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Die Stimme · 1930-02-27 · Heft 115 (27.2.1930) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 115 (27.2.1930)
Date
1930-02-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 115 DIE STIMME Sefte ll fttterataur und Kunst Der Dybuk (Zwischen zwei Welten.) Dramatische Legende in 3 Akten von A n - s k i. (Aufführung der Wilnaer Truppe.) Dieses gespensterhafte Hohelied der Kabbalah umflimmert die Tragik des geknechteten Eros. Von der hauchzarten Ekstatik des Chonon bis zu den Beschwörungen des Miropoler Zaddik flutet die gewaltsam niedergedrückte Lust allen Fleisches, die über den Olauben an die Seelenwanderung im «Dybuk» triebhaft aufsteigt. Dramatisch bewegt und doch kein Drama, legendenhaft und doch erdenschwer und wirklichkeitsnahe: so erhebt sich dieses Meisterwerk Anskis zu einem eigenartigen Mysterium, in das die Seele einiger Generationen eingefangen wurde. Um den Tod und den Totentanz windet sich der Hochzeitsreigen im Hause Reb Sender Brinitzers, doch schrumpfen hier agierende Personen zu symbolhaften Schemen zusammen, indem sie nur als Werkzeuge der Geschicke dem Drama Sinn und Bedeutsamkeit verleihen. Im Dämmerlicht der chassidischen Mystik, die aus dem Sohar hervorgeholt wurde, erstarrt der aussichtslose Sinnenkampf Chonons zur luftleeren Ekstatik, die in den Tod flüchtet. Das ewige Grübeln und Sinnen all dieser Menschen Irrlichfert über einer monumentalen Zerrissenheit weltfremder Existenzen, die hoffnungslos die Realität des Lebens zu erfassen versuchen. Wo beginnt der Wahn und wo endet die Wirklichkeit? Verschwommen erscheint diese Grenze und darin liegt vielleicht der tiefste Reiz dieser Dichtung. Die heilige Flamme der Gottessucher durchwühlt die Seelen und der Zauber des mystischen Hindämmerns einer ganzen Generation wirkt erschütternd auch ohne die dramatische Katharsis, die vergebens der Tod Leas herbeizuführen versucht . . . Die Aufführung des «Dybuk» gehört zum eisernen Bestand der Wilnaer Truppe. Dreißig Tage nach dem JÜDISCHER LIEDERABEND Mittwoch, den 26. März 1930, 8% Uhr abends, Großer Festsaal (Konzertsaal) im Industriehaus, Schwarzenbergplatz 4 I. SE@M-R®lENllÄCIS (Tenor) Lieder, Volkslieder (hebräische und jüdische), Opernarien *• (italienisch). Kartenverkauf: Zionistisches Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Buchhandlung Rath, II., Taborstraße 20 a, Parfümerie Schurberg, II., Hafnergasse 3. Tode Anskis flatterte einst der junge Ruhm der Wilnaer mit dem «Dybuk» ln die Welt hinaus, doch seither streitet auch die «Habimah» um das Vorrecht des besseren Verständnisses un-d einer glanzvolleren Aufführung. ' Es sei dahingestellt, ob die expressionistische Art der «Habimah», oder die realistische der Wilnaer größere Wirkungen erzielt, — sicher ist ,daß der Chassidismus reales Leben für einige Generationen bedeutete und der «Dybuk» nur in einer wirklichkeitsnahen Aufführung dem Willen des Dichters und dem Instinkte des Volkes näherkommt. Allerdings wird wohl die Meisterschaft der einstigen «Wilnaer» mit Nachbusch, Morewski, Lares und Orleska kaum mehr erreicht werden. Was hier geboten wird, ist nur ein Torso — am Glanz einstiger Mittel und der Größe geschlossener Leistung nach jahrelanger Vorbereitung gemessen. Bloß Alex Stein als Chonou und Manja Pikus als Lea gemahnen an die Glanzzeit der Wilnaer. Steins «Schir-Haschirim» erschüttert durch ein aus der Urseele des Judentums hervorquellendes Sehnen und die Pikus verbindet mit dem Liebreiz einer jüdischen Braut die Monumentalität einer tragischen Persönlichkeit. Adam Dombs Meschulach fehlt die Wucht der Stimme, das Dämonische und Erschütternde des mahnenden Gewissens. Der Meschulach Ist nicht nur der deus ex machina, sondern die Vollendung und Erfüllung göttlicher Gerechtigkeit. Wuchtig und erdenschwer erschien Israel Kamay als Sender Brinitzer, doch zerfloß er allzu sehr ins Weinerlich-Melancholische im letzten Akt, wo er gottergeben das schwere Joch der Geschicke zu ertragen hätte. Auch der Miropoler Zaddik predigte allzu eintönig und mühevoll, statt emporzureißen und zu überwinden. ■■nHIBflMHHnMHHHHBKHSHPNMBHHHMKHKKnnMI «Dworah», Mädohengraippe der «Witzo», veranstaltet am Sonntag, den 9. März, 5 Uhr nachmittag«, einen Gesellschaftsnachmittag mfit Akademie unter Mitwirkung erstklassiger Künstler. Anschließend Tanz, Ort: Prtinksäle des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16. Karten bei: Frau Gelber, IX., Liechtenstefoistraße 75: Frl. A. Utiger, IX., Roßaoierlände 25, Tel. A 19-4-75; Frl. Ada Burstfn, IH„ Beatrixgasao 14, Tel. U 10-1-50. Erschütternd wirkte der Totentanz von Frau E. Taube, die gespenstisch vorbeihuscht, — ebenso aufwühlend das Singen der Batlonim um Chonon und der Hochzeitsmarsch, der mit dem Wahnsinnsausbruch Leahs endet Der «Dybuk» zieht noch immer machtvoll in seinen Bann. Ueberirdisch, geheimnisvoll und wunderbar fließt hier die ewige Melodie eines jiddischen «Schir-Haschirlm». Es ist das traurigste Liebeslied, weil es in Hoffnungslosigkeit erstirbt ... Z. F. F, Neues Jüdisches Theater, I!., Praterstraße 60. Freitag, 28. Februar Erstaufführung: Das verlorene Paradies Lebensbild mit Gesang. Mitwirkend u. a. die weltberühmten Künstler Boris Tomaschewski und Ruth-Rene. Ehrenabend Ifidor Waldberg. Mittwoch, den j. März 1930, findet im Jüdifchen Theater, Hotel Stefanie, II., Taborftraße 12, ein Ehrenabend dea beliebten Schaufpiclers Iftdor Waldbergs ftatt. Das Konzert des Wiener Kaufmännifchen Gefangvereincs, welches am 23. Februar im großen Mufikvcreinsfaal ftat'tfand, war von außerordentlichem Infolge begleitet. Vorträge des Frauenchores, des Männerchores und des gemilchten Chores Händen auf hohem künftlerifchen Niveau. Nicht minder gefiel die Konzertfängerin Frau Lola Urbach. Unter der Leitung des Dirigenten Julius Katay klappte alles vollkommen. Das Erlebnis des Abends bildete der Violinvortrag Prof. Jofef Zimblcrs, der Goldmarks „Air“, Mozart-Kreislers „Rondo“ und Brahms- Joachims „Ungarifchen Tanz“ mit wahrer Virtüofität und feinftem Kunftgefühl zum Vortrag brachte. Ein gelungener Konzertabend. «Die Hochzeit des Todes» von Ariel Bension, die in unserer letzten Nummer von Max Hayek besprochen wurde, ist noch in wenigen Exemplaren in der «Wizo» (pr. Adr.: Frau Dr. Löwenlierz, Wien, IX., Liechtensteinstraße 42, Tel. A 16-0-44) zum Preise von S 1.— pro Exemplar erhältlich. «Jazzsänger» als Tonfilm. Wie wir erfahren, ist es der Firma Hugo Engel Film, G. m. b. H., VII. Neubaugass’e, unter größtem Kosten auf wände gelungen, den großen Tonfilm «Der Jazzsänger», mit Al Jolson in der Hauptrolle, zu erwerben. Dieser Film, der größtenteils im jüdischen Milieu New Yorks spielt, wird eine Sehenswürdigkeit und Sensation dieser Saison bilden, und in nachfolgenden Kinos ab 23. März zur Uraufführung gelangen: Lustspieltheater-Kino, II., Prater, AussteMungsstraße, Flotten-Kino, VL Mariahilferstraße 86/87, Elitc-ICino, I., Wollzeile 34. Jüdischer Sport Endlich ein Sieg! Hakoah schlägt Hertha S:2 (2:2). Nach einer langen Kette von teils unverdienten Mißerfolgen, gelang es der aufopfernd kämpfenden Hakoahmannschaft, zwei überaus wichtige Punkte zu erobern. Damit wurde der Anschluß an die übrigen Abstiegskandidaten gefunden und es ist zu hoffen, daß dadurch das Selbstvertrauen der Spieler gehoben wurde. Das Spiel, von dessen Ausgang soviel abhTng, hielt die zahlreichen Hakoahanhänger bis zum Schlußpfiff ln atemloser Spannung. Bel den Siegern ist in erster Linie Löwinger zu nennen, der das Spiel seines Lebens lieferte. Seine Placierung, Ballabnahme und Zuspiel waren vorbildlich und er hatte auch die Genugtuung, durch zwei Tore den Sieg zu fixieren. In der Verteidigung lieferte Oppenheim sein gewohnt gutes Spiel, Feldmnnn kämpfte mit verbissener Energie und war die Stütze der Hintermannschaft, Stroß laboriert seit dem Rapid-Spiel an einer Verletzung, demgemäß war seine Leistung auch schwächer als sonst. Heß wurde gleich zu Beginn am Knöchel verletzt und hinkte besonders ln der ersten Halbzeit sehr stark. Beide Tore der Hertha sind seiner verminderten Kampffähigkeit zuzuschreiben, wobei der zweite BBBBBBBBBBHBBBBBIBBflBBBBIBflBBBBBflaBBBBBB Jüdische Bühne, II., Taborstraße 12. 5. März 1930 FESTVOKKSTEMilfNG zu Ehren der beiden Künstler Waldberg und Horowitz. Der Kartenverkauf hat bereits begonnen. Treffer leichtsinnig verschuldet wurde. Nadler ließ eine deutliche Formverbesserung erkennen. Der spiritur rector des Sturmes war Molnar, der seine Nebenleute mit präzisen Vorlegern gut in Front brachte, Mausner bewältigte ein gewaltiges Arbeitspensum, spielte mit Fischer gut zusammen und bewies große Durchschlagskraft. Er hatte unter den Derbheiten der Hertha-Spieler stark zu leiden und mußte zweimal verletzt ausscheiden. Trotz einer stark blutenden, großen Wunde am Schienbein spielte er bis zum Ende mit großer Aufopferung. Fischer gab mit seinem prächtigen Ausgleichstor, zu einer Zeit, da die Hakoahner, stark deprimiert, einer Niederlage zusteuerten, dem Spiel eine entscheidende Wendung, Haar spielte schwächer als in den ersten Spielen und Stern machte sich erst nach Halbzeit bemerkbar. Ein vorbildlicher Schiedsrichter war Herr Göbel. Nach hübschen Angriffen der Hakoah erzielt Löwinger mit einem prachtvollen Freistoß aus 20 Meter Entfernung (wegen Foul an Haar) die Führung, die aber durch zwei überflüssige Tore Herthas wieder verlorenging. Eine Minute vor Halbzeit geht Fischer mit einer Vorlage Mausners durch und gleicht mit schönem Schrägschuß aus. In der 7. Minute der zweiten Halbzeit geht Mausner durch, wird im Strafraum gefoult, der Schiedsrichter entscheidet aber Korner. Der gut getretene Eckstoß wird nach einem furchtbaren Gedränge im Hertha-Tor untergebracht und Mausner als Schütze beglückwünscht. Aufstellung: Oppenheim; Stroß, Feldmann; Heß, Löwlnger, Nadler; Haar, Molnar, Stern, Mausner, Fischer. Xistowisdk bedeutsame (fade dieses Woctke »7. Februar (19. Schwat) 1902: Gründung der Anglo Paleatin« Company. 28. f» (30. „ ) 1880: Dirigent Prof. Julius Stern, Begründer des Berliner Stern-Konfervatoriums, geftorben. 1. März ( 1. Ader ) 1167: Abraham Ibn Esra geftorben. 1863 erfchien die erfte hebräifche Zeitung in Jerufalem „Halewanon“. 3. „ ( 3. „ ) 1811: Berhard Wolff, Begründer des Wolfffchen Telegraphenbureaus, zu Berlin geboren. 1843: Georg Cantor, bedeutender Mathematiker, in Petersburg geboren. 4. „ (4. „ ) 1864 beginnt in Warfchau die „Hazcfirah“ zu erfcheinen. j. „ ( 5. „ ) 1863: Max Kempner-Hodiftadt, bekannter dcutlchcr Schriftftcller, in Breslau geboren. Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Vom Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde wird mitgeteiit: Seit mehreren Wochen werden fast täglich teils in Zuschriften, teils auf telephonischem Wege aus der Mitte der Gemeindemitglieder bei der Israelitischen Kultusgemeinde Beschwerden darüber geführt, daß in der Auslage einer Parfümerie Am Graben Ankündigungen und Zeitungsausschnitte angebracht sind, deren gegen die Juden gerichteter, gehässiger Inhalt öffentliches Aergernis erregt und . geradezu zur Verfolgung gegen die Juden aufreizt. Der Vorstand der Israelitischen Kiultusgemeinde Wien hat nicht ermangelt, hierüber die Anzeige bei den zuständigen Behörden zu erstatten und es ist die Amtshandlung im Gange. Warnung! In einer Wiener Tageszeitung war jüngst ein Inserat erschienen, laut welchem «aus der Kuhn- Stiftung zehn Legate ä 500 Reichsmark solchen jüdischen Familien übergeben werden sollen, die ihre 12- bis 14jährigen Töchter in christliche Pensionate geben wollen, mit dem Ziel der Taufe. Bewerbungen sollten an einen Herrn Dr. Berger nach Aachen, Palast-Hotel «Quellenhof», gerichtet werden.» Die sofort in Aachen an autoritativer Seite eingeleiteten Erhebungen haben ergeben, daß dort von einer solchen «Kuhn-Stiftung» nichts bekannt ist, daß ein Dr. Berger in dem im Inserat genannten Hotel überhaupt nicht eingetroffen sei, hingegen die Nachsendung seiner dorthin bestellten Post an ein kleines Hotel in Westphalen erbeten habe, so daß an der autoritativen Stelle in Aachen die Auffassung besteht, es sei die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß es sich bei dem Inserat vielleicht weniger um eine Missionsangelegenheit, als um eine andere, das Licht der Oeffentlichkeit scheuende Sache handelt. Lieferungsvergebung Seitens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangt nachfolgende Arbeit zur Vergebung: Auswechslung des elektrischen Hauptzuleitungskabel« und die Herstellung einer neuen elektrischen Steigleitung samt den dazugehörigen Nebenarbeiten im Hause II., Tenvpelgasse 3. lene Firmen, welche zur Offertstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens 3. März 1930 dem Technischen Amte der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, 4. Stock, bei welchem auch während der gewöhnlichen Amtßstunden (Samstage ausgenommen) alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekanntzugeben. Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen zwecks Heranziehung zur Offertstellung für obgenannte Arbeit behält der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde seinem alleinigen Ermessen vor. Predigten in den israelitischen Gemeinde* und Bezirks* Synagogen, Freitag, den 28. Februar 1930, werden bei dem um 5.40 Uhr beginnenden Abendgotte6dienst in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XVÜL, Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang), Samstag, den 1. März 1930, findet beim Morgengottesdienst (Beginn 8.30 Uhr) im Gemeindetempel XXL, Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann), ein exegetischer Vortrag statt. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 1. März 1930, um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Austritte aus dem Judentum Jaeger Hans, 10. Oktober 1894, IX., Garidsongasse y; Bauer Johanna, 17. Dezember 1909, X-, Knöllgas&v 21; Roth Lucia, 16. März 1906, IX., Lackierergasse 4; Woditschka Paul, 15. November 1902, IX., Nußdorferstraße 3; Fischer Julie, 28. Juli 1900, XII., Wolfganggasse 26; Drab Jakob, 21 Oktober 1907, XVII., Parhamerplatz 6; Frankfurter Magda, 1. Juli 1907, XII., Gloriettegasse 31; Glaser, ge>b. Roitzos, BronisJova, 26. September 1903, VII., Pfealgasse 35; Horovitz Geza, 3. Oktober 1902, II., Ferdlnandstraße 11; Rattn Leo, 14. 10. 1887, VII., Badiha-usgasse 16; Kästner

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