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Die Stimme · 1930-01-23 · Heft 110 (23.1.1930) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 110 (23.1.1930)
Date
1930-01-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 110 DIB STIMME Seite ll Der jüdische Hochschüler Gin Rundschreiben des Rektors der Frankfurter Universität« Der Rektor der Universität Frankfurt, Prof. Küntzel, hat an sämtliche eingetragenen Korporationen und Vereine folgendes Rundschreiben gerichtet*. «Ich weise, durch einige Ereignisse der letzten Zeit veranlaßt, mit allem Emst darauf hin, daß jeder Mensch, welches immer seine Nation und Rasse, seine religiöse und politische Ucberzeugung oder sein Stand und seine Weltanschauung sein mag, voller Achtung wert ist, solange er sich diese nicht selbst durch seine Handlungen verscherzt. Allen Angehörigen unserer Universität mache ich diese Achtung jedes ehrenwerten Mitmenschen und seiner Ueberzeugung auf Pflicht.» Vor einigen Wochen ist bekanntlich an der Frankfurter Universität die dortige nationalsozialistische Studentengruppe verboten worden. Aufruf an die jüdischen Akademiker« Dr. Rudolf Kallmann-Köln, Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Olaubens, veröffentlicht in der «C, V.- Zeitung» einen Aufruf «An die Jüdischen Akademiker!», in welchem es u. a. heißt: Untätigkeit geistiger Menschen ist Schmach und Enttäuschung für eine Gemeinschaft, der ethische und geistige Leistung wesentliche Grundlage ihres Wertbewußtseins ist. Sie ist ein Unglück für jede Gemeinschaft, da sie Führerlosigkeit und damit Ziellosigkeit und Auflösung bedeutet ... Daß auf unserer Gegenwart eine Not lastet, wie sie schön oft in unserer Jahrtausende alten Geschichte unser Schicksal aus ruhiger Entwicklung in die Tiefen von Haß und Verfolgung gestürzt hat, zeigt klar uns Juden der Alltag. Die Not der Gemeinschaft begehrt von einzelnen Hingabe im Handeln. Jeder steht unter der Pflicht, dem kämpfenden Judentum beizustehen. Ihr jüdischen Akademiker, die Ihr in der ständigen Uebung des Verstandes das Erbe nutzt, das Ihr dem Talmudrifer der Väter dankt, Ihr, die Ihr berufen seid, geistige Werte zu schaffen, wollt Ihr abseits stehen, wenn Ideen kämpfen, wollt Ihr fehlen, wo geistige Kräfte miteinander ringen? Ihr in erster Linie könnt uns helfen mit dem, was nicht käuflich ist, Ihr vor allem habt zu geben, was uns not tut: Euch selbst, Eure Leistung, Eure Persönlichkeit.» Der J. A. Ph. V. veranstaltet denwiäclvst folgende Kurse: Englische Sprache für Anfänger und Fortgeschrittene, französische Sprache für Anfänger und Fortgeschrittene, englische Handelskorrespondenz, französische Handelskorrespondenz, höhere Mathematik. Kursleiter Koll. Philipp P i c k h o 1 z. Oben an-geflüihrte Kurse finden vollkommen u n e n t g e 1t- 11 ch statt. Chemischer Vorbereitungskurs für das erste pharm. Rigorosmm. Kursierter KoM. Mf. G r e i f i n g er und Koll. Mr. Fleschner. Kursbejitrag 20 Schilling. Ball jüdischer Mediziner. Der akademische Verein jüdischer Mediziner veranstaltet anläßlich seines 40. Semesters Dienstag, den 4. Februar 1930, in den Feststen des SchwarzAnbergkasinos, Wien, 1., Schwarzenbengplatz, einen Bali, dessen Reinertrag den Institutionen des Vereines und dtr Mensa academica judaica zuiMeßt. Das Ehrenprotektorat hftt der Präsident der israelitischen ICultusgemeinde, Generaloberstabsarzt a. D. Univ.-Prof. Alois Pick übernommen, dem Ehrcnkcmitee gehören zahlreiche hervorragende jüdische Persönlichkeiten aus der medizinischen Welt an. Auskünfte, Einladungen und Karten sind im Akadern. Verein jüdischer Mediziner täglich von 2 bis 3 Uhr und in der Mensa acade- .mica judaica, IX., Zinunermaiinplatz 8, Tel. A-25-2-28, zu haben. Verein zioniflifcher Hochfchfilcr „Theodor Herzl". Heim: II., Untere Augartenftraßc 35, II. Stock, Tür 17. Donnerstag, den 23. d., Yai Uhr abend, hebräifche Lefegemcinfchaft. Jüdifche Hothfthiller und Hödhfchülerinnen willkommen. — Samstag, den ij. d*, entfällt einer außerordentlichen Generalverfammlung Wegen unfer dieswöchcntlidier Vortrag. Wir laden auch auf dietefn Wege alle untere A. H. A. H. ein, Unterer Generälv6rfammlung beizuwohnen. — Donnerstag, 30. d., Ya 8 Uhr abends, hebräifche Lefegcmeinfchaft. „Theologia", Verein der Hörer an der ifr.-theöl. Lehranftalt. Samstag, 2j. d., Parfchath Schemöth, findet im kleinen Tempel, It., Tempelgafte 3 um Yi<) Uhr vormittags eine Predigt des Kollegen cand. theol. et p'nil. Samfon Stein ftatt. Der Morgengoctesdienft beginnt wie gewöhnlich um fc Uhr früh. Verein zioniftifcher Hochfchülcr Z. P. Chajcs. Samstag, 2y. d., Vortrag Dr. Leo Birkcnfeld: „Die Grundlagen des Fafchismus.14 In dir „Hcbräifchfcn Afbeitsgemeiritehaft“ fpHcht Mendel Sirtgör Montag, 27. d., Y*<) Uhr, über die „Poale Zion“. Die Vortrag® finden im Vereinsheim, II., Untere Augartenflraßc ll, Stock, ftatt. Gälte willkommen! Sclirammek bezeichnet die Behauptun&eii des Alfred Roch Als Lügen Straßburg, 15. Jänner. (J. T. A.) Der palästinensische Deutsche Alfred Roch hat, wie erinnerlich, als von den Arabern geführter Zeuge vor der englischen Untersuchungskommission in Palästina ü. a. ausgesagt, er habe in Straßburg einer zionistischen Vörsainmlung beigewohnt, in der der bekannte elsässische Zionist Jean Schrammelt erklärt hat, die jüdische Demonstration vor der Klagemauer sei zu dem Zwecke organisiert Worden, um die Sammelaktion für der Jüdischen Nationalfonds zu stßrlteh. Jean Schrammek sandte, als er von dieser Aussage Alfred Roohs Kenntnis erhielt, ein Schreiben an den Anwalt der Jewish Agenoy vor der Untersuchungökommission, Sir Boyd Merrimän, ito welchem er kategorisch erklärt, daß die Aussage Rochs, betreffend die Straßburger Ziönistenver- •anrnilung, eine lügnerische Erfindung sei. Jüdischer Sport Reorganisation! Nach langer Pause hielt der Kreis Oesferreich der jüdischen Turn- und Sportvereine im Makkabi- Weltverband am 21. d. M. einen reich beschickten Delegiertentag ab. Herr Rablnowits begrüßte die Tagung namens des zionistischen Landeskomitees, ferner war ein Begrüßungsschreiben seitens des Makkabiweltverbandspräsidiums aus Berlin eingelangt. Die Debatte, an der sämtliche Vereinsvertreter teilnahmen, war äußerst sachlich und behandelte vor allem die Frage einer verwaltungstechnischen Zusammenlegung der Turnbeziehungsweise Sportvereine. Dieser Punkt wurde auch der neugewählten Leitung als Hauptarbeitsprogramm zugewiesen. Der zweite Punkt, der in der Debatte hervorgehoben wurde, war das Problem einer intensiveren Erfassung der den Vereinen bereits angehören Jen Turner und Sportler wie auch Propaganda nach außen und Erfassung neuer Kreise, ln dieses Gebiet fällt die Jugenderziehungsfrage sowie die Heranbildung von Führern und Lehrern für Körpersport und für jüdischkulturelle Gebiete. Dieses Problem erscheint in den Turnvereinen durch die Organisation des Jugendbundes «Makkabi Harair» bestens gelöst. Diese Organisationsart soll auch in den anderen Vereinen erstrebt werden. Außerdem wird für die Lebensfähigkeit eines Kreises die Intensivierung der Provinzarbeit als notwendig erachtet. ln die neue Kreisleitung wurden gewählt: Doktor Benedikt, Ing. Wasservogel, Taglicht, Aron, Qöldstein, Lebensbaum. Diese neue Leitung gibt zu erneuten Hoffnungen Anlaß. Sie wird auch eine glückliche Organisierung dieses wichtigen Verbandes zuwege bringen, wenn sie neben der Erfassung neuer Menschen auch den Anschluß an ihre großen Dachorganisationen, den Makkäbi-Weltverband und die Zionistische Landesorganisation, zu finden verstehen wird. Hakoah—Ostmark 6:0 (2 : Ö) Die Cup-Auslosung hatte letzten Sonntag diese beiden Mannschaften gegeneinander gestellt. Bei diesem Kampfe fiel es der Hakoah nicht schwer, die Gegner ziemlich leicht äüs dem Gun zu werfen. Ja, sie hätte noch mehr Treffer erzielen höhnen, wefin der Storni vor dem Tore genauer geschossen hätte. Der Spielverlauf War folgender: Nach anfänglicher Zerfahrenheit 4er Hakoah-Dlf und mehreren vergeblichen Angriffen der Ottakringer finden sich die B4au-we4ßeh und Straß I erzieht aus einem Fre4stöß das erste Tor (20. Min.). Stern erhöht in der 38. Minute auf 2:0. Bis zur Halbzeit keine Aeiiderung. Nach der Pause setzt sich die Routine der Erstklassigen entscheidend durch und es gelingt ihnen durch Mausuer (2), Stern (1) und Quartner (1) das Endresultat herzusteilen. Trotzdem bot die Mannschaft im Ganzen keine befriedigende Leistung. Gut waren lediglich Straß I, Mansher, Stern, Fischer Und Kätz. Der Debütant Quartner zeigte viel Talent. Die Aufstellung lautete: Oppenheim; Amster, Straß II, Fried, Straß I, Heß; Katz, Mansher, Stern, Quartner und Fischer. Touristik“ und Ski-Klub „Hakoah“ Wien, I., Wiesingerstraße 11 Totirenpfögrafflm für Sonntag, den 26. Jänner 1930: Fußtouren: Nach Vereinbarung. Skitouren: Mönichkirchner Scbwaig (Wechsel); Schneeberg (T renk wiesen). Näheres Freitag voin 20—22 Uhr. jugeudgruppe: Ski- und Fußtouren nach Vereinbarung. Nälveres Donnerstag von 19-^21 Ühr. Klubhelm, Wien, I., Wiesingerstraße 11, Tel. R 25-0-10. Gäste willkommen! Jüdischer Sport- und Schiitzenverein «Menorah». Bis zur endgültigen Herstellung des neuen Helmes finden die Kurse jeden Montag, 8 Uhr abends, in der Volksbibiiot'hck «Zion», Kleine Mohrengasse 3, statt. Kurs T: Harr Plautos», Kurs Aj Herr Michael Topf, Kurs S; Herr Dr. Viktor Much. Ne-ua.mrei’dungen ebenda. Aufruf! All alle, die Gerechtigkeit fordern und geben wollen, sind diese Worte gerichtet. Die fürchterliche .Tragödie Halsin&nii läßt uns nicht gur Ruhe komftiea. Dürfen wir dieges Unrecht, diesen Justizirrtum noch weiter an un&erer Republik haften lassen? Wollen wir ihn in ein neues Jahr miteöiileppen? Darf man einen Menschen ohne daß seine Schuld erwiesen wäre, verurteilen? Alle diese Fragen müssen wir uns stellen und mit einem energischen Nein beantworten. Unsere Rechtsliebe, unser Gewissen muß sich gegen dieses Urteil verwahren. Darum wollen wir alle, die dae Wort Mensch in Ehren halten wollen, dagegen protestieren und für Halsmann Gerechtigkeit und Freiheit fordern. Untenstehendes Komitee ersucht alle, ihm mit Rat und Tat unterstützen zu wollen. f\ d. HAismann Jügendkomitee Hugo R e i s k i n m. p. XVTIt, Anastaäiue Grüngaöfce $ KMotiiifi bedeutsame (Tafte dieser Ifocfie 24. Jänner (24. Teweth) 1928 Botaniker Prof. Dr. Ferdinand J. Cohn in Breslau geboren. 1907. Moritz Steinschneider (geb. 1816), Orientalist und Bibliograph, gestorben. 1819 R-W>i Schneir Kliman aus LatK, gestorben- 26. „ (26. „ 1917 Dr. J. L. Katzenelsohn (Buki-ben-Jogli) gestorben. 27. „ (27. „ 1850 Gründer und Führer des amerikanischen Arbeiterbundes, Samuel Gompers, in London geboren (gestorben 1925). 28. „ (28. „ 1927 Achad Haam gestorben. 1809 Orientalist und Sanskritforscher Professor Theodor Banfey in Nörten bei Göttingen gestorben. 1904 Karl Emil Franzos in Berlin gestorben. 29« „ (29. ,, 1860 Nahum Sokolow in Wischograd geboren. 30. „ (30. „ 1916 Historiker und Folklorist Josef Jacobs in New York gestorben. Dr. Schalom Spiegel an die New Yorker jüdische Hochschule berufen Dr. Schalom Spiegel, der sich schon seit zwei Jahren zu Studienzwecken in New York aufhält, ist als Dozent an die Stephen Wise geleitete jüdische Hochschule berufen worden. Dr. Spiegel, der an der Wiener Universität und am Theologischen Seminar seine Studien absolvierte, gehört zu den Mitbegründern des Hasohomer Hazair. Durch eine Reihe von Jahren wirkte er als Lehrer am Hebräischen Gymnasium in Haifa und entfaltete auch eine rege publizistische Tätigkeit in englischer und hebräischer Sprache. Das von ihm jüngst verfaßte englische Buch Über «Die neuzeitliche hebräische Dichtung» hat ihm die weitestgehende Anerkennung gebracht. AmtlicheV erlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Kundmachung. Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Fleischbank des Herrn Süssde Hasten, II., Obermtilihierstr. 5, ab 15. Jänner 1930 unter Aufsicht des ehrwürdigen RaBbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien steht. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien* Wien, 20. Jänner 1930. Predigten bi den Israelitischen Gemeinde* und Bezirks- Synagogen. Freitag, den 24. Jänner 1930, werden bei dem um 4 Uhr 50 Minuten begihaiendeh Abendgöttesdfenste in naohbenannten Gemeinde- und Beziricssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Granwäld); V., Siebenbrumvengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drotoinsky); VIII., Neudeggeiigasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauet); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Hiibcrgässe 8 (Rabbiner Dt. J. M. Bach). — Samstag, den 25. Jähher 1930, finde« bertn Morgenigottesdienste (Beginn 8 Uhr 3Ö Minuten) ln den Gernertidetemipetn XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feruichtwäflg), und XXL, HolzmoiStergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Roseimvann), exegetische Vorträge Statt. Israelitischer Jugendgottesdtenst. Am Samstag, den 25. Jänner 1930, findet um 3 Ühr nachmittags der Jugendgotteedienst für die israelitische Schuljugend In den Gemeinde- und BezlrksSynagögen statt. Aus der Provinz Salzburg. Afn 8. d. fand hier unter dem Vorfitz de» Obmannes der Zioniftifchen Ortsgruppe, Herrn Walter Schwatz, ein Diskütfiohsabehd ftatt, bei dem Frau Edith O r n ft e i n über „Die Frau im Zionismus“ fpräch. In ihrem ausgezeichneten Referate fetzte fie den umfangteichen Aufgabenkreis der zioniftifdien Frau in Erez Ifrael und im Galüth treffend auseinander. Die lebhafte und eingehende Debatte zeigte das große Interefte der Zuhörer für die von der Referenda behandelten Fragen. Anfchließend an das Referat erftattetc Herr Mai Sonn namen» der Keren-HajelTod-Kömmiftiön Salzburg einen erfchöpfenden Arbeitsbericht über das Jahr ipap. Innsbruck. In der letzten Sitzung des Kulturrates Vom 7. d. wurde atof Grund eines Referates des Verfitzenden der Kultusgemeinde, Herrn J. Pafch, der Budgetvoranfchlag der Gemeinde für das Jahr 1930 präliminiert. Das Äusgabenetat ift ittt Vergleich zu dem im vorigen Jahre um S aa.ooo.— höher. Der Steuerfdützungikommiflion wird es nun obliegen, diefe Forderung durch erhöhte Kultusfteuern hereinzubringen. VÖsiatL Vor kurzem wurde hier eine zionistische Ortsgruppe begründet. Fast allwöchentlich finden Vortlage statt. Letztens spräeh Fräulein Bäht über tjehuda Häftäsfei». Der

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