Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 109 (16.1.1930)
- Date
- 1930-01-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE STIMME Nf. 109 einiger Zeit nach Bensohemen zurlickzukehren, um dort ein Jahr lang unentgeltlich zu arbeiten und so den jüngeren Kameraden zu helfen, die Wirtschaft aufzubauen. Einen besonders nachhaltigen Eindruck machte auf die Anwesenden der neue, eben fertiggestellte Film, in dem das Leben und Treiben im Jugenddorf gezeigt wird. Man sieht die frischen Jungen und Mädels im Felde und in der Küche, bei der Arbeit und auf der Wanderung, beim Purimspiel und bei der ernsten Gemeindeversammlung und bekommt so einen lebendigen Eindruck von der ungeheuren erzieherischen Arbeit, die die kleine Schar von mutigen Pädagogen dort leistet und bekommt Respekt vor der Leistung, die da vollbracht wurde: in dem kurzen Zeitraum von drei Jahren aus dem Nichts und ohne genügende Mittel nicht nur qualitativ eine Musteranstalt für Erziehung, sondern auch rein quantitativ das größte jüdische landwirtschaftliche Erziehungsheim mit 170 Kindern geschaffen zu haben. Briefkasten der Redaktion Dorjy Kl. Der Bücherzcttel war nicht fo gedacht, daß er eine Aufzählung von Büchern bringen foll, und auch nicht fo, da.ß er nach Art von „Soeben erfchienen“ in zwei Zeilen Tagt, was aus ihnen nicht hervorgeht. Ruth D. Daß Du heute eine eifrige Zioniftin bift, ift gewiß lehr erfreulich. Du fdircibft: „Wir, die jüdifche Jugend, find die Pioniere der Zukunft. Beweisen wir dies und vertrauen wir auf uns!“ Franz A. Die Diskuffion über Zionismus und Klaffenkampf wollen wir vorläufig nicht weiterführen. Wenn Du aber fragft: Wo bleibt denn die Zeit, lieh mit den bekannten Streitfragen auseinanderzufetzen?, fo wollen wir Dir nur antworten: Eben das kennzeichnet unfere Situation, daß wir Zeit haben m ü f f c n, wo die anderen nicht daran denken, lieh Zeit zu nehmen. Der Zionismus ift fo eine „Zeitfrage". Je mehr Zeit wir auf ihn aufwenden, defto fchneller wird er verwirklicht werden. Samu H. Wir haben nicht daran gczwcifelt, daß die „Thora-weawodah“-Idcc mit marxiftifchcr Denkweife nicht zu vereinbaren ift, es haben ja auch andererfeits niemals die Vertreter diefer Idee für lieh in Anfpruch genommen, den Marxismus zu bejahen. M. B., 16 Jahre. Wir können Deine Abhandlung über Sittlichkeit und Religion der Länge halber nicht abdrucken. F. B. M. Die Trenderlfache ift lehr herzig, paßt aber kaum in den Rahmen unferer Beilage „Sabbatwunder" — viel zu lang. Auf Wunfch erfolgt Rückfendung. Anton E. Unverwendbar. Dr. Mordechai (Markus) Braude — ein Sechziger Ain 10. Tevveth vollendete der bekannte Führer der polnischen Zionisten Dr. Markus Braude seinen' 60. Geburtstag. Der Jubilar zählt seit ungefähr vier Jahrzehnten zu den markantesten Figuren des osteuropäischen. Zionismus. Geboren im Jahre 1869 In Brest-Litowsk, genoß Braude im Hause seines Vaters, des Lemberger Dajan und späteren Rabbiners Leib Braude eine streng jüdische Erziehung, die mit dem Geiste der Familientradition — Braude ist ein Nachkomme einer alten jüdischen Rabbinerfamilie, die-aus Metz nach Polen einwanderte, seine Mutter ist die Tochter des berühmten Lemberger Rabbiner Hirsch Ornstein — eng verbunden war. Im Geheimen absolvierte er die Mittelschulstudien und maturierte im Jahre .1887. Sodann studierte er in Deutschland Philosophie uhd Theologie und erlangte 1897 mit einer . Schrift über Spinoza, die in wissenschaftlichen Kreisen große Anerkennung fand, den Doktorgrad, fm Jahre 1898 kehrte er nach Galizien zurück und übernahm die.Predigerstelle in Stanislau. Schon als junger Student schloß sich Braude der jüdischen Renaissancebewegung an, gemeinsam mit den ersten Vorkämpfern des zionistischen Gedankens legte er die Grundlagen zur Schaffung einei zionistischen Organisation in Galizien, die zu führen er dann jahrelang berufen war. Als diese in die Lan-. despolitik im Jahre 1906 aktiv eingriff, mußte er wegen der Verfolgungen seitens der Assimilantenclique seine Stelle verlassen. Dessenungeachtet widmet sich Braude in noch erhöhterem Maße der Parteiarbeit. Bis 1909, in welchem Jahre er nach Lodz als Prediger berufen wurde, ist Braude der faktische politische Leiter der zionistischen Organisation und übte dank seinem reichen jüdischen Wissen und seiner glänzenden Rednergabe auf jüdische Kreise, insbesonders aber auf die jüdische Studentenschaft und Intellektuelle einen starken Einfluß aus. In Lodz beginnt in seiner zionistischen Tätigkeit ein neuer Abschnitt, der hauptsächlich der jüdischen Erzlehungsfrage gewidmet ist. Dr. Braude ist der eigentliche Schöpfer des modernen hebräischen sowie hebräisch-polnischen Schulwesens, das heute in Polen ejn stark verzweigtes Netz von Schulen mit tausenden Schülern und Lehrern erhält. Ihm allein ist es zu danken, daß in Polen die jüngere Generation im jüdischen und zionistischen Geiste erzogen wird. In den letzten Jahren war Braude bemüht, ein Institut zu schaffen das für die Heranbildung von Lehrern für die jüdischen Schulen Sorge tragen sollte. Geimeipsam mit dem verstorbenen Gelehrten Doktor Poznanski und dem jetzigen Warschauer Oberrabbiner Dr. Schorr begründete er das Warschauer Institut fpr judaistische Wissenschaften. Braude, ist auch politisch tätig und gehörte mehrere Jahre dem polnischen Senat an. PreMesdtau Die «Times* vom 3t. Dezember veröffentlichen nachstehenden Brief eines Tunesiers, Ali Ibn Hussein i, der längere Zeit in Palästina lebte: «Ich will mir als Moslem gestatten, meiner Ansicht Über die Angelegenheiten in Palästina Ausdruck zu geben. Als Tunesier bin ich weder für Araber noch für Juden eingenommen, habe aber die Palästina-Frage während meines langen Aufenthaltes im Lande von jedem Gesichtspunkte aus studiert und bin zu dem Schluß gekommen, daß die Zionisten nicht nur für das Land, sondern auch gleicherweise für Juden und Araber ganz hervorragendes leisten. Dies wurde mir auch von allen Arabern in Gesprächen zugegeben, die ich mit ihnen führte. Auf Grund verläßlicher Statistiken ist es erwiesen, daß die Ausgaben für die Entwicklung Palästinas ausschließlich von Zionisten getragen weiden und nicht ein Penny davon vom Britischen Schatzamt kommt, ebenso wie die Aufrechterhaltung der Verwaltung den englischen Steuerzahler nicht einen Penny kostet. Palästina hat sich von selbst bezahlt gemacht. Ich will mich kurz fassen und will nur meinem Bestreben Ausdruck geben, als vollkommen Unparteiischer alles zu tun, was die Situation zwischen den beiden Völkern aufklären kann. 'Eine Feindschaft zwischen ihnen besteht ja gar nicht, sondern diese gibt es nur auf seiten der lärmenden Cliqueminderheit. Dennoch muß ich hinzuifügen, daß es meiner Ueberzeugung nach im eigensten Interesse der Zionisten wäre, wenn sie eine mehr rigorosere Haltung gegenüber den Uebertreibungen einer gewissen Gruppe in ihren Reihen einnehmen würden. Es ist eine kleine Gruppe, aber ihre .Tätigkeit irritiert die Moslems.» Montag, den 20. d., halb 9 Uhr abends im Cafe Arkaden Vorfrag; Agronom lng.fi. Weiner (Palästina) „Oie Fehler unserer kolonistlschen und politischen Arbeit in Palästina" Anschließend Diskussion. •. Gäste willkommen. .. Der Brief von; Balfour, Lloyd. George und Smuts. Der Brief der drei führenden Politiker und die zustimmende Kommentierung in der «Times» und im «Man-, ehester Guardian» findet in der gesamten jüdischen Presse einen freudigen Widerhall. In der Abendausgabe des «Haaretz» vom 22. Dezember wird auf die zwei Grundgedanken des Briefes hingewiesen: das Recht des, jüdischen Volkes auf sein Nationalheim in Palästina und die Tatsache, daß die Aufgabe der Errichtung des Nationalheimes, welche England übernommen habe, bisher nicht ordnungsgeinäß ausgeftthirt worden sei. Es werde alles davon äbhängen, wer die Mitglieder einer solchen Kommission sein würden. Sicher-.aber sei, daß der gegenwärtige Zustand nicht weltergehe, daß die Ausführung der Politik des jüdischen. Nationalheimes in den Händen von Beamten liege, die Gegner dieses Gedankens seien, «The Jewish Ctocomcle» (London) vom 27. Dezember kommentiert in einem Leitartikel den in den «Times» veröffentlichten Brief und tritt für die in ihr geforderte Einsetzung einer zweiten Kommission ein, da; bei der palästinensischen Beamtenschaft angesichts des Nebeneinanderbes'tehens zweier Dokumente, wie des Palästina-Mandates einerseits und des Churchtll- Weißbuohes andererseits, die nach der Auffassung des Blattes zueinander inWiderspruch ständen, eine Unklarheit darüber herrsche, welche Politik in bezug auf die Errichtung des NationäK Home zu führen sei. «El Mokattam» VoiTi' 22. Dezember äußert sich zu-in Brief Lloyd Georges* Balfours und Smuts’: Mit vollem Recht wiesen Balfour und seiner Freunde auf die Notwendigkeit von Aenderungen in der Verfassung Palästinas hin: diese Aenderung müsse nach Ansicht des «Mokattam» in der Einsetzung einer nationalen arabischen Regierung bestehen. Wenn die «Times» betonen, daß an einer Aufhebung der Balfour-Erklärung nicht zu denken sei, so sei das ganz selbstverständlich: niemand erwarte, daß ein mächtiger Staat wie England ein Versprechen brechen werd£, das die Zustimmung aller Mächte gefunden habe. Das Ergebnis werde vielmehr sein, daß die Balfour-Erklärung im Laufe der Zeit von aJlein verschwinden werde. Ein anderer Nationalfemds? Unter dieser Überschrift kommentiert die englische Ausgabe des «Davar» vom 20. Dezember die Meldung, daß der lateinische Patriarch Barlassina das Dorf Tajasir bei Nablus (18.000 Dunam) gekauft habe. Ein vom Patriarchat verbreitetes Gerücht behauptet, daß auf dieser Bodenfläche katholische Armenier angesiedelt werden sollen. Die arabische Presse berichtet übrigens, daß das Patriarchat noch über einen zweiten Bodenkauf verhandle. Es sei unwahrscheinlich, daß der neue vatikanische Staat auf eigene Verantwortung eine Kolonisation in Palästina beginnen wolle,' es sei vielmehr wahrscheinlich, daß Italien dahinter stehe. Interessant ist,-!daß dieser Kauf ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden konnte, daß die arabische Exekutive nicht protestiert und die Unterstichungskommission nicht nachgeforscht habe, was das Schicksal der Fellachen geworden sei, von denen das Land gekauft worden sei. Offenbar sei in Palästina so viei Land vorhanden, daß es nicht notwendig sei. das Land für die Bewohner und für die zur Ansiedlung völkerrechtlich zugelassenen Juden zu reservieren. «Brith Schalom» und Achad Haam. Im «Haaretz» vom 23. Dezember veröffentlicht Prof. Klausner eine heftige Auseinandersetzung mit Dr. Magnes und Dr. Bergmann, die nach seiner Behauptung nicht berechtigt seien, sich auf Achad Haam zu berufen. In seinem Aufsatz «Drei Stufen» habe Achad Haam nachdrücklich die Wichtigkeit einer jüdischen Mehrheit in Palästina unterstrichen, er habe erklärt, daß das Wichtigste am Mandat die Anerkennung der Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina sei, während Dr. Magnus heute beklage, daß diese Verknüpfung im Mandat zu stark hervorgehoben sei. Achad Haam habe während Herbert Samuels Amtszeit immer wieder die Schwäche des Oberkommissars beklagt und erklärt, daß die Konzessionen, die Samuel immer wieder den Arabern mache, die Grundlagen des jüdischen Nationalheimes gefährdeten. Achad Haam hätte sicher keine Freude m der neuen Knechtschaft inmitten der Freiheit gefunden, für die Magnet und Bergmann heute ein Symbol seien. Eine Verwirklichung ihrer Vorschläge käme dem völligen Verzicht auf dajs zionistische Ideal gleich. Klausner schließt mit heftigen Angriffen auf diese «Mörder des Ideals, dieschlimmer seien als gewöhnliche Mörder». Die Lügen der Sowjetpresse Die offizielle ruftifchc Nachrichten-Agentur TASS berichtet aus Konftantinopel, daß der Vorfitzende der Zioniftifdien Pal&ftina-Exckutive, Harry Sacher, und der bekannte Führer der jüdifchen Pflanzer Mofche Smilianfky vor der Paläftina-Unterfuchungskorruhiffion das Folgende ausgefagc haben follen. Die Hoffnung auf den Aufbau Paläftinas als jüdisches Nationaiheim betrachten wir als ein dummes Ammenmärchen., Unfer Ideal ift, daß Paläftina in eine britifche Kolonie mit nationalkultureller Autonomie für die Juden verwandelt werden foll. Auf : Grund diefes Telegramme« fchreibt „Prawda" in ihrem Leitartikel vom 4. Jänner, die zioniftifchen Führer gaben nun endr .; Jich felbft zu, daß die Errichtung de« Nttiönalheimes ein' Ammenmärchen ift, hinter dem fich das wahre Beftreben verr birgtj England bei der Behauptung Paläftinas als Kolonie zu. helfen. England braucht Paläftina als Kolonie, Um die;brilifcbenri: impcrialiftifchen Intereffcn am Suez-Kanal zu fchützen.- Die:,ä Zioniften haben fich freiwillig dazu hergegeben, der Stock in der Hand Großbritanniens zu fein, mit dem die arabifche nationale Bewegung nicdergehalten wird. Daher tun, fchreibt „Prawda“, die paläftmenfifchen Araber richtig daran, die Zioniften in gleicher Weife zu haften wie die Engländer. TASS verbreitet ferner die Nachricht, daß ira „Dawar",, der Zeitung der paläftinenfifchen jüdifchen Arbeiterfchaft, an die britifche Regierung die Forderung gcftellt worden fei, den Fellachen den Boden wegzunehmen, und ihn den Zioniften zu übergeben. Jabotinsky wird vor der Untersuehungakommission erscheinen Berlin, 18. Jänner. (J. T. A.) Jabotinsky, der hier auf der Durchreise nach Paris und London weilte, erklärte, daß auf sein Anbot,, vor der britischen Untersuchungskommission in Jerusalem zu erscheinen, ihm der ^Vorsitzende der Kommission mitteilte, daß sie ihm Gelegenheit geben wolle, in der Zeit zwischen dem 14. und 24. Jänner in London seine Aussage zu. machen. Jabotinsky teilte mit, er führe reichhaltiges Material über die allgemeinen zionistischen Leistungen in Palästina und die Rechts- Probleme des Mandates mit sich, das er der, Kommission unterbreiten wolle. Kongreß der südafrikanischen Juden in Cape Town Cape Town, 7. Jänner. (J. T. A.) Am 5. Jänner wurde in Cape Town der 8. Kongreß des südafrikanischen Jewish Board of Deputies eröffnet. Der Präsident des südafrikanischen Board of Deputies S. Raphaely sprach in seiner Eröffnungsrede über das Abnehmen des Antisemitismus in Südafrika und über den reibungslosen Fortgang der jüdischen Immigration. Die jüdische Siedlungsbewegung in Südafrika hat gute Fortschritte gemacht und ebenso das zentrale Arbeitsnaohweisamt, welches in den 20 Monaten seiner Existenz 700 Juden io verschiedenen Beschäftigungen untergebracht hat. Deutschland kauft immer mehr Jaffaorangen Die Zeitung „Tempo“ und‘andere Berliner Blätter berichten über die steigende Beliebtheit der Jaffaorange in Deutschland. 4