthisdka Wien, II., Krummbaumgasse 1 Telephon R 47-2-63 offeriert sämtliche Spezereiwaren hob Vtf -IÜ3 bestens und billigst. Provinzversand.